LIFESTYLE: WARUM WIR IRRSINNIGEN BEAUTYVERSPRECHEN SO GERNE GLAUBEN

Die EU hat gängige Werbeversprechen der Kosmetikindustrie bereits reglementiert. Trotzdem werden wir immer noch geflutet mit Aussagen über verringerte Faltentiefe, strahlenden Teint und jünger aussehende Haut. Aber stört uns das? Eher nicht, denn in Wirklichkeit lieben wir den Traum, die Illusion. Kosmetikprodukte sprechen uns emotional an, da kann man schon mal schwach werden…

 

 

Es wurde letztens in meinem „Nostalgie-Posting“ über die verschwundenen Kosmetikmarken und Produkte mehrfach erwähnt: „Es war so schön, als man noch naiv und unschuldig an die Versprechen der Kosmetikindustrie glaubte“

Ich erweitere: glauben wollte.

 

Zwei Arten der KosmetikkonsumetInnen

Aus meiner Sicht gibt es unter den BeautykonsumentInnen ja zwei grobe Einteilungen: Die Kopfmenschen, die ganz nüchtern an die Sache „Hautpflege“ (oder neuer „Skincare“) herangehen. Sie lernen die Inhaltsstoffdeklarationen auswendig und kennen die Bedürfnisse ihrer Haut genau. Sie versuchen gerne anderen Konsumenten mit ihrem Wissen zu helfen, was aber auch gerne mal ins missionarische schlägt.

Die andere Gruppe sind die Träumer. Insgeheim wissen sie, dass es keine Wunder gibt, aber es hat noch nie geschadet daran zu glauben. Für diese Gruppe von Menschen ist Hautpflege stark mit Gefühlen besetzt. Meist cremten und salbten die Eltern schon gern und oft, das Kind wurde zB. mit Nivea geradezu „gestreichelt“. Wohlbefinden und Heimeligkeit verbinden viele mit Hautpflege. Kein Wunder, dass in dieser Gruppe auch die Düfte der Produkte eine wichtige Schlüsselrolle spielen.

 

Attraktivität steigern ohne Frustrationseffekte

Aber auch eine recht ungefährliche Art der Attraktivitätssteigerung wird mit Beautyprodukten verbunden: Ähnlich wie bei Schuhen geht man bei Kosmetik nicht das Risiko der direkten Frustration ein: Gehe ich in den Laden um mir eine neue Hose oder ein neues Kleid zu kaufen, kann es sein, dass ich es nicht passt weil ich zugenommen habe, das frustriert mich. Kaufe ich Schuhe oder Kosmetikprodukte können diese meine Attraktivität (hoffentlich) steigern, ich werde aber aller Voraussicht nach kein direktes Frustrationserlebnis haben, denn Füße verändern sich nicht so schnell und Kosmetik arbeitet eh per Prinzip Hoffnung, also nicht augenblicklich.

Ähnlich wie bei teurer Unterwäsche, die von Models vorgeführt wird, die extra von fernen Planeten auf die Erde gebracht wurden, wird in diese Produkte unsere ganze Leidenschaft und Hoffnung projiziert. Auch wenn die zarte Lingerie nicht passt, so gibt es immer noch die vage Hoffnung, sie könnte ja passen, wenn ich mich nur ordentlich anstrenge. Und spätestens dann wird es genauso toll aussehen wie beim Model aus dem Andromedanebel.

 

Symbolik, die wir mögen

Die Wundercremes mit den schicken Werbeversprechen werden ebenfalls in einem Umfeld präsentiert, das vor Symbolik nur so strotzt. Es geht oftmals mit High-Tech einher („Was die Wissenschaft heute schon alles kann, da ist sicher auch was davon in diesem Tiegel drin.“), Natur (die französische Marke mit dem Bio- vorne hat so viel mit Natur zu tun, wie der Eisbär mit Langnese), und natürlich makelloser Schönheit („Models sehen ungeschminkt auch nicht wie Models aus, das kann also mit den richtigen Produkten auch bei mir möglich sein!“).

Lügen darf die Werbung nicht, aber sie tut es. Subtil. Und ja: Wir lügen uns auch schon mal selbst in die Tasche, das macht jeder, wir können es unter sowas wie „Eigenschutz“ verbuchen, denn wer ständig nur hyperrealistisch mit sich selbst umgeht, wird daran womöglich verzweifeln.

