SKINCARE: CLINIQUE „CLARIFYING DO-OVER PEEL“ * LOHNT SICH DAS?

Stärkere chemische Peelings sind schon seit geraumer Zeit ziemlich angesagt. Auch die US-Firma Clinique kommt nun mit einem flüssigen Peeling, das mit über 30% Peelingkomplex für strahlendere und weichere Haut sorgen soll. Ich habe mir das einmal genauer angeschaut.

 

 

An dieser Stelle spare ich mir nun die übliche Einleitung: Wer hier stöbert, wird wohl (und hoffentlich) wissen wozu chemische Peelings verwendet werden und welche guten Auswirkungen sie auf die Beschaffenheit und Aussehen unserer Haut haben können, aber auch welche Risiken es gibt, besonders bei stärker konzentrierten Produkten.

Wichtig bei den Peelings: Nutzt immer tagsüber UV-Schutz (mindestens ab LSF/SPF 30+), sonst gibt es unschöne Erscheinungen wie zB. braune Hautflecken („Altersflecken“). Vor Gebrauch auch die Verträglichkeit zB. an der Innenseite des Unterarms testen!

 

Clinique empfiehlt die Anwendung 2-3 Mal pro Woche, nach der Reinigung.

 

Was ich bereits zuerst sagen kann: Der pH-Wert des Produktes ist recht niedrig für ein nicht-professionelles Produkt, sodass man bei der Höhe des Säurekomplexes durchaus vorsichtig vorgehen sollte, wenn man dieses Produkt denn ausprobieren möchte.

Eine Peelingwirkung ist definitiv vorhanden, der niedrige pH-Wert stresst die Haut zusätzlich etwas. Das ist alles nichts für Peeling-Neulinge oder Menschen mit sehr empfindlicher Haut, oder gar Hautkrankheiten, wie zB. Rosazea.

Meine laienhafte Messung hat einen pH-Wert um ca. 3 ergeben. Er kann sogar noch unter drei liegen, denn das Indikatorpapier färbte sich nach dem Foto sogar noch ein wenig stärker orange-rötlich. Das ist selten bei Parfümerieprodukten, aber eben auch potenziell reizend.

 

Das Peeling wird von Clinique für trockene Mischhaut bis ölige Haut empfohlen, klar, Peeling tut tatsächlich den meisten Hauttypen gut, wichtig ist die Frequenz dem Hautzustand anzupassen. Man soll es mit einem Wattepad auftragen, ich denke aber, dass man somit viel zu viel Produkt verschwendet. Besser in die Hand geben und mit den Fingern der anderen Hand auftragen. Schnell sein: Das Produkt verdunstet rasend schnell!

Ein Abwaschen ist laut Clinique nicht nötig, sollte es aber zu stärkeren Rötungen kommen und/oder ein Hitzegefühl der Gesichtshaut auftreten, so würde ich das Produkt abwaschen und mit einer beruhigenden Creme pflegen. In jedem Fall die passende Creme zum Abschluss nicht vergessen.

Die total wässrige Konsistenz des Produktes kommt jedem Hauttyp zugute, jeder kommt damit klar, es ist keinerlei Öl enthalten.

 

 

Was allerdings in großer Menge (2. Stelle INCI!) enthalten ist: Alkohol denat.

In so großer Menge, dass man gleich beim Auftragen einen starken Alkoholduft in der Nase hat. Ausserdem muss man sich beim Auftragen beeilen, denn das wässrige Peeling-Serum verfliegt in kürzester Zeit. Man kommt mit dem Benetzen der Gesichtshaut kaum nach, verwendet dementsprechend mehr Produkt pro Anwendung. Nicht sehr sparsam!

Das mit dem Alk ist ja so eine Sache: Er dient hier gut als Lösungsmittel und Penetrationsverstärker, aber er kann die Haut auch stark irritieren (zusammen mit dem recht hohen Säuregehalt und dem niedrigen pH). Empfindlicher, sensibler Haut empfehle ich hier dringend die Finger von zu lassen!

Dazu kommt auch noch Hamamelis-Extrakt. Der kann durchaus zuträglich für die Haut sein, er wird traditionell zB. bei wunder Haut verwendet, aber in größeren Mengen begrüße ich ihn nur ungern in Pflegeprodukten, da das Reizpotenzial dann eben doch uneinschätzbar steigt.

