MECKER-MEGAPHON: HART ARBEITENDE BEAUTY-REDAKTEURE * VON JOURNALISTEN, BLOGGERN UND DER WELT DER INFORMATIONEN

Jedes gute Magazin gönnt sich ein Beauty-Ressort. Das muss heutzutage sein, denn Beauty ist ein wichtiges Thema, lockt viele Leser an und…bringt gute Einnahmen in Form von Anzeigen. Wir Blogger hingegen arbeiten für Ruhm und Ehre, und besonders weil wir Spaß an der Sache – an UNSEREM Thema – haben! „Blogger?“ Da höre ich doch schon das schallende Gelächter aus den Reihen der Redaktionen. Blogger sind für Journalisten Schreibazubis, die allenthalben ins Dschungelcamp verfrachtet gehören. Warum? Sind wir zu ehrlich?

Nun kann ich ja verstehen, wenn der gemeine Journalist so denkt. Seine Arbeit ist lang erlernt und muss auch bezahlt werden. Und dann kommen da so ein paar dahergelaufene Hippies und generieren Leserzahlen, von denen so mancher Redakteur nicht zu träumen wagt! Kostenlos! Nehmen wir das mal so hin. Aber warum jaulen ausgerechnet Beautyjournalisten so besonders laut?

Das Leben einer Beautyredakteurin/eines Beautyredakteurs (Ja, die gibt es! Männermagazine haben mittlerweile auch mehrseitige Beauty-Strecken!) ist scheinbar ein hartes Los! Die unendlich vielen neuen Produkte müssen gesichtet und probiert werden. Hintergrundinfos werden recherchiert, glamouröse Produktfotos produziert und schlussendlich wird ein Artikel verfasst. So kann es sein, so sollte es sein, so wünsche ich mir das. In Wirklichkeit sieht es in vielen Redaktionen wohl völlig anders aus. Da sind die „Copy&Paste“ Tasten am Computer ganz fürchterlich abgenutzt, denn die Produktinformationen werden 1 zu 1 aus den Pressemappen übernommen. Eigene Ergüsse darf man nicht erwarten, besonders keine kritischen! Der Anzeigenkunde könnte abspringen, das kostet Geld und der Arbeitsplatz fängt an zu wackeln. Natürlich gibt es auch Blogger, die so verfahren, aber diese abgeschriebenen Blogposts kann ich nicht ernst nehmen und nehme sie auch schon gar nicht mehr wahr.

Allure - wenigstens ein bisschen Information steckt in ihr! Rühmliche Ausnahme.
Allure – wenigstens ein bisschen Information steckt in ihr! Rühmliche Ausnahme.

Zumindest ein wenig Eigenarbeit möchte ich hinter der Berichterstattung zu neuen Beautyprodukten schon sehen, sonst reichen mir auch die Werbestrecken alleine aus und das Beautyressort könnte gleich ganz schließen! Doch es geht noch schlimmer…

Jedes Jahr, zu bestimmten Zeiten und Anlässen, bekommen wir immer und immer wieder die gleichen Plattitüden zu lesen. Es ist Frühling und die Beautyredaktionen schäumen nur so vor Kreativität. Äh nee, doch nicht. Angestaubte Archivleichen werden zu solchen Anlässen herausgeholt, mehr nicht! „Machen Sie Ihre Haut frühlingsfit!“ Ein Beauty-Frühjahrsputz wird dafür empfohlen. Ja haben wir alle die letzten Monate schlafend unter muffiger Holzrinde verbracht? Nee, ich habe in letzter Zeit nicht gepeelt, gewaschen, die Haare gesäubert und bin zum Friseur gegangen, geschweige denn die Zähne geputzt. Nein, das muss nun alles der Frühjahrsputz nachholen! Und ist dieser geschafft, machen wir uns „Strandschön in 5 Minuten!“

JEDES Jahr die gleiche Leier! Das dann auch gerne zu Weihnachten: „Festlicher Glanz in Ihrem Gesicht durch die 5 Schönheitsgeheimnisse der Jedi-Ritter!“, oder zu Ostern: „Colorblocking auf Ei und Wangen! Ihre Lieben werden entzückt sein!“ Meine Damen und Herren, Sie bekommen Geld dafür? Unglaublich!

Gerade der Beautybereich ist da exemplarisch für die Stimmung in unserer Informationswelt! Dieses verächtliche Getue Bloggern gegenüber kann ich nicht verstehen. Da ist mir JEDER klitzekleine Wald- und Wiesenblog nämlich lieber! Ehrlichkeit ist das neue Zauberwort! Ich reiße mir den Hintern auf, um wirklich JEDEN Tag einen interessanten Artikel hinzubekommen. Ich kaufe die Produkte zum großen Teil selbst, weil ich weiß, dass man manchmal eben doch nicht völlig unbefangen ist, wenn man großzügig mit teuren Beautyprodukten beschenkt wird. Ich teste die Cremes und Sälbchen und verfasse danach einen Bericht, den ich auch meiner besten Freundin genau so ans Herz legen würde. Sicher, es gibt immer Jemanden, der besser Schreiben und geschliffener Formulieren kann, aber ich gebe mir Mühe und koche nicht die Süppchen von 2011, 2012, 2013, usw. jedes Jahr aufs neue auf! Und: Ich mache das kostenlos, als Hobby, neben meinem Job.

