FASHION: BALMAIN UND H&M * DIE NEUREICHEN WERDEN ERSCHÜTTERT SEIN (ZU RECHT!)

Das traditionelle Modehaus Balmain (steuert gerade aufs 70-jährige Firmenjubiläum zu) hat vor, ab dem 5. November 2015 in Zusammenarbeit mit H&M eine relativ erschwingliche Modelinie auf den Markt zu bringen. Nun kennen wir diese Kollaborationen von H&M bereits, da gab es ja einige schöne und lustige Kombinationen. Man denkt zB. noch gerne an Versace und die legendäre Lederjacke. Doch Balmain…ich weiß nicht…? Das dürfte den neureichen GeldverschwenderInnen weltweit sauer aufstoßen! Eine provokante Betrachtung…

Um den vorherigen Satz zu verstehen, muss man wissen, was denn aus der „Marke Balmain“ geworden ist. Nämlich sozusagen ein „Ed Hardy“ für die wirklich reichen Menschen auf diesem Planeten…aber (und das ist jetzt wichtig) die ohne Stil. Ketzerisch? Ach was! Man schaue sich doch nur den Balmain Kosmos einmal genauer an. Mittelmäßigkeit prägt das Bild. „Gesichter“ der Marke sind Kendall Jenner, oder gar Bella Hadid.

Überhaupt sind dem Hausdesigner Olivier Rousteing (selbst dem „dezenten Ludenlook“ verfallen) „Social Media Prinzessinnen“ wichtiger als die mit wenigstens ein bisschen blauem Blut, oder womöglich sogar echte Stilikonen. Er biederte sich an die Kardashian Familie an, als gäbe es keinen guten Ruf zu verlieren und nun hat er den Salat. Mit Familie K aus USA in einem Atemzug genannt zu werden, ist wie Designerrobe bei TK Maxx.

Wer trägt Balmain? Nur noch die, die wollen, dass man es auch sofort sieht. Reiche Proletinnen mit ultra reichen Männern. Um nicht zu sagen Hobby-Escort Ladies mit Ambitionen und geschickten Hüften. D-Prominenz mit doppel D obenrum. Gleiches ist übrigens auch dem Modelabel „Hervé Leger“ gelungen, wo ein hautenges Schlauchkleid nun die unvorteilhaften Kurven einer Kris Jenner unterstreicht. Und mit ihr tragen es hunderte glitzernder Society Ladies, die sich darüber freuen, dass selbst eine Hausfrau aus Bottrop Boy erkennt, dass es sich um einen 5000,00 Dollar Fetzen handelt.

Und dieser Trend ist nicht gut. Er ist geradezu ungut. Denn immer mehr traditionelle Modehäuser machen keine schönen Klamotten mehr. Nein, sie schneidern nur noch für diese finanzstarke Klientel, die aufgrund ihrer absolut zuverlässigen Stillosigkeit nur nach Schnitten und Formen begehren, bei der so manch hart arbeitende Bordsteinschwalbe erröten würde. Die Geldvernichtungsindustrie, so muss man die Luxusproduktehersteller beinahe schon nennen, kann sich auf ihre Kundinnen zumindest verlassen. Das Geld ist noch da, es wird ausgegeben und weiß der Herrgot, wie immer wieder neuer Zaster herangeschafft wird. Die Galane werden es schon wissen, ein Schelm der jetzt an Waffengeschäfte, Betrügereien und weltweite Ausbeutung denkt.

Mit der Zusammenarbeit von Balmain und H&M kommen wir nun zu der einmaligen Situation, dass das leicht angekratzte Ego der superreichen Geldverschwenderinnen mit der ebenso nach Status dürstenden „Frau aus dem Volke“  zusammenprallt. Was daraus wird? Im Zweifelsfall ein weiteres Modelabel, welches dem Untergang geweiht ist. Man stelle sich vor: Die Kassiererin bei REWE trägt ein Teil von Balmain? Incroyable!

