LIFESTYLE: RETURN OF THE LIVING DEAD * JOOP! HOMME

Bei meiner letzten Bestellung in einer Onlineparfümerie lag es dabei. Ein kleines, harmloses Pröbchen, im Plastikröhrchen, auf ein Pappmäntelchen geklebt. Sofort erkannte ich es an der knalligen Aufmachung. An diesem fetten Schriftzug mit Ausrufezeichen. An dem atemberaubenden Duft, der aus dem Paket kommend, stechend über meine Nase herfiel, und mich unsanft in das Jahr 1989 zurückkatapultierte. Joop! Homme ist zurück, offenbar konnte das niemand verhindern.

 

 

Dies ist wahrlich keine Liebesgeschichte. Und wie so oft, beginnt sie in dunkler Vorzeit, in den Achtzigerjahren, als ich begann, mich für Lifestylekram zu interessieren.

Die Produkte von Wolfgang Joop und ich, wie soll ich es beschreiben? Noch nie hat mich irgendetwas gereizt, das den Namen Joop mit Ausrufezeichen trug. Nicht, als es noch von Wolfgang persönlich kam, und erst recht nicht, als die Lizenzen verkauft waren, und man schnöde Einfachware für mittlere Preise bekam; Joop sich längst anderen Dingen widmete, und gleichzeitig seinen Namen weniger inflationär verbreitete.

Symbol für meine Aversion gegen Joop-Lifestyleprodukte (auch die seiner Tochter) war zu Anfang das Parfüm des Todes schlechthin: Das „rote Joop!“ – Sinnbild des verhasstesten Herrenduftes Ende der Achtzigerjahre. Kirschsoße aus der Parfümerie. Uneingeweihte sagten „Dschuup“, ich jedoch drehte den Namen lieber um und warf das „J“ weg. Heraus kam: Poo! Jawoll.

Wer mir damit zu nahe kam, wurde kurzerhand erschlagen. Ähm, also mit Worten. „Hau ab, Du stinkst!“ war noch harmlos. Und kein Wunder, denn in einer unheiligen Allianz, paarte sich das penetrante Duftwasser offenbar einzig mit Menschen, die keinerlei Gespür für die adäquate Auftragsmenge eines Eau de Toilette für Herren besaßen. Na gut, Verschwendungssucht war in diesem Jahrzehnt normal.

1989. Joop! Homme erschien auf der Bildfläche, und ich war zuerst fasziniert. So ein schöner Flakon, so ein tolles Rot, mit pinkfarbenem Einschlag. Es war total Achtzigerjahre, dem Jahrzehnt der ständigen Ausrufezeichen. Der Übertreibung. Dem stylischen „too much“. Rein optisch ein Volltreffer.

Und irgendwie war es auch Rebellion: Blau war für Männer, Rot/Pink für Frauen. So war es (und ist es heute mancherorts immer noch) in Stein gemeißelt. Joop! Homme drehte diesen Farbcode um, spielte damit.

Aber die Farbwahl war Omen genug, denn wer seine Nase an den provozierend gefärbten Flakon hielt, und ein erfrischendes Wässerchen à la Cool Water von Davidoff erwartete, wurde doch hinterhältigst überrascht. War das wirklich ein Herrenduft? So schwülstig, süß und puffig? Das kann doch nicht sein, oder doch? Eigentlich löblich, wie sehr ein „deutscher Duft“ Vorreiter einer neuen Geschlechter-Gelassenheit sein konnte.

Böse Zungen behaupten allerdings gleichzeitig, dass es noch nie so viele Notfälle in den Krankenhäusern mit verätzten Nasenschleimhäuten gegeben hätte, wie zu dieser Zeit.

 

Hier einmal die Duftkomponenten:

Kopfnote: Bergamotte, Mandarine, Orangenblüte, Zitrone
Herznote: Heliotrop, Jasmin, Maiglöckchen, Zimt
Basisnote: Patchouli, Sandelholz, Tonkabohne, Vanille

 

Gefühlte hundert Jahre später kommt Joop! Homme zurück. Dazu der heute nur noch zum müden Lächeln animierende Slogan „Echte Männer tragen Pink“.

Ich kann wirklich nicht sagen, warum dieser Duft für mich so unerträglich ist, und warum ich die Augen bis zum Hinterkopf verdrehe, wenn mir jemand erklären möchte, dass dieser Duft „erotisch“ sei, aber ich kann da nicht über meinen Schatten springen.