Der 32% Säuremix besteht aus 7 AHA/BHA/PHA-Säuren, die allesamt unterschiedlich auf die Haut einwirken, zB. in unterschiedlicher Tiefe der obersten Hautschichten oder länger und zeitverzögert, bzw. schnell und kurz die Haut beeinflussen. Interessant, aber jetzt auch nicht unbedingt neu.

Die Säuren im Einzelnen: Glykolsäure, Milchsäure, Salicylsäure, Lactobionsäure, Weinsäure, Benztraubensäure und Zitronensäure. Die einzelnen Gewichtungen der Säuren sind nur schwer abzuschätzen (durch die Position in der INCI-Liste). Clinique nennt das „Micro-dosed“, allerdings ist die Gesamtheit der Säuren dann nicht unbedingt zu unterschätzen. Bei der Zitronensäure vermute ich aber kaum richtiges Peelingpotenzial, sondern die geringe Dosis wird wohl eher zum Einstellen des pH-Wertes geeignet sein.

Hefe- und Algenextrakte können der Haut sehr zuträglich sein, die Regeneration fördern, antioxidativ wirken, und somit dem Anti-Aging Gedanken hinter solchen Peelings zuträglich sein.

 

 

Ich habe mich dann mal an Tretinoin-freien Tagen an die Anwendung gemacht und kann sagen, dass die Wirkung bei mir recht stark ausfiel, ich gleichzeitig mit ziemlich geröteter Haut zu kämpfen hatte. Nach fünf Minuten war meine Haut wie nach einem kleineren Sonnenbrand gerötet.

Nach ca. 60 Minuten war das dann wieder verschwunden. Ausserdem spürte ich bei der Anwendung erst eine angenehme Kühlung der Haut (die Verdunstung des Alkohols, nicht gut für die Haut), gefolgt von einem Brennen und Hitzegefühl im Gesicht. Das verschwand dann auch nach ca. einer Stunde.

Nun bin ich nicht repräsentativ genug, da ich ja Tretinoin verwende und meine Haut dadurch womöglich nicht ganz so robust ist, wie eine nur gut gepflegte Haut, allerdings kann man da auch ableiten, dass das Produkt für sensible Hauttypen eher nicht geeignet scheint.

 

Aus meiner Sicht kann ich dieses Peeling nicht für empfindliche Hauttypen empfehlen (auch nicht bei nur „leicht empfindlicher“ Haut). Zudem kommt das Problem mit dem Alkohol, der nicht nur möglicherweise reizend agiert, sondern bei mir auch nach kurzer Zeit für eine schlimm glänzende Nase sorgte: Der Alkohol „entfettet“ die Haut auf gewisse Weise, die Haut reagiert darauf mit einer überbordenden Ölproduktion. Kontraproduktiv!

Insgesamt wurde meine Haut aber eindeutig klarer und weicher, diesen typischen Peelingeffekt kann ich aber auch mit weitaus sanfteren Produkten erzielen (zB. Mandelsäure-only abwechselnd mit 2% BHA).

Clinique verzichtet im Peeling leider auch auf die Kraft der hautberuhigenden Inhaltsstoffe, da wäre ein stärkerer Mix mit zB. Panthenol und Centella Asiatica durchaus besser gewesen.

In meinen Augen ein wirklich schwächeres Produkt aus der Clinique-Produktpalette.

 

30 ml kosten ab ca. 26,56 Euro (zB. über Parfümerie Palz) / UVP 38,00 Euro

 

 

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(Fotos: Konsumkaiser   Das Produkt wurde selbst gekauft, kein Sponsoring)

 

 

 


13 Gedanken zu “SKINCARE: CLINIQUE „CLARIFYING DO-OVER PEEL“ * LOHNT SICH DAS?

  1. Puuuhhhh, ich halte nichts von Fruchtsäurepeelings für zuhause in dieser Intensität. Zumal gerade Clinique gerne in Parfümerien vertrieben wird, bei denen eine fachliche Beratung sehr zu wünschen übrig lässt. Ich höre schon förmlich, wie aus dem Ei gepellte Damen, jungen aknegepklagten Menschen das neue Wunderprodukt für die Lösung all ihrer Probleme empfehlen.
    Über die Risiken wird nicht aufgeklärt, und die gehen über akute Rötungen und Kribbeln, was sofort bemerkt wird, hinaus.
    Dafür gibt es gut ausgebildete medizinische KosmetikerInnen und HautärtzInnen.
    Und für die „normale“ pflegende Routine halte ich es für übertrieben.
    Aber das ist meine persönliche Meinung.
    Schönen Tag und Grüße