Das alles ist es, was unsere „Informationsbeschaffung“ momentan so sehr mit einem faden Beigeschmack versetzt! Bei Modestrecken kann der Fotograf geschickt das Bild steuern, die Klamotten werden im Zweifelsfall noch hinter dem Rücken des Models zusammengeheftet, um den perfekten Sitz zu simulieren. Aber Beauty ist eine Stufe höher. Da wird gelogen! Gelogen, dass sich die Balken biegen. Und wenn dann nun Firmen kommen und sich eigene Blogs „halten“, bzw. eine/n Blogger/in leisten, die/der dem ganzen Treiben Authentizität verleihen soll, dann fasse ich mir nur noch an den Kopf. Unter dem Deckmäntelchen von „Ich durfte das Produkt XY testen, und es ist toootal supi!“ und pseudo-amateurhafter Aufmachung, spiegeln die neuesten Ableger dieses Genres echte Informationen vor, verkaufen aber trotzdem nur die PR Texte der Firmen. „Authentizität“, eins der abgenudeltsten Worte unserer Zeit!

Versteht mich nicht ganz falsch, ich verurteile nicht die PR! Ich liebe gut gemachte Werbetexte. Parfumbeschreibungen können geradezu poetisch sein! Aber wenn mir etwas vorgekaukelt werden soll, reagiere ich allergisch.

Informationen sind etwas Großartiges! Nur aussieben müssen wir selbst. Bitte verlernt das nicht! Wölfe werden zu Schafen, Redakteure zu Bloggern, Blogs werden unterwandert. Im Kleinen und im Großen!

 


38 Gedanken zu “MECKER-MEGAPHON: HART ARBEITENDE BEAUTY-REDAKTEURE * VON JOURNALISTEN, BLOGGERN UND DER WELT DER INFORMATIONEN

  1. Lieber Konsumkaiser,
    Dein Artikel ist eine Wucht!!!!! Du sprichst mir (und wahrscheinlich auch den meisten anderen Blog-Lesern) aus dem Herzen. Schon lange kaufe und lese ich keine Magazine mehr. Es steht eh immer das gleiche drin. Und wenn dann auf den Beautyseiten Nivea oder Garnier oder der ganze andere Kram hochgelobt wird, kann ich nur mit dem Kopf schütteln.

    Ich liebe Deinen Schreibstil und Deinen Humor. Mach bitte weiter so!!!!!

  2. Lieber Konsumkaiser,
    genau aus diesem Grund kaufe ich seit Jahren keine Frauenzeitschriften mehr, seit vielen Jahren. Die ultimative Creme gegen Cellulite (die ich nicht habe), die ewig gleichen Schminkgeheimnisse und man merkt, dass hier nicht informiert, sondern unverhohlen geworben wird. (Übrigens blaffte ich jüngst einen „Kundenberater“ der Telekom an, der ständig mit neuen Angeboten nervte und erfuhr, dass er keine Werbung mache, sondern die Kunden informiere. „Ja, wollen Sie denn ewig Ihren alten Tarif behalten?“ Warum nicht, wenn er abdeckt, was ich brauche.)
    Deinen Stil finde ich ehrlich, witzig, erfrischend. Und wenn gut bezahlte Beautyredakteure das nicht hinbekommen, sollen sie sich was schämen.

  3. Lieber KonsumKaiser,
    ich finde deinen Text großartig. Er spiegelt genau das wieder, was ich mir beim lesen der Zeitschriften denke. Wenn mich ein neues Produkt interessiert verlasse ich mich neuerdings eher auf Blogger-Meinungen als auf Zeitschriften & Magazine (obwohl ich viele gerne lese). Aber wirklich schlau wird man aus den Texten der Magazine wirklich nicht. Da zählt die Meinung der LieblingsBlogger schon viel mehr, wenn man das gleiche Produkt gut findet oder bei einem anderen Produkt die selben Kritikpunkte gefunden hat. Ich finde es gut, wenn man als Blogger etwas zum testen zur Verfügung gestellt bekommt – dann sollte man es aber auch auf Herz & Nieren testen und genau so beschreiben, wie man es eben auch der besten Freundin beschreiben würde – und die würde man ja auch nicht belügen.
    Liebe Grüße, Nina von 30rockt!!!

  4. Lieber KK,
    da sprichst Du mir aber aus dem Herzen.
    Was die Beauty- und auch Modezeitschriften zum Teil vom Stapel lassen, ist nämlich wirklich unter aller Kanone. Gerade gestern habe ich mich wieder geärgert über „InSTYLE“, Instyle Beauty, Glamour und auch die Vogue. Überall das selbe. Der PR-Text des Herstellers werden glatt als bare Münze verkauft. All das durchgängig im immer gleichen Blabla, auch „Wording“ genannt: X lässt Falten verschwinden, Z dringt tief in die unteren Hautschichten ein, A verfeinert das Hautbild, B macht die Haud geschmeidig, Forscher haben herausgefunden, Studien belegen – ICH KANN ES NICHT MEHR HÖREN. Klar, die haben nicht die Ressourcen, um den ganzen Müll selber zu testen, aber die Art und Weise, wie das Zeug hier JOURNALISTISCH VERBRÄMT an den Mann und die Frau gebracht wird, finde ich durch und durch unredlich.

    Noch ein anderes Thema. Weil’s mir auch so furchtbar auf den Geist geht: Die Mode-Redakteure haben teilweise keinen Schimmer von den einfachsten Mode-Grundbegriffen. Das fällt mir vor allem in der Instyle auf, die immer wieder mit ihren Begrifflichkeiten knapp daneben liegt. Dafür tun sie feststehende Begriffe auf bornierteste Weise zwanghaft veranglizismieren: Aus dem Bleistiftrock wird der Pencilskirt, aus dem Hosenrock (jüngste Ausgabe) die Culolltes (ausnahmsweise französisch., trotzdem nicht besser) – mann kann das ja als Zugeständnis zur Globalisierung hier und da machen, aber mich nervt die Affigkeit hinter diesem Sprech.
    Aaaah, danke, dass ich’s loswerden durfte.
    Liebe Grüße
    Ronja
    PS: Habe mir auf deinen Tipp hin die Merz Spezial Creme gekauft. Bin gespannt.

