KK INTERN: WAS HABEN DATENSCHUTZ UND WAHNSINN GEMEINSAM?

Heute geht es um die neue DSGVO, die die meisten von uns wohl bis vor kurzer Zeit noch für einen Song von den Village People gehalten haben. Aber nein, das ist etwas Gutes, sagt man! Etwas mit Daten, Sicherheit und Privatsphäre. Hört sich doch prima an und man denkt sogleich „Die tun was!“  Jaja, die tun was, nämlich ganz schön heftig nerven, mit einem wahnsinnigen Monstrum, das von hinten bis vorne mehr Probleme macht als nutzt…

 

Daten überall!

Facebook, Twitter, Instagram, Google und alle anderen Player im Internetgeschäft sammeln unsere Daten als „Bezahlung“ für ihre „kostenlosen“ Dienste, und wer als Blogger so etwas nutzt, mischt in diesem Spiel mit – so die Auffassung der Gesetzgeber.

Die meisten Blogger bloggen heutzutage, weil es sich um ein Geschäftsmodell handelt. Und sind die Einnahmen auch noch so mickrig, so unterliegt man ab sofort der ach so strengen Datenschutzverordnung, die endlich aufräumen soll in diesem Internet.

Die Damen und Herren aus den europäischen Regierungen hören da ja seit geraumer Zeit auch schlimme Dinge: Unsere Daten, also vom Namen bis zur bevorzugten Klopapiermarke und eventuellen Geschlechtskrankheiten, werden gespeichert, verkauft, missbraucht und was weiß ich noch alles. Das MUSS geschützt werden, haben die sich dann gedacht und vor ein paar Jahren eine europaweite Regulierung geschaffen, die die Daten aller Bürger in der EU schützen soll.

Und nach einer Schonfrist war es am 25. Mai 2018 nun soweit, das Gesetzesmonster wurde im Freilandversuch ausgesetzt. Nun haben wir den Salat.

 

Wie wirkt sich das aus?

Otto Normalbürger spürt es an diesen zig Millionen Mails, die derzeit die Postfächer fluten, um Einverständnis zur neuen Datenschutzregelung buhlen, und dabei in bestem Beamtendeutsch „aufklären“ wollen.

Jedes noch so kleine Geschäft, Vereine, Selbstständige, kommerzielle Blogger, usw. bekommen aber derzeit Beklemmungen, weil die Auswirkungen weitreichender sind als man dachte, und man sieht vor dem geistigen Auge bereits Heerscharen von Abmahnanwälten in den Startlöchern, die auf diese gewinnbringende Vorlage nur gewartet zu haben scheinen.

„Alles halb so schlimm, don´t panic!“ hört man von allen Seiten, und eigentlich klingt es ein wenig wie das Pfeifen im dunklen Walde. Die Hoffnung stirbt zuletzt? Wer jetzt seine Internetseite noch nicht auf Vordermann gebracht hat, sollte sich schon ein wenig sorgen, denn Roboter durchkämmen das Internet bereits nach fehlerhaften oder fehlenden Datenschutzerklärungen und Impressen!

Das dadurch hausgemachte Chaos treibt dafür munter Blüten, und das innerhalb von ein paar Tagen:

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik warnt vor betrügerischen E-Mails, die angeblich im Sinne der neuen Datenschutz-Grundverordnung sensible Nutzerdaten abfragen. In der entsprechenden Mitteilung heißt es: „Sie versenden unter anderem im Namen von Onlineshops wie Amazon, eBay und PayPal wie auch von namhaften Banken Phishing-E-Mails, in denen sie um die Eingabe von sensiblen Informationen bitten. Es sind sogar schon Fälle aufgetreten, in denen Opfer dazu gebracht wurden, Ausweise einzuscannen und an den Absender zu versenden.“

Will man im DSGVO-Zeitalter telefonisch einen Termin beim Arzt machen, sollte man viel Zeit mitbringen.

Die Rechtsanwaltskammer Düsseldorf kapituliert vor der DSGVO und schaltet ihre Internetseite einfach ab.

Beim Friseur muss man nun teilweise „Verträge“ unterschreiben, die die Nutzung der Telefonnummer (zB. für Terminabsagen) erlaubt.

Sportvereine und kleine Betriebe sollen einen Datenschutzbeauftragten einstellen, die gängigen Speichermedien sind bei vielen Vereinen aber derzeit noch simple Aktenordner. Kundenadressbücher gehören geschützt, keine Frage, aber nun muss jede Firma sämtliche Kunden um Erlaubnis bitten, die Daten (wie Name, Straße und Telefonnummer) speichern zu dürfen, natürlich auch rückwirkend.

Verwirrung herrscht auch bei Visitenkarten. Man tauscht ja Daten aus, und diese werden meist später digital gespeichert, die Kontaktdaten hat man doch im Handy oder Computer und nicht in einem Visitenkartensammelordner. Himmel, was kommt da, je nach Gesetzesauslegung, auf uns zu?