Werbekampagnen mit viel Realismus wie die von „Dove“ erzeugen zwar Aufsehen und wohlwollende News, trotzdem sind sie nicht nachhaltig erfolgreich. Immer wieder kehrt auch unser Blick zurück zur Perfektion. Das Auge liebt es! Und unser Unterbewusstsein liebt es, uns die Möglichkeit einzuräumen, dieser Perfektion vielleicht eines fernen Tages nahe zu kommen (wie immer man „Perfektion“ auch definiert, das ist abhängig von der Gesellschaft, dem Zeitgeist, usw.).

Um es ganz klar zu sagen: Die Träumer kaufen mit dem oftmals hohen Preis der Luxuskosmetikprodukte auch die Illusion ganz bewusst mit ein. Gerade im Luxusproduktesektor ist Illusion eine harte Ware, mit der man gut Geld verdient. Ob das verwerflich ist? Da möchte ich nicht urteilen, denn ich verfalle selbst oftmals nur zu gerne der Illusion. Irgendwie immer seltener, aber manchmal muss es eben sein.

 

Wenn die Werbeversprechen zu dreist werden

Bioprodukten einen Heiligenschein zu verpassen, gehört für mich mit dazu. Die „böse Chemie“ in Kosmetika anprangern, obwohl ALLES um uns herum Chemie ist, auch die grünste Wiese mit Blümchen und Bienchen ist der reinste Chemiebaukasten.

Wissenschaftliche Studien werden auch oft und gerne herangezogen. Dabei ist es für den normalen Konsumenten kaum erkennbar, ob es sich um eine wirklich aussagekräftige und unabhängige Studie handelt. Meist werden diese Untersuchungen, Studien und Tests an AnwenderInnen eingekauft, dazu gibt es einen internationalen Markt. Das Studien-/Testdesign wird festgelegt, sodass oftmals die Ergebnisse buchstäblich vorprogrammiert sind. Nicht immer, aber es kommt vor. So sucht dann ein Testlabor schon mal Probanden mit „besonders robuster Haut“…

Prozentangaben nutzt die Industrie auch gerne um uns zu überzeugen. Nur: was wurde verglichen? Das gesamte Design/Setting der Erhebung bleibt uns Konsumenten verborgen, nur manchmal bekommen wir zu lesen: „Befragt wurden 12 Personen zwischen 20 und 45. 99% bestätigten die Wirksamkeit des Produktes“  Schaut man genau hin, werden da zB. sogar nur die „Empfindungen“ der Probanden abgefragt. Wundert man sich dann, wenn solche Aussagen ein flaues Gefühl hinterlassen?

Auch auf „Klinisch getestet“ und „Von Dermatologen empfohlen“ kann man getrost verzichten. Keinerlei Aussagekraft haben diese Sätze, die einfach nur typisches Werbesprech sind, nichts weiter. Die Kosmetikverordnung gibt einzig und allein vor, dass ein Produkt nicht schaden darf.

 

Mein Fazit

Der Realitätssinn gehört eigentlich nicht in die Werbung, sondern in unsere Gehirne. Und da sowas in der Gesellschaft lange verankert ist, wird es nur sehr langsam zu einem Umdenken kommen.

 Ich bin, wie ich bin. Aber wir sind trotzdem nicht frei von gesellschaftlichen Schönheitsnormen. 

Eigentlich müssten alle es leid sein, ständig diese geschönten und überirdisch schönen Bilder des immer Gleichen, Glatten zu sehen. Trotzdem: Diese Ideale sind so positiv besetzt, so prägend, dass unser Unbewusstes das Glück da einfach vermuten muss. Und deshalb immer wieder danach strebt. Na super. Wir Träumer sind also hochgradig verführbar und manipulierbar, können nicht aus unserer Haut.

Wenn ich dann aber zumindest manchmal zu den Kopfmenschen wechsle und nicht jedem Werbeversprechen hinterherlaufe, kann ich doch den kontrollierten Konsum von Illusionen genießen, wenn ich es denn mag? Wichtig ist für mich die Eigenverantwortlichkeit. Hier und da mal unvernünftig sein tut in vielerlei Hinsicht gut. Und wer das nicht mag und möchte, auch gut.

Sich nicht über Schönheit, Attraktivität und Vitalität zu definieren ist schwer, kann aber ein erreichbares Ziel für unsere Nachfahren werden. Die Kinder und Enkel der heutigen Generationen sollten es erfahren…lernen. Auch ein Grund, warum man gerade heutzutage die Instagramwelt nicht kommentarlos den jüngeren Generationen überlassen sollte.

