SPORT: SCHUFT ODER SCHÄTZCHEN? WORAN ERKENNE ICH EINEN GUTEN PERSONAL TRAINER?

Zuerst stellt sich natürlich die Frage, ob man überhaupt einen Personal Trainer, also einen privaten „Einheizer“ braucht. Und wenn man das für sich beantwortet hat, wird es erst so richtig schwierig, denn man sollte sich einen sportlichen Dienstleister suchen, der auch zu einem (und zu den eigenen Bedürfnissen) passt. Woran erkenne ich eigentlich einen guten Personal Trainer? An dicken Armmuskeln, oder gar an Zitaten vom Dalai Lama auf seinem Instagram Account…?

Überall Experten

Heutzutage ist ja jeder irgendwie ein verkappter Fachmann (oder ne Fachfrau). Amateure behaupten sich überall, und ich warte eigentlich noch auf den Tag, an dem es das erste YouTube Videotutorial für eine krass einfache Blinddarmoperation für zuhause gibt.

Nun gut, ganz so schlimm ist es noch nicht, aber gerade im Freizeitsport hat man das Gefühl, es sei völlig pupsegal was man da so macht und tut. Das Ergebnis zählt, und wenn man abgenommen, oder Muskelmasse zugenommen hat, dann ist es ja egal, ob die Knochen, Gelenke, Sehnen und Bänder ächzen und stöhnen. Die Orthopäden werden in Zukunft sicher nicht arbeitslos.

Einigen Menschen ist das allerdings nicht egal! Sie vertrauen nicht allen „Experten“, egal ob im Sportverein (Schlimm: die Fortbildungsrate bei Übungsleitern im Sportverein ist unglaublich niedrig. Entsprechend sehen dort manchmal die Trainingsmethoden aus!), auf YouTube (was ich da schon gesehen habe macht mir Angst!) oder im Fitnessstudio (die Ausbildungsqualität von Fitnesstrainern schwankt beängstigend).

Was macht ein Personal Trainer?

Ein Personal Trainer sorgt dafür, dass ein Sporttraining effektiver und gesünder wird. Dabei steigt die Motivation ungemein, denn im 1zu1 Training fühlt man sich ständig beobachtet und zeigt deutlich mehr Einsatz als beim Sport allein oder mit der besten Freundin.

Ich persönlich baue bei meinen Klienten auf den Lerneffekt. Ich spiele nicht den Sportcrack, der unmenschliche Dinge kann, und der Kunde hechelt hinterher! Eigentlich mache ich kaum etwas selbst, sondern ich setzte darauf, dem Kunden beizubringen WAS sie oder er da gerade tut. Ich vermittle in einer Trainingsstunde häppchenweise Wissen zur Anatomie, zur Trainingslehre und motiviere gleichzeitig.

Nach ein paar Monaten Training ist der Kunde in der Lage selbst sein Training optimal und effektiv zu planen und durchzuführen, eben weil sie/er es „verstanden“ hat. Das klingt nicht nach dem besten Geschäftsmodell, denn die meisten Trainer halten ihre Kunden unwissend, um diese natürlich bei der Stange zu halten. Dies ist allerdings ein Trugschluss, die Kunden bleiben, auch wenn sie bei mir zu regelrechten Fitnessexperten geworden sind.

Trotzdem sollte nach einer gewissen Zeit (ein paar Monate bis Jahre) auch an eine Trennung gedacht werden! Man „gewöhnt“ sich aneinander, man freundet sich an, der Trainer kennt die schlimmsten Problemzonen und so einige andere „Geheimnisse“ seiner Kunden. Darunter leidet irgendwann die Trainingsintensität. Der Kunde fühlt sich bei „seinem“ Trainer wohl und nicht mehr so angetrieben. Hier muss dringend ein neuer Reiz gesetzt werden, um die Trainingsentwicklung weiterhin erfolgreich gestalten zu können. Auch das ist ein Tabu in der Trainerszene.

 

Woran erkenne ich einen guten Personal Trainer?

