LIFESTYLE: KEINE LUST AUF SPORT UND TROTZDEM EIN LEBEN LANG AGIL BLEIBEN?

Ich als Berufssportler kann ja kaum verstehen, wie man eine starke Aversion gegen Sport haben kann, aber ich mag ja auch nicht alles, also muss man das auch einfach mal akzeptieren. Trotzdem sind die Effekte des Sports unbestritten. Je älter wir werden erleben wir aber einen funktionellen Abbau, und da ist Sport oftmals sehr hilfreich. Wie kann man also ohne Sportverein, Fitnessclub und zehrende Marathonambitionen trotzdem weitestgehend agil und beweglich bleiben?

 

Unmotiviert ist nicht unsportlich

Wer unmotivierte Menschen zu mehr körperlicher Aktivität bewegen will, darf nicht erwarten, dass sie von einem Tag auf den anderen mit Joggen, Radfahren oder Walking beginnen – diese Hürden sind häufig zu hoch. Gefragt sind daher niederschwellige Angebote, die zudem nicht viel Zeit und Geld kosten.

Gerade für „ältere“ (das geht schon ab 35 los) und immer älter werdende Menschen ist es aber wichtig ein gesundes Maß an Agilität, Kraft und Beweglichkeit zu erhalten, um den täglichen Anforderungen des Lebens gerecht zu werden: Man muss zB. Einkaufstüten tragen, im Bus die Balance halten, oder auch mal schnell weglaufen können, um sich aus einer Gefahrensituation zu befreien.

Funktionellem Abbau im Alltag entgegentreten

Vor einigen Jahren haben australische Forscher daher ein Programm entwickelt, das unmotivierte und ältere Menschen dazu animieren will, mehr Bewegung in ihren Alltag zu integrieren. Ihr „Lifestyle Integrated Functional Exercise Program„, kurz LiFE, hat sich in Studien durchaus bewährt: Das Sturzrisiko ließ sich damit um etwa ein Drittel senken, die Lebensqualität steigern. Die Übungen wurden jedoch für Menschen über 70 Jahre konzipiert, und daher versuchen Forscher der Uni Heidelberg das LiFE-Programm nun in einer noch laufenden Studie an „jüngere“ Menschen anzupassen. (Uni Heidelberg „a-LIFE“)

Das angepasste LiFE-Programm (aLiFE) legt den Teilnehmern nahe, zB. auf Zehenspitzen zu gehen, beim Treppensteigen zwei Stufen auf einmal zu nehmen, auf Spaziergängen Objekte zu überspringen oder auf einem Bein stehend den Oberkörper und das andere Bein waagerecht zu halten. Diese Übungen gibt es in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen, um das Training an den Trainingserfolg anzupassen.

Wichtig ist es auch hier sich Ziele zu setzen: Vielleicht eine besonders lange/steile/anstrengende Wanderung zu meistern, oder tatsächlich einmal an einem Volkslauf oder Sportabzeichen teilzunehmen.

Die Zukunft ist smart

Als nächstes entwickeln die Heidelberger Forscher in einem europäischen Verbundprojekt eine Smartphone- und Smartwatch-App. Darüber lassen sich nicht nur Videos abrufen, die die einzelnen Übungen erläutern, die Teilnehmer können ihre Fortschritte über die Geräte dokumentieren und die App kann an das Training erinnern oder über Bewegungssensoren die körperliche Aktivität erfassen (eLIFE).

Ich persönlich finde es gut, dass man hier nicht propagiert unbedingt noch schnell zum Supersportler zu mutieren, um den Folgen des Älterwerdens die Stirn zu bieten, sondern auch Sportmuffeln die Werkzeuge an die Hand gibt, sich selbst einfach und unkompliziert eine gewisse (lebenswichtige) Fitness zu erhalten. Die Technik visualisiert die Erfolge, was das Ganze (besonders die Fortschritte, die naturgemäß ab einem gewissen Alter kleiner ausfallen) auch für desinteressierte Menschen „greifbarer“ macht.

 

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(Foto: FreestockPixx   Keinerlei Sponsoring)

 

 

 

17 Kommentare

  1. Danke KK, das Thema finde ich superspannend und viel zu selten beleuchtet. Schön, dass wir alle in einer anderen Situation älter werden, als es noch vor einiger Zeit der Fall war. Wenn sich jetzt noch in der Pflege der alten Menschen etwas grundlegend ändern würde….

