LIFESTYLE: HERR KK ERKLÄRT DIE WELT * FACEBOOK – WARUM DER OLLE LADEN WOHL BALD DICHT MACHT…

Ich oute mich mal: Ich mag Facebook nicht, ich mochte es noch nie und werde es auch nicht mögen, selbst wenn es dort demnächst einen schicken „Tesla“ geschenkt gibt, wenn man denn bleibt. Fakt ist, die besten Zeiten hat das „Fratzenbuch“ hinter sich, und ich weine dem keine Träne nach. Die „Hauptzielgruppe“ ist eh schon abgewandert, übrig geblieben sind vereinzelt noch braunes Gesocks, psychisch auffällige Shitstorm-Starter und die ganzen „Normalos“, die Facebook eh nur zur tägliche Berieselung brauchen, um sich ja keine eigene Meinung machen zu müssen. Da trete ich doch gerne noch mal nach…

Warum finde ich Facebook eigentlich so unendlich überholt?

Jetzt mal ehrlich: Wie hässlich ist eigentlich dieses Facebook Design? Es macht mich geradezu depressiv. Schrecklich unübersichtlich und langweilig, diese weiß-blaue, und aus den Fugen geratene Excel-Tabelle für hyperemotionalisierte Couchpotatoes. Wer hier gerne länger „surft“ hat auch noch nen Account bei „studiVZ“. Und wir wundern uns, wenn junge Leute mittlerweile über die Generation 40+ die Köppe schütteln – wie wir, wenn Omma ratlos vorm Geldautomat steht.

Nee, ich bin zwar noch pro forma mit einem Konto bei Facebook vertreten, schaue dort aber kaum noch rein, und lese mir meist auch nicht die Timeline durch, das ist nämlich schrecklich frustrierend.

Katzen-, Pannen-, Kindergeburtstags-, Fall-vom Baum-, Fall-vom-Klo-Videos ohne Ende. Geteilt und nochmals geteilt, damit man es gleich auch fünfzig Mal hintereinander in die Augen gerieben bekommt.

Und dann diese unsäglichen Sinnsprüche! Bekäme der Dalai Lama zehn Cent für jeden geteilten Sinnspruch, den er mal irgendwo unvorsichtig losgelassen hat, könnte er Herrn Zuckerberg den Laden abkaufen – und endlich zumachen. Und vom Rest des Geldes eine Station auf dem Mars bauen lassen, um endlich mal Ruhe vor den eigenen geteilten Sinnsprüchen zu haben. Der Facebook-Sinnspruch ist der Gartenzwerg des 21. Jahrhunderts. Penetrant, muffig und unausweichlich. Ist doch so!*

Neid und andere niedere (An-)Triebe

Und da wo der Gartenzwerg sein Unwesen treibt, ist auch ein anderes (deutsches) Schreckgespenst zu finden: Der Neid!

Mein Haus, mein Auto, meine neue Frau aus Novosibirsk. Es wird geprotzt und geprollt, wo es nur geht. Die Feingeister tun das dann gerne auch mit ihrer sozialen Ader: „Ich gebe einmal im Monat Flötenstunden für Flüchtlinge!“ Der Applaus wird ohrenbetäubend, schon erlebt. Oder typisch Blogger: „Schaut mal, was die Kosmetikfirmen mir schon wieder alles zugeschickt haben, ich komme gar nicht mehr mit dem Testen nach!“ Man hört ein „Och, du Ärmste“, doch die Gesichter sind schon (neid-)grüner als jenes der „Wicked-Witch“*

Eine andere Strömung in den sozialen Medien (mit beachtlichem Zulauf), ist die „Esoterik-Ecke“. Ich habe doch gar nix dagegen, wenn Leute auf den unterschiedlichsten Wegen ihre Glückseligkeit finden. Ich selbst nutze Atemtechniken, die ganz klar auf mein Wohlbefinden wirken. Da sind wir eben alle anders gestrickt. Wenn aber mit „Energetischer Reinigung von ganzen Häusern“ und „Heilung im heiligen Raum“ Geld verdient wird, und alles kritiklos angenommen wird (Kritiker werden in diesen Kreisen der Geisterbeschwörer schnell mundtot gemacht, man sei „nicht offen für sowas“), ziehen sich bei mir die Zitronen-Rezeptoren schlagartig zusammen!