  5. Ach, wenn Gemecker so schön geschrieben ist, lese ich es doch gleich nochmal so gerne und habe gratis prima Kopfkino dazu. Die gesalbten Redakteure haben die Hefte gerade fertig (After Sun, Glitzerpuder für die abendliche Strandparty und Haarschutz tippe ich mal – erstes und letztes mit Alk *prosit*) und wähnen sich gedanklich schon im langen WE, da plötzlich twittert, facebookt oder whatsappt ihnen der Link zu einem nichtsnutzigen* jedoch höchst adligen Beautyblog aufs Display und verdirbt ihnen die Laune an den Gratispröbchen für die Freundin aus dem Hause Beiersdorf und den Nachmittagskaffeegenuß gleich dazu. Sehr schön, gefällt mir! Danke Herr KK!

    *das gilt nur für jene, nicht für uns, für mich hast Du mindestens 27,9 mal so viel Nutzen wie ein Überraschungsei 🙂

  6. Klasse, Kaiser – danke für diesen Beitrag!

    Ich hasse es, wenn ich nach einem bestimmten Produkt google und bei den ersten 342 Einträgen les ich immer den gleichen Text, weil alle aus der Pressemappe abschreiben …
    Zu den „Tipps“ oder noch besser „Geheimtipps“ in den Frauenzeitschriften lass ich mich jetzt nicht aus.
    Besonders schön find ich auch Beschreibungen zu z. B. Smokey Eyes: „tragen Sie Lidschatten auf“ … äh ja, wo genau?
    Letztens wurde grad ein Artikel mit „wie Sie den perfekten Lidstrich malen“ angepriesen. Was war? Bilder von bekannten Schönheiten mit Eyeliner … Null Erklärung, nix. Auch hier lob ich mir meine Blogs. Die Mädels (hier sind es halt meistens Mädels 😉 ) geben sich echt Mühe mit Detailfotos, Zeichnungen, Videos. Das hab ich noch in keiner einzigen Zeitschrift (und in den wenigstens teuren Büchern) so nutzerfreundlich gesehen.

    Liebe Grüße und einen sonnigen Tag
    Sandra

  7. Hi Jörg,

    ja, Du hast die Situation exakt erfasst. Es ist (für die bezahlten/angestellten Journalisten) aber auch eine Krux. Kritisch dürfen die nicht schreiben, denn dann springen evtl. die Werbekunden ab und das kann sie letztendlich ihren Job kosten (gilt übrigens für alle Ressorts! nicht nur Beauty und Fashion). Unabhängiger/objektiver Journalismus? Pah!!!

    Aber auch in der Bloggerwelt (selbst der privaten) sieht es (vor allem) im Beautybereich doch nicht anders aus. Dem geschenkten Gaul guckt man nicht ins Maul bzw. man beisst auch hier nicht die Hand, die einen füttert. Denn wenn man das wagt, gibts nix mehr umsonst (also genau dasselbe Spiel in „grün“).

    Was im Endeffekt heißt: Ob nun professioneller Journalist oder gesponsorter Blogger: in Punkte Ehrlichkeit tun die sich heutzutage nicht mehr viel.

    Ehrliche Kritik (über Beautyprodukte)? Maximal von Stiftung Warentest & Co.
    Oder bei ganz wenigen Blogs wie z.B. dem Konkumkaiser halt 🙂

    Lg, Annemarie

  8. Holla die Waldfee …. Wahre Worte ….

    Ich freu mich immer wenn ich was bei Dir lesen kann . Nicht jedes Produkt interessiert mich …aber egal um was geht … das hab ich schon vom ersten Kommentar an geschrieben .. Das ich Deine ehrliche und ungeschminkte Meinung über alle Masse schätze . Das ich verstehe was Du schreibst und auch darauf zählen kann , das das Hand und Fuß hat was Du bloggst .

    Und ja es ist wirklich so die allermeisten Beauty-Blog´s sind sooo langweilig und geschönt geschrieben … Egal wie schrottig das Produkt ist , das ich Angst habe beim Lesen mit dem Kopf auf der Tastatur zu landen und dann Abdrücke im Gesicht habe die nie und nimmer wieder weg gehen .

    Zu dem mag ich diese gesponserten … Ohhh wie toll und super und überhaupt gar nicht . grrrr .. Da ist mir echt die Zeit zu schade diese Beiträge zu lesen .
    Sorry aber , so sehe ich das . Vielleicht liest das die ein oder andere Beauty-Bloggerin und versucht es einfach mit etwas mehr Ehrlichkeit

    Danke lieber KK das Du so ehrlich bist 😉

    Liebe Grüße Heidi

  9. Eigentlich finde ich das Lobgehudel auf den Blogs nicht ganz so schlimm. Lustig finde ich auch, wenn Bloggerinnen mit cirka zwei Lesern behaupten, sie hätten einen Lidschatten von Essende zugeschickt bekommen, haha, das ist ziemlich niedlich.
    Was mich da eher nervt, ist die Sprache, die sich durchgesetzt hat. Am allerpeinlichsten finde ich regelmäßig wiederkehrende Sätze wie: „Die Creme kommt in einer weißen Dose daher“. Mann, die Creme kommt überhaupt nicht daher. Außerdem reicht es doch, wenn man die Verpackung auf dem Bild sieht *grummel*. Odre Aussagen wie: Der Lidschatten krümelt etwas. Ja nun. Ist halt naturgemäß tendenziell pulvrig, das Zeug.

