BEAUTY-INSIDERS: BLOGGER RELATIONS 2 * WARUM BLOGS EIGENTLICH UNSCHLAGBAR SIND

Blogger sind sehr oft Meinungsmacher, auch „Influencer“ genannt. Und dazu möchte ich hier exemplarisch den Beauty- und Lifestylebereich anführen. Die Leser (Konsumenten) sind die altbekannten Pfade, sprich die penetrante Werbung (in all ihren Formen) der traditionellen Medien, mehr als Leid. „Journalist“ und „Presse“ verkommen in der öffentlichen Wahrnehmung erschreckend schnell zu Schimpfworten, man denke nur an den unseligen Begriff „Lügenpresse“. Blogger (und in letzter Zeit auch besonders die VLogger) haben sich das zunutze gemacht, und haben ihren Stellenwert langsam (sehr langsam in Deutschland) immer mehr gesteigert. Dass es da auch zu Problemen kommen muss, konnte man sich fast denken…

 

Was macht Blogs und Blogger wirklich besonders?

Immer wieder hört man von dem durchgenudelten Wort „Authentizität“. Aber ist es das wirklich? Eigentlich ist es die Tatsache, dass wir Blogger nun mal keine Journalisten sind! Wir wollen auch nicht wie welche behandelt werden. Blogger schreiben meist mit Herzblut über Sachen, die ihnen ein Anliegen sind, eine Leidenschaft über ihre Leidenschaft. Wir orientieren uns nicht an journalistischen Regeln, sondern zeigen ganz unverholen unsere ureigenste Person, mit allen Macken, Kanten und Vorzügen. Schreibfehler? Na, und? Schachtelsätze? Wozu? Ich bin ich, warum verstellen?

Leser mögen das. Die Distanz zwischen einem Journalisten und dem Leser ist ähnlich der Entfernung zwischen einem „auktorialen Erzähler“ und dem Leser eines Romans. Den „Allwissenden“ kann man irgendwie nicht mögen, er bleibt unpersönlich und berührt uns nicht. Der Blogger schon!

 

Blogger und die Marketingprofis

Die „Marketing-Industrie“ hat sich heutzutage auf Blogger eingeschossen. Blogger und Blogs sind beliebt, und die VLogger haben teilweise schon Star-Status erreicht. Was bei anderen Celebrities ganz normal ist, wird Bloggern aber gerne übel genommen. Zu viel Werbung soll es nun bitteschön nicht sein. Ja zur Hölle! Was ist denn Beauty- und Lifestyle-Blogging? Wenn man sich für eine Berichterstattung über Produkte entschieden hat, ist das nun mal IMMER auch Werbung, egal ob man dafür Geld bekommt, nen Handschlag oder Ruhm und Ehre. Jeder Blog, der schon mal über ein Produkt berichtet hat, welches man irgendwo käuflich erwerben kann, hat damit Werbung gemacht. Die PR Leute freuts natürlich, denn diese nette Erwähnung war kostenfrei und bringt trotzdem eine Art „Reminder-Impuls“, der beim Besuch im nächsten Kaufhaus/Supermarkt/Wasauchimmer in einem Kauf resultieren könnte. Im besten Falle war sie auch ehrlich. Fein!

Die Frage, ob Blogger nun dafür Geld nehmen sollten oder nicht, finde ich engstirnig und teilweise „typisch Deutsch“! Nur weil jemand die vorgestellten Produkte selbst kauft, ist das nicht gleichbedeutend mit absoluter Neutralität. Genauso wenig lügen uns alle „bemusterten und/oder bezahlten“ Blogposts das blaue vom Himmel herunter! Wer das denkt und propagiert macht sich eigentlich der „Projektion“ schuldig. Ein psychologischer Fachbegriff für „von sich auf Andere schließen“.

