SKINCARE-GASTBEITRAG (DINAH): First Treatment Essence – das „Wunderwasser“?

Bei vielen ist es Schneckenschleim, bei mir die First Treatment Essence – das Produkt, mit dem meine Reise in die Welt der asiatischen Hautpflege begann. Es war nicht unbedingt Liebe auf den ersten Blick, wenn auch bereits die erste Begegnung vielversprechend war. Doch wie bei vielen Beziehungen gab es im Laufe der Zeit Zweifel und Krisen und erst nach nach dem vorläufigen Aus – also die Flasche war einfach leer … kam die Erkenntnis, wie gut sie wirklich für mich war. Wovon ich eigentlich rede? Okay, ich versuche mal, das Phänomen der First Treatment Essence (FTE), oft als „Wunderwasser“ gepriesen, zu erklären.

Eine First Treatment Essence enthält als wesentlichen Inhaltsstoff fermentierte Hefe. Das erste Produkt dieser Art wurde 1980 von SK II in Japan auf den Markt gebracht, verbunden mit einer Entdeckungslegende: Angeblich bemerkten Wissenschaftler in einer Sake-Brauerei, dass auch ältere Mitarbeiter auffallend helle und weiche Haut an den Händen hatten, während ihre Gesichter faltig waren. Sie schlossen daraus, dass der Kontakt mit fermentierter Hefe dafür verantwortlich ist. (Ich hoffe mal, dass Sake in Wirklichkeit nicht mit bloßen Händen gerührt wird …) Jedenfalls isolierte man bei SK II diese Hefe, nannte sie Pitera, und lancierte die erste First Treatment Essence, die im Unterschied zu anderen Essenzen noch vor dem Toner aufgetragen wird. Das edle Wässerchen im Glasflakon besteht zu über 90 Prozent aus Hefefiltrat und kostet rund 150 Dollar. Mittlerweile hat die SK II Essence Kultstatus und es gibt dutzende andere FTE von Konkurrenzmarken.

Sake Brauerei foto Gekkeikan Fushimi Kyoto

Sake Brauerei foto Gekkeikan Fushimi Kyoto wikimedia

Fermented yeast foto mark smith wikimedia

Fermented yeast foto mark smith wikimedia

SK II legt Wert darauf, eine spezielle Hefeart zu verwenden, die jetzt als Galactomyces bezeichnet wird, während die Konkurrenz größtenteils die übliche Bierhefe Saccharomyces cerevisiae benutzt, aber für die Wirkung dürfte das keine große Rolle spielen. Was ist nun das Besondere an fermentierter Hefe? Fermentation ist ein Gärungsprozess, bei dem ein organische Substanz in Zucker und Proteine aufgespalten wird. Im Laufe dieses Prozesses entstehen Aminosäuren, Enzyme, Vitamine und Flavonoide – all das ist gut für die Haut. Außerdem können fermentierte Wirkstoffe angeblich besser in die Haut eindringen. Es gibt bislang nicht viele wissenschaftliche Studien zu fermentierter Hefe in Hautpflege, die meisten davon stammen von Procter & Gamble, dem Mutterkonzern von SK II, aber es gibt Hinweise darauf, dass sie die Hauterneuerung beschleunigt, Pigmentflecken aufhellen kann, antioxidativ wirkt, die Hautschutzbarriere verstärkt und der Teint strahlender wirkt. Wer sich für die Studien interessiert, findet mehr Infos dazu auf Englisch im Blog Musicalhouses (Link http://musicalhouses.blogspot.de/2015/02/skii-facial-treatmentessence-clear.html)

Ein strahlende Teint – das ist der berühmte Glow. Den wollte ich auch, aber nicht für 150 Dollar. Also kaufte ich mir die Missha FTE für knapp 40 Euro. Schon nach wenigen Tagen erschien mir meine Haut irgendwie klarer, ich war angetan. Doch das war es dann erst mal, weitere sichtbare Erfolge blieben aus, und nach ein paar Monaten war ich etwas ernüchtert. Okay, mein eher grobporiges Hautbild ist nicht gerade prädestiniert für den Glow, aber insgeheim hatte ich doch darauf gehofft. Die Flasche war irgendwann leer und ich kaufte die Essence nicht nach, sondern wandte mein Interesse anderen Produkten zu, bis ich im Sommer in meinem Fundus auf eine Reisegröße der FTE stieß. Auch beim zweiten Versuch lief alles wie gehabt: Die Haut wurde etwas klarer, dann passierte nichts mehr – bis ich eines Morgens in den Spiegel sah und dachte: „Wow, deine Haut sieht heute richtig gut aus“. Und mit meiner ganz normalen Drogerie-Foundation sah sie noch viel besser aus! Schlagartig war mir klar: Das ist er, der Glow!