 

 

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(Fotos: Pixabay   Keinerlei Sponsoring)

 

 

 

36 Kommentare

  1. guten Morgen,
    ohja, ich gehörte auch zu den Gläubigen der Kosmetikindustrie. Erst viel viel später fing ich an zu hinterfragen und noch einen Ticken später, denn mein Faltenwurf verstärkte sich, begann das Begreifen über die Wirk-und Inhaltsstoffe . Und ja,es ist Arbeit, seine Seren und Creme zu finden, die Frau /Mann glücklich machen. Dafür braucht es viel Zeit.
    Danke für den morgendlichen Beitrag
    Sibylle

    1. Ja, leider. Das Ausprobieren kann uns niemand abnehmen, und das kostet in der Tat enorm viel zeit und leider auch Geld. Aber irgendwann ist es geschafft. Leider verändert sich die Haut ja gerne im Laufe der Zeit, dann geht es wieder von vorne los. 🙂

  2. Ach ja, ich bin auch so ein Träumer…..ich weiß dass meine tiefen Falten mit keiner Creme der Welt weg gehen, aber die Hoffnung stirbt zuletzt 🙂
    Aber ich mache mir immer selbst ein Bild von einem Produkt und vertraue nur sehr selten den Werbeversprechen. Ich informiere mich auf Blogs wie deinem, lese Erfahrungsberichte, studiere die Inhaltstoffe. Und erst dann rede ich mir ein dass es genau das richtige für mich ist und helfen muss 😀
    Ich bin auch auf Instagram. Aber da ich selbst viel Fotorafiere und den Account für eine CrossFit Box in der ich trainiere mache, weiß ich wie gut man Fotos bearbeiten kann.
    Insofern schaue ich mir gerne die schönen Fotos an, weiß aber dass der Großteil nicht der Realität entspricht.
    Besonders schlimm finde ich aber Firmen die für Anti-Aging Produkte mit 20-25 jährigen Models wirbt!!! Da war ja glaube ich Dior mal in der Kritik als er Cara Dele…dingens für so eine Creme einsetzte. Auch diese absolut glatten, Porenfreien Gesichter finde ich gruselig.
    So etwas hält mich persönlich immer vom Kauf des beworbenen Produktes ab.

    Ich finde, wer täglich in die harte reale Welt raus, sich in der Arbeitswelt behaupten muss, der darf und sollte auch träumen und sich auch mal ein wenig Illusionen kaufen dürfen.

    1. Ach, wenn die Models wenigstens noch 20 wären. Die Kosmetikunternehmen nehmen ja auch gerne mal Minderjährige, was besonders fies ist.
      Ausserdem verstehe ich es eigentlich gar nicht mehr, denn wie du schon sagst, Photoshop kann alles, wozu dann Kinder als Beautymodels?
      Das verdirbt mir auch immer mehr den Appetit auf die Produkte.
      Liebe Grüße, KK

  3. Ha, erwischt!
    Ich würde mich eher zu den Realisten zählen…. außer es geht um Mascara 😂 ich habe zwar schon fünf Stück zu Hause, aber sobald eine neue Wimperntusche auf den Markt kommt, muss ich sie natürlich probieren. Obwohl mir meine Vernunft sagt, dass meine Wimpern nun mal nicht länger oder dichter werden, als sie einfach sind. Obwohl mir mein Geldbeutel sagt, dass 25-30 € einfach zu viel Geld für ein bisschen schwarze Farbe sind. Und obwohl mir mein gesunder Menschenverstand sagt, dass jeder Depp sofort sieht, dass die Dame auf dem Werbeplakat keine getuschten, sondern künstliche Wimpern trägt und man das mit Mascara im Leben nicht so hin bringt.
    Und dann kommt der Träume durch und meint: naja, aber probieren kannst du es ja mal… 😭

  4. Die Photoshop-Fakes und übertriebenen Wirkversprechen sind das eine – fast schlimmer finde ich den suggestiven Nonsens, den einige Firmen da noch so drum herum stricken, weil ihnen außer den üblichen Lügen nämlich *nichts* sinnvolles, geschweige denn informatives, zu ihren Produkten einfällt.