Letztendlich landen wir doch immer wieder bei meinem allseits beliebten Grundsatz der Menschheit: „Sich selbst einen Kopf machen“! In allen Belangen. Was ich irgendwo zu lesen bekomme, muss ich auch verarbeiten und meine eigenen Schlussfolgerungen ziehen. Journalisten sind auch nicht immer neutral, bekommen auch Werbegeschenke, Reisen, „Koppelgeschäfte“ sind an der Tagesordnung (und womöglich noch viel grandiosere Dinge!!). Und was deutlich wichtiger ist: Sie werden für ihre Arbeit bezahlt. Blogger zum allergrößten Teil nicht. Gerade die „Alles für umsonst“ Mentalität spielt da mit hinein. Für eine recht schwierige Arbeit (und ist auch nur ein Hobby) möchte und braucht man auch Anerkennung. Viele Blogger sehen eine Zusammenarbeit mit Firmen/PR Fachleuten/Marketingabteilungen als eine Bestätigung für ihre gute Arbeit. Wer möchte als Leser schon für ein Review zur allerneusten Creme von Chanel bezahlen? Verdient hätte es aber so mancher fleißige Blogger.

Mag es auch sein, dass es Blogs gibt, deren Product-Placement den Warenbestand von QVC übertrifft, aber ich bin doch nicht gezwungen zu LESEN/GLAUBEN/KAUFEN! Das Anprangern dieses Zustands ist mühsam und führt zu nichts. Ganz besonders verabscheuungswürdig finde ich momentan das scheinbar populär gewordene „Inter-Blog-Bashing“, bei dem der eine oder andere Blog sich über andere erhebt und mit seiner moralischen Keule so einige Hiebe verteilt (zu viel Werbung, zu wenige INCIs…). Müßig, hier über die Motivationswelt der jeweiligen Person zu sinnieren.

 

Bessere Steuerung

All diese unschönen Begleiterscheinungen resultieren auch aus einer Art Schrotschußtaktik der PR Welt. Es werden möglichst viele Blogs, weitestgehend unreflektiert mit Produkten und Informationen ausgestattet. Irgendeiner der „freundlichen Multiplikatoren von nebenan“ wird schon etwas dazu veröffentlichen. Und die Chancen, dass die Veröffentlichung einen positiven Tenor hat, stehen gut! Einfach nur Content duplizieren ist heute aber nicht mehr zeitgemäß.

Kongruente Parteien zu finden, dass ist mMn der Schlüssel zu mehr Erfolg im Bereich der „Blogger Relations“. Blogger und Produkt müssen 1a passen. Marketingexperte und Blogger sollten sich auf einer persönlichen Ebene austauschen, und dabei sollte jede Art der Einflussnahme unterbleiben (auf beiden Seiten – es gibt VLogger, von denen ich weiß, dass sie Produkte bewusst fordern). „Das Produkt wurde unverbindlich zur Verfügung gestellt“ darf keine leere Floskel werden, es ist geradezu ein Gütezeichen!

Ohne „Samples“ würden wir Blogger nämlich manchmal so manches Produkt gar nicht kennen lernen, geschweige denn die Leserschaft/Konsument. Wenn auf beiden Seiten eine offene, ehrliche, transparente und stete Kommunikation besteht, stehen die Chancen gut, dass alles „regelgerecht“ zugeht, und die Leser mehr echte Mehrwerte bekommen als plumpe Werbung. Und ich empfehle immer den Kommentarbereich eines Blogs zu studieren. Ein guter und zuverlässiger Blog zeigt eine rege Kommentarkultur. Man liest zwischen den Zeilen und spürt, dass hier gegenseitiges Vertrauen herrscht, und nicht nur Postings von anderen Bloggern, die sich und ihren Blog bekannt machen wollen mit „nice Post – pls visit me under blahblahbla.com!“

Das ist der große Unterschied zu den meisten traditionellen Medien, die dann doch größtenteils an Verlagsvorgaben, Leserzahlen und besonders Werbekunden denken müssen. Ein transparenter Blog mit einer Aussage und Linie, und der dann auch noch zum jeweiligen Leser passt, ist unschlagbar!

 

 

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(Grafik: Konsumkaiser  Siehe zu diesem Thema auch den „Bogger Relations Kodex“ auf der Seitenleiste. Der Beitrag ist nicht gesponsert.)