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Gut eine Woche später war die kleine Flasche leer, und als mein Teint allmählich in den „Normalzustand“ zurückkehrte, wollte ich die Trennung natürlich rückgängig machen. Dummerweise hatte ich da aber schon fremdgeflirtet, nämlich mit der COSRX Galactomyces Whitening Essence, mit anderen Worten: Ich hatte ein Konkurrenzprodukt bestellt. Bis das ankam, war jeglicher Glow aus meinem Gesicht gewichen. Aber die FTE von COSRX enthält 95% Hefeextrakt, wieso sollte sie nicht dasselbe können wie die von Missha? Tja, ich nehme sie jetzt seit sechs Wochen und warte … und warte … Zwei Wochen gebe ich ihr noch, wenn bis dahin nichts passiert, kehre ich endgültig zu Missha zurück.

(Fotos: Konsumkaiser, Dinah, Wikimedia-siehe Fotos)

10 Kommentare

  1. Beim Lesen fällt mir ein, dass ich von der Missha FTE auch noch eine Flasche im Schrank stehen hab, die auf ausführliche Anwendung wartet 🙂
    Ich hatte mich im Frühjahr großzügig bei Missha eingedeckt (da gibt’s auch noch ein paar Fläschchen aus der Aqua Serie), dann hat aber erst meine Haut wieder rumgezickt, und ich hab nur noch die Basics benutzt, und danach hat ein Unfall mein Leben etwas durcheinander gebracht. Aber nach Deinem Lob (und bei Deinen vielfältigen Tests will das was heißen) muss ich die Flasche dringend wieder aus dem Schrank holen. Danke fürs Erinnern – und auch für die sonntäglichen Posts hier, auf die ich mich immer freue (auch wenn mir wahrscheinlich nie Schneckenschleim ins Gesicht kommt 🙂 )

    1. @Sabine: Also in den FTE ist Hefe, kein Schneckenschleim 😉 Die Missha FTE habe ich im deutschen Missha-Shop bestellt. Leider hat man in diesem Jahr die Formulierung geändert, es ist kein Licorice Root Extract mehr drin; ich hatte noch die alte Version. Das muss aber nicht heißen, dass die neue Formulierung jetzt weniger gut ist, die kenne ich nur bislang nicht. Für alle Fälle will ich aber nochmal erwähnen, dass jede Haut anders ist. Jede FTE hat ihre Fans, aber es gibt auch immer Leute, die genau dieses Produkt nicht vertragen.

  2. wenn die fermentierte hefe so gut wirken sollte, dann teste ich vielleicht doch die vergessene creme-pröbchen von sulwhasoo. ich habe damals nach der benutzung der ersten probe aufgehört, weil mir der geruch etwas komisch vorkam (ich dachte, die creme ist evtl. umgeschlagen). aber letztendlich von hefe kann man doch keinen schönen duft erwarten, oder?

    1. @Rena: Fermentierte Hefe riecht sicher nicht besonders gut, wobei ich die FTE von Missha und COSRX ziemlich geruchsneutral finde, die von SKII soll ja regelrecht stinken. Sulwhasoo ist auf jeden Fall bekannt für recht intensive kräuterige Duftnoten, kann auch durchaus mal etwas muffig riechen 🙂 Ich hatte auch schon Proben von Sulwhasoo, allerdings nicht mit Hefe.

      1. Ich hatte mal eine Probe von SKII und fand nicht, dass sie so sehr stank.
        Bei Missha stört mich immer (auch bei der berühmten BB Cream) diese endlos lange Liste an botanischen Zusatzstoffen, von denen mich irgendwie immer einer reizt. Deshalb hatte ich auch mit einer der Konkurrenz-FTEs geliebäugelt, aber mal sehen…

  3. Ich liebe deinen Schreibstil einfach! Richtig gut 😀 Ich habe mir die Missha Essence nun auch bestellt bei lovemycosmetic.de ( war da genauso teuer wie bei Missha deutschland und ich konnte noch ein paar coole Sheet Masken ergattern). Bin mal richtig gespannt auf diese Essence, aber gut zu wissen, dass man auf jedenfall geduldig sein muss 🙂

    1. @Bibo: Vielen Dank für das Kompliment 🙂 Nur schade, dass Missha die Formulierung des Produkts verändert hat, ich fand die alte FTE einfach noch besser

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