SKINCARE: CHANEL „BLUE SERUM“ * LOHNT SICH DAS?

Seit einigen Wochen gibt es ein neues Serum von Chanel – das „Blue Serum“ – welches ich mir einmal ausnahmsweise nicht gleich gekauft habe, sondern ich bekam von meiner guten Freundin Pepsi ein „Riesentestmuster“ geschenkt. Das Serum soll für „Wohlfühlmomente“ sorgen und durch einen ganz neuen Ansatz zur Wirkung kommen. Klar, dass ich da sehr gespannt war! Doch der Test ging ziemlich schnell vonstatten…

 

Nachdem ich letztens noch ganz angetan war von der schönen (und optisch hautverbessernden) Tagespflege „Hydra Beauty Flash“ von Chanel, kann man sich vorstellen, dass ich auch auf das neue „Blue Serum“ mehr als gespannt war. Und „Spannung“ wurde dann auch im Laufe des Ausprobierens auf meiner Seite symptomatisch, aber dazu später mehr.

Der „neue Ansatz“ zur Hautverjüngung

„Die CHANEL-Forschung führte in die sogenannten Blue Zones, Zonen auf der Erde, in denen sich die Einwohner eines außergewöhnlich langen Lebens erfreuen. Zusätzlich zu einem beachtlichen Ökosystem führen die Bewohner einen Lebensstil, der auf den vier Geheimnissen für Langlebigkeit basiert: Einer gesunden und ausgewogenen Ernährung mittels regionaler Produkte, regelmäßiger körperliche Betätigung, einem guten Stress-Management und einem verlässlichen sozialen Netzwerk.“

So weit ok, kann ich unterschreiben. Die oben genannten Faktoren sind tatsächlich wichtig um sich möglichst lange körperlich und geistig gesund zu halten. Doch was hat das nun mit einer Gesichtspflege zu tun…

„Die Studien zum Thema „Langlebigkeit“ in den Blue Zones und jahrelange Forschungen zur Hautalterung ergaben, dass es Parallelen zwischen Menschen gibt, die über hundert Jahre alt werden und denen, die sich genetisch bedingt einer dauerhaft jugendlich aussehenden Haut erfreuen.

Die Ergebnisse brachten vier Mechanismen zu Tage, die verantwortlich für die Langlebigkeit einer jung wirkenden Haut sind:

– Zell-Energie, vergleichbar mit täglicher körperlicher Betätigung

– Zellstoffwechsel, genauso wichtig wie eine ausgewogene Ernährung

– Anpassungsfähigkeit an Stress innerhalb der Zellen, die essentiell im Umgang mit den täglichen Anforderungen des Alltags ist

– Interzelluläre Kommunikation, die für das Wohlbefinden der Haut unerlässlich ist“

Ich muss schon sagen, der neue Trend in der Kosmetik ist momentan das „Storytelling“. Es wird also eine Geschichte, man kann es auch Legende nennen, um das Produkt erfunden erzählt. Fancy! Doch überzeugt mich das? Hmm…

Was ist da drin?

Chanel hat aufgrund dieser „Entdeckungen“ drei Hauptwirkstoffe im Blue Serum verarbeitet, welche genau auf die identifizierten „Langlebigkeitsfaktoren“ einwirken sollen: Grüner Kaffee aus Costa Rica, Oliven aus Sardinien und die Mastix-Pistazie aus Griechenland.

Na hui, das klingt ja wie ein Wichtigtuer-Kaffeemix bei Starbucks! Mal sehen, wie die (dagegen nüchterne) INCI Liste aussieht:

Aqua (Water), Alcohol, Glycerin, Dimethicone/Vinyl Dimethicone Crosspolymer, Niacinamide, Olea Europaea (Olive) Fruit Oil, Secale Cereale (Rye) Seed Extract, Olea Europaea (Olive) Leaf Extract, Coffea Arrabica (Coffee) Seed Oil, Pistacia Lentiscus (Mastic) Gum, PEG-60 Hydrogenated Castor Oil, Acrylates/Vinyl Isodecanoate Crosspolymer, Pentylene Glycol, C12-14 Pareth-12, Ethylhexyl Palmitate, Lysolecithin, Phenoxyethanol, Sodium Citrate, Caprylic/Capric Triglyceride, Parfum(Fragrance), Sodium Carbomer, Disodium EDTA, Polyquaternium-51, Propylene Glycol, Adenosine, Biosaccharide Gum-1, Chlorphenesin, Alcaugenes Polysaccharides, Sodium Hyaluronate, Tocopherol.

