LIFESTYLE: UNSERE NASE – EINE ZEITMASCHINE ZU UNENDLICH SCHÖNEN ERINNERUNGEN

Der Duft von Omas Weihnachtsplätzchen, Papas Niveacreme, oder das Eau de Toilette des ersten Schwarms – manche Düfte sind wie ein Schlüssel für eine Tür zur Vergangenheit. Welche Bereiche des Gehirns dafür verantwortlich sind, dass ein Geruch als Langzeiterinnerung abgespeichert wird, haben nun Bochumer Neurowissenschaftlerinnen untersucht.

Ein Wunder?

Manchmal macht es einfach „Peng“ und man fühlt sich per Zeitstrahl in die Vergangenheit zurückversetzt. Auslöser: Oftmals nur der Hauch eines nur zu vertrauten Geruchs, der blitzartig eine mannigfaltige Gefühlskaskade auslösen kann. In den meisten Fällen handelt es sich um wohlige Erinnerungen aus unserer Vergangenheit, nicht selten aus der Kindheit, und es ist egal, wie weit diese Erinnerungen schon zurückliegen.

Ich selbst habe bereits ein kleines Vermögen für alte Vintage Düfte ausgegeben, nur um diesen wundervollen Effekt zu erleben, wenn man einen längst vergessen geglaubten Duft unter seine Nase hält…und die Zeitreise beginnt. Das ist ein so mächtiges Gefühl, manchmal so überwältigend, dass man vor Rührung eine Träne verdrücken kann.

Bei mir wirkt es immer wieder: ZB. die Nivea Dose vom Vater, der mir als kleiner Junge das Rasieren beibrachte. Natürlich war ich noch weit vom Bartwuchs entfernt, aber ich wollte es so gerne. Und behutsam und vorsichtig weihte er mich ein, in die Welt der scharfen Klinge und der wohltuenden Pflege danach. Das war ein großer Klecks Niveacreme, die er vorsichtig in meinem Gesicht verrieb, und danach fühlte ich mich unglaublich erwachsen, so sauber und ernst genommen.

Und wer kennt nicht die besorgte Großmutter, die dereinst liebevoll (mit ihrem in 4711 getränkten Taschentuch) den Schmutz von der Backe wischte und kleine Schürfwunden an den Knien versorgte. Damals bäh, heute „Ach jaa…“ 🙂

Schnellverbindung

Der Weg von der Nase zum Gehirn ist ein ultrakurzer Reaktionsweg, daher auch die blitzartigen Empfindungen bei ein paar Duftmolekülen, die uns bekannt erscheinen. Lange bekannt ist, dass der piriforme Kortex (im Zusammenspiel mit anderen Regionen) im Gehirn dazu in der Lage ist, kurzzeitig Dufterinnerungen zu speichern. Nun wollte man wissen, ob es dort auch Langzeiterinnerungen gibt.

Die Bochumer Neurowissenschaftlerinnen Dr. Christina Strauch und Prof. Dr. Denise Manahan-Vaughan haben das an der Ruhr-Universität Bochum untersucht und veröffentlichten im Fachmagazin Cerebral Cortex.

So funktioniert das im Gehirn

Strauch und Manahan-Vaughan untersuchten an Ratten, ob der piriforme Kortex zu synaptischer Plastizität (eine Art Lernprozess) fähig ist, und ob die Effekte über mehr als vier Stunden bestehen bleiben – erst dann spricht man von einer Langzeiterinnerung.

Um eine Geruchserinnerung zu erzeugen, lösten die Forscherinnen durch elektrische Impulse im Gehirn künstlich eine Sinneswahrnehmung aus. Es gibt bereits Erkenntnisse zu Langzeiteffekten im Hippocampus, einem Hirnareal, das zB. für die Bildung des Langzeitgedächtnisses zuständig ist. Im piriformen Kortex hingegen löste die Stimulation zunächst keine Speicherung von Langzeitinformationen aus.