18 Kommentare

  1. Lieber KK, das ist mit Abstand einer der besten Postings, die ich zum Thema gelesen habe. Mich nerven diese im Augenblick überall aufploppenden Postings zum Thema in dem sich wahlweise übergebür gerechtfertigt wird (Warum?) oder die moralische Keule ausgepackt wird, das es nur so kracht. Dein Post bringt es auf den Punkt und mehr gibt es für mich dazu nicht zu sagen. Amen und Danke!

    1. ja, es stimmt. ich habe auch mit mir gerungen nun AUCH noch etwas in dieser richtung zu schreiben. aber ich denke für leser ist das alles interessant zu erfahren. selbst das fachorgan der verrückten und desinformierten mit den 4 buchstaben sagt schließlich „bild dir eine meinung!“ 😉
      liebe grüße, kk

  2. Ich finde diese derzeit um sich selbst kreisenden Diskussionen auch schwierig. Und besonders schwierig bzw. unschön finde ich tatsächlich dieses Inter-Blog-Bashing, dem ich in letzter Zeit nicht nur einmal ausgesetzt war. Ich weiß wirklich nicht, was ich davon halten soll – und was da die Motivation ist.

    Und wie du finde ich: Ja, Lifestyle-Blogs sind eine Werbemaschine. PER SE! Ob nun gesponsert oder nicht. Ich schreibe texterella seit 2009 und habe von Anfang an, Werbung gemacht – einfach weil es in der Natur der Sache liegt. Bei uns geht es um Konsum und Produkte. Wie will man denn darüber schreiben, ohne zu „werben“? Der Unterschied zu früher ist nur, dass die Unternehmen diese Werbung damals geschenkt bekamen. Und auch heute ist das zu 90 Prozent meiner Posts so. Wenn nicht, steht es dran.

    1. so sehe ich das auch. ich bin mir nicht sicher, woher diese neue strömung kommt. gerade auch texterella ist doch ein lifestyle-blog, ich erwarte geradezu empfehlungen von neuheiten und schönen dingen, die ich vorher noch nicht kannte. und als dreingabe bekomme ich sogar noch qualitativ herausstechende textbeiträge über mannigfaltige themen. auch bei ff und co. und trotzdem „fühlt“ sich das alles ehrlich und transparent an!
      liebe grüße, kk

  3. für mich als endverbraucherin… und meine persönliche meinung: ich klicke den blog an, mit dem thema das mich anspricht… lese ihn mir durch, picke daraus das interessante heraus, aber das allerwichtigste an einem guten blog ist und bleibt für mich….
    die kommentarleiste seiner leser 🙂
    zeig mir deine freunde und ich sag dir wer du bist…
    gild für mich auch für blog und produkt…
    die meist langen diskussionen produktempfehlungen, und das eingehen und beantworten der mitleser und des bloggers, machen das produkt für mich erst… *real*
    teamwork eben, ein blog ist nichts ohne seine kommentarleiste :)…meine persönliche meinung

  4. Solange offen kommuniziert wird, dass Produkte zugesendet wurden, finde ich alles in Ordnung. Denn dann habe ich schon auch ein kritischeres Auge darauf, was geschrieben wird und kann mir eben überlegen, ist das authentisch oder fällt die Meinung positiv aus, weil das Produkt kostenlos war.

    Andererseits finde ich es völlig fehl am Platz, wenn Blogger anfangen sich zu rechtfertigen. Denn ihr habt es durchaus verdient, dass ihr hier und da auch etwas umsonst bekommt. Zum einen weil ihr euch wirklich viel Arbeit macht mit euren Blogs und es dafür auch eine Art Lohn ist. Und zum anderen wollen wir Leser natürlich auch immer neue Produkte kennenlernen. Dafür könnt ihr euch ja schlecht in den persönlichen Ruin stürzen. Von daher ist das schon alles in Ordnung, wie es ist. Vor allem wenn ab und zu vielleicht sogar mal was überbleibt für eine Verlosung unter den Lesern. 😛

