LIFESTYLE: DIE FREUDE NICHT VERGESSEN – DURCH ERBSEN ZÄHLEN

Die Pandemie macht was mit uns! Sie belastet die Seele der Menschen, egal wie sehr man sich auf seine Resilienz verlässt. Immer öfter sieht man sich mit Auseinandersetzungen konfrontiert, muss an Regeln und Pflichten denken. Ist es da ein Wunder, wenn man irgendwann bitter wird? Eine sehr simple, kleine Übung kann gegensteuern.

 

 

Ich bemerke es auch manchmal hier auf dem Blog: Die Nerven vieler Menschen liegen blank. Es ist nicht zu verdenken, denn die C-Situation belastet uns nun schon aussergewöhnlich lange, und ein wirkliches Ende ist nicht in Sicht. Und das Thema polarisiert ganz offensichtlich enorm.

Es ist auch völlig verständlich, wenn die Geduld mehr als auf eine harte Probe gestellt wird, die Menschen dabei immer ungeduldiger werden, manchmal bis hin zur Spaltung. Dann treffen versteinerte Meinungsbilder aufeinander, die zwar meist übergriffig, gemein, verletzend oder gar unwürdig sind, die man aber leider kaum noch aufweichen kann.

Nicht immer sind direkte Diskussionen möglich, nicht immer hat man Lust und Kraft seinen Standpunkt zu erklären. Nicht immer ist man offen für andere Sender, möchte das manchmal auch gar nicht sein. Alles in gewisser Weise verständlich, alles menschlich, auch wenn es teilweise mehr als betroffen macht, wenn man verletzende Äusserungen lesen oder hören muss.

 

Um da nicht innerlich in eine Schleife der „Versteinerung“ zu geraten, muss man aufpassen, dass die Balance gewahrt bleibt. Nicht alles ist schlecht, nicht alle sind mein Feind, nicht immer ist es so wie es scheint. Unser Gehirn filtert munter vor sich hin, und in einer aussergewöhnlichen Situation, wie zum Beispiel während einer gefährlich-unbekannten Pandemie, suchen wir manchmal unbewusst die schlechten Nachrichten in ungesunden Mengen, damit wir davon nicht hinterrücks getroffen werden.

Ähnlich wie bei der bewussten Atmung, muss man sich manchmal seine schönen, guten, bewegenden, erhellenden Momente bewusst machen, denn die gibt es ja weiterhin. Das hat gar nichts mit Esoterik zu tun, sondern ist ein einfacher „Mechanismus“, sein Gehirn dazu zu bringen, aus solch einer „Schleife“ auszubrechen.

Dazu gibt es eine sehr effiziente, aber auch einfache und weithin bekannte Methode der Selbstbeobachtung, die viele vielleicht schon kennen, die ich aber gerne nochmals empfehlen möchte:

 

Ich nenne sie „Freude-Training mit Kichererbsen“

 

Dabei müssen es nicht unbedingt Kichererbsen sein, alles was klein und trocken ist, kann natürlich auch funktionieren (z.B. Bohnen, Steinchen, usw.). Den Namen Kichererbse finde ich allerdings schon so motivierend. 😉

 

Am Anfang eines Tages gebe ich eine gewisse Menge Kichererbsen in meine linke Jacken- oder Hosentasche. Also zB. zehn der kleinen Kicherdingerchen.

Jedes Mal, wenn ich mich im Laufe des Tages wirklich über etwas freue, ich also bewusst über eine erfreuliche Situation nachdenke, verlege ich eine der Kichererbsen von der linken und die rechte Tasche.

Das muss nicht bei jedem klitzekleinen Grinsen sein, aber wenn einem jemand mal ganz offensichtlich die Tür aufhält (ja, auch Männer freuen sich, wenn ihnen eine Frau mal die Tür aufhält. Man glaubt gar nicht, wie äusserst, äusserst selten das vorkommt). Oder im Fahrstuhl grüßt jemand freundlich beim Hereinkommen, mit Augenkontakt und wahrnehmbaren Lächeln unter der Maske.

Oder man übernimmt selbst die Initiative, schenkt z.B. jemandem im Supermarkt einen Einkaufswagen-Chip, der verzweifelt danach Ausschau hält, und sich dann freut, dass die Suche so nett beendet wurde.

Oder was auch immer.