    Eine Weile war zum Beispiel alles „inspiriert“ von irgendwas – die stinknormale Hyaluroncreme war „inspiriert aus 10 Jahren Genforschung“, das Shampoo „inspiriert vom Gletscherwasser der Alpen“ und so weiter. Inhaltlich völliger Quatsch, der beim flüchtigen „drüberlesen“ aber natürlich entsprechende Bilder erzeugt. Apropos Suggestion: Noch ärgerlicher finde ich die gestrig-verklärte Schreibe einiger Naturkosmetikfirmen. Zitat eines Marktführers in dem Segment: „Die Leitpflanzen nehmen Bezug auf die unterschiedlichen Pflegebedürfnisse und Lebenssituationen. So ist die Nachtkerze, die selbstbestimmt in der Dämmerung aufblüht, die Leitpflanze unsere Pflegeserie für die reife Haut ab 50“. Schon klar, abends wenn im Schlafzimmer das Licht aus ist, darf Mutti kurz „aufblühen“, tagsüber bitte eincremen und nicht weiter auffallen. Das ist reaktionärer Schwachsinn aus den 50er Jahren, nichts anderes. Aber Hauptsache schick und responsive digital in Szene gesetzt. Mir dennoch ein Rätsel, wie das zum Kauf anregt bzw. wer sich da drin wiederfindet.

    1. Lieber Thorsten,
      danke für Deine männliche Sicht auf den Quatsch des Kosmetikmarketings…
      Und Deinen Glauben an Frauen, die sich darin nicht „wiederfinden“ 🙂
      Ich fliege auch auf nackte Information.

    2. Haha, ich weiß wen Du meinst – für die habe ich mal kreativ gearbeitet. Was durchaus Spaß gemacht hat. Die sind auch aufrichtig überzeugt von ihrem Tun, das muss man sagen. Der ganze Anthro-Bereich ist für „Nicht-Gläubige“ sowieso höchst merkwürdig anzuschauen.

      Aber ich kann den Erfolg schon nachvollziehen, also kommunikativ gesehen, denn es klingt einfach so schön mystisch und undurchschaubar und lässt die vermeintlich unwichtigen Fakten elegant hintenüberfallen. Ich habe viele Freundinnen, die da Stammkundinnen sind. Ich selbst verwende gar fast kein Produkt mehr der Marke. Nur eine Handcreme darf es sein. Wegen des Duftes, das gebe ich gern zu.

    3. Sehr fein beobachtet!
      Mir gehts bei pflanzenbasierter Kosmetik häufig so, dass ich bei den Werbetexten denke, die halten uns alle für bekloppt.. Das „SoundSoKraut“ ist dafür bekannt, sich bei widrigen Umständen in der Tundra sehr gut wehren zu können, deshalb haben wir es in die Formel integriert.. Aha! Und was genau kann das Kraut dann in meiner Haut? In welcher Konzentration ist der in der Fomel (ah, 0.1%, dann ist es sicher sehr efektiv) usw.. usw..
      Natur verkauft sich immer gut und wenn dann noch so ein ätherisch-pseudowissenschaftlicher Überbau dazu kommt, dann setzt eben der kritische Verstand aus.
      Vom Frauenbild, das in der Werbung verkauft wird, mal ganz abgesehen – für den Fall, dass jemand etwas weiter reinlesen mag – etwas plakativ, aber auch viel wahres:

      http://www.bzw-weiterdenken.de/2010/02/endlich-hasslich/

  5. Ich bin Träumer und Realist – Zusammensetzung unterschiedlich je nach Tagesform.^^ Wahrscheinlich springe ich deswegen auf Paula u. HD an. 😉

    @Blumige Worte: Ich sollte mal Texte über Aloe Vera (Bereich Netzwerk-Marketing) überarbeiten. Ich stand der Pflanze vorher recht neutral gegenüber, denn für verschiedene Zwecke habe ich hier durchaus „echte Kräutertees“ (also von einem seriösen Händler und nicht das Teebeutelzeug) und die können schon was. Im ihnen möglichen Rahmen. Aber nachdem ich diesen Schmarrn „durchhatte“, fühlte ich mich regelrecht gehirngewaschen und für blöd verkauft und habe ich mich eigentlich nur noch gefragt: WER glaubt das und WER steckt da sein Geld rein? Hochgradig unseriös. Als ich Monate später mal deren Social-Media-Kanäle gecheckt habe, wurde mir klar: Und jeden Morgen steht ein Dummer auf und manchmal treffen sie sich im Rudel, um der Aloe Vera zu huldigen. :/