 

Oh Schreck! Da ist es wieder, das torkelnde Alkoholgespenst, gleich an 2. Stelle, das bedeutet, da ist ne Menge drin! Na toll, da hilft mir auch nicht die erfreulich hohe Menge Niacinamid. Die oben genannten „Power-Inhaltsstoffe“ samt guter Antioxidanzien sind tatsächlich nicht nur in geringsten Spuren enthalten, das kann man auch noch positiv festhalten.

Was mir aber gleich etwas übel aufstösst, sind die Inhaltsstoffe Hyaluron und Vitamin E, die ganz zum Schluss noch Erwähnung finden, und deshalb mengenmäßig noch NACH den Konservierungsstoffen kommen. Schade.

Ethylhexyl Palmitate ist ein Bürzeldrüsenfett-Ersatzstoff, wird aus Palmfett gewonnen und ist stark komedogen, also kann für Hautunreinheiten sorgen (Skala 4 von 5). Chlorphenesin ist ein diskussionswürdiger Konservierungsstoff, Silikon gibt es auch, genauso wie Parfüm. PEG-60 steht im Verdacht die Barrierefunktion der Haut stören zu können. Dies sollte man wissen, es ist aber alles für normale Haut verträglich.

Wie fühlt sich das an?

Zuerst einmal ist der Duft in meiner Nase wieder einfach „lecker“. Ohne Duft ist IMMER besser in Hautpflege, aber man kann diesen nasenschmeichelnden Effekt der Chanel Produkte nicht leugnen. Wer den luftig-eleganten Duft mag, wird ihn auch hier wiederfinden, wer lieber auf Duft verzichtet, sollte hier besser die Finger weg lassen.

Das Serum ist weisslich und ein klein wenig emulsionsartiger als das Micro Serum, welches ja eher gelig war. Es fühlt sich recht feucht an und lässt sich gut und seidig auf der Haut verteilen (Silikon sei Dank). Die Haut wirkt auch gleich etwas geglättet und befeuchtet. Trotzdem bleibt auch ein ganz leicht klebriges Gefühl auf der Gesichtshaut und an den Händen.

Leider bemerke ich aber auch den typisch kühlenden, leicht „brizzelnden“ Effekt, der durch den hohen Anteil an Alkohol ausgelöst wird.

Seltsamerweise gibt es einige Produkte mit recht viel Alkohol, die meine Haut problemlos verträgt (zB. Biotherm Homme „Total Recharge CC Cream“). Hier ist das nicht so! Bereits am zweiten Tag (nach viermaliger Anwendung) schuppte sich meine Stirn, und unter den Augen gab es ebenfalls starke Trockenheitsfältchen. Dagegen sah meine Nase wie in eine Ölflasche getunkt aus.

Resultat: Ich habe das Blue Serum sofort abgesetzt und für ein paar Tage nur mit dem HighDroxy „B Calm Balm“ „therapiert“. Nach zwei Tagen war soweit alles wieder im Lot. Dieser Ausflug ins stark alkoholisierte Chanel-Land war für mich jedenfalls nicht mit Erfolg gekrönt.

Fazit

Nimmt man mal die Störenfriede Alkohol und Parfüm heraus, hätte man hier durchaus ein nettes Serum, welches mit viel Niacinamid, Ölen und Antioxidanzien punkten könnte. Für den Preis finde ich es allerdings erstaunlich „mickrig“, und auch die Feuchtigkeitsspender hätten „üppiger“ ausfallen können.

