SKINCARE: VON NEUESTEN FAKTEN ZU UV FILTERN, VERDUTZTEN BLOGGERN UND WISSENSCHAFTLICHEN STUDIEN…

Ich predige es ja schon seit Jahren, aber nun bekommt man es plötzlich auf den INCI-hörigsten Blogs weltweit zu lesen: „Wissenschaftliche Studien sind mit Vorsicht zu genießen, und für den Alltag und den Laien eigentlich kaum als „Beweismittel“ zu gebrauchen.“ Na sowas! Der Grund: Ein Aufschrei geht gerade durch die Beautygemeinde, weil Forschungsergebnisse nun nahelegen, dass unsere bisherige Vorstellung von „mineralischen“ UV Filtern falsch war…

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Was war los?

Was man täglich 15 Mal liest wird schon stimmen! Ach was, das muss ja stimmen. Was sind die Beauty-Verrückten, ich manchmal auch, auf den chemischen Filtern herumgeritten und die mineralischen in den Himmel gehoben.

Das ist auch alles nicht sooo verkehrt, es gibt genügend potenziell reizende chemische Filter, aber eben auch nicht so ganz. Nur ganz kurz und allgemein die Essenz zu der „neuen Erkenntnis“ bei mineralischen UV Filtern:

  • Bisher galt, dass chemische Filter IN der Haut die UV Strahlen absorbieren, und die mineralischen Filter die Strahlung AUF der Haut reflektieren. Das galt als total natürlich und DIE überlegene Form des Sonnenschutzes.

 

  • Nun wird aber deklariert, dass die mineralischen Filter gerade einmal bis zu 4% der UV Strahlung reflektieren, der Rest wird ebenfalls IN der Haut in Energie umgewandelt (zu Wärme), genau wie es die chemischen Filter auch tun.

 

  • Dies gilt für die heute gebräuchlichen mineralischen Filter, die mikronisiert sind. Die alten Produkte mit (in der Relation) „gesteinsbrocken-großen“ physikalischen Filtern, lagen tatsächlich noch AUF der Haut und reflektierten das Sonnenlicht.

Hier ist das wissenschaftliche Papier: KK Cole et al Photodermatology,Photoimmunology,Photomedicine

 

Muss man nun panisch werden?

Nö! Es ist spannend, und auch nicht, denn 1. Erst mal abwarten, was da womöglich noch kommt, eine Studie ist eine Studie, ist eine Studie… 2. Mit einer Kombination aus Filtern BEIDER „Gattungen“ fährt man immer noch am sichersten, um ein möglichst breites UV Spektrum abzudecken. Das habe ich IMMER schon gesagt, weil ich persönlich damit super zurecht komme.

  • Um wirklich UVA1/UVA2/UVB in der heutzutage bestmöglichen Form von der Haut fernzuhalten ist man, nach derzeitigem Wissensstand (das muss man echt mittlerweile erwähnen), mit einer Kombination der Tinosorb Filter (S, M, A2B) auf der sicheren Seite (Prima: Die Absorption von UVA liegt hier bei deutlich über der Hälfte des Wertes für UVB). (Avobenzon (nur in Kombis stabil) und Mexoryl sind dazu auch noch Kombinationsmöglichkeiten.)

 

  • Die Tinosorb Filter vereinen verträglichsten, chemischen Schutz mit einem organischen Feststoff, der ähnlich wie die Mineralien einen physikalischen Schutz bietet. (Übrigens ist auch die Nano-Diskussion hier mittlerweile hinfällig, den es wurden bei Untersuchungen keine dieser Feststoffe IM Körper gefunden, was nahelegt, dass diese Stoffe zwar (oberflächlich) in die Haut eindringen, aber nicht den Übergang in tiefere Zellschichten schaffen.)

 

  • Übrigens muss man bei meiner o.g. Filterkombi für ca. eine Minute mit einem ganz leichten weißen Schleier auf der Haut leben, danach „verschwindet“ er aber! Das ist der Preis, den man für diesen breiten Schutz zahlen muss, man kommt definitiv nicht drumherum!

 

  • Hinsichtlich der Verträglichkeit und der Schutzwirkung gegen das breiteste UV Spektrum gibt es meiner Ansicht nach keine bessere Lösung als die Kombination der für den jeweiligen Verwender verträglichsten chemischen- und Feststofffilter! (Nach heutigem Wissensstand, hehe.)

 

(In der o.g. Forschungsarbeit sind übrigens die Tinosorb-Filter nicht berücksichtigt, da die USA seit über 10 Jahren keine neuen Sonnenschutzsubstanzen mehr zugelassen haben. Gerade deshalb steht die zuständige Behörde momentan besonders in der Kritik!)