Als nächster Schritt wurde nicht der piriforme Kortex selbst stimuliert, sondern eine übergeordnete Gehirnregion, der orbitofrontalen Kortex, der für Aufgaben wie zB. das Unterscheiden sensorischer Erlebnisse zuständig ist.

Und durch die Stimulation dieses Bereichs entstanden tatsächlich die gewünschten Veränderungen im piriformen Kortex. Dies zeigt, dass der pirifiorme Kortex sehr wohl als Archiv für Langzeiterinnerungen dienen kann, allerdings muss er erst vom orbitofrontalen Kortex – als übergeordneter Hirnregion – ein Signal bekommen, dass ein Ereignis als Langzeiterinnerung abgespeichert werden soll.

 

Soweit die Theorie, allerdings ist das Erlebnis selbst ein paar Millionen Mal schöner, als die theoretische Betrachtung des Phänomens, das muss man auch betonen. Habt ihr auch solche Düfte, die ihr immer mal wieder als wundervolle Zeitmaschine gebraucht?

Ich gehe dann mal zu meiner alten 4711 Flasche und denke ein bisschen an Oma und die Zeit, als ich im Sommer vor über 40 Jahren ständig mit staubigen Backen und wunden Knien nach Hause kam…♥

 

 

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(Fotos: Pixabay   Keinerlei Sponsoring   Studienbeschreibung )

19 Kommentare

  1. In mir wecken der Duft „Tabac“, „Irish Moos“ und „Tosca“ Erinnerungen an früher.
    Als ich klein und niedlich war 🙂 und mich immer alle Onkel und Tanten bei den Familientreffen ausgiebig herzten….

  2. Oh ja, da fallen mir viele Düfte ein, vor allem aber das Parfüm meines ersten Freundes, Laura Biagotti Roma Uomo, da kriege ich nach 20 Jahren noch immer Schmetterlinge im Bauch 😉 Ich weiß auch heute noch ganz genau wie es im Haus meiner Oma gerochen hat, und immer wenn ich mal meinen Nacken wegen Verspannungen mit Kytta Salbe einreibe, erlebe ich eine kleine Zeitreise in ihr Haus und zu ihr zurück… Schön, wirklich schön 🙂

  3. An meinen Vater – und Liebe, Geborgenheit und Wärme- erinnert mich bis heute zuverlässig „Tabac Original“ 🙂 (er starb, als ich zehn Jahre alt war). An meine Schwester, die ich ebenfalls vor 15 Jahren verloren habe, Laroches „Fidji“.

    Stimmt, nichts weckt Erinnerungen so schnell und intensiv wie ein vertrauter Duft …

  4. Oma roch immer nach eine bestimmte Pflegecreme, nach Rosen. Und überhaupt, ich kann einige richtig tolle Dufte nicht mehr tragen. Die sind abgeschlossene Geschichte, gebunden an die vergangene Zeit, Beziehungen, andere Leben. Heimat riecht nach Kieferwald, Salz und Rosmarin. Und mein verstorbener Kater roch nach Babypuder. Warum, haben wir nie herausgefunden. Jeder wollte aber an ihm schnuppern…

  5. Gestern war ich mit meinem Hund an einem Flußlauf auf einer Wiese spazieren. Das Wasser roch frisch aber auch leicht modrig, die Wiese war frisch gemäht. Sofort wurde ich in meine Kindheit katapultiert als wir mit Schlauchbooten den Fluß entlangpaddelten und uns Heubetten bauten.

  6. „Poison“ von Dior war mit 20 mein Signaturduft. Wenn ich den rieche, fühle ich mich in der Zeit zurück katapultiert. Leider ist Poison heute zu Tode reformuliert und nur noch ein müder Abklatsch des damaligen Duftes.

  7. Als ich den Hydracolor-Lippenpflegestift aufmachte. Völlig unerwartet stand ich als 4jähriges Kind in der Mittagssonne in Kitzbühel und Papa trug mir den Sonnenschutz für den Nachmittag auf der Piste auf. Nach mehr als 50 Jahren war das ein unglaublicher Flashback.