Wie belanglos diese Ansammlung von aufdringlichen Offenbarungen und Nichtigkeiten ist, fiel mir dereinst auf, als FB für 40 Minuten nicht erreichbar war! Jugendliche heulten nicht, aber deren Eltern! Die konnten wohl ihre Sprösslinge nicht mehr ausspionieren und nach derem (gefaketen) Status Ausschau halten. 40 Minuten, das sind umgerechnet in D-Mark fast 2 Tage. Ohne Sinnsprüche, die unser Leben doch so schön machen können. Ohne zu wissen, dass Elfriede heute schon zum dritten Mal erfolglos auf dem Klo war, und sie nun die „Schwarmintelligenz“  nach Tipps zum erfolgreichen Abseilen befragt. Ohne die Möglichkeit so einigen Bonzen, Stars und Sternchen, oder der Knalltüte von Nebenan mal so richtig den Marsch zu blasen und dabei ordentlich in der Schimpfwörterkiste zu wühlen! Wo sonst kann man sich so schön hemmungslos die Wut von der Seele schreiben, egal was man damit anrichtet.*

Ich habe davon nichts gemerkt. Instagram, die Egomania-Community mit den vielen superschönen und ultrareichen Menschen, hatte keinen Ausfall, alles im grünen Bereich. Warum ich die Scheinwelt von Instagram bevorzuge? Dort wird noch nett und freundlich miteinander umgegangen. Es wirkt persönlicher, verbindlicher und echter. Auch wenn jedes 2. Foto von den wundersamen und scheinbar allmächtigen Retuschier-Apps bearbeitet wurde. Na und? Ist halt die heutige Ästhetik, wer das nicht schnallt…siehe Omma vor Geldautomat! Jedenfalls ernte ich keinen Shitstorm auf Instagram von irgendwelchen Lonsdale-Trägerinnen mit ausrasiertem Nacken, nur weil ich den deutschen Schäferhund nicht ganz so süß finde wie einen Chihuahua.*

Übrigens stößt mich dieser übersteigerte Deutschnationalismus auf Facebook ganz besonders stark ab. Jedes zweite Posting hat die Überschrift „Das wird man ja wohl mal sagen dürfen“. Na klar, aber die meinen es ernst. Die Hexenverbrennung wird auf Facebook wieder brandaktuell. Denunziation, Vorverurteilung und apokalyptische Hasspredigten und Beleidigungen ganzer Völker sind in diesem nahezu rechtsfreien Raum an der Tagesordnung. Wessen Meinung gerade nicht in den Mainstream passt, wird einem gnadenlosen Shitstorm ausgeliefert, der durch seine extreme Eigendynamik zerstörerischer ist als eine schallende Ohrfeige von all den lieben Facebook-Usern persönlich mit der flachen Hand. „Rechtsfrei“ deshalb, weil nur Facebook entscheidet, was bleiben darf und was über das Ziel hinaus schiesst. Alles klar: Rechtsradikale Aufrufe zu schicken Versammlungen mit brennenden Fackeln und Flüchtlingsheimen bleiben. Stillende Mütter werden gelöscht, zu viel Brust! Ich kann nicht mehr, so pervers ist dieser Dummbeutel-Laden! Es herrscht dort keine Meinungsfreiheit sondern eine höchst unangenehme Meinungshoheit.