  • Der Trainer muss zwingend ein (bis mehrere) Probetrainings anbieten. Nur so lässt sich feststellen, ob die Chemie stimmt. Wenn man sich nicht riechen kann, dann wird das keine fruchtbare Beziehung. Es handelt sich ja um eine Symbiose: Der Trainer lässt sich durch seinen Kunden inspirieren, und der Kunde bekommt dadurch eine maßgeschneiderte Trainingsbegleitung, die weiter geht als nur eine Sportstunde abzureissen.

 

  • Der Trainer nimmt eine umfassende Anamnese vor. Zuerst muss man den Kunden kennenlernen. Dazu gehören auch vertrauliche Informationen wie zB. Gesundheitsdaten. Vorerkrankungen und Einschränkungen müssen dem Trainer ehrlich geschildert werden, hier ist keine Zeit für Schüchternheit! Ein guter Trainer geht sehr vertrauensvoll mit diesen Informationen um, und schützt die Daten, wenn er sie speichert, und gibt sie nicht weiter! Danach müssen die Ziele des Kunden abgefragt werden, die dann im Laufe der „Sportbeziehnung“ auch ständig angepasst werden sollten.

Was möchte der Kunde, was ist seine „Vorgeschichte“?

 

  • Google den Trainer! Falls sein Internetauftritt nur so von eigenen Bildern und Weisheiten vom Kalenderblatt strotzt, sollte man misstrauisch werden. Hier lauert die Gefahr an einen „Poser“ zu geraten. Ich persönlich habe überhaupt keine Spuren im Internet, da für mich Diskretion das oberste Ziel ist, und dazu gehört, dass ich meine Person beruflich auf ein Minimum reduziere. Der Kunde ist wichtig, nicht ich! Ich brauche auch keine Werbeplattform, denn ein guter Trainer lebt von Empfehlungen. Wer als selbstständiger Trainer noch massenhaft Kapazitäten hat, ist entweder neu in der Branche, oder nicht wirklich empfehlenswert, so hart das auch klingt.

Typisches PT Geschwafel…

 

  • Der Trainer muss maximal flexibel sein. Was habe ich davon, wenn der Trainer ein ehemaliger Boxweltmeister ist, und sein Training ständig auf „Boxer-Art“ aufbaut? Das Training muss sich nach dem Kunden und seinen Wünschen und Fähigkeiten richten, sonst wird das gesamte Unterfangen zur Qual. Und wenn der Kunde partout Boxen nicht mag, sollte eben auch mal Aerobic oder Freeclimbing drin sein! Ständige Anpassung ist der Schlüssel für erfolgreichen Sport. Eingefahrene Trainer mit geringer sportlicher Flexibilität sind ein schlechtes Aushängeschild für diesen Beruf!

 

 

  • Die Kosten müssen für den Kunden klar erkennbar sein. Tausend kostenpflichtige zusätzliche Nebenleistungen sind nicht seriös. Es gilt ein Preis für eine vereinbarte Leistung, danach darf sich daran nichts ändern, auch wenn es einmal vorkommen kann, dass der Trainer draufzahlt. Ein motivierter Kunde wird das wohlwollend bemerken.

 

  • Ein Trainer achtet stets auf ein umfangreiches Warm-up UND Cool-down! Dabei gibt es Dinge zu beachten, wie zB. im Warm-up nicht gleich mit Sprints zu starten, oder zuerst die äusserst verletzungsanfällige Schulter- und Rückenpartie zu mobilisieren, oder im Cool-down nicht nur Dehnungsübungen anzubieten.

 

  • Ein Trainer muss verschiedene Formen des Trainings kennen. Einfach nur Krafttraining oder Ausdauer gibt es nicht. Es gibt verschiedene Herangehensweisen, die untereinander ausgetauscht oder vermischt werden können. Immer nach den Vorgaben des Kunden und nach seinen Fortschritten. Ständig dasselbe Programm zu absolvieren ist Rückschritt!