  6. So zwischen 30 und 40 gehörte ich definitiv zu den Träumern und habe Unmengen an Geld in vermeintlich wirksame Kosmetik gesteckt. Damals war die türkisfarbene Firma meine einzige Anlaufstelle. Mit fortschreitendem Alter, Faltentiefe und dem Folgen diverser Blogs (die Augen haben mir vor allem Irit und du geöffnet) hat sich das radikal gedreht. Ich kann mich noch an die ersten beiden nicht türkisen Produkte erinnern, Teoxane das RHA Serum und PC ein BHA Peeling (Mann hat das gebrannt auf meiner türkis geschwängerten Haut 😂). Die Anfänge meiner heutigen Routine waren tatsächlich viel Arbeit aber es hat sich gelohnt. Ich denke ich habe noch gerade rechtzeitig die Kurve gekriegt. Allerdings befinde ich mich auch heute noch im Träumerland und mein Puls erhöht sich angesichts entsprechender Werbeaussagen. ABER: ich widerstehe – zumindest im Pflegebereich. Ganz anders sieht das bei dekorativer Kosmetik und vor allem ESSEN aus. Aber dank meiner entsprechenden Blogs die mich oft ernüchtern bekomme ich nur noch sehr selten türkise Pakete 😂 Aber bisschen träumen gestatte ich mir schon beim Kauf des xten Lidschatten u.a. oder der neusten Schokolade. Um dann festzustellen: die Versprechen wurden mal wieder nicht gehalten. Ich arbeite dran mich auf wenige, bewährte Produkte zu beschränken- aber in der neuen Instyle ist eine Probe eines „High-End“ Make-up drin die ist soooi toll und Zack – ist die türkise App geöffnet..

    1. @Alexa
      stimme Dir zu, bei Pflege und Essen, bin ich kritisch,INZWISCHEN🤣 aber in der ,,Malerabteilung,, meine ich, den x-ten Topf haben zu müssen. Ich arbeite dran, auch eine gewisse App nicht mehr zu öffen😁
      schönen Tag

  7. Oh je, ich fühle mich sooo ertappt. Ja, ich glaube die Werbeversprechen nur zu gerne, weil es es mir Freude bereitet. Natürlich kann ich das rationell nicht glauben, ich habe aber die von die beschriebene Hoffnung, dass es doch klappt.
    Falten finde ich an anderen nicht schlimm, nur eben an mir.
    Ich kaufe übrigens auch viel lieber Schuhe und Kosmetik als Kleider und Hosen. Das ist genau bei mir der fall was du da schreibst. Frustrationsvermeidung!
    Schöner Artikel, in dem sich wohl viele wiederfinden, der aber auch tröstet.

  8. Die Wahrheit ist: Spätestens ab 30 freuen wir uns alle, für jünger gehalten zu werden. An dieser Stelle sind wir verletzlich und manipulierbar. Wenn (falls?) jemand sagt, er hätte uns aber für zehn Jahre älter gehalten, bezögen wir das sofort auf unser Äußeres. Nicht auf Lebenserfahrung, -erkenntnis, -wissen. Wenn Menschen bereit sind, die Attraktivität anderer Menschen vorrangig in Ihrem Wesenskern zu erkennen, nicht an der Schale — besteht Hoffnung… für die Enkel 😉

    1. „Ich hätte Sie jetzt aber für zahn Jahre älter gehalten“ – den Menschen, der sich traut, mir das ins Gesicht zu sagen, würde ich wirklich gern kennenlernen 😀

      1. Nein, aber mein Ideal ist eigentlich, für so alt gehalten zu werden, wie ich bin. Ich hab nichts davon, für jünger gehalten zu werden, wozu mal direkt gefragt, soll das noch gut sein? Mir geht es darum, so schön wie möglich in meinem (und nicht für mein) Alter zu sein, das man mir sehr gern ansehen darf. Ich mag mich und wie ich aussehe und dass es immer mehr nach mir und weniger nach der Make-up-Mode ist. In der Tat bin ich heute zufriedener mit meinem Aussehen als früher, egal wie es von außen aussieht. Ist viel besser als umgekehrt, finde ich. Ich mag sogar meine Falten und finde, sie könnten schlechter liegen.

        Sonst allgemein: ich glaub, ich bin noch eine dritte Gruppe: die Genießerin. Ich begeistere mich für Konsistenzen, etwas Duft, aber auf keinen Fall falscher, dann lieber keiner, auch etwas Tönung gefällt mir. Wirkstoffe sind mir fast immer egal, ich glaube auch nicht an irgendwelche Werbeaussagen, das Zeug muss mir einfach gut tun. Ich gehöre zu denen, die am liebsten mit den Fingern in den Cremetiegel fassen und was mich begeistert, sind Werbebilder, auf denen Creme malerisch in Tiegeln aufgehäuft ist. Bei Spendern fehlt mir der ganze Spaß. 😀

        Selbst meine neu entdeckte und geliebte Firma Instytutum hat ein unsagbare Werbetexte. Ich hab den Beipackzettel mit hochgezogenen Augenbrauen gelesen. Andererseits hatte Irit mal einen, ich glaube, es war eine Duftkerze von Angel, die war richtig gut. Hab ich nie vergessen. Dem Texter gehört eine Gehaltserhöhung!