  2. Beim Lesen des heutigen Artikels ist mir beinahe die Schnabeltasse aus den Händen gerutscht. Ich musste mein Monokel nochmal zurrecht rücken um mich zu vergewissern, dass ich mich auch nicht verlesen habe: ab 35 gehört man zur Gruppe der „älteren“ Menschen….. BÄMM! Das hat gesessen. Das ist ja fast so demütigend wie die Kategorisierung „übergewichtig“ bei Konfektionsgröße 38. Da muss man ja dankbar sein, dass man in meinem Alter (34) noch beinahe ohne Treppenlift bis in den zweiten Stock kommt. Natürlich nur, wenn der Herzschrittmacher keine Aussetzer hat. So, und jetzt entschuldigt mich. Mein AOK-Porsche muss zur Inspektion…

    1. So ein Quatsch. Das liegt doch an dir, wenn dir das Wort „älter“ so sehr aufstösst. Fakt ist, dass wir ALLE nach dem 30. Lebensjahr körperlich abbauen.
      Wenn man dann lange weiter in seiner romantischen Traumwelt lebt, wundert man sich eines Tages wie „alt“ man plötzlich wirklich ist (und sich fühlt).
      Mir geht es auf den Keks, dass alles immer verklausuliert wird. Wir sind best ager und curvy. Warum hat niemand den Mut zu sagen wir sind alt und dick? Das macht ja überhaupt keinen schlechten Menschen aus uns, weniger Wert ist man doch nicht.
      Nur wenn man das Wort alt meidet wie die Pest, dann muss man auch vor so anderen Dingen die Augen verschließen.
      Viele Grüße, KK

        1. Demütigend ist etwas nur, wenn man sich demütigen lässt. Klar bin ich aus der Sicht meiner Töchter alt. Meine Eltern fand ich auch alt, als ich 18 war. So what? Ich bin mit 52 nun mal definitiv in meiner zweiten Lebenshälfte und ein „älterer Mensch“. Ärgert mich das? Nö. Klar kann ich mich als Best Ager bezeichnen. Das ändert nix am Alter. Es ändert aber definitiv etwas, wenn ich mich bewege und Sport treibe. Dann komme ich hoffentlich auch mit 70 noch zu Fuß in den zweiten Stock – vorausgesetzt es kommt keine Krankheit dazwischen. Wenn ich mich jetzt trotzig hinsetze, über die Bezeichnung „älter“ grummle und mir erstmal ein Stück Sahnetorte, aber keine Bewegung verordne, mache ich die Sache definitiv nicht besser. Ich werden nur „curvy“. Will ich aber nicht ;-)
          Liebe Grüße
          Fran

          1. Hallo Fran, vor so viel entspanntem Umgang mit sich selbst kann ich nur respektvoll den Hut ziehen…. beste Grüße aus dem sch…kalten Süden. Jessica

  3. Diagnose MS mit 37 Jahren, Hauptproblem Lähmungen. Heute mit 49 ist manche 80jährige körperlich fitter als ich. Shit happens.

    1. Ganz schlimm, ich kenne aber viele solcher Schicksale. Daran nicht zu verzweifeln ist die Kunst.
      Nach meinen zwei Hüft OPs mit Ender 30 (wovon eine ja völlig schief gegangen war), hatte ich auch das Gefühl „das war´s“…
      Nun ist das mit MS überhaupt nicht zu vergleichen, aber ich kann es ein bisschen nachvollziehen, wie fertig man sich dann fühlen kann.
      Liebe Grüße, KK

  4. Finde ich interessant. Habe dazu bei Amazon ein Buch von Lindy Clemson gefunden „Lifestyle-Integrated Functional Exercise Program to Prevent Falls: Participants Manual “. Von Heike Drechsler gibt es ein neues Buch „ Mach Dich fit“, welches für alle Altersgruppen Übungen im Alltag aufzeigen soll.