Das Storytelling zu diesem Produkt empfinde ich als gehörig über´s Ziel hinausgeschossen! Langlebigkeit durch gesunde Lebensweise in einen Serumspender stopfen zu wollen ist ein frommer Wunsch, den man nicht erfüllen kann. Die „blauen Zonen“ haben sicherlich viele alte Menschen, die sich auch noch guter Gesundheit erfreuen können. Aber für dieses „Erfolgsgeheimnis“ braucht es keinesfalls die Firma Chanel mit dem Blue Serum, sondern gesundes Essen, gute Gene und ein reges soziales Leben, sowie stete Bewegung. Sorry, aber dieses Serum braucht man nicht. Gut, dass ich es nicht gekauft habe.

🙂

+seidige Emulsion

+lässt sich prima verteilen, zieht gut ein

+guter Antioxidanzien-Mix

+schicker Pumpspender

 

😦

-enthält viel austrocknenden und potenziell reizenden Alkohol

-Parfüm ist in nicht unerheblicher Menge enthalten

-erstaunlich wenig Hyaluron und Vitamin E

-etwas klebrig nach dem Auftragen

 

 

30 ml kosten ca. € 95,00 (zB. Douglas) / € 83,95 (Parfumdreams)

 

 

.

 

 

 

 

 

(Fotos: Konsumkaiser, Hersteller   Keinerlei Sponsoring!)

12 Kommentare

  1. Hallo lieber KK, wieder sehr interessant. Ich komme mit dem Micro serum v. Chanel sehr gut zurecht ( ohne Alkohol )
    Seit ich Deinen Blog lese, habe ich wirklich einiges dazu gelernt und komme mit meiner Haut super zurecht, auch viele tolle Produkte entdeckt, wie pc und Teoxane Serum.
    LG

  2. Lieber KK,
    auch nennen das Blue Serum mein eigen, ich liebe Chanel! Aber auch nicht alle Produkte. Das Blue, das lebensverlängernde Serum *zwinker* ist ein tolles Luxusscheisserchen, das Spaß machen kann.
    Es ist ähnlich dem Hydra Beauty Flash, aber von der Konsistenz her leichter. Und es ist kein Vergleich zu dem le blanc von Chanel, das eher pappig und klebrig ist, und wo beschrieben wurde, dass frau nach 8 Wochen evtl. was sehen könnte. Hm, alles klar. Sowas will ich nicht, ich will sofort – sofort was fühlen oder sehen, nicht erst nach 8 Wochen und wieviel Fläschchen später? Sind nämlich nur 30ml drin.
    Also, das Blue Serum finde ich toll, es ist für drunter (unter eine Creme). Meine Haut scheint recht unempfindlich zu sein, aber nachts gebe ich dem la nuit von Chanel den Vorzug, weil es viel reichhaltiger ist. So im Großen und Ganzen finde ich das Blue Serum klasse, das Gefühl schmiert mit, der Geruch ist toll, ab und zu gönne ich mir etwas Luxus. Zu meinem heiligen Gral (den ich ja bereits gefunden habe gg) wird das Blue Serum definitiv nicht, aber ein Kauf lohnt sich.
    Mit Deiner Bewertung bin ich d’accord, wie meistens, da wir offenbar viel gemeinsam haben, was Vorlieben und Haut angeht. Aber: Wem das Geld nicht weh tut, wer Spass dran hat – mit dem Blue Serum macht mann/frau nix falsch 🙂
    LG, Tina aka Simia

  3. Ich fasse es nicht! Das Serum habe ich auch letzte Woche geschenkt bekommmen. Ich kann alles bestätigen. Auch meine Haut fühlte sich ausgetrocknet und gereizt an. Und es ist irgendwie komisch beim auftragen.
    Hätte ich es gekauft, hätte ich mich wahrscheinlich blau geärgert. 🙂

  4. Seit ich Rosazea habe, meide ich Alkohol in Kosmetikprodukten wie der Teufel das Weihwasser. Innerlich muss ich zwar wegen der blühenden Haut auch aufpassen, aber ein wenig geht da schon. Und Chanel mag noch so stylische Verpackungen haben und noch so edel duften – Duftstoffe sind meist auch problematisch.
    Aber an alle mit ähnlichen Problemen:
    Lebt (dennoch) lang und in Frieden!
    Lieber KK: Heroisch, wie du immer wieder testest!