          1. Ich weiß gar nicht mal, ob die von Lifting-Effekt sprechen. Sowas erreicht mich genauso wenig wie irgendwelche abenteuerlich gewonnenen Wässer.

            PS: hochgezogene Augenbrauen sind gerade das, was mir Falten macht, hehe. 😉

        1. @Iridia: Hmmm, ich überlege gerade, ob ich gern für jünger gehalten werden möchte. Im Moment passiert mir das noch häufig. Meine Branche ist sehr jung im Durchschnitt, schon jetzt mit 40 gehöre bin ich in der Minderheit. Also nutzt es mir erstmal beruflich, wenn man mich für jünger hält. Ob ich dazu auch privat eine Meinung habe, kann ich gar nicht beantworten. Da muss und werde ich mal drüber nachdenken, welche Implikationen das von anderen geschätzte Alter hat.

          Für älter gehalten werden möchte ich aber nun auch nicht. Wer will das schon? So uneitel bin ich dann nicht, sonst würde ich ja auch nicht auf Hautpflege setzen.

          Was den Genuss angeht, verstehe ich Dich voll und ganz. Am allerliebsten ist es mir, wenn ein Produkt objektiv gut für meine Haut ist, und dann auch noch Spaß macht. Das ist quasi der Jackpot. Viele meiner Produkte sind jedoch eher unsexy, die benutze ich quasi achselzuckend.

      2. Also mir hat das mit den 10 Jahren älter auch noch nie jemand ins Gesicht gesagt – außer mein Handy wenn ich versehentlich meine Handykamera aktiviere – ohne Filter – schön von unten mit vielen Schatten – dann gehen auch 20 Jahre 😩 – und der Tag ist gelaufen 😉🤣

  9. Jahrelange Erfahrungen in der Beautybranche haben mich entzaubert. Ich glaube, ich bin die schlimmste Kundin, die man sich vorstellen kann:D Mir kannst du nix andrehen, außer gutes Essen und einen guten Prosecco.
    Ich habe mich aufgrund einer Hauterkrankung mit Inhaltstoffen befassen müssen und mir dadurch selbst geholfen, wo kein Arzt mehr helfen konnte. Immer wenn die Vertreterin uns die neueste Werbung zum neuestem Produkt gezeigt hat, mußte ich mich zusammenreißen, um nicht zu sagen wie billig die Werbetricks sind und zu fragen, ob das wirklich bei den Menschen funktioniert. Da ich seit ca 15Jahren kein TV besitze bekomme ich Werbung auch nicht so mit. Außer vielleicht ab und an mal im www. Also mich spricht Werbung gar nicht an. Und das am Ende keine Creme und keine Kosmetikerin Falten wegbügeln kann, war mir seit Beginn meiner Berufserfahrung klar. Das einzige, dass tiefe Falten wegbügelt sind nun mal Filler und Facelift. Aber das auch nur bis zu einem gewissen Alter. Danach sieht es nicht mehr schön aus, wenn man 25 Jahre immer unterspritzt hat. Erinnere mich mich Grausen an solche Gesichter, die ich geschminkt habe.
    Da ich als Kind bis zum 7 Lebensjahr alles hatte und nach der Flucht nach Deutschland auf einmal nichts hatte, hat mich das wahrscheinlich auch geprägt.
    Ich bin sehr großzügig zu anderen, aber gebe für mich selbst das Geld mit Bedacht aus. Ich hinterfrage ob ich es brauche und was ich davon habe und wenn ich verneine, dann frage ich mich, ob ich mir diesen Luxus gönnen möchte. Mal kommt ein Ja, mal ein Nein. Das kommt auf mein Gefühl an.
    Auf mich selbst höre ich gern, auf die Werbung nicht😁

    1. Die mieseste und ätzendste Kundin bin ich! Am liebsten bei Inhabern, die mir nen Quatsch erzählen, die Mitarbeiter sind in meinen Augen weisungsgebunden und somit tendenziell unschuldig. Laß uns zusammen shoppen gehen 😉