    1. Guten Morgen,
      Ich bin voll bei Daniela. Mir reicht das neue von Balea völlig aus. Schon wieder Geld gespart.
      Liebe Grüße Christiane

      1. Das Balea Peeling finde ich auch super, bringt bei mir eine wesentlich bessere Wirkung, als das BHA Peeling von PC. Und der Preis ist genial!

        Liebe Grüße von Rike

  2. Hui, da bin ich aber froh, dass Du das so toll getestet hast, da wäre ich ja voll in Versuchung gewesen, aber so besser nicht. Ich reagiere leider zunehmend auf Alkohol in Produkten, echt nervig. Sogar die mir wärmstens empfohlene Capital Soleil UV-Age 50+ von Vichy pritzelt bei mir…

    1. Ja, mit hohen Mengen Alk ist in Hautpflege nicht zu scherzen. Ich denke, sehr viele reagieren da auf die eine oder andere Weise, bemerken es aber nicht so richtig oder ordnen es falsch zu. Komischerweise komme ich manchmal damit klar (Sonnenschutz von Nivea), nicht einmal meine Rosazea zickt, und manchmal eben nicht.
      Liebe Grüße
      KK

  3. Meine Haut toleriert kein zusätzliches Peeling neben Tretinoin. Ich bin wirklich erstaunt, dass dies bei Dir noch zusätzlich funktioniert. Dazu auch noch solch hochprozentiges.
    Ist es tatsächlich so, dass Männerhaut oft etwas robuster ist oder ist dies nur ein Klischee?
    Ich hoffe mal, ich trete mit dieser Frage jetzt niemandem zu Nahe. Dies ist nicht gewollt und sollte bitte auch bei niemandem so ankommen.
    liebe Grüße

    1. Hallo Eileen, ich denke nicht, dass Du da jemandem auf den Schlips trittst. Männerhaut ist ja auch tatsächlich dicker und „robuster“ als Haut bei Frauen, neben anderen kleinen Unterschieden. Aber was das Gerücht angeht, Männerhaut sei immer ölig, weil sie mehr Talgdrüsen besitzt, kann ich sagen, dass meine Haut da nicht mitspielt. Sie ist trocken, lipidarm und in kleinen Arealen dann etwas öliger.
      Was das Tretinoin angeht, so finde ich weiterhin angepasste Pflege wichtig, und da kann auch regelmäßig Peeling dazugehören, wenn man es denn verträgt. Vitamin A Säure peelt ja nicht, wie oft gedacht wird, sondern beschleunigt sozusagen die azellerneuerung. Was oben aufliegt muss also auch runter. Das Peeling hier wirkt jetzt zwar wie ein Hammer durch die 32%, es ist aber eine Kombination von verschiedenen Säuren, die durchaus auch sanft sind. Trotzdem wollte ich das in meinem Review nicht verharmlosen, wie es so oft gedankenlos getan wird. Und dann nutzen es die Leute dann plötzlich zweimal am Tag und wundern sich über in Fetzen hängende Haut. 😉
      Liebe Grüße
      KK

  4. Hallo KK,
    Ich habs auch gekauft. Katastrophe!! Sofort alles rot und hat gebrannt. Nach einer Stunde hab ich geglänzt wie im Hochsommer. Grausames Zeug.

    1. Ja da hast Du Recht. Ein sehr informativer, erwachsen geschriebener, moderierter und dabei nicht ausschließlich auf Skincare festgelegter Blog. Danke 💚
      Kleiner Tipp noch von mir, wenn auch am Thema heute vorbei :
      Die „Anatomie eines Skandals“ auf Netflix
      👍🏻👍🏻👍🏻Sienna Miller und die“Mary“ aus Downton Abbey, so überzeugende schauspielerische Leistungen👍🏻 dazu eine mitreißende Story , klare Empfehlung und Suchtwarnung.

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