      1. ja nu, was sollnse den noch alles schreiben die küken? den presserummeltext hamse schon kopiert und nun verlangt der versender, dass sie selber noch zwei sätze schreiben, da wird es doch eng. also schaut man sich den schnieken gratis-pott an und macht halt eine produktbeschreibung *ggg*

    1. Wie wahr!
      Mir krümelt jedesmal vor Entsetzen der Lidschatten vom Lid, wenn ich „…gut/ schlecht etc. pigmentiert…“ als Qualitätsbeschreibung lesen muss. Das hat mit Farbigkeit, Farbabgabe, Qualität gar nichts zu tun!
      Und wenn ich das Wort „rosane“ (wahlweise „lilane“) noch öfter lesen muss, beiße ich in meinen Highlighter!!! Es heißt ROSA, LILA usw.
      An dieser Stelle könnte ich noch endlos weitermachen… – Für Wahrheit und richtige Sprache auf Blogs! (Und in Printmedien auch.)

  10. Hallo,
    darum finde ich Blogger wie dich einfach am ehrlichsten, wenn es um Reviews geht.

    Zeitschriften gaukeln einem wirklich viel Schwachsinn vor. Und es stimmt, jedes Jahr der gleiche Sch.. keine Ahnung warum man es eigentlich liest. Zeitvertreib?

    Und mit der Zeit merkt man auch welche I-net Blogs ehrlich berichten und welche Leute falsches Lob heucheln und von Firmen sicher dazu genötigt werden. Sonst gibt es keine gratis Samples. tztztztztztztz was macht man nicht alles für gratis Produktproben……

    Darum bleib wie du bist. Es gibt einige Blogs die sehr lesenswert sind und die ich nicht mehr missen möchte. Darunter auch dich *herz*

  11. Verkauft wird, was gekauft wird. Frauen sind selbst schuld, wenn sie die sog. Frauenmagazine kaufen. Sollten die Zeitschriften mal am Umsatz verlieren, wird nach einer neuen Strategie gesucht… nur so ändert man etwas. Nachfrage –> Angebot. Mensch, ärgere dich doch bitte nicht, weil es ohnehin nichts bringt. Wenn Du mal eine Petition zum Boykott von Frauenzeitschriften startest (oder auch eine gegen Dummheit der Konsumenten), leiste ich dort garantiert und stolz meine Unterschrift.
    Und morgen soll wieder die Sonne scheinen. Ist das nicht toll? :-))

  12. ich wollte eigentlich gar nicht so sehr auf die blogger eindreschen, sondern auf den unterschied zwischen journalisten und bloggern aufmerksam machen. „die modeoma“ hat das ja schon erkannt. beide parteien sind ähnlich in einen tragischen konflikt verwoben, aber journalisten bekommen geld dafür. journalisten haben eine größere verantwortung, denn viele leute glauben ja immer noch 1 zu 1 was irgendwo gedruckt steht.

    wenn irgendwelche hobbyblogs schmu erzählen, damit sie weiterhin schicke nagellacke zugeschickt bekommen, so finde ich das nicht in ordnung, aber es ist scheinbar deren freizeitbeschäftigung und sie haben spaß daran. das sehe ich und blende das dann eben aus. aber journalisten sind meinungsmacher. und wenn man dann noch für faulheit geld bekommt, sprich die neuen produkte mit der pressemappe beschreibt, dann hört der spaß für mich auf.
    es wird immer so viel von journalistischer ehre gesprochen. es scheint einige bereiche im journalismus zu geben, die übersetzen wohl ehre mit däumchendrehen und auf die rente warten?

    verlassen wir uns heute weiter auf spiegel und stern? wo wären wir heute, hätte es nicht freie blogs wie „wikileaks“ oder z.B. „guttenplag“ gegeben? das thema ist ja so weitreichend, es erstreckt sich leider nicht nur auf den überschaubaren frauenmagazin-bereich.
    ich selbst kann das hier nur andeuten, zu mehr taugt mein eigener informationsstand und intellekt nicht. das müssen klügere köpfe für mich ausfechten!

    1. „aber Journalisten sind Meinungsmacher“… Doch wie in Deinem Post oben richtig gesagt, erreichen die Bloggers letztendlich mehr Menschen als „Journalisten“ in den Frauenmagazinen. Heute sucht immer mehr Leute Information über Kosmetik und Pflege nur im Internet. Ich selbst lese andere Blogs zu dieser Thematik wohl wissend, dass viele von den guten Bloggers für Ihre Dienste bezahlt werden. Dennoch interessiert mich ihre Meinung dazu. Dann filtere die Information durch meine eigenen Kriterien, checke die Inhaltsstoffe und entscheide über einen Kauf. Ein Problem sehe ich nur dann, wenn Bloggers ihre bezahlten Posts nicht kennzeichnen bzw. die Nutzung von affiliate links verschweigen. Sollten sie transparent arbeiten, finde ich die Entlohnung okay.
      Letztendlich kommt nach einiger Zeit sowieso raus, wer ehrlich ist. Wenn man einen Blog verfolgt, wo sich der Blogger als Gegner jeglicher Pflegeprodukte mit Alkohol bezeichnet, dann aber plötzlich ein teures Serum mit Alkohol an dritter Stelle lobt, ist er nicht mehr glaubwürdig und wird von den Lesern nicht mehr abonniert – so sollte das zumindest im Idealfall aussehen. Doch zurück zum Thema: Bloggers sind Meinungsmacher. Sie sind m.E. noch mächtiger als „Journalisten“, weil sie den Glaubwürdigkeits- und Vertrauensvorsprung haben.

