K-BEAUTY GASTBEITRAG (DINAH): Retinol in koreanischen Produkten – ein kleiner Überblick

Retinol ist der Goldstandard unter den Anti-Aging-Wirkstoffen – in Europa und in den USA. Für Asien gilt das nach meinem Eindruck sehr viel weniger. Dort schwören die Frauen auf lebenslange innerliche wie äußerliche Prävention und betrachten Retinol eher als „letzte Rettung“, wenn die Haut trotz allem irgendwann schlaff oder faltig wird. Durch einen Beitrag auf dem Blog FutureDerm neugierig geworden, habe ich ein bisschen recherchiert, welche koreanischen Cremes oder Seren mit Retinol angeboten werden und ob sie eine echte Alternative zu westlichen Produkten sind.

 

Retinol war hier auf dem Blog schon mehrfach Thema, deshalb verweise ich alle, die allgemeine Hintergrundinfos suchen, auf die entsprechenden Artikel von KK. Da ich hier Produkte und Konzentrationen vergleichen möchte, ist es jedoch wichtig zu wissen, dass es in den USA erlaubt ist, auch Retinyl Palmitate in den INCI als „Retinol“ zu bezeichnen. Retinyl Palmitate ist eine Ester-Form von Vitamin A, die an eine Fettsäure (Palmitinsäure) gebunden ist. Im Vergleich zu Retinol ist die Wirkung etwa 20 mal schwächer. Die höchste Wirksamkeit haben verschreibungspflichtige Retinoide, die auch gegen Akne eingesetzt werden.

Im englischsprachigen Internet kursieren Gerüchte, wonach Retinol in einigen koreanischen Produkten deutlich höher konzentriert ist als in amerikanischen. Was ist davon zu halten? Es hat sich mittlerweile herausgestellt, dass diverse Cremes und Seren aus den USA mit „2,5% Retinol“, die auch bei uns über Amazon erhältlich sind, mit 99-prozentiger Sicherheit kein Retinol enthalten, sondern Retinyl Palmitate. Demnach hätten das Resurfacing Serum von Dr. Brandt mit 2% und Retinol Fusion PM von Peter Thomas Roth mit 1,5% den höchsten Retinolgehalt. Doch auch hier bleiben Fragezeichen: Bei dem Serum von Brandt steht Retinol in den INCI weit hinter dem Konservierungsmittel (siehe die Einschätzung der Beautypedia http://www.paulaschoice.com/beautypedia-skin-care-reviews/by-brand/dr-brandt/_/Glow-by-Dr-Brandt-Overnight-Resurfacing-Serum).

amarte-skin-care

Zu den koreanischen Wettbewerbern gehört die Firma Amarté, die neben einer „Wonder Cream“ fürs Gesicht mit 1% Retinol eine Augencreme mit „3,8% nano-verkapseltem Retinol“ anbietet. Der Preis: 80 $ für 20 ml. Es ist kaum möglich, im Internet verlässliche Informationen über den Hersteller zu finden, der in Asien angeblich unter anderem Namen produziert. In den USA wird Amarté durch den Dermatologen Craig Kraffert vertreten, dem Gründer des Onlineshops DermStore, der mit einer Koreanerin verheiratet ist.

amarte-wonder-cream

Auf meine schriftliche Anfrage, ob die Augencreme tatsächlich reines Retinol enthält, hat Amarté nicht geantwortet. Ich traue mir aber auch so eine Einschätzung zu: Die Augenpartie ist wesentlich empfindlicher als die übrige Gesichtshaut – welcher Hersteller würde da in seine Augencreme mehr Retinol packen als in seine Nachtcreme fürs Gesicht? Es dürfte sich hier also um 3,8% des milderen Retinyl Palmitate handeln, was in der Wirkung etwa 0,76% Retinol entspricht.

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Auch der koreanische Hersteller Skin & Labs hat ein vielversprechendes Retinolprodukt im Sortiment, „Chica y Chico Retinolin 3.0“, das laut Werbeaussage 3% „Retinol Q“ enthält. Auf eine Kundenanfrage wurde jedoch eingeräumt, dass es sich bei „Retinol Q“ in Wirklichkeit um einen Komplex aus etwa 1% Retinol und weiteren Bestandteilen handelt. (Information via Reddit.com) Wirklich günstig ist das Produkt nicht: 15 ml kosten rund 30 $.

Gefunden habe ich dann noch das Dr. Troub Skin Returning Retinol Serum von Sidmool, das statt 0,4% nun seit einigen Monaten 1,1% Retinol enthalten soll. 32 Gramm kosten bei eBay etwa 30 Dollar. Leider ist es mir nicht gelungen, irgendwo die aktuellen INCI auf Englisch zu finden; die alte Version enthält diverse Extrakte, die bei sensibler Haut problematisch sein könnten.

hera-retinol

Die meisten Hersteller machen ein Geheimnis aus der genauen Wirkstoffkonzentration, was nicht nur für Korea gilt, zudem fehlen verlässliche Reviews. So stellt u.a. IOPE schon seit 1997 Retinolprodukte her, die aktuell „Bio Retinol“ und „Age Corrector“ (40 ml für ca. 75 $) heißen. Zum Retinol Wrinkle Corrector von Konkurrent Hera kann ich immerhin sagen, dass Retinol in den INCI an 12. Stelle steht und das Produkt weit vorne pflegende Substanzen wie Glycerin, Squalan und Wiesenschaumkrautöl enthält. 40 ml kosten etwa 80 $.

Dieser Überblick erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit, aber offenbar gibt es in Korea kein „Superserum“, das alle westlichen Retinolprodukte in den Schatten stellt. Meine persönliche Faustregel: Je höher die angegebene Konzentration, desto wahrscheinlicher ist es , dass es sich bei „Retinol“ um um Retinyl Palmitate handelt.

 

 

 

(Fotos: Hersteller   Keinerlei Sponsoring)

5 Kommentare

    1. Hallo Christian! Da muss ich dich leider enttäuschen. Poppy Austin hat wohl auf Nachfrage von Kunden per email eingeräumt, dass es sich um 2,5% Retinyl Palmitate handelt. Nach meinem Wissensstand bezieht Poppy Augstin ihre (seine?) Produkte von demselben Hersteller wie InstaNatural, die Formulierungen sind offenbar identisch. Wie gesagt, in den USA ist es legal, Retinyl Palmitate in den INCI als Retinol zu bezeichnen, was ich persönlich für fragwürdig halte.

  1. Mittlerweile glaube ich fast, dass meine Haut Retinol oder auch jedwede Derivate einfach nicht mag.
    Schon über ein Jahr möchte ich es in meine Routine integrieren ( in der schon meine Seren von Highdroxy und Teoxane, ebenso wie Kanebo und Clarins seinen Platz gefunden haben und mit denen ich prima klarkomme), aber immer noch neigt meine Haut zum Abschuppen und zum Abschälen, auch völlig unberechenbar, manchmal direkt am Tag danach, manchmal auch erst am dritten Tag nach ( einmaligem) Auftragen. Es bringt immer Unruhe in meinen Hautzustand.
    Jetzt bin ich bei Redermic R angekommen, nach monatelangem Einschleichen mit ganz geringen Dosierungen, aber es passiert immer noch. Aber weniger als mit dem Skinceuticals 0,3%.
    Ich werde daher die Anregungen gerne aufnehmen, mich auch mal bei den koreanischen Produkten einzulesen und sie vielleicht auch mal auszuprobieren.

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