Die Zahl auf einem Sonnenschutzprodukt, der „Lichtschutzfaktor“, ist übrigens in der allgemeinen Wahrnehmung total überbewertet. Diese kleine Grafik veranschaulicht deutlich, wie nah die Lichtschutzfaktoren beisammen liegen. In Zukunft wird man wahrscheinlich auf die leicht irreführenden Zahlen verzichten und nur noch mit den Begriffen „Basis-Schutz“, „Mittlerer-Schutz“ und „Hoher-Schutz“ arbeiten. Der Faktor „Sehr-Hoch“ (50+) ist übrigens mMn auszuschließen!

 Lichtschutzfaktor (LSF)  Schutz in [%]  Produktkategorie
 6  83,3  Basis
 10  90  Basis
 15  93,3  mittel
 20  95  mittel
 25  96  mittel
 30  96,7  hoch
 50  98  hoch
 50+    sehr hoch

Trotzdem Panik?

Wenn Panik, dann muss man ganz klar zB.  „B.U.N.D.“ (hat nix mit der Bundesregierung zu tun!!) und „Toxfox“ nennen, die auf beispiellose Art in Deutschland eine Art der Hexenverbrennung zu verschiedensten Substanzen mit angezettelt haben. ZB. ist die Alu-Diskussion noch nicht vom Tisch, aber Fernsehmedien und die o.g. Portale sind scheinbar deutlich schlauer als die meisten Wissenschaftler. Eine Desinformation (Irreführung) sondergleichen wurde losgetreten. Deshalb: Aussagen gerade solcher Quellen immer MIT VORSICHT GENIEßEN!

 

Hier ein dazu passender und empfehlenswerter Bericht der Tagesschau über den „Wert“ wissenschaftlicher Studien im Alltag und für Laien:

 

Und hier nochmals der Link zur sehr empfehlenswerten Seite der Technischen Universität Dortmund, welche die Qualität medizin- und umweltjournalistischer Beiträge in Publikumsmedien nach festen Kriterien beurteilt:  MEDIEN-DOKTOR.DE

 

FAZIT:

Was lernen wir daraus? Nichts ist in Stein gemeisselt, schon morgen kann unser Weltbild auf dem Kopf stehen. Also flexibel bleiben, auf sich selbst hören. Anderen nicht unbesehen ALLES glauben, fertig.

Beim Sonnenschutz bliebe zu erwähnen: Es nützt alles nix. Die tollste Filterkombi nutzt mir nichts, wenn ich die Cremegrundlage nicht mag! Konsistenz, Duft, usw. sind mindestens genauso wichtig wie die Filtersubstanzen. Da man möglichst viel von dem Sonnenschutzprodukt auftragen soll (muss), ist es nur klar, dass ein Produkt welches ich wirklich mag, und bei dem ich das Gefühl habe, es tut mir gut, deutlich im Vorteil ist. Ein fettig-glänzendes und stark weisselndes Produkt hingegen landet womöglich in der Schublade und wird schlimmstenfalls alt und ranzig.

Also bitte nicht unbedingt auf irgendwelche Empfehlungen hören, sondern ein Bild von den angebotenen Produkten machen und dann selbst entscheiden!

 

Die INCI Namen der Tinosorb Filter:

BIS-ETHYLHEXYLOXYPHENOL METHOXYPHENYL TRIAZINE (Tinosorb S), METHYLENE BIS-BENZOTRIAZOLYL TETRAMETHYLBUTYLPHENOL (NANO) (Tinosorb M), TRIS-BIPHENYL TRIAZINE (NANO) (Tinosorb A2B)

 

 

 

 

 

(Fotos: Konsumkaiser, PDF: Johnson&Johnson Consumer And Personal Care, Video: ARD, Grafik LSF: EU   Keinerlei Sponsoring)

 

 

28 Kommentare

  1. Und ich stehe gerade unter dem frischen Eindruck eines Arztbesuches, bei dem eklatanter Vitamin-D3-Mangel diagnostiziert wurde. Murmelt die Ärztin: „Das kommt auch von den ganzen Sonnenschutz-Cremes, die Sonne kommt ja gar nicht mehr an die Haut ran.“ Wie der Mensch es macht, macht er es irgendwie falsch…

      1. Ich nehme jeden Tag 40.000IU (www.vitabay.net) plus 4 Kapseln Vitamin K2 (www.lifeextensioneurope.de).
        Abends Calcium-Magnesium-Citrat (pure Encapulsations).