  10. Wenn ich mich richtig erinnere war L’oreal vor einigen Jahren vor Gericht wegen der Konsumententäuschung. Es ging genau um eine Mascara und das Konzern hat den Prozess verloren. Aber nach wie vor gibt es künstliche Wimpern in solcher Werbung. Oder wenn Instastars mit 65+ und Haut so glatt wie meiner schreiben, dass es nur an Multivitaminen liegt die sie einnehmen und zufällig verkaufen. Dabei sieht man, dass es mindestens Lifting gewesen ist, wenn nicht noch einiges dazu.
    Als ich kein Geld hatte und um mein Studium zu finanzieren viel gearbeitet habe, habe ich mir versprochen all die bunten, toll riechenden Glastiegel später zu kaufen. Unf genauso wie die Frau aus der Werbung auszusehen. Und dann war die Magie weg :-((.

  11. „We needed to say hocuspocus…“ – ich finde, die Werbung von das SubQ von Hylamide sagt es sehr deutlich – auch wenn Deciem in der Schilderung der Inhaltsstoffe und den zugrundeliegenden wissenschaftlichen Daten oft genug selbst in der Kritik steht – mit der Werbung haben sie den Nagel auf den Kopf getroffen. Der Hocuspocus wird heute wie KK so schön beschrieben hat eben sehr oft mit pseudowissenschaftlichen Erläuterungen untermauert oder noch besser mit ganz offensichtlichem Nonsens, der aber so geschickt formuliert ist, dass er nicht als solcher erkennbar ist. Nach dem Motto „Selbsteinschätzung von 12 Frauen, die das Produkt über den Zeitraum von 4 Wochen gestestet haben… 80%Prozent glattere Haut!“. Aha, da denke ich doch gleich mal, meine Haut wird fast doppelt so glatt… falsch gedacht, Ne, nur 80% der Beteiligten gaben an, sie denken, ihre Haut ist glatter… wieviel, in welchem Ausmaß, wissenschaftliche Belege.. alles unnötig. Hauptsache beim Verbraucher bleibt hängen: 80% glattere Haut!

    Sehr spannend auch:
    https://www.it-recht-kanzlei.de/werbung-kosmetische-mittel-wissenschaftliche-absicherung.html
    Sprich, wenn ich erwischt werde, dass ich lüge, ist gar nicht schlimm.

    Das wirklich schlimme daran ist aber, dass ich, obwohl ich genau weiß, wie es abläuft, mich immer wieder disziplinieren muß, um auf den ganzen Schwachsinn in der Werbung nicht reinzufallen. Der Kopf weiß es, dass es nicht geht, das Gefühl sagt „aber vielleicht doch?

    1. Das Witzige an der Hylamide Werbung ist aber ja gerade, dass sie sich der selben Mechanismen bedienen. Sie haben nur Worte wie Wunder und Hokuspokus durch Worte wie wissenschaftlich und next generation ersetzt.

      Egal in welche Richtung Werbung geht, ob nun eher grün, science oder sonst was. Am meisten störe ich mich mittlerweile daran, dass Aussagen ohne jeglichen Bezug getroffen werden. Wie zB. „… besser als Retinol, 10x stärker als Retinol,…“ In Bezug auf was denn? Was kann es denn besser? Und welche Wirkungen sind 10x stärker? Ich hoffe mal nicht, ausgerechnet die Nebenwirkungen!
      Gleiches gilt für so sinnbefreite Aussagen wie: „glättet und balanciert aus“. Was wird geglättet: Tischdecken? Was wird ausbalanciert: Bücher aufm Kopf? Worauf wird denn hier Bezug genommen? Im Grunde eben auf gar nix, weshalb die Aussage nichts anderes ist als das Aneinanderreihen wohlklingender Worte. Aber es liest sich halt so schön! 🤗

      1. @Jasmin: das schlimme daran ist, selbst wenn wissenschaftliche Daten aufbereitet in der Werbung präsentiert werden, dann fehlt oft der Zusammenhang oder die Frage wird nicht beantwortet, sehe ich das denn auch ? Ich kann mich z.B. daran erinnern, dass Nivea für ihre VItamin C Creme (die gibt es nicht mehr) anfangs damit geworben hat mit „gibt Ihrer Haut die Struktur einer zehn jahre jüngeren Haut zurück“ – das stimmt sogar, allerdingt nicht so, wie der Konsument das versteht. Wenn ich das lese, dann denke ich doch, ich sehe 10 Jahre jünger aus. Gemeint war aber: Vitamin C führt dazu, dass sich die Größe der dermalen Zapfen, also die Verbindung von Unter- und Oberhaut verbessert – angeblich um fast zehn Jahre. Das heißt aber überhaupt nicht, dass das sichtbar ist. In den nachfolgenden Generationen der Creme stand dann ganz klein unter dem „10 jahre jüngere Haut“ in Mikroschrift: bezogen auf die inneren Strukturen. Aha! Abgesehen davon, dass die Zielgruppe, die so was kauft, für die Mickerschrift eine doppelte Lesebrille gebraucht hätte, registrieren tut das doch eh fast keiner.