H-and-M-Balmain

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(Fotos: H&M   Keinerlei Sponsoring, haha.  Der Artikel stellt überspitzt Tatsachen dar und enthält Spuren der Meinung des Autors)

20 Kommentare

  1. ich kam aus dem bejahenden nicken während des lesens gar nicht mehr heraus! …. den nagel auf den kopf getroffen und ich schmunzel noch immer vor mich hin 😉

  2. Herrlich beschrieben.Der Vergleich mit Ed Hardy ist perfekt. Du triffst es genau. Grandios. Ich habe mich einerseits über Deinen Bericht amüsiert, aber andererseits sehe ich das genauso, dass viele traditionelle Modehäuser zu Billiglabels ( nur optisch) werden. Schade diese Entwicklung. Für mich vermischt sich der Stil von Gossenweibern mit diesen Damen ( der Unterschied liegt im Wohnort genauso wie im Geldbeutel) komplett vermischt. Es fängt doch schon damit an, dass Mädels von nur 14 Jahren ( und hier sind keine kleinen vermögenden genannt) sich schon Jeans von Acne oder 7 for all Mankind leisten und LV Taschen als Büchertaschen verwenden, ohne dass sie sich später diesen Lebensstil mal mit einem normalen Gehalt leisten können. Nun, hier wird ein Lebensstil von pseudo Promis vorgelebt, der unrealistisch ist. H&M trägt fleissig dazu bei.

  3. wie wahr!
    ob das rosa-hemd von von deiner letzten „fasion-gedanke der woche“ auf dem gleichen kleiderständer hängt, wie die balmain klamotte? huh!

  4. außer der viel kopierten bikerjeans „kenne“ ich nichts mehr von balmain. bei mir sind die schon völlig untergegangen. was die H+M kundinnen jedoch überraschend treffen wird, sind die neuen preise, die sich nämlich knnallhart an denen der ebay wiederverkäufer orientieren. schwer zu sagen, ob die REWE frau vom kassenband das noch mitmachen will.

  5. Guten Morgen, ich kann einfach nur sagen, dass Du mir sowas aus der Seele sprichst!! Auf den Punkt gebracht und wunderbar geschrieben! Einen schönen Tag LG Renate

  6. tja – das elend. jetzt weis ich auch was ich immer falsch gemacht hab als ich noch meine semmeln mit kleidern verdienen wollte – ich hab auf stil, eleganz und klasse gesetzt. vll. hätt ich lieber mal auf´m wochenmarkt fummel shoppen sollen und mit fetten labeln und ebenso fettem preisetiketten weiterverkaufen…. 😉
    hatte schon die werbefotos gesehen und mich gefragt wo zum geier die die models herhaben – neukölln? so kann man sich irren.
    fein geschrieben übrigens herr kaiser!!!!
    xxx

  7. Die Kardashian-Jenner-Wests sollte man mal alle zusammen in einem einzigen Flugzeug auf einen Familienurlaub schicken… Man was bin ich böse. Aber kaum jemand geht mir so auf den Sack wie das Pack. Und eben alles was in den Medien um sie, mit und wegen ihnen geschieht.

  8. Ich habe mir eben diese besagte Kollektion angesehen und Frage mich wer diese kaufen wird . Ehrlich gesagt ist das billiger Asia Style und wer dies für soviel Geld kauft , den halte ich für primitiv . Furchtbar unansehnlich .