        Es ist erschreckend wie auch Ärzte immer noch teils dilettantisch bzgl. Vitamin D3 handeln!
        Studien mit sicheren Ergebnissen liegen erst seit ca. 20 Jahren vor – Mythen behindern den sicheren Umgang mit dem Pro-Hormon.

        Supplementierung ist in unserem Breitengrad sowieso notwendig (wir leben auf gleicher Höhe wie Alaska!!!).

        YouTube:
        Sonnen- und Vitamin D-Mangel in der Überflussgesellschaft,
        Vitamin D im Sport,
        Raimund von Helden,
        Eric Berg

        Dann habt ihr Klarheit!
        Krankheit ist ein Markt – Menschen verdienen an diesem Mangel!
        Eigentlich sollte Vitamin D3 standardmäßig beim normalen Bluttest enthalten sein.
        … Ich persönlich mag meine Haut nicht kaputt machen… aber ab & an ein dosiertes Sonnenbad im Sommer darf sein 😊

  2. Mit Studien ist es wie mit Statistiken: letztendlich lässt sich damit (fast) alles beweisen oder widerlegen. Es kommt halt immer darauf an, wer sie beauftragt oder erstellt hat…

    Danke, dass das hier mal so deutlich dargelegt wird!

  3. Stimmt, es geht doch um das Große und Ganze und das logische Prinzip.
    Allerdings, wenn ich mir was aussuchen, würde ich den Vitamin D3-Mangel dem Hautkrebs vorziehen.

    1. Die Dosis macht eben das Gift. 🙂
      Ein Vitamin D Mangel KANN aber auch eine Krebserkrankung begünstigen, weil (auch) das Immunsystem dadurch beeinflusst wird.
      Liebe Grüße, KK

  4. Eben. Die Balance sollte in allen Bereichen gegeben sein. Das macht es ja auch so schwer, überall lauern die Baustellen, und es scheint nie aufzuhören 😰

  5. Und spätestens nach diesem Post freue ich mich, dass Fluid von HighDroxy bestellt zu haben. Ich habe es wirklich nicht so mit Sonnencremes, weil ich viele schlicht auch nicht vertrage. Aber das ist der erste Sonnenschutz fürs Gesicht, der sich angenehm trägt und mir keine Pickel beschert – so der Kurzzeitbericht nach einer knappen Woche. Toller Tipp. Danke.

    LG Anna

  6. Als in der DDR mal Eier knapp waren, wurde – sicher auf Grundlage von „wissenschaftlichen“ Studien – festgestellt, dass mehr als 1 Ei in der Woche gesundheitsschädlich ist 😀
    Seitdem gebe ich auf Studien nicht mehr viel. Auch heute kann scheinbar jeder und jedes Ding je nach Ergebniswunsch gut oder schlecht „studiert“ werden kann, s. Alu- Diskussion. Statt dessen bin ich für selber denken und den gesunden Menschenverstand nutzen in Verbindung mit Ausprobieren, was einem selbst gut tut.
    Viele liebe Grüße!

  7. Hallo , ich bin da mittlerweile auch ziemlich human unterwegs. Ich habe Letzten Sommer ziemlich viel ausprobiert aus der Apotheke und Drogerie entweder weißelt es extrem ist schmierig oder ich bekam Unreinheiten.
    Früher habe ich von lavera die Sonnencreme benutzt und ich errinere mich noch an klebrige Tage am Strand.

    Mittlerweile achte ich auf Alkohol und das dass Produkt nicht allzu stark parfümiert ist.

    Mein Mittel Der Wahl ist derzeit die das Solution von Mary Kay weißelt minimal spendet Feuchtigkeit und verursacht keine Unreinheiten.
    Ich werde mir aber noch Louis Widmer und die Photoderm von bioderma ansehen in der getönten Variante.

    1. Ich mache auch erstmal Bioderma alle (im Gesicht, auf den Armen lasse ich mich besonnen besonnen) und schaue dann, was KK und die Wissenschaftler sagen. Vielleicht folge ich dem Fanboy 😀