    1. stimmt! bei gewinnspielen wird eingesackt was nur irgendwie geht! da schreit kein hahn nach dem gesponserten post. dabei kann ich in einem gewinnspiel so viel „werbung“ verstecken wie ich nur will, wenn man denn will.
      ich bin auch kein freund von rechtfertigungen, und ich tue das auch nicht mehr. aber es liegt in der natur der blogger (scheinbar) das wir uns alle für irgendwie wichtig halten und meinen, dass wir uns mit unserem anliegen erklären wollen.
      ich schätze die meisten leser winken eher müde ab. 😉
      trotzdem ist mein posting nr. 1 und nr. 2 auch für die profis gedacht, die so etwas ja auch lesen und mal einen einblick in die gedankenwelt der blogger bekommen, um die zusammenarbeit besser einschätzen zu können.
      viele grüße, kk

  5. Erst Heute habe ich noch gehört , welche Auswirkung Bloggen und Blogger auf Umsätze im Wirtschaftsbereich in Zahlen haben . Und das waren nur Zahlen und Fakten aus dem Kreativ und Selbermacher Bereich . Ganz ehrlich ich war sprachlos .

    LG Heidi

    1. ganz ehrlich? ich komme auch in versuchung links zu verwenden, die mir beim kauf des lesers einige cents einbringen. wenn dann etwas geld zusammenkommt könnte ich noch viel mehr gute und teure produkte testen. ich kaufe ja schon viel und ich gebe viel geld aus für den blog, aber es könnte immer noch toller und mehr sein. wenn so etwas gekennzeichnet ist, dann ist es mmn auch 100% ok. warum sollte der bloger nicht etwas vom kuchen abhaben sollen?
      aber ich bin mit meinem momentanen zustand des blogs auch sehr zufrieden und ich arbeite eben mehr, verkaufe dies oder jenes auf ebay und bedanke mich auch schon mal für samples. kommerzialisieren will ich aber nicht, dann hat man ne menge am hals, och nö, lieber hobby! 😉
      viele grüße, kk

      1. Diese Geldverdienlinks finde ich völlig legitim. Du verhilfst dem Unternehmen oder Onlinehshop zu mehr Umsatz und sollst ruhig auch was vom Kuchen abhaben. Zumal ich mich vollkommen sicher bin, dass du das so verdiente Geld wirklich in neue Produkte investiert, mit denen du uns dann wieder den Mund wässrig machst. ^^
        Denjenigen, der so einen Link anklickt, stört das ohnehin nicht, außer dass bei langsameren Verbindungen der Aufbau der verlinkten Seite durch den kleinen Umweg eventuell minimal länger dauert.

  6. Mal ein paar Gedanken dazu…
    *Wie realistisch sind „Produkteinschätzungen“, wenn es tagtäglich um ein anderes Produkt geht?
    *Wie sehr beeinflußt die Marke den eigenen Eindruck? Hier wären Blindtests sicherlich mal interessant….

    Mir gefallen die Selbermach- Anregungs- Blogs,sofern sie durchdacht und ausprobiert sind. Oft wird nur abgeschrieben, kopiert etc.

    Wenn ich mir ein Kleidungsstück nähe oder eine Creme rühre, ist das Erlebte einfach intensiver und hat ein eine höhere Wertschätzung. Im Gegensatz zu diversen Pröbchen.

    Nichtsdestotrotz lese ich gern in dem ein oder anderen Blog.. einfach, weil es mittlerweile auch ein Ritual ist und man süchtig werden kann…

    Mahlzeit!