    Ich freue mich so, daß die alte italienische Firma ihren Signature-Duft nicht verändert hat. Den Namen der Pflege kannte ich nicht mehr, aber dieser Duft……… 100% Zeitreise. Natürlich wurde es mein HG für den Sonnenschutz der Lippen. 😍

  8. Erstaunliche „Funktion“ unseres Gehirns, diese Duftspeicherung. Aber leider funktioniert das nicht nur positiv. Es funktioniert auch bei Leuten mit häßlichen Erlebnissen… Es ist z.B. ohne weiteres möglich, dass ein Opfer eines Gewaltverbrechens bei Parfum xy Zustände bekommt (Panikattacken etc.), eben weil der Täter dieses Parfum xy trug. In diesem Zusammenhang ist Duftspeicherung eher Fluch als Segen.

  9. Das ist ein sehr interessanter Bericht. Schön geschrieben! Auch ich hatte in meinen 20ern und 30ern Signature Düfte. Coco von Chanel und Poison von Dior. Alles zur Unendlichkeit heute reformuliert. Ich finde aber, ein Parfüm muss die Zeit repräsentieren und sollte sich nicht dem Lauf der Zeit anpassen.

    Es sollte zumindest immer noch die Originalversion zu bekommen sein. Aber meine Lieblinge sind unwiderruflich weg.

  10. Kennst du in den Drogerien diese Ständer mit den Körben, die verschiedenste Artikel in Reise- bzw. Probiergrößen anbieten? Ich war vor einigen Wochen bei Budni, brauchte eigentlich nur eine Tube neue Handcreme für meine Tasche. Nix, aber auch gar nix mit nennenswertem LSF (eine absolute Unsitte der Anbieter! Irgendwelche Tipps?)

    Aus einem der Körbchen neben dem Handcreme-Regal guckte mich ein kleines blaues Fläschchen an: Nivea Sun Schutz und Pflege LSF 30 wasserfest, 30 ml. Ich (in Eile) griff spontan zu, egal, dann ist das erstmal meine Handcreme für unterwegs.

    Später cremte ich das erste Mal meine Hände ein und von einer Sekunde auf die andere war ich wieder im Grundschulalter im alljährlichen Familienurlaub in Dänemark. Ich sah unser „Lager“ in den Dünen, hörte das Meer rauschen, spürte den Wind …
    Der Geruch dieser Sonnencreme ist exakt der selbe wie die Creme, die damals unsere ganze Familie benutzte (nein, es war nicht Nivea, die Flasche war glaube ich überwiegend hellgrün, so`n 70er Jahre Styling, wurde irgendwann leider umparfümiert und war damit für mich gestorben).

    Einige Tage später war ich mit meiner Schwester unterwegs, sie brauchte Creme, schnupperte kurz und sagte verblüfft: „Ich bin wieder in Dänemark, wie früher, erinnert dich der Geruch nicht auch daran?“.
    Oh ja 😍😍😍

    1. Handcremetipps mit LSF:

      Drogerie: Neutrogena Visibly Renew mit LSF20. Leicht zu beschaffen und recht günstig. 75ml ca. 4,25.- Hinterlässt diesen typischen Neutrogena Handcremefilm auf der Haut.
      Apotheke: die Cerave Tagescreme mit LSF25 fürs Gesicht eignet sich auch super für die Hände. Mittlerer Preis: 52ml ca. 9.- Hinterlässt ein leicht fettiges Eingecremt-Gefühl. Schön: hat einen Spenderkopf = gute Dosierung. Endlich keine Riesenpflatscher mehr auf den Händen, die man kaum vercremt bekommt.
      Online: Paula’s Choice Resist Skin Restoring Moisturizer LSF 50. Richtig schön hoher LSF, aber teuer: unrabattiert 38.- für 60ml (es gibt oft 20% Rabatt. Bei Flaconi gibt’s zB. gerade 25%). Mein Liebling, weil die Creme leicht pudrig wird und gar keine „Fettpfoten“ macht. Aber der Preis! Seufz! Tipp: kommt bei mir nur auf den Handrücken, für den Rest gibt’s „normale“ Handcreme.