      1. transparenz finde ich auch total wichtig und die grundlage für gesponserte berichte. das machen ja auch viele. journalisten hingegen brauchen ihre „werbung“ ja nicht mal kennzeichnen, da gibt es genug möglichkeiten dies zu umschiffen.
        aber du sagst ja auch genau das, was ich im schlußsatz als mein fazit daraus sehe. alle informationen, die wir heute bekommen, sollten von uns mit vorsicht genossen werden. es wird mehr gelogen, als wir zu träumen wagen. das frauenbild ist bereits total in schieflage, weil photoshop eine neue, nicht existente, welt erschaffen hat. also hinterfrage ich besser alles was auf mich einstürmt. ich esse ja auch nicht alles was mir vor die füße fällt!

        als 1969 geborener, habe ich bereits in der schule den umgang mit medien (und speziell der bildzeitung) gelernt. das scheint heute nicht mehr modern zu sein? gut, dass du auch so denkst und dir deine infos selbst bewerten kannst!

  13. Hast Du da eine Theorie dafür, warum Menschen fast nichts mehr hinterfragen, sondern sich durch Werbung leiten lassen? Ich sehe hier einen eindeutigen Vergleich zur Politik: Es wird gelogen was das Zeug hält; viele wissen das eigentlich, wollen einer Partei allerdings glauben, um in der Fülle von Informationen (bzw. Lügen) eigene Identität zu finden, an etwas glauben zu können, sich von jemanden leiten zu lassen, eine „eigene“ Meinung fertig übernehmen zu können… Orientierungslosigkeit –> Suche nach einem Wegweiser? Ich glaube, Schopenhauer sagte mal: Viele Menschen wollen glauben als urteilen… es ist einfacher, schneller, bequemer als selbst denken, analysieren, überlegen (= Zeit und Energie zu investieren) zu müssen. Fast wie mit einer Religion… aber jetzt sind wie ein wenig zu weit vom eigentlichen Thema. Und ich soll ja noch einen Post für meinen Blog schreiben. 😉

    1. „opium des volkes“, nicht die religion sondern heute ist es das konsumieren. wir konsumieren und „betäuben“ vieles andere. orientierungslosigkeit existiert scheinbar nicht, solange man sich dem konsum hingeben kann. ich kann mich davon auch nicht frei sprechen! eine meiner theorien von vielen 😉

          1. Btw. ich sitze gerade an einem Eintrag über den Sonnenschutz. Es ist komplexer und schwieriger als ich dachte. Wenn ich keine Abstriche von dem perfekten bzw. vollständigen Wissen mache, das ich dazu noch so gerne vermitteln möchte, kommt der Post wahrscheinlich… im nächsten Jahr. 😦

            1. Das kenne ich. Es gibt dazu soo viele Infos und auch Meinungen! Schreib über deine eigenen Erfahrungen. Sonst wird ein Lehrbuch daraus. 🙂

      1. nun ja, nun ja, viele widersprüche sind ja keine, sondern sind ganz im gegenteil dialektik. jemandem, der so explizit dem kosumrausch verpflichtet ist wie Du, steht Konsumkritik aber wirklich nicht gut zu Gesicht. Solltest Du mit obigem Kommentar eingestehen wollen, dass Du mit Konsum lediglich Deine Orientierungslosigkeit abtöten willst, führst Du zumindest jeden Spaß ad absurdum – und jedes Mal, wenn man Deine Beiträge über AHAs, Hyaluronsäure und Säure-/-Basisteststreifen liest, müsste man nicht ohne Mitleid denken: Armer orientierungsloser Konsumjunky.

        1. „und jedes mal, wenn man deine beiträge über ahas, hyaluronsäure…“
          du ärmste wirst also scheinbar gezwungen jeden tag und alle paar stunden hier reinzuschauen, um dann IMMER wieder denken zu müssen „armer, orientierungsloser konsumjunkie“ (btw. mit „ie)?
          das tut mir wirklich leid für dich, aber kleiner tipp: einfach weiter klicken. lies doch dafür noch ein bisschen in den testergebnissen der fa. beiersdorf.
          beste grüße, kk

  14. Welch wahre Worte!
    Schon lange inspieren die div. Blättchen nicht mehr.
    Beschreibungen der Kosmetikprodukte gleichen zu oft den Produktbeschreibungen z.B. des türkisen online Shops. Die auf hochglanz polierten Fotos präsentieren zu oft mehr Stilleben als eigentliches Produkt. Was nützt mir ein Foto des zerbröselten Eyeshadows auf dem Silbertablett? Auch wenn die Farbe schön zu sehen ist. Wie sieht das Ding auf der Haut aus,Textur etc. – diese Dinge interessieren viel mehr! Aber es ist nicht zu erfahren, leider.
    Wenn man sich von dem Gedanken verabschiedet wirklich Neues zu erfahren, dann hat man ein mit dem Erwerb einer der vielzähligen Zeitschriften ein nett aufgemachtes Bilderbuch für Erwachsene erstanden.
    Und genau dafür nutze ich es ab und an mal….durchblättern, schauen, Texte überfliegen.
    Und selten, ganz selten, bleibt meine Auge an etwas Neuem hängen. Und noch seltener wird diese Entdeckung zu einer liebgewonnen Neuerung in meine Leben!
    Die wichtigen Dinge finde ich, wie die meisten hier, durch eigene intensive Recherche.