    1. ich kenne eigentlich keinen einzigen Blog, auf dem täglich über andere Produkte berichtet wird. und selbst wenn…ich freue mich über eine Aussage zu Duft, Konsistenz und inci immer. und das ist tausendmal mehr, als uns die beautyfirmen in den Produktebeschreibungen bieten!!
      Liebe Grüße, kk

  7. Gutes Thema gerade im Moment bei der anhaltenden Diskussion. Blogs gibt es genauso vielfältig wie es Medien gibt. Da kann sixh jede etwas aussuchen. Mich hatte diese Bezahldiskussion von Anfang an sehr befremdet und denke, dass wie du, da einerseits diese kostenlos Mentalität hinter steckt. Andererseits auch viel Neid, Blogger sind ab einer gewissen Ebene scheinbar priviligiert, weil sie Zugang zu einer Sehnsuchtswelt haben (z.B. Mode, Beauty) Journalisten noch mehr. Ich stecke nach meinem Job noch soviel Zeit in den Blog, übe als Bloggerin quasi mehrere kreative Berufe gleichzeitig aus (Layouter, Bildredakteurin, Schreiberin, Webdesignerin, Fotografin, etc.) Und das umsonst? Solange in der Welt da draußen für Brötchen klimperndes Kleingeld verlangt wird, muss ich Geld verdienen. Das ist dann auf dem Blog entsprechend gekennzeichnet so wie eine Anzeige in einem Magazin gekennzeichnet ist.

  8. Schön schön, lieber Jörg. Aber um ganz ehrlich zu sein, wenn ich darüber nachdenke, ein neue Beautyprodukt zu kaufen (was vielleicht auch ein bisschen mehr kostet), dann vertraue ich Amazon-Bewertungen, Ciao, Doyoo (oder so ähnlich) und wie sie allen heißen, mittlerweile mehr als Bloggern. Ausnahme wie Dein Blog bestätigen die Regel.

    Eben – weil Du ehrlich bist. Und Dich traust, auch mal zu kritisieren.

    Die meisten Beautyblogger gehen nach dem Motto vor „dem geschenktem Gaul schaut man nicht ins Maul“ – bzw. „wenn ich jetzt was negatives schreibe, krieg ich in Zukunft nix mehr geschenkt, also lieber was nettes schreiben“. Deshalb: Die ganze Lobhudelei, die kann ich nicht mehr erstnehmen.

    OK, bei Amazon – da bin ich auch schon auf Fakebewertungen reingefallen (aber eher was Romane betrifft), nichtsdestotrotz – es scheint mir in der Summe noch realistischer/ehrlicher zu sein…

    Lg, Annemarie

    1. echt? bei Amazon gibt es sooo viele Fakes. und diese ganzen „berufenen“, die 20000 Bewertungen verfassen machen mich auch nicht glücklich. dann lieber ein Blog, da lese ich zumindest über die Konsistenz, den Geruch und die incis, den lobhudelteil Blende ich einfach aus, oder eben nicht, je nachdem was mein Bauchgefühl sagt. bei Amazon sind so viele unqualifizierte Leute unterwegs, die können manchmal nicht einmal eine produktreview von einer Meckerei gegen DHL unterscheiden…
      viele Grüße, kk

  9. Argl, wieder eine beliebte Folge des Journalisten-Bashing. Die sind ja viel schlimmer als jeder Blogger. Koppelgeschäfte, teure Reisen, noch teurere Geschenke. Und dafür lobhudeln die. Blöd, dass ich das in 25 Jahren als Redakteurin noch nie erlebt habe. Ja, ich habe die eine oder andere Dienstreise hinter mir. New York, Washington und San Francisco oder auch „nur“ Mailand hören sich toll an. Und sind letztendlich Arbeit und Stress. Reisezeit ist übrigens keine Arbeitszeit, ergo Privatvergnügen. Und ja, ich habe, als ich noch bei Fachzeitschriften gearbeitet habe, tatsächlich Testprodukte bekommen. Die mussten nach dem Test zurückgeschickt werden.

    Mir hat in all den Jahren noch kein Anzeigenkunde diktiert, was ich zu schreiben habe. Erst kürzlich hatte ich eine Auseinandersetzung mit jemandem, der die Berichterstattung über ein ihm nicht genehmes Thema mit der Drohung, Anzeigen nicht zu schalten, unterbinden wollte. So what. Er musste zum wiederholten Male lernen, dass Pressefreiheit eben Pressefreiheit bedeutet und nicht, dass eine Tageszeitung nach seiner Pfeife tanzt. Und auch wenn auf Blogs tausendmal das Gegenteil zu lesen ist – so funktionierte das bisher bei jedem Medium, bei dem ich gearbeitet habe.