  9. Der Artikel, sowie der Horizont des Autors sind leider kein bisschen weniger jämmerlich, als das, was er anprangert.
    Wer die Bekleidungsindustrie (vor allem im oberen) Preissegment kennt, weiß, dass das Geschäft in den letzten Jahren im Vergleich zu den obligatorischen Megaumsätzen zuvor recht hart geworden ist. Die erdrückende Social Media-Flut und dessen Konsum des Durchschnittsbürgers, der in seiner Freizeit am liebsten die Protzbilder anderer betrachtet und eine legitime und unerschöpfliche Nachfrage für die Selbstdarsteller kreiert, tragen wahrscheinlich zu der Vermutung bei, dass dieses Segment stärker nachgefragt wird denn je. Je nach dem, in welchen Kreisen man sich bewegt, nimmt man diese Verzerrung der Realität wahr. Wer Protz und Proletentum konsumiert, ist auch davon umgeben. Die Inhalte die wir konsumieren, entsprechen in erster Linie unseren eigenen Interessen und unserem eigenen Horizont. Natürlich weiß man bei der gegebenen Omnipräsenz wer die Kardashians oder Hadid Schwestern sind, sofern man nicht hinterm Mond lebt, welche Klamotte welches Familienmitglied nun trägt und sämtliche Details derer Alltagseskapaden sind wohl denen vorbehalten, die ihre Zeit und ihr Interesse genau diesen Inhalten widmen. Da zeichnet eine derart abfällige Verurteilung dessen, womit man sich selbst umgibt, ein recht jämmerliches Bild vom Horizont und von der Überheblichkeit des Autors. Jemand der diese Inhalte konsumiert, wird intellektuell wohl kaum über denen stehen, die dessen Nachfrage befriedigen, nicht wahr? Denn ein wenig Recherche und Hintergrundwissen über den schon erwähnten Wandel in der Bekleidungsindustrie hätte den Artikel so wie er ist, hinfällig werden lassen. Insgesamt ist es etwas seltsam, dass jemand, der einen Blog über Konsum und Oberflächlichkeit betreibt, und als Interesse Konsum, Gossip und Oberflächlichkeit angibt, so abfällig über konsum und Oberflächlichkeit (anderer) urteilt.

    Natürlich gibt es noch die klischeehaften Neureichen, die hauptsache viel Geld ausgeben wollen um sich zu inszenieren, und über die Ablhenung des frustrierten, überheblichen Kleinbürgers (hier in Gestalt des Autors) Aufmerksamkeit zu erhaschen. Ebenfalls die endlos reiche, kauflustige russische Oligarchenprinzessin. Aber die Breite der „Oberschicht“ lebt heute auch bewusster. Viele, die sich sehr viel mehr als die meisten leisten können, aber eben nicht alles auf der Welt, reduzieren zuerst die Masse an Kleidung, die sie kaufen. Oder müssen sogar das uneingeschränkte Kaufverhalten in Bezug auf Luxuskleidung überdenken, um in anderen Bereichen weiterhin ohne Einschränkung des Lebensstil leben zu können.

    Um die Umsätze aus den vergangenen, wirtschaftlich stabilen Jahrzehnten halten und gar steigern zu können, sind viele Modehäuser in den oberen Preissegmenten darauf angewiesen, neue Zielgruppen anzusprechen. Hier steckt nicht nur ein überaus großes Absatzpotenzial, sondern auch Gewinnmargen, wie sie in der Bekleidungsindustrie nur selten existieren. Separate Werbung ist nicht Notwendig, denn der exzessive Medienkonsum und die dadurch bestehende Präsenz einer Marke locken genug statushungrige Käufer und Jünger der Unterhaltungsindustrie. Aus genau diesem Grund entwerfen immer mehr als „luxuriös“ geltende Marken entweder Kollektionen, die für den Normalbürger gerade so noch erschwinglich ist, drängen in Geschäfte, in der sich die Massen tummeln oder produzieren gar extra für Outlet-retailer wie z.B. TJ Maxx/TK Maxx. Natürlich legt hierbei weder der Kunde (der es garnicht anders aus seinem gewohnten Umfeld kennt) noch die Marke das Augenmerk auf die besondere Qualität, die das Kerngeschäft auszeichnet, sondern produziert günstig und alltäglich, um dann der Marke wegen so teuer wie nur möglich verkaufen zu können, an den Normalbürger, der den höheren Preis auch nur der Marke wegen bezahlt. In der Masse ist dies ein Milliardengeschäft, auf das viele (nicht alle!) etablierten Marken kaum noch verzichten können/wollen.

    1. Kann es sein, dass „jämmerlich“ dein Lieblingswort ist?
      Jedenfalls goldig, deine „Abhandlung“ zu meiner nichtigen, kleinen Glosse. Danke für die profunde Aufklärung und die Analyse meiner Person. Der Abend ist gerettet.
      Beste Grüße, KK

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