Könnte man diese Dinge nicht ab jetzt und nicht rückwirkend geltend machen? Denkt man denn gar nicht praktikabel in diesen elitären Denkfabriken?

 

Die wahren „Bösewichte“

Viele US Firmen sperren sich übrigens dagegen und haben schier kein Interesse daran, sich den Europäern zu „unterwerfen“  „Wir machen da zwar ne Menge Kohle, aber die Gesetze scheren uns nicht.“

Und gerade bei dieser Arroganz, die man auch wieder bei Herrn Zuckerberg während der Sorry-Tournee vor dem EU-Parlament (die EU Amateure steckte er locker in die Tasche) sehen konnte, sollte das Gesetz zuerst ansetzen. Nicht klein-klein denken, sondern BIG!

Nicht den moralisch mickrigen Abmahnanwälten Arbeit verschaffen (das gehört teilweise strikt verboten), sondern den wirklich großen Datenkraken Grenzen aufzeigen: „Mit unseren Bürgern können sie so nicht verfahren!“  SO sollte sich die EU vor uns stellen. Aber dazu ist die EU offensichtlich viel zu zahnlos, und darum trampelt man plakativ auf den mittleren und kleinen Mitspielern herum und hofft auf Abschreckung.

Wer auf kleine private Internetseitenbetreiber eindrischt, muss sich nicht wundern wenn das Internet in kürzester Zeit zu 100% aus kommerziellen Angeboten besteht. Diese Tendenz ist eh schon da und wird nun scheinbar durch die neue Datenschutz-Grundverordnung begünstigt. Das steht in keinem Verhältnis zur angeblich verbesserten Datensicherheit, denn die offensichtlich nicht mehr zeitgemäß informierten Menschen der gesetzgebenden Behörden ahnen nichts von den modernsten Möglichkeiten des Datenabgreifens, wie zB. akustische Cookies ( Erklärung Klick). Die lebensfremden Herrschaften befinden sich eben immer noch (wie Angela Merkel) in Neuland. Für mich das bisher misslungenste Gesetz der 2000er Jahre.

 

 

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(Fotos: Pixabay   Keinerlei Sponsoring)

 

 

 

 

 

14 Kommentare

  1. Einerseits gut, dass es eine Überarbeitung des Datenschutzes gibt, andererseits stümperhafte Ausführung.
    Ich habe Bedenken, ob das alles so praktikabel ist. Chaos gibt es jedenfalls schon und für viele kleine Firmen hohe Kosten, die sie natürlich selber tragen müssen.
    Danke für deine klaren Worte!

  2. DSGVO -das Unwort des Jahres. Ach was. Der kommeden Jahrzehnte.
    Alle drehen durch, ich auch. Habe web.de gefragt, wie es mit einem Vertrag bzgl. der Auftragsdatenverarbeutung aussieht (Kundendaten wie Anschrift, Rechnungsdaten) und dann kam das:
    Zitat: Eine Vereinbarung über eine Auftragsvereinbarung muss man rechtlich dann abschließen, wenn es für die Datenverarbeitung des Anbieters keine spezielle gesetzliche Ermächtigung gibt. Eine solche gesetzliche Grundlage gibt es für Telekommunikationsdienste (DSL/Telefonie und E-Mail-Dienste) (§§ 91,95 TKG). Aus diesem Grund ist keine Vereinbarung notwendig.

    Ich freue mich, wenn ich Ihr Anliegen zu Ihrer Zufriedenheit geklärt habe.“

    Ah ja. Bin nun so schlau wie vorher und definitiv nicht zufrieden. Das Mailfach quillt vor DSGVO-Mails über, die ich mittlerweile ungelesen lösche und auf gefühlt jeder Seite wirst du von Cookie-Bannern erschlagen. Sogar Klarna liegt seit dem 25.5. brach. Ich zumindest kann mich nicht mehr einloggen und lese da was von „technischen Problemen“. Habe nachts geträumt, dass Klarna einen DSGVO-bedingten Datencrash hat und sich all meine noch ausstehenden Rechungen in Luft aufgelöst haben. Das wäre… nun ja… wunderbar. 😊

    Und was die Abmahnanwälte angeht: Ich wundere mich. Auf wessen Auftrag hin handeln sie? Die können doch nicht einfach selbst (ohne Kläger) anklagenderweise durchs Netzt ziehen? Oder dürfen sie das(rechtl. gesehen) doch?

    Fragen über Fragen…

    LG Anna

    P.S: Da hat mich doch endlich was von diesem grausamen Champions League Finale gestern abgelenkt (der arme Keeper, was für ein rabenschwarzer Tag), da hat die DSGVO ja doch was Gutes. *Ironie off*

  3. Guten Morgen,

    ich sehe das wie Du.
    Die kleinen Website-Betreiber werden mit Bürokratie, Kosten usw. erschlagen und werden wohl bald den Hut draufhauen.
    Mein Postfach quillt über vor lauter Mails von (kleineren) Firmen, die ich schon längst vergessen habe. Komisch, dass ich von den wirklich großen Firmen kein einziges Mail bis jetzt erhalten habe 🙂

    Ich hoffe, dass Du Deine Seite auch weiterhin betreibst. Es ist der einzige Blog, dem ich wirklich vertrauen kann.
    Meist lese ich auf anderen Seiten stets, wie toll die Produkte doch sind (gespickt mit hunderten von Affiliate Links) und von Dir und den wirklich informativen Kommentaren werden mir dann die Augen geöffnet.