Eine amerikanische Studie von 2015 hat die These aufgestellt, dass Facebook- und Twitter User meist „bildungsferner und ärmer sind“ als Instagram- oder Snapchat-Nutzer. Klick dich zur Studie (engl.)    Da führe ich doch mal gleich den „Beweis“ an: Der „Künstler“ und Gangsta-Schlagerrapper Kay One hat 2.3 Millionen FB Likes, aber nur 146.000 Instagram Followers. Alles klar?  😉 *

Was nicht nur für Facebook gilt

Das gesamte (nur scheinbar) anonyme Internet braucht keine wirkliche Reglementierung oder gar Verbote, sondern eine „Haftbarmachung“ eines jeden Einzelnen. Nenne ich den Polizisten auf der Straße „Drecksack“, werde ich auch dafür haftbar gemacht, warum sollte das im Internet nicht so sein? Eine Sensibilisierung für digitale Umgangsformen gab es schon einmal, die „Netiquette“. Hat augenscheinlich nicht funktioniert, warum auch immer, konnte wohl keiner verstehen/lesen. Doch wer persönlich angesprochen wird: „Sehr geehrter Herr Müller! Sie haben Herrn Meyer im Internet als Drecksau bezeichnet. Erklären sie uns und Herrn Meyer doch bitte vor Gericht ihre Beweggründe!“, wird sich anders verhalten, als in der vermeintlich anonymen Parallelwelt des Internets.

Die Wiedergeburt der Selbstkontrolle wird das nächste große Thema sein, wenn Facebook endlich aus Einsamkeit seine Pforten schließen wird. Wann das sein wird? Wird dauern…Panneköppe haben wir ja genug!*

 

 

 

 

(* „Herr KK erklärt die Welt“ stellt Sachverhalte überspitzt dar, damit die Glosse ihren unterhaltsamen Touch bekommt. Natürlich bestätigen Ausnahmen die Regel, es gibt auch viele löbliche Beispiele.  Und wer sich nun zu arg verhohnepiepelt fühlt, soll sich bitte nicht abhalten lassen auf Facebook einen fiesen Shitstorm gegen diesen Blog zu starten! Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.)

 

Foto: Konsumkaiser   Keinerlei Sponsoring.

 

 

 

6 Kommentare

  1. hahaha! :-)) „Böse schreiben“ kannst du wirklich super. :-* Aber hier fühle ich mich jetzt zur Abwechslung mal nicht ertappt.;-) Denn auf Facebook hat sich jeder seine Timeline persönlich zusammengestellt – nämlich durch die „Freunde“. Ich habe weder braunes Gesocks noch Sinnsprüche noch Cat Content. Wobei, das stimmt nicht: Ich habe Cat Content – den mache ich nämlich selber. 😀

    Instagram und Snapchat sind bildungsnäher? Das ist aber auch eine gewagte These. 😀

    1. Ich glaube, ich hatte so einen wirklich schlimmen Mist auch noch nicht in der Timeline, aber ich bin schon öfter darüber gestolpert. Und da war ich immer entsetzt, dass man sowas so problemlos posten kann. (Es ging um brennende Flüchtingsheime).
      Die Studie ist natüüürlich Quatsch, aber der Vergleich mit Kay One passte so schön! 😉
      Liebe Grüße, KK

  2. Herrlich wie immer. Vor allem die neue Fußnote. Nach der letzten Welterklärung war die wohl nötig.

    Ich bin zwar auch bei Facebook, „Freunde“ habe ich da aber keine. Eigentlich habe ich mich da irgendwann nur mal angemeldet, um an irgendwelchen uninteressanten Gewinnspielen teilzunehmen, die darüber liefen. Folglich ist meine Timeline voller Werbelinks, also völlig ohne Belang. Aber auch nicht braun gefärbt zum Glück.

    Eingeloggt war ich daher auch schon ewig nicht mehr, denn auch ich finde Instagram viel familiärer. Vor allem der Kreis der kleinen Beautyblogger fällt da angenehm auf, wo noch alle ihre Posts gegenseitig liken und kommentieren.

  3. Kleine Anmerkung zur Zensur bei FB: Die Gütersloher Bertelsmann-Tochter Arvato löscht im Auftrag der Bundesregierung auf FB. Alles hat seine Licht- und Schattenseiten. Man muss sich eben das passende für sich aussuchen und den Rest links liegen lassen. So verfahre ich jedenfalls.

  4. „40 Minuten, das sind umgerechnet in D-Mark fast 2 Tage“ – super 😀😀😀
    Du kannst sehr gut sehr böse schreiben 😀
    LG, Silke

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