Wichtig ist, die Freude dann auch zuzulassen. Auch dann, wenn man z.B. in frühester Kindheit „gelernt“ hat, sich nicht zu früh zu freuen. (Typisch Eltern gegenüber ausgelassen-freudigen Kindern: „Freu Dich bloß nicht zu früh, das dicke Ende kommt noch!“)

 

Am Abend kommt dann die Abrechnung: Die rechte Tasche wird geleert und gezählt. Dabei kann man sich bei jeder einzelnen Erbse noch einmal die kleinen Momente vor Augen führen, sich erinnern, vielleicht nochmals freuen. Ich selbst war erstaunt, wie viele Erbsen sich über den Tag ansammeln. Ich hätte deutlich weniger geschätzt, was dann auch zeigt, wie verschoben unsere „Glückswahrnehmung“ sein kann. Besonders in diesen Zeiten.

 

Und wie immer: All diese einfachen und kleinen Dinge klingen flach und harmlos. Irgendsoein Psychogequatsche, mit dem man im Alltag eh nichts anfangen kann.

Ich kann nur sagen: Einfach mal ausprobieren und dran bleiben! Was hat man zu verlieren, ausser ein paar Minütchen Zeit beim „Erbsen zählen“? Bei mir war der Erfolg einschneidend, denn was viele von uns vergessen: Angenehme Empfindungen kommen von ganz allein auf uns zu, man muss sie nur zulassen.

Dabei darf man sich von aufkeimenden Zweifeln („das habe ich gar nicht verdient“) nicht ablenken lassen. Lieber die schönen Momente (im Moment der Verlagerung der Kichererbse von Tasche zu Tasche wird sie bewusst), etwas länger genießen. Und zwar sofort. Etwas länger drüber nachdenken, sich selbst dafür ein Lächeln schenken, und dann geht es weiter im Tagewerk. Das ist dann bereits eine fortgeschrittenere Version.

Noch ein Tipp: Vom Alltagstrubel sollte diese kleine Übung nicht übertüncht werden. Es ist kaum Zeitaufwand, und das regelmäßige Anwenden dieser Technik, lässt sie recht schnell zu einem lieb gewonnen Ritual werden. Und ja, es kostet auch etwas Überwindung, manchmal mehr, manchmal weniger, sich Gedanken über sich selbst zu gönnen. Doch in den allermeisten Fällen lohnt es sich sehr.

 

 

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(Fotos: Pixabay  Keinerlei Sponsoring  Es handelt sich hier um einen laienhaften Tipp, und nicht um Diagnose oder Therapie. Bei Unsicherheiten unbedingt Fachleute befragen!)


15 Gedanken zu “LIFESTYLE: DIE FREUDE NICHT VERGESSEN – DURCH ERBSEN ZÄHLEN

  1. Danke für diesen -eigentlich banalen- aber sehr wertvollen Hinweis, Herr KK! Schärft er doch den wichtigen Blick für die guten wahren, schönen Dinge! Und sicher liegt oft das Wandern des Kichererbschens noch nicht einmal bei anderen Menschen. Wenn wir einfach öfters einmal „das Glas halbvoll“ anstatt „halbleer“ ansehen würden, könnte sich die Perspektive zu bestimmten Dingen fundamental ins Positive ändern… Danke nochmals!

  2. Vielen Dank, lieber Koksumkaiser, für diesen Beitrag. Es ist so wichtig, die netten und schönen Momente – egal wie kurz oder klein – wahrzunehmen. Leider geht das zu oft vergessen.
    Ich wünsche allen hier einen Sonntag mit vielen Kichererbsen-Erlebnissen 🥰
    Miga
    PS und ab jetzt werde ich mehr darauf achten, auch Männern die Türe aufzuhalten! Versprochen 😉

  3. Guten Morgen,
    „innere Versteinerung“ trifft es bei mir voll. Tagsüber schufte ich wie ein Galeerensklave, das lenkt ab und ich mache was sinnvolles. Sofern das sinnvoll ist, wenn man schmutzige Zahlen auf sauberes Papier schreibt. Das wäre auch zu hinterfragen. Anschließend wird mit den Katzen gespielt, das reißt mich auch immer raus. Wir rennen quitschend durch die Bude das die Teppiche kreuz und quer liegen. „Erbsen zählen“ Klasse Tipp! Vielen Dank, wird morgen gleich probiert.
    Allen einen schönen 2.Advent und bleibt`s gsund!
    Christiane

  4. Danke für die Aufmunterung! Ich bin im Moment sehr verzweifelt!
    Bei meiner Tochter wurde ein schlimmer Krankheitsbefund diagnostiziert und sie muss auf Grund von Corona zwei Wochen warten, bis sie ein Bett in der Klinik erhält! Es gibt keine Betten! Dabei müsste sie dringend operiert werden ! Ich darf ga nicht über die Ungeimpften nachdenken, die dort wahrscheinlich auch einige Betten blockieren!

