SKINCARE GASTBEITRAG (DINAH): Beauty-Mythen * Wildrosenöl ist ein Ersatz für Retinol

Neben Argan- und Marulaöl ist Wildrosenöl (Rosehip Oil) eines der beliebtesten Öle in der Gesichtspflege. Nicht ohne Grund, denn es wird sowohl für ölige Mischhaut mit Neigung zu Akne als auch für trockene und vor allem reife Haut empfohlen. Der Anteil an Alpha-Linolensäure ist außergewöhnlich hoch, darüber hinaus enthält es angeblich Vitamin C und sogar eine wirksame Form von Vitamin A, und gilt daher als Anti-Aging-Öl schlechthin. „Fördert die Produktion von Kollagen, reduziert Narben und Pigmentflecken, glättet Falten“, heißt es auf vielen Beauty-Seiten im Internet, ja es wird als Alternative zu Retinol gehandelt. Doch hält der Hype auch einer kritischen Überprüfung stand?

Ich habe mir vor Jahren ein relativ teures Fläschchen Wildrosenöl gekauft, wartete gespannt auf den Glow – und stellte es nach einer Weile enttäuscht zur Seite. Von Glow keine Spur. Das ist natürlich ein individuelles Einzelergebnis und spricht keineswegs gegen Rosehip Oil. Die Sache mit dem „pflanzlichen Retinol“ hat mir jedoch keine Ruhe gelassen und so machte ich mich auf die Suche nach seriösen Quellen.

Wildrosen heißen botanisch Rosa canina (Hundsrose) oder Rosa mosqueta, ein großer Teil des Öls wird in Chile produziert. Es riecht übrigens nicht nach Rosen, denn „Rose hip“ ist die Frucht, die wir als Hagebutte kennen; einwandfreies Öl sollte herb nussig oder sogar leicht „fischig“ riechen und hell- bis goldgelb sein. Bei olionatura.de, einer verlässlich recherchierten Seite zu kosmetischen Inhaltsstoffen für „Selbstrührer“, stieß ich auf erste Hinweise, dass der Hype um das Anti-Aging-Öl stark übertrieben ist. Mehrere Experten hätten auf Anfrage versichert, dass fette Öle generell keine nennenswerten Mengen wasserlöslicher Vitamine enthalten, also auch kein Vitamin C. Und ob eine Form von Vitamin A in Wildrosenöl vorkommt, sei sehr unsicher.

Um es kurz zu machen: Es gibt nur eine wissenschaftliche Publikation, in der die Autoren bei der Analyse von Wildrosenöl all-trans-Retinsäure (Tretinoin) gefunden haben. Andere Wissenschaftler konnten das nicht bestätigen. Es wäre auch extrem ungewöhnlich, denn Vitamin A kommt allgemein nur in Ölen tierischen Ursprungs vor, da Tiere dieses Vitamin durch einen Stoffwechselprozess herstellen können. Pflanzen enthalten nur (wasserlösliches) Betacarotin, das ihnen eine orange bis rote Farbe verleiht – wie etwa der Hagebutte. Die Fachautorin Heike Käser kommt nach intensiver Recherche zu dem Schluss, dass bei kalt gepresstem, nicht raffiniertem Wildrosenöl eventuell Betacarotin mit Hilfe eines noch unbekannten enzymatischen Prozesses in Retinol verwandelt wird. Am ehesten könnte das bei Öl der Fall sein, das nicht nur aus den Samen der Pflanze, sondern aus den ganzen Früchten gewonnen wird, denn das Betacarotin befindet sich in der Schale. Falls überhaupt vorhanden, liegt der Retinolgehalt des Öls maximal bei 0,03%. Bei dieser Konzentration ist kein Einfluss auf die Kollagenproduktion zu erwarten.

Das heißt nicht, dass Wildrosenöl wirkungslos ist. Es enthält 33% Alpha-Linolensäure und lindert dadurch Entzündungen und fördert die Regeneration der Haut. Die Linolsäure (46%) wirkt positiv auf die Hautbarriere. Außerdem hat es einen hohen Anteil an Phytosterolen. Als „trockenes“ Öl eignet es sich pur gut für ölige Haut, weniger für fettarme Haut wie meine.

Was kann Rosehip Oil wirklich und was nicht?