      1. Missha hat gute und günstige Produkte die ich für die Hände genutzt habe. Ich creme meine Hände mit LSF nur im Sommer oder sonst bei Sonnenschein ein. Missha Near Skin Dustless Defense SPF 50 und PA++++ für 12,80 €. Oder Daylong Lotion Tube 100 ml für 17,95 €. Alessandro Hands Spa SPF 50 ubd richtig pflegend. Eubos mit Hyaluron für die Hände hat LSF 15 🤪. Rituals hat die türkisfsrbene Packung, riecht toll 😁 und hat LSF 30. Jafra LSF 15 und 9,00€ für 75 ml. Ducray LSF 50 für 16,00 euro. Oder meine Lieblingsfirma Roger & Gilet. Avon hat auch Handcreme mit LSF. Oder man nimmt unzählige Fehlkäufe fürs Gesicht und verbraucht diese auf Händen und Hals 😁.

        1. Das mit den Fehlkäufen fürs Gesicht auf den Händen verbraten kenne ich auch 😁
          Beim Lichtschutz für die Hände bin ich mittlerweile recht penibel. Hab halt noch total glatte Hände ohne Pigmentflecken und möchte mir das möglichst lange erhalten. Vielleicht habe ich auch nur zur viele Fotos irgendwelcher Promi-Damen gesehen, bei denen das Gesicht noch recht jugendlich wirkt, aber wehe, die Hände werden mal von nahem gezeigt. Teilweise echt gruselig. Ich werd mir die Sachen mal angucken, die du genannt hast, vielleicht werde ich ja fündig.

      2. Danke für die Tipps! Die Neutrogena hatte ich recht lange, aber leider wird sie in den Drogerien, die auf meinen regelmäßigen Wegen liegen, nicht mehr angeboten (dafür ca. ein halbes Dutzend andere Neutrogena Handcreme-Sorten). Gegen den Film hilft, die Creme auf noch leicht feuchte Hände zu geben. Ich arbeite im Büro und muss dort ständig irgendwelches Papier anfassen, auch meine Schreibtischunterlage ist aus Papier. Sonnencreme als Handcreme macht so hübsche gelb-braune Flecken, wo ich immer den Handballen von meiner Maus-Hand aufstütze. Vielleicht besser tatsächlich nur auf die Handrücken geben, ich versuchs mal.

  11. Mein Großvater war Optiker. Bei Brillen aus Zelluloid wurden damals gebrochene Bügel mit Aceton geklebt. Natürlich steht bei mir immer eine Flasche mit Aceton, für genau diese Momente, die Du beschreibst.

    Und Carbolineum mochte ich auch so gerne. Mein Vater hat mir einen Seemannsknoten geknüppert, den darin getränkt und mir mal geschenkt, weil er meine Nase und ihre Wünsche kennt. Ich habe das Stück Tau seit über 10 Jahren in einer ziemlich dichten Kiste – und es stinkt noch immer fürchterlich und schön! Eben so, wie Kindheit im Winter: Als unser Segelboot aus dem Wasser geholt wurde und die Holzaufbauten damit für die nächste Saison konserviert wurden.

  12. Hallo Düfte der Vergangenheit,
    ich bin derzeit auch sehr `leidenschaftlich´ mit dem Thema der Gerüche befasst und habe gestern einen alten Artikle von 2015 aus meinem Blog a. a. A. nochmal gepostet und würde den hier gern teilen:
    https://4alle.wordpress.com/2018/11/13/mhc-verborgene-zwischenmenschliche-beziehungen/
    Fortsetzung folgt.
    Leider haben die meisten Menschen ihre individuell gespeicherte `Geruchswelt´ mehr oder weniger vergessen. Die Werbeindustrie macht sich das zu Nutze…
    Schönen Tag!!
    Jürgen aus Loy (PJP)

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