    1. Hallo Spotify55,
      alles Gute für Deine Tochter, hoffentlich kann ihr so schnell wie gerade möglich und umfassend geholfen werden! Es ist wirklich tragisch, dass sie warten muss. Das ist eine große psychische Belastung und ich wünsche Dir und ihr, dass alles gut wird!
      Bleib zuversichtlich, viele Grüße
      Regina

    2. Liebe Spotify55, ich schicke viele mutmachende Gedanken und drücke ganz fest die Daumen! Alles wird wieder gut!
      Viele Adventsgrüsse, Claudia

    3. Gute und rasche Besserung und dass Ihr vielleicht doch rascher Hilfe bekommt, als derzeit angekündigt. Nie den Mut verlieren! Das wird wieder!

    4. Ich wünsche Dir viel Kraft und Deiner Tochter alles Gute und dass sie schnell die für sie notwendige Behandlung erhält! 🤗 🍀

  5. Danke für diesen schönen Beitrag. Eine tolle und achtsame Übung. Ich habe angefangen, mich abends hinzusetzen und in ein kleines Heft positive Momente und kleine Erfolge aufzuschreiben und damit wieder abzurufen, die ich den Tag über erlebt habe. Oft überraschend, wieviel Positives es gab. LG

  6. So gesehen hat Erbsenzählen fast schon märchenhafte Qualitäten!

    Ich freue mich immer über schöne kleine Begegnungen und behalte sie eine Zeitlang dankbar in meinem Herzen. Das braucht doch irgendwie jede/r.

    Was mich ja manchmal wirklich wundert, wie sehr so manche/r nicht in Betracht zu ziehen scheint, dass es dem Gegenüber aus Gründen vielleicht nicht gut gehen könnte, und man es nur nicht so deutlich erkennt, und dann einfach unverschämt oder gar rüpelhaft wird.
    Naja, ich denke mir dann „Schweinekoben statt Kinderstube“ (nur metaphorisch, weil ich echt keinem meist total freundlichen Borstenvieh zu nahe treten wollte).

  7. Lieber KK, das habe ich mit Freude gelesen. Ich bin sozusagen „an vorderster Front“ im Verbraucherservice/Quality tätig und das schon seit vielen Jahren im selben Unternehmen. Gut, ich habe immer schon gesagt, dass ich jetzt weiß, warum der liebe Gott mir die extra Portion Sinn für Humor in die Wiege gelegt hat, aber momentan erhalte ich wirklich kein Gehalt mehr, sondern wirklich nur noch Schmerzensgeld. Was ich mir per E-Mail und Telefon an den Kopf werfen lassen muss, unglaublich! Der Umgangston wird gefühlt täglich rauher, ich muss mich manchmal wirklich an die kleinen Freuden des Alltags förmlich klammern, um mich zu überwinden und wieder ans Telefon zu gehen. Warum müssen Menschen, auch wenn es sich um berechtigte Produktreklamationen etc. handelt, so deartig die gute Kinderstube vergessen, die Contenance verlieren, brüllen, beleidigen? Wo ist das Zusammengehörigkeitsgefühl, ein bisschen von „wir sitzen alle im selben Boot“? Ich finde das so schade. Wird das eigene Leben wirklich besser dadurch, andere zu falten? So ein Blödsinn, Höflichkeit und Freundlichkeit haben enorme Multiplikatorwirkung, das sollte man sich, wie ich finde, immer wieder mal klar machen! In diesem Sinne wünsche ich uns allen viele nette und positive Momente mit unseren Mitmenschen und Spotify: Ich drücke ganz fest die Daumen für Deine Tochter!!!
    Viele liebe Grüße an alle, hoffe, der Nikolaus war nett zu Euch :o)

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