Akne: Keine Studien. Positive Wirkung durch Alpha-Linolensäure, reduziert die Talgproduktion.

Anti-Aging: Reine Spekulation, keinerlei Nachweise.

Haarausfall: Keine Belege. Hilft eventuell bei schuppiger Kopfhaut.

Narben: Studien belegen die Wirkung bei frischen OP-Narben. Ob sich Aknenarben durch das Öl verbessern lassen, ist unklar.

Schwangerschaftsstreifen: Auch hier gibt es Belege für die Wirksamkeit (präventiv).

Pigmentflecken: Keine Nachweise. Unwahrscheinlich, da das Öl weder Vitamin C noch Retinol enthält.

 

Quellen: Superfoodly: Rosehip Oil Benefits for Skin & Acne reviewed by Science https://www.superfoodly.com/rosehip-oil-benefits-for-skin-acne/, The Beauty Brains: Is Rosehip Oil good for Anti Aging? http://thebeautybrains.com/2015/01/is-rose-hip-oil-good-for-anti-aging/, Heike Käser: Wildrosenöl, neu betrachtet  http://www.olionatura.com/2013/10/15/wildrosenoel-neu-betrachtet/?v=3a52f3c22ed6

(Fotos: Wikimedia Commons Christian SW, Henrik Kotowski)

11 Kommentare

  1. Super Beitrag. Finde ich sehr interessant, weil gerade teure Kosmetikfirmen mit Rosehip Oel werben. Das Geld kann man sich sparen.

  2. „Positive Wirkung durch Alpha-Linolensäure, reduziert die Talgproduktion.“

    Macht das PC Retinol eigentlich auch mit „nebenbei“?

    1. @Heike: Äußerlich angewandt hat Retinol meines Wissens keinen Einfluss auf die Talgproduktion, im Gegensatz zu Medikamenten, die bei Akne oral eingenommen werden können. Die Haut wird durch Retinolprodukte nur als Folge einer Reizreaktion trockener, deshalb braucht sie mehr Feuchtigkeit.

  3. Wie immer sehr interessant- bin ein Dinah Fan ! Etwas verstörend ist die Bebilderung am Ende des Artikels, die Speiseöle und der Essig …
    Was habe ich nicht verstanden ?

    1. Liebe Odile, du hast alles verstanden, das ist ein sogenanntes „Symbolfoto“ zum Thema Öle und was Besseres hatte ich nicht auf dem Handy 🙂 Ein paar der Öle in dem Regal kann man auch als Hautpflege verwenden wie z.B. Traubenkernöl oder Leinöl. Wildrosenöl stand da leider nicht

      1. Aha , dank dir – ich bade manchmal die Füße in Olivenöl, da werden die Ruck zuck sonmertauglich ! Und ich verwende fast nur Leinöl fuer die Salate, hab es aber noch nie fuer die Haut genommen … waere auch nicht auf die Idee gekommen 🌸

  4. Wirklich ein total interessanter Beitrag! Mich hat das TO-Wildrosenöl entsprechend auch kalt gelassen. Welches Öl empfiehlst du denn für trockene Haut, liebe Dinah? Bin mit einer ähnlichen Wüstenhaut wie du „gesegnet“. LG

    1. Mandelöl finde ich gut als Basisöl. Das Marulaöl von TO hat mir auch wirklich gut gefallen, obwohl es eher leicht ist und direkt einzieht, aber das Hautgefühl ist sehr angenehm. Nach einer Empfehlung von olionatura habe ich Marula mit Hanföl gemischt und mit dieser Kombination war ich sehr zufrieden. Leider ist mein Marulaöl jetzt aufgebraucht …

      1. Der wirkliche „Kick“, entfaltet sich im Zusammenhang mit der Vacuum-Behandlung und div. Ölen, damit alles schön gleitet. Speiseöle, wie Leinsamenöl mit Lignanen, sollten immer dunkel und kühl gelagert werden. Für die Gesichtsbehandlung mit der Endo…, können es auch Öle, wie Koko und co. sein, weil es eh abgewaschen wird und einer gründlichen Reinigung der Haut bedarf.

    1. Das Öl von Highdroxy ist eine Mischung auf der Basis von Squalan und Reiskeimöl. Das ist sicher gut formuliert, aber in dieser Preisklasse (1 ml = 4,40 €) kaufe ich kein Gesichtsöl.

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