 

  • Ein Trainer trainiert nur zur Motivation mit, sein eigenes Training absolviert er in der Freizeit! Oberstes Ziel für den Trainer ist Fehler im Bewegungsablauf des Kunden zu erkennen und zu korrigieren. Dabei ist die Aufmerksamkeit beim Kunden und nicht beim eigenen Körper.

 

  • Um wirklich effektiv arbeiten zu können, kennt sich ein guter Trainer auch in Ernährungswissenschaften, Medizin und Psychologie aus. Fortbildungen sind das A und O. Nach meinem Sportstudium habe ich zB. viele weitere Kurse in Sportmedizin, Ernährungslehre, Psychologie und Pädagogik absolviert, und frische das regelmäßig auf.  Das ersetzt allerdings niemals die wirklichen Fachleute. Somit ist es eine enorme Verantwortung zu erkennen, wann man externe Hilfe hinzuzieht oder den Kunden dorthin überweist.

 

  • Ein Trainer braucht mindestens einen frisch absolvierten Herz-Lungen-Wiederbelebungskurs! Ich selbst habe im Auto immer auch einen portablen Defibrillator dabei, der von Laien im Notfall ganz einfach eingesetzt werden kann. Das ist unsagbar wichtig, wenn man zB. mit herzkranken Patienten arbeitet. Auch hier ist die schnelle Hilfe von Ärzten das Wichtigste, aber zur Ersten Hilfe sind eine Herzdruckmassage und/oder ein Schock eines Defis von lebensrettender Wichtigkeit.

 

 

  • Geht der Trainer auf den Wunsch des Kunden ein „nur auf Optik“ zu trainieren, ist das keineswegs seriös. Sport und Fitness sollten IMMER im Einklang mit der Funktionalität der Muskeln, Knochen, Gelenke, usw. einhergehen. Nur um abends in der Disco gut auszusehen, braucht man keinen umfassenden Sport, sondern ein einseitig-überlastendes Training, dass dem Körper im Zweifelsfall Dysbalancen zufügt und schadet. Hier liegt es am Trainer aufzuklären.

 

  • Man darf niemals das Gefühl haben, der Trainer steht unter Zeitdruck. Ein guter Trainer legt seine Termine so geschickt, dass der Kunde denkt, er sei der einzige Kunde des Tages. Dazu gehört auch, dass der Trainer frisch geduscht und mit sauberer Sportkleidung erscheint, und sein Equipment ebenfalls frisch und sauber ist.

 

 

 

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(Fotos: Konsumkaiser, Pexels, Instagram   Keinerlei Sponsoring, keine Werbeverkaufsveranstaltung in eigener Sache)

7 Kommentare

  1. Oh-je… mein innerer Schweinehund flüstert gerade: Musstest Du das lesen? Vergiss es wieder, das is‘ nix für Dich. Leg‘ Dich wieder hin.

  2. Du scheinst ein sehr gutes Netzwerk zu haben. Heutzutage ohne eigene Homepage genügend Kunden zu bekommen, wer schafft das schon. Aber bitte nicht über die Übungsleiter in den Sportvereinen schimpfen, die sind auch nicht schlechter als die Trainer in den Finessstudios.

    Grüße von Claudia

    1. Alleine funktioniert das in meiner Branche und in diesem Umfeld sehr gut, schwieriger wird es, wenn man Angestellte hat.
      Besser oder schlechter geht immer, egal ob Im Verein oder im Studio. Aber gerade in Vereinen sehe ich immer noch viel mehr Mitarbeiter, die nur eine sehr Grundlegende, allgemeine Ausbildung haben, oder gar keine und zB. Trainingsmethoden von älteren Übungsleitern werden kritiklos übernommen. Ich will das auch gar nicht verallgemeinern, aber ich sehe es halt sehr oft. Viele Fitnessstudios haben mittlerweile interne Schulungen, die die mangelnden Ausbildungen der Mitarbeiter auffangen sollen, das ist ein Anfang.
      Liebe Grüße, KK

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