        Im Hinblick auf die Werbung von Deciem hast Du natürlich recht. Gerade bei den Produkten von NIOD denke ich mir manchmal „wtf“. Letztendlich stehen die im Marketing ja genauso unter dem Erfolgsdruck wie jede andere Marke und bedienen natürlich die Bedürfnisse ihrer Kunden. Für mich funktionieren die Produkte aber erfreulicherweise sehr gut, weil abgesehen vom „Hokuspokus“ z.B: 30 Prozent Vitamin C in einer Creme schon echt eine Hausnummer sind. Im Massenmarkt wäre so was vermutlich kaum lange in den Regalen zu halten, weil das Risiko von unerwünschten Wirkungen natürlich viel höher ist als z.B. bei fünf Prozent Konzentration.

        1. Interessanterweise stören mich die selben Werbeversprechen bei Make-up überhaupt nicht. Vllt. weil hier ja ganz offensichtlich sowieso nur Illusionen verkauft werden. Ich pinsle mir morgens die Illusion geröteter Bäckchen und vollerer, dichterer Wimpern ins Gesicht und abends spüle ich die Illusion mit Wasser wieder den Abfluss runter. Da dekorative Kosmetik für mich keinen anderen Zweck erfüllt als vorübergehend ein bisschen in meinem Gesicht herumzuzaubern, möchte ich hier dann schon ganz gern das volle Programm. Luxuriös anmutende Aufmachung, magisch-anziehend klingende Namen, haptisch wertige Verpackungen,… da hab ich eine ganz große Schwäche für. So vernünftig ich meine Gesichts- und Körperpflege auch auswähle, so sehr liebe ich es bei dekorativer Kosmetik die reine Unvernunft walten zu lassen.
          Andererseits: meist verspricht dekorative Kosmetik ja sowieso nur. Wenn man sich also mit Make-up tatsächlich sexier, attraktiver, hübscher,… fühlt, wurde das Versprechen ja eingehalten.

          1. Im Gegensatz zur konventionellen Kosmetik liefert dekorative Kosmetik ja aber auch, wenn richtig angewandt und die Farben stimmen, umwerfende Ergebnisse. Finde es immer total lustig, wenn wir Schnappschüsse von „Promis“ und co beim Müllrausbringen sehen und uns wundern, dass die auf einmal so ganz normal aussehen – im Text steht dann ja oft „oh Gott!“ – ich finde es eher tröstlich, dass man da halt sieht, dass die ihre „Leinwand“ eben nur sehr geschickt und gekonnt nutzen, um die Illusion beizubehalten. Muss anstrengend sein:-)
            Ich weiß noch, wie erstaunt ich war, als ich mit einer langjährigen Kollegin mal auf einer Fortbildung war und die am Abend völlig ungeschminkt gesehen habe, ich habe die kaum erkannt. Nicht weil die tagsüber so in den Farbtopf gefallen war, sondern weil die offensichtlich so gekonnt die ganzen Möglichkeiten eingesetzt hatte, dass man gar nicht auf die Idee kam, die kann auch anders aussehen. Besonders eindrucksvoll fand ich das bei den Augenbrauen und Wimpern.. kaum vorhanden! Eigentlich..

          2. Bei der Schminke sehe ich aber sofort ob die was taugt. Instant gratification garantiert. Und wenn sie nicht taugt, kann man sie schlecht woanders verbrauchen. Wenn Gesichtscreme nichts taugt, wird sie für den Hals genutzt :-).

  12. Ach ist das wieder spannend eure Kommis hier zu lesen. Ich träme auch lieber, als dass ich mich von Hautpflegeexperten desillusionieren lasse. Aber ich weiß es und tue das aktiv. 😉
    Da bleibe ich einfach 18 Jahre alt.
    Bei Dekonmehr als bei Pflege. Und natürlich bei Schuhen und Wäsche. VS Wäsche gönne ich mir immer, wenn es mir schlecht geht. Zum Glück für mein Konto bin ich eher ein Sonnenscheinchen. ☀️ 😉

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