    Wenn Blogger nun gar keine Journalisten sein wollen (wozu im Übrigen in der Regel ein Studium und eine zweijährige Ausbildung gehört), weil sie sich schließlich Rechtschreibfehler, Schachtelsätze und ihre persönliche Note erhalten wollen und nicht wie die böse Journaille unter der Knute des schnöden Mammons stehen, warum verlangen sie dann aber auf der anderen Seite danach, doch bezahlt zu werden? Ich versteh diesen Teil der Argumentation echt nicht. Klar macht ein Blog Arbeit. Aber wenn mir diese Arbeit zu viel wird, reduziere ich sie. Oder reduziere meine Brot-und-Butter-Tätigkeit und professionalisiere den Blog. Dann begebe ich mich allerdings unter die Knute des schnöden Mammon, genauso wir der böse Journalist. Der aber immerhin vom Verlag für seine Arbeit bezahlt wird und nicht direkt Anzeigenkunden aquirieren muss – gottlob. Genausowenig verstehe ich diesen reflexhaften Neidvorwurf, der jeden trifft, der auf einem Blog Kritik übt. Oder das ständige Rechtfertigen für die Tatsache, dass man Posts für Geld schreibt. Das soll doch jeder Blogger so halten wie er es will.

    Ob die Rechnung aufgeht, wird er merken. Denn letztendlich ist es, bei Blogs und bei Printmedien, der Leser, der entscheidet, ob er mit dem Anteil an bezahltem Content leben will und inwiefern der sich auf die Glaubwürdigkeit des gesamten Blogs auswirkt. Manche Blogger schaffen es, diese Gratwanderung zwischen Kommerz und Glaubwürdigkeit zu überstehen und ihre Authentizität zu behalten. Manche nicht. Dann bleiben Leser aus. Und dann wiederum sinkt der Werbewert des Blogs.

    Hier gibt es übrigens durchaus Parallelen zu traditionellen Medien. Wenn die nämlich nur nach Gusto der Anzeigenkunden schreiben anstatt ihren Job ordentlich zu machen, bleiben irgendwann die Leser aus. Sinkt die Auflage, sinkt das Anzeigenvolumen. Vorausgesetzt, man hat denkende Leser. Und die gibt es. Wir haben ganz viele davon.

    Liebe Grüße
    Fran

    1. liebe fran!
      nun hast du dir so viel mühe gegeben und eine menge geschrieben, und dennoch habe ich den verdacht, dass du meine einleitung mutwillig „überlesen“ hast. ich spreche nicht von DER journaille, sondern einzig von beauty-bloggern und journalisten der mode- und lifestylemagazine.

      ob du da tatsächlich einen einblick hast, kann ich nicht beurteilen, ich denke aber eher nicht. ich habe es mir natürlich nicht unbedingt aus den fingern gesogen, sondern kann dir bei bedarf gerne ein paar quellen (aus dem fachbereich pr, marketing und presse) nennen, die ich recherchiert habe, und deren grundaussagen ich folge. pr arbeit mit bloggern und journalisten muss sich unterscheiden. was beide gemeinsam haben, sind mißbräuchliche „akte“ auf beiden seiten – da helfen im übrigen auch keine 10 jahre studium!
      ein blog kann im gegensatz zu einem noch so freien journalisten seine TOTAL freie meinung äussern (und diesmal meine ich nicht nur beauty-blogs), du kannst mir nicht erzählen, dass man KEINE rücksicht auf verlagslinie, ökonomische interessen, usw. nehmen braucht.
      deswegen „bashe“ ich hier auch niemanden, sondern finde es nur wichtig mehrere seiten zu beleuchten. hier gibt es kein schwarz und weiß, auch wenn du das jetzt gerne so deuten möchtest.
      viele grüße, kk

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