    1. Find ich gut. Wichtig ist in meinen Augen nur die Tatsache, dass man das schnell und ohne viel Aufwand täglich üben kann. Immer ein bisschen, Stillstand bedeutet Einrosten. Und nicht alle Leute haben Lust auf Fitnessstudios oder Übungsgruppen. Da sind dann diese Alltagsvorschläge Gold wert.
      Liebe Grüße, KK

  5. Hallo lieber KK, Mich hatte ja die Grippe bis gestern voll im Griff. Bin froh, dass ich nun wieder leichte Sportübungen machen kann. Bin inzwischen 63 Jahre alt und mache regelmäßig Sport. In Clubs gehe ich ncht mehr, mein Lieblingsclub ist zu und die anderen sind alle sauteuer. Habe alles zu Hause, Trampolin, Hanteln, Therabänder, Faszienrollen. Habe jetzt am 21.3.18 meine zweite Fuß-OP, wo ich seeeeehr lange keinen Sport machen kann. Besonders mein tägliches Trampolinspringen wird mir wieder fehlen. Ist dann immer doof, wenn die Muskeln dann abbauen. Du hast vollkommen Recht, Sport ist einfach genial und mir sieht niemand mein Alter an. Liegt wahrscheinlich mit daran, dass ich mich regelmässig bewege, natürlich sind deine tollen Informationen zu Kosmetik auch Gold wert. So halte ich mein Gewicht von 55 kg bei 1,70 m schon ewig.

  6. Hallo lieber KK, ich finde das Thema auch megawichtig. Um uns gegenseitig zu pushen, haben wir uns als kleine Gruppe für einen VHS- Kurs angemeldet. Beginnt leider erst im April…Aber grundsätzlich habe ich kein Auto mehr und laufe alle Besorungen zu Fuß, stundenlange Spaziergänge mit der besseren Hälfte gibts am WE on top. Irgendwie ist das das einzige was uns antreibt: immer wieder raus an die frische Luft,sonst droht Stubenkoller🤪 Joggen is jetzt aber nich so meins. Dafür war ich erst gestern bei antarktischen Temperaturen 30 Minuten flott unterwegs- die Kälte motiviert auch, schließlich will,ich nicht als Eiszapfen ankommen… Überhaupt finde ich, dass die Bewegung im Alltag unterschätzt und vernachlässigt wird. Lieber mit dem Auto ins Fitnessstudio oder zum Spaziergang fahren, als gleich aus der Wohnungstür raus und die natürlichste Fortbewegungsform des Menschen angewendet – ich rede hier von der Kleinstadt, da kann man das ruhig mal ausprobieren, aber das kostet scheinbar vom Kopf her zu viel Überwindung. So, genug getippt, ich muss noch kurz was erledigen gehen – zu Fuß👣

  7. Ich hab mich selber immer für total unsportlich gehalten – Schulsport war die Hölle, das waren die einzigen Vieren/ Fünfen, die ich in meiner Schullaufbahn je hatte. Freiwillig Sport zu treiben, ist mir in den Jahren (Jahrzehnten, bin jetzt 48) danach echt nicht in den Sinn gekommen. Jenseits der 30 habe ich aber in der Tat gemerkt, dass die Gelenke anfangen zu knirschen und zu knacken, die Oberarme plötzlich hängen und die Ausdauer nachlässt. Nach ein paar Fehlschlägen mit Fitnessstudios habe ich dann eine Personal Trainerin engagiert – und ziemlich schnell festgestellt, dass es total befriedigend ist, sich erst auszupowern und danach auch noch besser auszusehen :-)) Sie motiviert mich, lässt das Training nicht langweilig werden und hat mir vor allem klar gemacht, dass niemand „unsportlich“ ist. Man muss nur den richtigen Sport finden. Kostet übrigens nicht die Welt (…weil ich oft höre „boah, nee, so eine Personal Trainerin kann ich mir gar nicht leisten!“) und bringt eine Menge Anregungen auch über unsere Termine hinaus, speziell für kleine Übungen unterwegs oder am Arbeitsplatz.

  8. Das mit dem Sport bzw mit der Energie ist so eine Sache. Eine Freundin von mir macht jeden Tag Sport und ist immer unterwegs, immer am Freunde treffen, sie liest keine Bücher, sie erholt sich, wenn sie andere Menschen trifft. Ich glaube, das ist wirklich Veranlagung. Ich bin das krasse Gegenteil, ich bin im Grunde nicht faul, aber ich habe einen komplett anderen Energiehaushalt. Wenn ich 3x die Woche Krafttraining mache, baue ich geistig und körperlich ab, klingt kurios, ich weiß. Ich habe generell wenig Bewegungsdrang, hatte ich nie, schon als Kleinkind nicht. Daher kann ich mir vorstellen, dass es oftmals nicht nur am Wollen liegt. Dennoch gehe ich jede Woche 2x ins FC? Warum? Weil ich mir selbst bis ins hohe Alter den H…. auswischen möchte.

    Liebe Grüße,
    Keks

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