SKINCARE-GASTBEITRAG (DINAH): Eselsmilch und Pferdeöl * Die aktuellen Beauty-Trends in Korea

Für die meisten von uns sind Cremes mit Schneckenschleim oder Essenzen mit fermentierter Hefe etwas Neues, aber in Asien ist das längst ein alter Hut. Die Hersteller müssen sich ständig etwas Neues einfallen lassen, wenn sie nicht von der Konkurrenz abgehängt werden wollen. Wer keinen Trend verpassen will, sollte jetzt nach diesen Inhaltsstoffen Ausschau halten…

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Honig und Propolis

Honig und Propolis wohin man schaut – fast könnte man meinen, Bienen sind die neuen Schnecken 🙂 Es gibt Masken, Cremes, Seren und Ampullen damit, häufig in Kombination mit Butter. Butter? Fürs Gesicht? Ja genau, wir schmieren sie uns aufs Brot, in Korea hat man dafür noch eine andere Verwendung. Ausgelöst wurde dieser Hype kurioserweise durch die kollektive koreanische Begeisterung für einen neuen Snack: Honey Butter Chips. Der sogenannte Honey Butter Craze hat sogar einen eigenen Eintag in der englischen Wikipedia. Jedenfalls gehören Honig und Propolis derzeit zu den angesagtesten Ingredienzien und man sagt ihnen antibakterielle, hautberuhigende und feuchtigkeitsspendende Eigenschaften nach. Vertreter dieses Trends sind u.a. die SharaShara Honey Bomb, LJH Vita Propolis Ampoule, Banila Miss Flower & Mr. Honey Cream, I’m from Honey Mask und Missha Honey Butter Pack.

Eselsmilch (Donkey Milk)

Kleopatra soll in Eselsmilch gebadet haben, aber warum diese Milch seit einiger Zeit in Asien als Wirkstoff mit Anti-Aging-Eigenschaften geschätzt wird, ist unklar. Auf jeden Fall hat die internationale AB-Bloggerszene (AB = Asian Beauty) mittlerweile koreanische Sheet Masks mit Donkey Milk zu ihren aktuellen Favoriten erkoren und damit ist dieser Trend wohl nicht mehr aufzuhalten. Eselsmilch enthält mehr Proteine und Vitamine als Kuhmilch und soll besonders gut für sensible Haut sein. Produkte mit Donkey Milk sind z.B. Freeset Donkey Milk Aqua Masks, Skin Ceramic Donkey Milk and Argan Oil Steam Cream, Chosungah Wonder Milk (ein Toner), Cleomee Donkey Real Milk Oil Mask.

Pferdeöl (Horse Oil)

Auch wenn Cremes mit Horse Oil vermutlich sowieso nichts für Pferdefreunde sind, will ich vorausschicken, dass dieses Fett bei jedem Pferdemetzger als Nebenprodukt anfällt; es gibt Länder, in denen Pferdefleisch ebenso selbstverständlich gegessen wird wie Rindoder Schweinefleisch. Für die Gewinnung des Öls werden also nicht eigens Pferde getötet. Der Hype um Pferdeöl dürfte von Japan ausgegangen sein, wo Cremes und Pflegeprodukte mit diesem Zusatz seit einigen Jahren ein Verkaufsschlager sind. Sie werden vor allem für trockene und reife Haut empfohlen. Eine japanische Studie erklärt, die Zusammensetzung von Horse Oil ähnele dem des menschlichen Sebums, zudem enthalte es einen hohen Anteil Linolsäure. Bei sieben Frauen erhöhte sich durch das Öl sowohl der Wasser- als auch der Fettgehalt der Epidermis für mehrere Stunden. (Veröffentlichung im Nishinihon Journal of Dermatology, Vol.66; No.6; pp. 621-624, 2004) In Südkorea ist die Guerrison 9 Complex Cream von Claire’s das mit Abstand populärste Produkt dieser Art, das auch sehr gerne gefälscht wird. Wer diese Creme testen möchte, sollte nur bei einem bekannten vertrauenswürdigen Händler bestellen.

