LIFESTYLE: WEM GEHÖRT EIGENTLICH…MCM?

Immer öfter stolpert man wieder hier und da über die (dereinst verrufene) Kultmarke „MCM“, die wir in den 90er Jahren irgendwann nur noch „Muschi Club München“ nannten. Oder weniger gemein: „Manta Club Mettmann“…Ähem. Der Ruf in Deutschland war ruiniert, zu viele Plagiate geisterten hier durch Sonnenstudios und ländliche Friseursalons. Was einst als Hommage an Louis Vuitton gedacht war, wurde zur Karikatur. Und heute? Wie ist das mit dem Come-back? Und wer steckt hinter der Marke?

(Ein Teil des Textes erschien bereits im Trendbarometer vom 21.04.2017. Der Artikel wurde ergänzt und in die Reihe „Wem gehört eigentlich…“ eingegliedert)

Der Münchner (Gelegenheitsschauspieler) Michael Cromer gründete die Marke 1977, verkaufte sie zuerst im Friseursalon seiner Frau („Modern Coiffeur München“) und formte dann daraus ein respektables Unternehmen, das weltweit für Aufsehen sorgte. In Spitzenzeiten machte MCM weltweit ca. 200 Millionen Euro Umsatz.

Durch anonyme Anzeigen bei der Steuerfahndung, aber auch Fehler im Management, schlingerte das Unternehmen und wurde mehrfach verkauft. Zuletzt ging MCM an die koreanische Unternehmerin Sung-Joo Kim, die MCM bereits früher in Asien vermarktete (es hält sich auch das Gerücht, dass sie die Produktion in Asien größtenteils für ihr eigenes Portemonnaie verpulverte).

Michael Cromer selbst verstarb 2007 verarmt in der Nähe von München.

Heute ist der Firmensitz in Zürich und MCM mittlerweile seit Jahren einer der Shootingstars in Asien, besonders in Süd-Korea sind die Menschen geradezu wild auf MCM. Teilweise sind die Produkte begehrter als Louis Vuitton. Das mag auch an Designer Michael Michalsky liegen, der der alten Koffermarke mit Manta-Appeal wieder einen jungen und kommerziell erfolgreichen Anstrich verpasste. (Siehe: Der mit Nieten besetzte Michalsky-Rucksack, den er heute allerdings auch noch für seine eigene Marke verwurstet)

Irgendwie nettes Detail: Obwohl die Marke mit Deutschland kaum noch etwas verbindet, bleibt auf dem metallenen Markenschild die Bezeichnung „MCM – München“ erhalten. Eine kleine Reminiszenz an den Markengründer.

Auf Michalsky folgte 2013 als Kreativdirektor der Schweizer Adrian Josef Margelist, der bereits von 2008 bis 2010 für MCM gearbeitete hatte. Margelist wechselte Anfang 2016 zu der Taschenmarke Liebeskind Berlin. Die Marke MCM wurde 2016 in über 400 Ladengeschäften, darunter über 130 eigene Läden, in 35 Ländern weltweit angeboten.

Sung-Joo Kim führt das Unternehmen äusserst erfolgreich und kann auf imposante Zahlen verweisen: Im Jahr 2016 betrug der Umsatz allein der 131 Boutiquen 560 Millionen Euro.

Sung-Joo Kim

Angesagte Stars und Influencer sorgen dafür, dass das Image der Marke wieder aufgewertet wurde. Fußball-Gott Ronaldo macht den MCM Rucksack selbst bei Männern wieder tragbar, und bei jungen Fashionbloggerinnen ist der MCM Rucksack in (Retro-) Cognac wieder super angesagt.

 

 

Wenn ich mir die Taschenkollektionen heute so anschaue, finde ich alte Elemente und schöne, aber nicht unbedingt bahnbrechend neue Details. Mir gefallen viele Sachen sehr gut, der Preis ist auch nicht ganz so exorbitant wie bei Vuitton. Die eine oder andere Laptoptasche, oder der schwarze Rucksack (ohne Nieten bitte) ist mir durchaus ins Auge gefallen. (Edit: Er gehört jetzt mir! Ein tolles Stück, super verarbeitet und behält wunderbar sein Form. Ich habe die Anschaffung nicht bereut, auch wenn er ohne Rabatt – den gab es drei Wochen später, Ummpff – etwas über 700 Euro gekostet hat.)

Ehrlich gesagt, eine sehr traurige Story, und Michael Cromer musste sein Lebenswerk so zerbröseln sehen. Schade, und ich schäme mich fast schon ein bisschen für meine damaligen verächtlichen Blicke, wenn wieder eine etwas zu blonde und zu tiefengebräunte Frau ihre cognacfarbene Monogrammtasche aus der Dependance Antalya ausführte. Herrjeh…den Bekanntheitsgrad einer solchen Marke muss man erstmal erreichen!   Klick dich zu MCM

 

 

Heute ist die Marke bei uns in einigen Boutiquen und Kaufhäusern (Engelhorn, Breuninger) und Online (Fashionette, MCM Onlineshop) erhältlich. Käufe bei eBay sind gefährlich, da immer noch sehr viele Fälschungen im Umlauf sind, Vintage, aber auch auch die neuen Produkte werden in Asien perfekt gefälscht. Staubbeutel, Seriennummer und Zertifikat sind nicht immer sichere Indikatoren für Echtheit, da diese Dinge ebenfalls gefälscht werden.

 

 

 

 

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(Fotos: Konsumkaiser, Instagram, Hersteller   Keinerlei Sponsoring!)

6 Kommentare

  1. Oh ja, MCM, da hatte ich auch das eine oder andere Täschchen … schön waren sie… bis ich dann zu HCL gewechselt bin von denen man heute auch nicht mehr viel sieht und LV war mir bislang zu teuer, aber vielleicht fange ich auch mal klein mit einer Geldbörse an..
    LG Anja

    1. Oh ja, das ist der perfekte Einstieg. Ich sag´s dir. Und dann kommen die Taschen. Bin mittlerweile auch scharf auf die LV Sneakers, ohne Monogram, nur mit Schachbrett. Umpf…so geht das. 😉

  2. Ich war letztens in Japan, dort habe ich einige Rucksäcke von MCM gesehen. Mir persönlich war MCM optisch immer etwas „zuviel“ (wie zB auch die Multicoloure von LV) und hat mich nie angesprochen. Aber die Hintergrundinfos sind trotzdem interessant. 👍 . Irgendwie ist die Marke trotzdem kultig, schade dass sie nicht mehr in DE ansässig ist.

  3. Ich muss gestehen, ich habe diese Taschen damals auch getragen. Die erste Basic die es damals gab hat 600,– Mark gekostet. Für eine 20jährige war das damals viel Geld. Ärgerlich war das die weiße Kollektion sich nach einiger Zeit rosa gefärbt hat. Ich bin dann auf schwarz und braun umgestiegen. Noch heute habe ich einige „alte“ Teile aus der damaligen Kollektion. Unverständlich ist wirklich warum einige Sachen einfach verrissen werden, wo andere fast ähnlich aussehen. Tolle Hintergrundinformationen.
    LG Petra

  4. Damals ist der MCM-Trend an mir vorbei gegangen – ich hatte es damals aber generell nicht so mit Taschen. Vor kurzem habe ich mir eine Tasche aus der Mitte-Serie von MCM zugelegt. Super elegant!
    Dein Artikel finde ich äußerst interessant 🙂 Viele Infos kannte ich bislang noch nicht.

    Liebe Grüße,

    Tabea
    http://tabsstyle.com

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