    LG und einen schönen Sonntag
    Eva

  4. Guten Morgen.
    Ich habe eine Rücksende-Postkarte von meinem Stromanbieter erhalten, mit der Bitte um Vervollständigung und Aktualisierung meiner Daten (Name, Adresse, Telefonnummer, Mail, Geburtsdatum und Unterschrift). Diese soll ich, per Post zurückschicken- eine Postkarte mit allen Daten und meiner Unterschrift. Echt jetzt?
    Da fehlt doch meine Sozialversicherungnummer! Und ein aktuelles Foto! Da wird der Datenschutz wirklich Ernst genommen. *Ironie off*
    LG Lisbeth

    1. Abgesehen davon dass ich das bedenklich finde und mich beschweren würde würde ich sie in einen Briefumschlag stecken. LG

  5. Was haben die denn da für ein Bürokratie-Monster erschaffen? Da bin ich doch gleich mal gespannt auf kommende Arzt- und Friseurtermine. Gestern im Radio gehört, dass alle möglichen Leute Angst und Panik schieben, vor allem auch kleine Vereine. Jetzt ist nämlich nix mehr mit eben mal Fotos veröffentlichen. Und was ist mit Listen in Schule und Kindergarten… Oha. Mein ehemaliger Anwalt (mit dem ich aber noch ein bisschen privat zu tun habe), hat mich schon letzte Woche gebeten nicht mehr über WhatsApp zu kommunizieren, wir steigen neben telefonieren auf Mail um (war geschäftlich natürlich schon vorher so). Ich hoffe trotzdem, dass Google und Facebook noch kräftig was abbekommen.

  6. Guten Morgen
    war letzte Woche zur Blutanalyse die mir von meinen Hausarzt verschrieben wurde, musste jetzt unterschreiben, dass ich dem Labor die Erlaubnis gebe, meinem Arzt die Ergebnisse mitzuteilen.
    Liebe Grüsse

  7. Ich lese gerade sogar in der FAZ vom Chaos durch das neue Gesetz. Und Facebook kann jetzt sogar noch leichter und ungestörter die Daten der User verarbeiten. Lernen es die Politiker denn nie? In solchen Dingen sollten sie die Junger ran lassen, die drögel alten Pappas in Brüssel lassen sich doch von ihren Sekretärinnen das Internet morgens ausdrucken.

  8. Ich empfehle, seine Mail-Adresse bei einem deutschen Anbieter einzurichten. Mir sind Leute unverständlich die ihre Mails Google & Co. quasi auf dem Silbertablett servieren.

    Auf dem Smartphone nutze ich Google teilweise und gezwungenermaßen, allerdings wird der Account nur für Apps genutzt und sich von 3 Leuten geteilt. Von YouTube etc. lasse ich kontenmäßig die Finger. Zur Internetsuche nutze ich Startpage/Ixquick und hoffe mich auf deren Angaben verlassen zu können. Sämtliches was ich auf dem Smartphone bzgl. Daten und Berechtigungen deaktivieren kann ohne allzu eingeschränkt zu sein habe ich deaktiviert. Je nach Android-Android-Version die man verwendet kann man den Apps jetzt einzelne Berechtigungen entziehen. Das ging vorher auf normalen Wegen nicht.
    Und ich hoffe inständig, dass Facebooks vorinstallierte und von mir deaktivierte Zwangs-App nicht doch schnüffelt. In meinen Monaten bei FB habe ich nur den Zugang über den Browser genutzt.

    Im Grunde kann man aber ja Facebook & Co. meiden wie man will. Hilft nur bedingt, solange Freunde, Familie und wer auch immer dort sind und fleißig sämtliche Daten von Nicht-Mitgliedern durch Kontaktdaten-Verzeichnisse preisgeben und/oder lustig Fotos hochladen.
    Mich nervt auch Amazon mit seinen „Produktvorschlägenad etc. Insgesamt wird mir das alles immer unheimlicher und lästiger.

  9. Tja, heute könnte ich einige USA Webseiten nicht lesen, da stand dann schön – wegen in Ihrem Land geltenden Datenschutzrichtlinien wird Ihnen folgender Inhalt nicht angezeigt. Willkommen in Mittelalter.
    Zum Glück hat WordPress den Übergang für mich vereinfacht – drei Mal klicken und schon sind die Einstellungen gespeichert – und woanders werden nach wie vor Daten in großem Still geklaut.

    Akustische Cookies kannte ich bis dato nicht, bin richtig erschrocken was es alles gibt.

  10. Danke für die Aufklärung. Ich wusste gar nicht was das ist. Ich dachte wohl auch an ein Lied von den Village People, guter Gag übrigens. 😉

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