  8. Dein Beitrag hat mich heute sehr nachdenklich werden lassen.
    Woher nehme ich eigentlich mein Wissen? Warum denke ich bei manchen Dingen, das muß richtig sein, und versuche mich danach zu richten, bei anderen, das glaube ich nicht?
    Vor einiger Zeit, als das Thema AHA, BHA und Retinol für mich interessant wurde, las ich mich in Sonnenschutz ein, denn wenn ich Erstgenanntes anwende, dann muss auch UV- Schutz sein ( das leuchtete mir ein). Also beschloß ich, Mexoryl, Tinosorb und kein Alkohol soll wichtig sein.
    Und wo kam ich dann raus mit meinem Wissen? Ich lernte die Grenzen meines Wissens kennen, dass Sonnencremes zwar , nach aktuellem Wisensstand, perfekt formuliert waren, ich sie aber nicht vertrug,
    ich mit der Konsistenz nicht klar kam oder sie erst gar nicht “ hielten“ auf meiner Haut.
    Hier glaube ich auch, dass Häute wie meine ( fettig, doch sofort ausgetrocknet und schuppig bei zu wenig Feuchtigkeit, Neigung zu Unreinheiten) es eher schwierig mit Sonnenschutz haben.
    Für unterschiedliche Anlässe habe ich jetzt dennoch einige wenige Produkte gefunden, die funktionieren, wenn ich auch bei jedem Abstriche ( vermeintlich!) machen muss:
    – perfekt als Foundationgrundlage: Missha SPF 45 ( berühmte rosa Tube, mit wohl nicht ganz reizfreien Extrakten)
    – ebenfalls perfekt unter Make- up: PC Youth ext. SPF 50 Fluid ( muss ich aber gründlich einarbeiten, sonst bleiben weiße Spuren bzw. Ränder und meine Wunschfilter sind es auch nicht)
    – Skinceuticals SPF 50 UV ( nicht der getönte, mineralische, sondern der mit Mexoryl. Lieblings- Outdoor- Schutz im Sommer; allerdings muss ich abends gut pflegen, sonst trocknet er aus)
    – PC Cellular SPF 25 ( mineralisch, für Herbst/ Winter oder Drinnentage; vorallem der einzige, den ich auch als Augensonnencreme nehmen kann. Leicht weißelnd, ich trage bei Bedarf mein Barely There – super tolle getönte Tages Creme mit SPF 30 von PC noch darüber.)
    Ich suche auf alle Fälle weiter- habe mir heute auch Proben vom neuen Highdroxy- Schutz bestellt.
    So, genug geschrieben…aber Sonnenschutz ist eben mein Steckenpferd…🐴

    1. Finde ich toll, dass du dir da so richtig Mühe gegeben hast, für dich die passenden Produkte zu finden! Das kostet Zeit und Geld, aber es ist schlimm Produkte benutzen zu müssen, die einfach nicht passen. Auch wenn alle die „so toll“ finden.
      Liebe Grüße, KK

  9. Das leidige Sonnenschutzthema. Letztes Jahr hatte ich ein von den Inhaltsstoffen perfektes Produkt aufgetan mit dem Bioderma Photoderm LEB Spray. Kostet nicht viel, hat hohen UVA Schutz, kein Parfum und die Konsistenz passt auch. Nachteil ist, ich sehe aus wie ein Geist und es hängen weiße Krümel im Bart.

    Davor habe ich einen Sonnenschutz von Missha benutzt. Konsistenz wie Wasser, kaum spürbar, aber der Duft war schlimmer als im Blumenladen und die Extrakte sind bei den Asiaten halt auch fragwürdig.

    Zur Zeit nehme ich den Schutz von M. Asam. Gute Filter, relativ dicke Konsistenz, allerdings keinerlei Weißeln. Was mich nervt, ist das Hautgefühl. Ich glänze zwar nicht, aber ich merke, dass der Schutz da ist, auch beim Anfassen der Haut.

    Eigentlich wollte ich dieses Jahr auch endlich mal Piz Buin Ultra Dry Touch testen, denn die fühlten sich beim Handtest immer wahnsinnig gut an. Leider sind die dieses Jahr nicht mehr erhältlich.

    Jetzt bin ich gespannt auf das Highdroxy Produkt. Die Probe wird am Wochenende zum Einsatz kommen.

  10. Ich habe deinen Rat befolgt und mir den Vitamin D3-Spiegel im Blut messen lassen.
    Heute kam das Ergebnis : 10 ng/ml. Scheint etwas wenig….:-{

    Danke für Dein Beitrag, sonst käme ich nie alleine auf diese Idee.

  11. HIhi ich finde das irgendwie lustig – das erste was man uns im Studium beigebracht hat, ist, dass man auf gar keinen Fall Studien vertrauen sollte 😀 Ich finde jedoch, dass Studien „reglementiert“ werden sollten, damit man wirklich sicher gehen kann ob nun die Produkte oder Behandlungen wirklich sinnvoll sind und nicht schädigend für die Haut ….

    1. Das fände ich auch enorm toll. Aber wer überwacht das und wählt aus? der Staat nimmt sich aus solchen Dingen ja immer mehr raus. Und privatwirtschaftlich sind in Null Komma Nix wieder Lobbygruppen am Werk. Schwierig, leider!
      Liebe Grüße, KK

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