  5. Hallo Lieber KK,das Serum wollte ich mir auch kaufen jetzt kann ich mir das Geld sparen.ich wollte mir das retinol Serum von dr.dennis gross kaufen . Wie findest du die INC.Water, DiCaprylyl Carbonate, Niacinamide, Cetyl Alcohol, Propanediol, Isostearyl Alcohol, Jojoba Esters, Retinol, Ferulic Acid, Collagen Amino Acids, Sodium Hyaluronate, Hexylresorcinol, Ellagic Acid, Gallic Acid, Silybum Marianum Ethyl Ester, Tocopherol, Phospholipids, Camellia Sinensis Leaf Extract, Linoleic Acid, Linolenic Acid, Mandelic Acid, Lactic Acid, Sodium PCA, Retinyl Palmitate/Carrot Polypeptide, Retinyl Palmitate, Glycerin, Evodia Rutaecarpa Fruit Extract, Helianthus Annuus (Sunflower) Seed Wax, Acacia Decurrens Flower Wax, Glycine Soja (Soybean) Oil, Caprylic/Capric Triglyceride, Polyglycerin-3, Tricaprylin, Acrylates/Carbamate Copolymer, Butylene Glycol, BHT, Butylene Glycol Cocoate, Acrylates/C10-30 Alkyl Acrylate Crosspolymer, Polymethyl Methacrylate, Xanthan Gum, Ethylcellulose, Disodium EDTA, Sodium Hydroxide, Citrus Aurantium Bergamia (Bergamot) Fruit Extract, Citrus Limon (Lemon) Peel Extract, Lavandula Angustifolia (Lavender) Flower/Leaf/Stem Extract, Octoxynol-9, Phenoxyethanol.

    1. Ich finde es von den INCI ganz gut, zumindest die ersten 2/3. Hinten kommt aber viel mit Citrus, Bergamotte und Lavendel, was reizend, und die Haut empfindlicher machen kann. Wie gesagt, vorne sind tolle Sachen drin, hinten ists ok, falls du eine ganz unproblematische haut hast.
      Aber wie ich gestern auch schon geschrieben habe, das Datenblatt sagt NICHTS darüber aus, wie sich das Produkt auf deiner Haut verhalten wird.
      Liebe Grüße, KK

  6. Der Preis ist ja wohl der Hammer angesichts der Zusammensetzung, besonders wenn man sich die ersten drei Plätze der INCI Liste ansieht.
    Grüße
    Claudia

  7. Vielen Lieben Dank Hr.KK für deine Mühe und Zeit .Ich werde es mir jetzt kaufen da ich eine unproblematisch haut habe ,um mal ein andres retinol Pflege zu testen.Noch eine schöne Woche

  8. Bei mir zählt einfach nur das Ergebnis. Nicht die Aufmachung soll toll sein, sondern meine Haut.
    Insofern ist dieses Teilchen für mich wie ein schöner Mensch, der in der Nase bohrt 😉

    1. Schön formuliert:) Ich für meinen Teil brauche auch kein Verpackungs-ChiChi und „Storytelling“. Das schreckt mich eher ab.. Hautpflege soll der Haut gut tun und wirken – der Rest ist mir persönlich sowas von egal …

  9. Wie gut, dass ich schon seit einigen Wochen ein Produkt mit dem Pistazienharz benutze. Allerdings ist die Wirkversprechung da eher eine Porenverfeinerung, so wie es auch der Hersteller des Wirkstoffes angibt. Aber feinere Poren lassen die Haut am Ende sicher auch gesünder und jünger erscheinen. Scheint übrigens sogar zu funktionieren oder ich bilde es mir ein.

  10. Ich habe auch einen Tester hier, aber Chanel als Pflege geht GAR nicht, selbst als Handcreme verwendet stinkt mir das Zeug zu sehr. So tsarke Parfümierungen können nicht gut sein, punkt. Aber die INCI sind wieder mal „lustig“-nicht. Chlorphenesin ist übles Zeug, das ist in Make-up auch drin als Antipilzmittel, okay, aber wenn es geht, nicht großflächig auf meiner Haut bitte schön.

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