Mittlerweile bin ich auch alt genug, um zu wissen, ob mich dieser orientalische Bruch des Duftes gar an meiner Männlichkeit hat zweifeln lassen, und aus Angst vor dem Gedanken, lehne ich diesen nun kategorisch ab. Dazu kann ich fundiert behaupten: Nö.

Wahrscheinlich ist es so wie immer mit Sympathie und Antipathie. Viele Faktoren, und über „Geschmack“ lässt sich nun mal nicht streiten. Eins weiß ich aber, ein Mann, der dieses sirupartige Joop! Homme trägt hat es bei mir schwer. Sehr schwer.

Wie habt Ihr Joop! Homme erlebt? Ist das Come-back gerechtfertigt, und tragen es junge Männer heute anders? Ist die Einstellung wichtig, oder wird es nur ironisch verwendet erträglich?

 

 

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(Fotos: Konsumkaiser   Keinerlei Sponsoring)


26 Gedanken zu “LIFESTYLE: RETURN OF THE LIVING DEAD * JOOP! HOMME

  1. Guten Morgen 🌞,
    Was soll ich sagen…….ich LIEBE das Joop , fand es vor 20 Jahren toll und auch noch heute 😄🙈 Mein Mann hat es immer gerne benutzt und ich würde behaupten wenn ich es ihm heute kaufe dann würde er es bestimmt wieder benutzen 😄
    Liebe Grüße
    Simone

  2. Guten Morgen,
    ich hasse diesen Duft! Mein Freund hat ihn hier, aber seit zwei Jahren nicht mehr verwendet. Der Grund: ich bekomme davon heftigste Atemnot. Keine Ahnung, woran das liegt. Ich hatte mal Joop Femme für mich, das habe ich verschenkt, weil mein Kreislauf verrückt spielte. Irgendetwas ist in den Joop-Düften, das ich nicht vertrage. Bei Joop Homme kommt aber noch dazu, dass das Zeug erbärmlich stinkt. Pfui!
    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag!
    Andrea

  3. Vom dem Duft wird mir übel 🤢 aber es liegt sicher – wie du schon bemerkt hast – auch an der Dosis. Ähnlich verhält es sich bei einer Frau, die zB in Angel gebadet hat 🙈 Ich mag aber generell keine zu süßen Düfte für Männer. Le Male von JPG finden ja auch viele gut, ich mag ihn gar nicht 🤷🏼

  4. Komisch, ich habe eine sehr kleine, uralte Flasche bei meinem Vater im Spiegelschrank entdeckt und mitgenommen. Er nimmt kein E.d.T. mehr. Nehme es nur ab und zu im Winter, nur einen Sprühstoß unter dem Pulli, das reicht und ich mag es. Einer meiner Chef`s nimmt es wohl auch, habe es gleich erkannt. Der riecht soooo gut! Nun riechen wir gleich. Inzwischen gibt es ja eine neue Umverpackung, aber nachkaufen würde ich es nicht, zumal ich noch Düfte in Mengen verbrauchen muss. Verbrauche es aus nostalgischen Gründen.
    Heute gibt es um 16 Uhr Beaty Talk bei HSE24, die verkaufen jetzt Dr.Susanne von Schmiedeberg & die Douglas Spa Serie. Douglas muss es ja nötig haben……Vielleicht kommt ja Frau Dr. vorbei, ich schau mal rein und kaufe nix.
    Schönen Sonntag.

  5. Ach ja, Joop! Ich gebe zu, als es auf den Markt kam, ich habe es gekauft und zwar das volle Programm, Deo, Shower Gel und die dazugehörige Body Lotion.. ich konnte nicht genug bekommen. Zu der Zeit mal etwas anderes als die üblichen Herrendüfte, ich fand den Duft damals soooo schön .. und dann wurde ich unsanft aus meinen orientalischen Träumen gerissen. Mein Umfeld hat die Nase gerümpft, wenn ich nur einen Raum betreten habe😅 das war also mein Erlebnis mit Joop!