  15. Es ist allerdings nicht die Faulheit der Journalisten, die man ankreiden muss, die meisten Journalisten haben tierischen Stress, tierischen Zeitdruck und tierischen Druck a) vom Chefredakteur und b) vom Anzeigenchef.
    Das Problem ist, dass heute eine ausgewogene Balance zwischen kritischem Journalismus und Anzeigenvolumen nicht mehr möglich ist.
    Anzeigenkunden erpressen die Zeitungen und Zeitschriften regelrecht und das ist keine Übertreibung. Die Inserenten wollen (und bekommen) etwas dafür, dass sie ein paar tausend Euro in eine ganzseitige oder zweiseitige Annonce stecken, nämlich redaktionelle Beiträge im Innenteil. Das ist, wie schon jemand weiter oben bemerkt hat, nicht nur im Beautybereich so, sondern mittlerweile überall, selbst in der Deutschen Ärztezeitung hat die Pharmaindustrie ihre Finger drinne, ist ja alles bekannt.
    Soweit das eine.
    Das andere: Die Vielzahl der Beautyblogs trägt durchaus dazu bei, dass den einschlägigen Zeitschriften das Wasser abgegraben wird und sie weniger Käufer und Abonnenten haben. Wenn immer weniger Leute das Heft kaufen/abonnieren, spielen die Anzeigen und die bezahlte PR eine umso größere Rolle für das Überleben des Heftes. Wie viele Zeitschriften sind nicht eingestampft worden in den vergangenen Jahren, weil sich das Teil nicht mehr amortisiert hat. Und ratzfatz stehen wieder 10 Redakteure auf der Straße.

    Interessant finde ich auch noch einen anderen Punkt. Warum dürfen die Kosmetikhersteller in ihren PR-Texten eigentlich behaupten, was immer ihnen gerade einfällt?? Wieso gibt es da keine Verbraucherschutzverordnungen, die die Hersteller an ein gewisses Maß an Wahrhaftigkeit binden? Kein Schimmer.

    1. Doch da gibt es regeln! Nachweise werden zwingend gefordert. Und zwar so. Studie mit 15 probandinnen. 90% sagen „die creme hat meine falten weniger sichtbar gemacht!“ Zack, Beweis erbracht.
      Mit den Journalisten gebe ich dir auch recht, die können für die perverse situation ja nichts. Dennoch beschwere ich mich über diese teilweise abgrundtiefe Abneigung gegn Blogger. Das ist so ein bisschen wie wenn sich die audiocassette über die cd beschwert. 🙂

      1. Eine CD ist doch besser, oder? 🙂 Woher weißt Du eigentlich von dieser „abgrundtiefe|n| Abneigung gegen Blogger“?

        1. Oh, es gibt da so einige Texte darüber zu finden teilweise von wirklich guten Journalisten, die die bloggerszene beleuchten wollen, dann aber leider immer die schlechten Beispiele hervorkramen. „Gier und neid sei der Antrieb der bloggerszene“. Ich habe die Links nicht zurbhand, bin mobil online.

  16. gut gebrüllt, Löwe !!!!
    Ich kaufe auch schon seit einiger Zeit keine Frauenzeitschriften mehr, weil ich auf Blogs wie dem Deinen einfach viel besser informiert werde.

  17. Lieber Kaiser,
    mir hauts hier jedes Mal den Vogel raus, wie toll Du Sachen auf den Punkt bringst und mir aus der Seele schreibst. Es ist auch schon alles gesagt worden, was ich zum Thema vorzubringen hätte… weswegen ich mir das nun spare… Allerdings ist diese Sache mit dem Neid in der Bloggerszene scheinbar wirklich sehr weit verbreitet und die anderen, „guten“ Beispiele schwerer zu finden. Das gilt es besser zu machen, dann kann sich der professionelle Redakteur auch nicht mehr an solchen „Oberflächlichkeiten“ festbeißen.
    Aber ich möchte auch eine Lanze brechen für die Journalisten. Das ist ein Job, der in vielen Bereichen ein absolutes Fachwissen voraussetzt, der oft monatelange Recherchen mit sich bringt und trotzdem kommt für einen Artikel, Beitrag, etc. nicht viel dabei rum. Und alle ideellen Ziele werden oft vom System kaputt gemacht. Nicht jeder Journalist kann und möchte ein Wallraff werden.
    Allerdings sind sie nicht die Götter der Information und nur, weil jemand nicht von Anfang an den gradlinigen Journalisten-Ausbildungsweg gegangen ist, kann er trotzdem sensationelle Artikel verfassen. Das merkt man jeden Tag bei Dir – ein schönes Wochenende… lieber Gruß Conny

    1. Äh ja. Ein bisschen fühle ich mich jetzt zum Widerspruch gereizt, denn ich bin eine von diesen angeblich faulen Redakteurinnen, die nur auf die Rente warten. OK, ich arbeite bei einer Tageszeitung und bin weit entfernt vom Beauty-Redakteur. Ich kenne auch deren Arbeitsalltag nicht wirklich. Allerdings habe ich lange bei Computerzeitschriften gearbeitet – nicht unbedingt vergleichbar, aber doch vermutlich bei einigen Rahmenbedingungen ähnlich. Das Thema erschöpfend zu behandeln, dazu bedarf es vermutlich einer längeren Diskussion. Aber einige Gedankenanstöße möchte ich doch gern da lassen.

