K-BEAUTY GASTBEITRAG (DINAH): Schwalbennest in Kosmetik – genial oder Humbug?

K-Beauty ist für viele gleichbedeutend mit „Kosmetik mit exotischen Inhaltsstoffen“ und neben Schneckenschleim gehört Schwalbennest, englisch Bird’s Nest, zumindest aus westlicher Sicht zu den ausgefallensten Wirkstoffen in Hautpflege. In Asien erfreuen sich diese Produkte großer Beliebtheit, doch was ist Bird’s Nest überhaupt, was soll es bringen und was ist davon zu halten?

 

Schwalbennester Wikimedia Commons Foto Kowloonese

Schwalbennestsuppe ist eine chinesische Spezialität, die seit Jahrhunderten zum Speiseplan der Reichen gehört. Der wesentliche Bestandteil sind tatsächlich die Nester einiger Mauersegler-Spezies, die umgangssprachlich Schwalben genannt werden. Die Männchen bauen diese Nester kunstvoll aus ihrem eigenen Speichel, der sehr zähflüssig und proteinreich ist. Da es in China keine Mauersegler gibt, werden die Nester aus anderen asiatischen Ländern importiert. Die Suppe wird von der chinesischen Medizin als Heilmittel angesehen, das der Qualität yin zugeordnet wird, zuständig für körperliche Vitalität und Energie einschließlich der Sexualität. Allgemein verspricht man sich von der Suppe eine verjüngende Wirkung, innerlich wie äußerlich.

Da schon die Suppe für eine prallere und straffere Haut sorgen soll, ist es naheliegend, die Grundsubstanz der Schwalbennester auch kosmetisch zu verwenden, vor allem in Sheet Masks. Für die Wirkung werden die enthaltenen Glyco-Proteine, Aminosäuren und Mineralstoffe wie Eisen, Magnesium und Kalzium verantwortlich gemacht. In Kombination mit Kollagen soll Bird’s Nest die Haut besonders prall und strahlend wirken lassen und einige Reviews im Internet zu entsprechenden Produkten scheinen diese Wirkung zu bestätigen. Wissenschaftliche Studien dazu existieren meines Wissens nicht.

Pralle Haut hin oder her – das massenhafte „Ernten“ der Nester bedroht mittlerweile den Fortbestand der Mauersegler-Spezies, weshalb ich für den Verzicht auf Produkte mit Bird’s Nest plädiere. Die Vögel nisten ausschließlich in felsigen Höhlen, die für Menschen eigentlich kaum zugänglich sind, doch mit Hilfe von Bambusstangen gelingt es wagemutigen Kletterern, die begehrten Nester von den Felsen zu kratzen. Da die Reinigung benutzter Nester sehr aufwändig ist, werden sie in der Regel „gepflückt“, ehe die Eier gelegt und die Jungen geschlüpft sind. Als Folge der steigenden Nachfrage, nicht nur von Gourmets, sondern auch von der Kosmetikindustrie, ist die Mauersegler-Population vor allem auf Inseln mit begrenzten Nistmöglichkeiten innerhalb der letzten Jahrzehnte extrem geschrumpft, auf zwei indischen Inseln um 83 Prozent.

Mittlerweile gibt es künstlich angelegte Höhlen-Anlagen mitten in indonesischen Städten, in denen männliche Schwalben durch imitierte Lockrufe, Insekten und Gerüche angelockt werden. So paradox es erscheint, sind diese Anlagen immer noch besser als das wilde Ernten in natürlichen Höhlen, weil die Besitzer hier einen Teil der Nester bewusst schonen oder die Eier der Schwalben in Nester anderer Vögel „umsiedeln“, um die Art zu erhalten.

Als Zentrum des Handels mit Schwalbennestern gilt Hongkong. Die Profitspanne ist enorm: Für ein Pfund Schwalbennester werden rund 1200 Dollar gezahlt. Angesichts dieser Preise dürfte klar sein, dass Kosmetikprodukte mit Bird’s Nest diesen Inhaltsstoff in der Regel nur in winzigen Mengen enthalten, wie zum Beispiel die Sheet Masks von My Beauty Diary, bei denen „Swiftlet Nest Extract“ an 15. Stelle der INCI steht. Feuchtigkeit spenden hier Glycerin, Hyaluronsäure und Urea, für eine aufhellende Wirkung kann Süßholzwurzel (Licorice Root) sorgen. Das bisschen Nestextrakt fällt da kaum ins Gewicht. Auf jeden Fall haben diese Produkte keinen Effekt, der sich nicht auch mit anderen Inhaltsstoffen erreichen ließe – und deshalb sollte man aus ethischen Gründen lieber auf Schwalbennest im Gesicht verzichten.

Missha Birds Nest Mask

 

 

(Fotos: Wikimedia Commons, Missha    Keinerlei Sponsoring!)

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