  6. Entschuldige, lieber KK, dass ich heute so völlig out of topic bin, aber leider bist du daran selbst Schuld. Du hast mich mit „How to get away with murder“ angefixt. Und jetzt habe ich deswegen keine Zeit mehr, deine Artikel zu lesen 🤦. Joop ist aber eine Marke, der ich rundum in jeder Sparte überhaupt nichts abgewinnen kann.
    Ganz im Gegensatz zu der eben genannten Serie! So, ich muss dann wieder…

    1. Es ist aber auch eine klasse Serie. Halt durch, die Längen in der Mitte sind existent. Irit hat da ganz recht, aber die letzte Staffel reisst alles wieder raus!
      Liebe Grüße
      KK

  7. Vermutlich liegt es wirklich an der Auftragemenge, wie fast immer. Aber. Natürlich kann nicht jeder mit jedem Duft.

    Duft? Um Joop Homme und seine Adepten habe ich immer einen ziemlichen Bogen gemacht (nur einmal nicht, und ich habe es nicht bedauert! Und es lag gewiss nicht am Duft…😉 (ich meinte, er könne auch gerne mal den Duft weglassen, was er zwar verwundert, aber dann doch tat)). Mir hat man mal irgendeinen Instantkopfschmerz von Versace geschenkt, ebenso wie Gaultiers Femme. Ich selbst kaufte Trésor. Naja, jeder macht mal Fehler. YSL Paris war dagegen ganz wunderbar!

    Angel spaltet die Menschheit, aber wenn man den Duft sehr sparsam einsetzt, ein Viertel Sprühstoß, dann gehts, und bloß nicht auf die Kleidung. Das Duschgel ist übrigens der heiße Tipp, denn man duftet abebbend sanft nach Patchouli und brüllt nicht den Duft, den nicht jeder mag, in Richtung Mitmenschen.
    Alien hat man mir auch mal geschenkt – welch ein maximal vomitabler Gestank 🤢 🤮!

    Orientalisch für den Herrn? Das geht auch in angenehm, bei Amouage zum Beispiel, wobei man sich an die Geschlechtszuordnung bei den Düften grundsätzlich nicht wirklich zu halten braucht. Selbstverständlich sparsam eingesetzt, entwickeln sie sich im individuellen Zusammenspiel mit der Haut über Stunden hinweg und halten sehr lange durch. Reflection wäre mein Tipp für Mutigere, das unaufdringlichere Dia für den Anfang, das man überall einsetzen kann. Penhaligons bietet ganz angenehme orientalische Düfte, sehr englisch aufbereitet, wie zum Beispiel Halfeti und Alizarin.
    Wenn ich Düfte meinem Mann schenke, achte ich sehr darauf, dass sie nicht atemberaubend sind, denn erstens muss ich darunter leiden und zweitens sprüht er sich sogar EdP auf wie andere ein Aftershave: unbeirrbar in rauen Mengen. Immer schlimm, wenn er mal einen Duft in der Parfümerie probiert (*husthuströchel*)…

    1. Orinetalisch wäre bei mir ähnlich erfolgreich, wie im Winter mit T-Shirt rauszugehen. Ich bin ein Sommertyp und mag es frisch, alles Süße und schwere trifft einfach nicht meine Natur. Und „husthuströchel“ hab ich dann noch dazu!! 🙂
      Liebe Grüße
      KK

  8. Ich habe es geliebt und mich lange damit beduftet, man erkannte mich schon ohne mich gesehen zu haben. Ich habe mir den Duft aus Nostalgie vor einiger Zeit wieder gekauft, aber er ist nicht mehr wie das Original von damals. Der Duft passte damals zu mir, entwickelte sich gut, ich wurde immer wieder darauf angesprochen und man war erstaunt, dass es ein Herrenduft war.
    Gehasst habe ich immer den Herrenduft Egoist, auch oder gerade weil das der Duft meines Exmannes war.

    1. Ich glaube auch, dass er als Damenduft eine völlig andere Wirkung hat. Bestimmt gibt es auch irgendwo Männer, zu denen der Duft dann doch passt, wie die Faust aufs Auge, aber ich würde trotzdem Abstand halten. 😉
      Liebe Grüße
      KK

  9. ich fand die Joop Düfte auch immer zu arg, schwer, Kopfschmerzen verursachend, Luft nehmend…. Zum Glück haben meine Freunde den nicht getragen…
    Im Winter mag ich schon ganz gerne leicht schwere Düfte (Victor & Rolf, Narcisso) die einem aber nicht den Atem rauben. Und ja – die Menge machts…

    LG Sunny

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