      Die Frauenzeitschriften, die mir von Zeit zu Zeit unterkommen, nehmen für sich eigentlich nicht in Anspruch, irgendwelche Beauty-Produkte wirklich zu testen. Es werden lediglich Produkte vorgestellt, und zwar in der Regel ohne Wertung. Ob das hilfreich ist? Zumindest ist der durchschnittliche Leser damit zufrieden, wenn er denn Produkte aus verschiedenen Preisklassen findet. Und, um wieder in meinen Erfahrungsbereich zu wechseln, Drucker zu testen, dafür gibt es Parameter, die man messen kann. Bei Anti-Age-Cremes wird das verdammt schwierig. Ich kriege von Produkt A Pickel anstatt weniger Falten. Das kann bei meiner Büronachbarin aber ganz anders aussehen. Hm, schwierig. Klar, mal auf die Liste der Inhaltsstoffe zu gucken, dass sollte man von jedem Redakteur verlangen können. Wenn er das nicht tut, hat er geschlampt, zumindest wenn er Produkte vergleicht oder empfiehlt. Und der Vorwurf, dass Pressemitteilungen einfach nur abgeschrieben werden: Jupp, das ist zumindest in der Rubrik „Neu auf dem Markt“ (oder wie sie auch heißen) so. Wenn ich als Redakteur alles ausprobieren will, was auf meinen Schreibtisch landet, dann müsste mein Tag mindestens doppelt so viele Stunden haben. Und dann wäre ich bei der Hälfte. Daher verlässt man sich in solchen Rubriken tatsächlich auf die Pressemitteilung.

      Die Geschichten „Frühlingsfit in 10 Minuten“ sind in Euren Augen vielleicht Blödsinn. Aber sie werden vom durchschnittlichen Leser einfach erwartet. Im Frühling kommt das Wintergrau runter, im Sommer gibt es den Sonnenschutz und im Herbst soll die Urlaubsbräune möglichst lange halten. Und ja, da verdreht man auch als Redakteur manchmal die Augen. Aber denkt einfach mal darüber nach, dass ihr, die ihr in den meisten Fällen selbst Blogs schreibt, damit nicht mehr zur durchschnittlichen Leserschaft gehört. Euch geht es auf die Nerven, aber Barbara T. aus N. will genau das lesen.

      Auf dem Schreibtisch eines Beauty-Redakteurs landen so viele Produkte, das ist normaler Arbeitsalltag. Worüber sich mancher Blogger vielleicht nen Ast freut, das ist für den Redakteur einfach nur Arbeit. Vergleichbar einer neuen Schere für einen Friseur. Handwerkszeug eben. Kein Grund, Creme A hochzujubeln, nur um beim nächsten Mal wieder im Verteiler zu sein. Da ist man nämlich sowieso. Obwohl man manchmal dankend darauf verzichten würde.

      Der Druck der Anzeigenabteilung – wie gesagt kann ich für den Bereich Frauenzeitschriften nicht auf profunde Erfahrung zurückgreifen. Aber ich habe es genau einmal in meinen rund 20-jährigen Berufsleben erlebt, dass aufgrund der Beschwerde eines Anzeigenkunden eine Geschichte umgeschrieben wurde. Und das war so halb-ok. Ansonsten habe ich gerade in den letzten Wochen erlebt, dass ein Anzeigenkunde glaubte, die Berichterstattung über ein bestimmtes Thema mit der Drohung, nicht mehr zu schalten, unterbinden zu können. Das ging fürchterlich in die Hose – für ihn. Es wird weiter berichtet und die Anzeigen darf er künftig gern an anderer Stelle schalten.

      Also ganz so faul, nichtsnutzig und bestechlich ist der Journalist dann doch vielleicht nicht.

      Zu der Qualität von Blogs mag ich gar nicht viel sagen, denn übt man Kritik, wird einem eben vielfach unterstellt, entweder neidisch zu sein oder einer dieser neumodischen „Hater“. Ich bin beides nicht. Aber solange ein Großteil der Blogschreiber/innen (Anwesende natürlich ausgenommen)

      – keinen gerade Satz mit allen dazugehörigen Satzteilen und Satzzeichen auf die Reihe bringt,
      – grundlegende Kenntnisse der Rechtschreibung vermissen lässt,
      – Werbung nicht als solche kennzeichnet und sich ohne das anzugeben für Lobhudelei auch noch bezahlen lässt,
      – Bullshit-Bingo betreibt (die Sache mit der liebevollen Tiegel-Beschreibung) und ich weiterhin Plattitüden lesen muss wie – das betrifft jetzt Mode-Blogs – „Schuh XY wertet wirklich jedes Outfit auf“ ,

      solange kann ich viele Blogs zwar ansehen, aber nicht ernst nehmen. Und eine wirkliche Konkurrenz zum Printmagazin wird man damit eben auch nicht. Leserzahlen allein reichen da nicht, da sollte auch Substanz dahinter stecken.

      So, ich möchte meinen Erguss (gelernt ist gelernt) nicht negativ enden lassen. Dieser Blog hier ist in der Tat eine rühmliche Ausnahme im weiten Feld der Beauty-Blogs. Meine ich ernst. Hier hat man eigentlich nie das Gefühl, dass irgendetwas geschönt wird. Und das finde ich mal so richtig gut.

      Liebe Grüße
      Fran

      1. Liebe Fran! Ich bin ganz stolz und freue mich total, dass ich Dich zum Schreiben dieses tollen Kommentars angeregt habe. Vielen Dank dafür!
        Erstmal: Na klar, ich habe es auf die Spitze getrieben, ich habe provozieren wollen und ich habe mit viel Ironie arbeiten wollen, damit es auch was zum Grinsen gibt. Aber ich war auch ungerecht und oberflächlich. Natürlich kann man das nicht verallgemeinern und ich habe vor dem Journalismus auch den nötigen Respekt, ich kenne da ein paar dieser Spezies und die müssen wirklich hart arbeiten. Von der Ausbildung mal ganz zu schweigen.

        Aber ich finde auch, dass gerade die Beautyredaktionen ihre Grenzen zu oft überschreiten. Nämlich immer dann, wenn es um Themen wie „Die 10 Besten Cremes gegen…“ oder „Die Redaktion liebt…“, usw. geht! Hier wird nämlich durchaus so getan als wäre es getestet und von der Fachfrau (Fachmann) für toll befunden worden. Und gerade im Beautybereich gibt es die lukrativsten Werbeanzeigen/Kunden. Und das sind Diven!! Gerade die LVMH Fraktion passt schon sehr genau auf was wann und wo und wie gesagt/geschrieben wird. Ich weiß von mindestens 2 Fällen, wo Chanel und L´Oreal der Vogue den Vogel gezeigt haben.