Plazenta

Ein weiterer umstrittener Inhaltsstoff ist Plazenta (Mutterkuchen) als Wirkstoff in Anti- Aging-Treatments, meistens in Form von Masken. In koreanischer Kosmetik soll die Plazenta von neuseeländischen Schafen stammen. Da die Plazenta sehr viele Nährstoffe sowie Hormone enthält, verspricht man sich davon eine regenerierende und faltenglättende Wirkung. „Hautverjüngung“ ist das Stichwort. Produkte mit Plazenta sind z.B. die HolikaHolika Prime Youth Placenta Sheet Mask oder von Mizon die Original Skin Energy Placenta 45 Ampoule. Wer nun denkt, „so was kann auch nur aus Asien kommen“, liegt allerdings gründlich daneben – wir in Europa haben den Hype nur schon hinter uns. Die bekannte Creme Hormocenta enthielt seit den 1950er Jahren bis 1985 als wesentlichen Inhaltsstoff Mutterkuchen und der Hersteller warb mit Marika Rökk und dem Slogan „verjüngt, verschönt und faltenlos“. Das Konkurrenzprodukt hieß Placentubex C und kam von Merz. In deutschen Kliniken wurden die Nachgeburten routinemäßig in den Kreißsälen eingesammelt, eingefroren und an Kosmetikkonzerne verkauft, bis die Verwendung von Plazenta in Kosmetik aufgrund der AIDS-Gefahr verboten wurde.

Hanbang

Hanbang ist eigentlich die Bezeichnung für die traditionelle koreanische Medizin, die auf der Verwendung von Kräutern basiert. Vorreiter waren die Luxusmarken Sulwhasoo, die vor allem für ihre Ginsengprodukte bekannt ist, und The History oh Whoo. Missha hat dann mit zwei Linien nachgezogen, Cho Bo Yang und Geum Sul. Bis vor ein paar Jahren waren Kräuter und traditionelle Rezepturen nichts, womit man auf dem hart umkämpften koreanischen Kosmetikmarkt viel Geld verdienen konnte, aber mit dem Erfolg fermentierter Inhaltsstoffe wuchs wohl auch das Interesse an Hanbang, und so konzentrieren sich mittlerweile eine Handvoll kleiner Firmen auf Kräuter & Co.

(Fotos: KK(Dinah)   Keinerlei Sponsoring!)

6 Kommentare

  1. Ich finde deine Berichterstattungen sehr gut! Bin selber total Kosmetik begeistert! Lieblingsmarken sind eStee Lauser, clinique, clarins, usw.

  2. Deine sonntäglichen Posts lese ich immer mit staunendem Interesse: „was es heutzutage so alles gibt“. Das muss ich nicht alles ausprobieren 🙂 Den ersten Hype um koreanische Kosmetik (zumindest den ersten, den ich bewusst wahrgenommen habe), habe ich mitgemacht und jetzt eine nette Kollektion von Missha Produkten rumstehen. Den Hado Labo Toner wollte ich unbedingt haben, aber den gibt’s nirgendwo in Deutschland. Da ich nicht über eBay oder sonstwo im Ausland bestellen will, hat mich das vor einer noch größeren Kauforgie bewahrt 🙂 Und da ich im Moment mit meiner puristischen Pflege ganz zufrieden bin, hält dieser gelassene und abgeklärte Zustand hinsichtlich unbedingt notwendiger Pflegeprodukte hoffentlich noch etwas an 🙂
    Aber ich freue mich immer über Deine Artikel – so bin ich wenigstens informiert 🙂 Ich bewundere Deine Akribie, ich finde es ja schon stressig, die Incis zu recherchieren, wenn die nicht direkt angegeben werden, aber dann auch noch die zugehörigen Studien zu lesen….Respekt!

    1. Also den Hada Labo Toner gibt’s für kleines Geld auch bei Amazon, da muss man weder über Ebay noch im Ausland bestellen. Lieferung dauert gar nicht so lange und alles kommt ordentlich verpackt an. Ist schon ein nettes Wässerchen, wenn auch in meinen Augen kein absolutes Must-have…

  3. Wow, wieviel Wissen Du Dir bereits angeeignet hast über AB.
    Ich hatte mir dieses Jahr mal dieses Hatha Labo und Missha Schneckenschleim (?) bestellt, lange auf die Lieferung gewartet und es schließlich nach der ersten Anwendung entsorgt.

    Ist ein bißchen wie mit den „billigen“ „unbekannten“ Chinasmartphones. Auf dem Papier Super Werte, in der Praxis halten sie nicht, was sie versprechen und man kauft zweimal.

    1. war das nicht etwas vorschnelle entscheidung? nach der ersten anwendung kann man die wirkung doch schlecht beurteilen…
      ich finde die beide teile super (besonders hada labo) und hätte dir gerne abgekauft.

  4. propolis steht immer in meinem kühlschrank, sobald die erste erkältung kommt, kämpfe ich damit dagegen an. wahrscheinlich könnte ich auch einen branntwein nehmen, denn die tinktur hat 90% alk (geschätzt). vom esel kenne ich nur die wurst, die milch nur von cleo (liebe und antike), die perdeschmiere – naja, ich bin auch kein pferdemädchen und bei plazenta bin ich auch draussen.
    bleibt für mich der schneckenschleim, den mag ich 😉 aber danke für die ganzen neuvorstellungen! ich bin gespannt, was da noch kommt. irgendwas mit gülle?
    liebe grüße
    bärbel ☼

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