        Auf der anderen Seite will ich auch gar nicht als Mist-Werfer herüberkommen. Eigentlich ist das der Lauf der Welt. Es gibt immer Abhängigkeiten. Leider konnte ich meinen Artikel nicht ganz so ausweiten wie ich es gerne getan hätte: Ich wollte den Bogen zum ganz großen Spiel spannen (Siehe letzter Satz im Artikel). Worauf es mir nämlich sehr, sehr ankommt, ist dass wir mündige Menschen sind und ein Gehirn besitzen. Leute schlucken heute Informationen, verdauen sie und bauen sich daraus ein Weltbild. Nachgedacht und ge- und bewertet wird wenig! DAS ist mir, seitdem ich z.B. auch Kommentare bei den FabForties schreibe, immer wieder ein wichtiges Thema. Und als Jemand, der mittlerweile von ein paar tausend Menschen gelesen wird, werde ich auch nicht müde, das immer wieder anzubringen. Leider habe ich da auch stylistisch nicht so ganz den Bogen bekommen und bin etwas platt auf den Beautyredakteuren sitzen geblieben. Aber so ist das mit den „zu langen Texten“. Das kennst Du ja sicher auch! 😉

        Also mal ganz öffentlich: Liebe Journalisten! Nehmts mir nicht übel, ich war ein wenig arg spitz. Dafür habt Ihr doch mal mehr Mut aussergewöhnlichere Artikel zu Beautyprodukten zu entwickeln? Man könnte ja die „verwöhntere“ Leserschaft auch wieder zurückgewinnen…

        Liebe Grüße, kk!!

  18. Ok, wenn ich eine Geschichte mit „Die 10 besten XY“ überschreibe, dann habe ich auch dafür Sorge zu tragen, dass mehr passiert als Pressemitteilungen abzutippen und gegebenenfalls nochmal in die Inhaltsstoffe zu gucken. Ich erinnere mich noch lebhaft an grauenhafte Geschichten über „Die 10 besten Tintenstrahler unter 300 Mark“ und die waren eine wahre Quälerei. Wochenlange Recherche, Bestellung von Textgeräten, noch längere Testerei. Und am Ende muss nur noch geschrieben werden. Das war dann allerdings wirklich das, was schnell ging.

    Wie gesagt, ich kenne die Arbeit eines Beauty-Redakteurs nicht wirklich. Ich kann mir aber im Gegenzug auch nicht wirklich vorstellen, dass die Däumchen drehend am Schreibtisch sitzen. Das leistet sich heute kein Verlag mehr, selbst dann nicht, wenn das Anzeigenvolumen noch stimmt.

    Ich schätze mal, der Weg zu qualitativ besseren Geschichten läuft über mündige Leser. Die sind aber verdammt selten geworden und es werden immer weniger. Manchmal habe ich das Gefühl, dass Lesen in 20 Jahren zu etwas völlig Exotischem geworden sein wird. Irgendwo las ich kürzlich in einem Blog, dass die Schreiberin sich damit brüstete, niemals eine Tageszeitung zu lesen. Na super. Sie fand sich toll, ich finde das peinlich. Aber ich bin mit meinen knapp 50 Jahren und Interessen jenseits des Angebotes von Zara und Co (da muss man gottseidank ja auch nur bunte Bildchen gucken) wohl auch ein Dino.

    Was ich aber eigentlich sagen wollte: Informationen sind kaum mehr gefragt. Und damit wird sich am Status Quo nichts ändern. Da bleibt es dann beim zerbröselten Lidschatten auf dem Silbertablett, weil das Foto so hübsch ist. Der Rest ist ja unwichtig ;-). Und für die drei Prozent „verwöhntere Kundschaft“ eine Geschichte zu machen, die im Gegenzug 97 Prozent der Leser eh nicht wollen, weil Lesen UND Denken erforderlich ist – äh ja. Da muss man schon ein mächtig großer Idealist sein.

    Fran

  19. Danke dir für diesen Text, den ich zwar spät entdecke, aber irgendwie ist er ja doch zeitlos. 😉

    Als nicht völlig intelligenzbefreite Frauenzeitschriftenleserin ahnt oder weiß man ja eigentlich, dass sich textlich letztendlich alles nach den Anzeigenkunden richtet und man ein gutes Werbeumfeld bieten möchte (ein Gefühl, dass ich in einigen Mode- und Beautyblogs mittlerweile allerdings auch habe). Aber mittlerweile ist das ja so absurd, dass du gleich „Dauerwerbesendung“ draufschreiben kannst. Mein persönliches Highlight war ein Bericht über eine kosmetische „Wunderbehandlung“, die Wellpappe in Pfirsichthaut verwandeln und die Pfunde schmelzen lassen sollte. Und ganz am Ende des Textes stand verschämt der Satz, dass die Testerin während der Zeit natürlich auch die Ernährung umgestellt hatte und Sport trieb. Seither kaufe ich nur noch alle Jubeljahre eine Frauenzeitschrift und bewahre die dann auch auf, damit ich sie später wieder rausholen kann. Denn in der Tat wiederholen sich Themen und Formulierungen so dermaßen, dass es kaum auffällt, wie alt die Zeitschrift ist. Und wenn sich das, was da beworben wurde, nach 1-2 Jahren immer noch am Markt hält, dann ist es wohl wirklich nicht übel und dann kaufe ich es. 😛

    Lieben Gruß! 🙂

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