GLOSSE: 2021 – VERLOTTERN LEICHT GEMACHT

Vor einem Jahr war ich noch der stylische Herr KK, gut trainiert und getrimmt. Laufe ich heute jedoch durch heimische Straßen, höre ich nur noch ein erstauntes „Guck mal, der Yeti!“ Wie schnell man doch optisch verlottert in diesen Zeiten, wenn man nur noch zuhause sitzt und mit den Plüschtieren Party feiert.

 

2020 vs. 2021

 

Zuhause sein ist ja schön, nee, da will ich gar nicht meckern. Man macht es sich halt gemütlich, und entgeht den gefährlich-feuchten Virenwolken, die bei jedem Atemzug, jedem gesprochenen Konsonanten, ungeniert umherfliegen. Der Winter war eh auch ziemlich beschissen, da sind ein weiches Sofa und mehrere flauschige Kuscheldecken schon nicht zu verachten.

Doch irgendwann geht es los. Sofa und Kuscheldecke nerven, es braucht Abwechslung. Also wird man aktiv, am besten in eher sinnvoller Art und Weise. Bügeln zum Beispiel. Etwas das ich sonst nie tue. Plötzlich wird es sinnstiftend, einem Hemdkragen die Knitterfältchen auszutreiben.

Himmel, was habe ich mich als Teenager über meine Mutter lustig gemacht, die selbst Nachthemden und Pyjamas gebügelt hat. Letzte Woche ertappte ich mich dann dabei, wie ich bei einem Stapel Handtücher fein säuberlich mit heißem Eisen die Nähte an den Kanten glatt zog.

Aber schaden kanns ja auch nicht…

Also steigert sich das jetzt irgendwie bedenklich. Es wird immer mehr aufgeräumt, mehr gebacken, geputzt…sogar dort, wo man es nicht sieht! AUF den Lampen. HINTER den Schränken. UNTER dem Kühlschrank. Wer macht denn sowas?

Kochen! Kochen ist besonders toll. Wozu ich nie Zeit hatte, wird nun Realität. Ich zaubere Menüs. So richtig aufwendiges Zeugs. Aus Lebensmitteln, die man vorher mindestens 24 Stunden einweichen muss, bevor sie in den Topf geschmissen werden. Dinge die pochiert, blanchiert, gesotten und gedämpft werden. Stundenlang.

 

Und wenn ich dann satt und zufrieden überlege, dass mir jetzt doch ein bisschen das Nighlife fehlt, stelle ich die Stereoanlage auf Lautstärke SF (startendes Flugzeug), wandere mit einem abgestanden Bier auf den Balkon, verschütte die Hälfte des Glases auf dem Boden, um das authentisch-klebrige Gefühl unter den Füßen zu bekommen, und lehne mich im Rhythmus der Musik kopfnickend an die Brüstung.

Von Weitem leuchtet die Lightshow zu mir herüber, auch bekannt als die Ampelanlage an der großen Kreuzung. Und wenn ich mich doch zu einsam fühle, setze ich noch ein paar Kuscheltiere auf die Balkonmöbel. Einzig zu einem richtigen Besäufnis kommt es dann nicht. Also kein Filmriss, keine unerwarteten neuen Tattoos am nächsten Morgen, hat also auch was Gutes.

 

Irgendwann mal kommt man an einem Spiegel vorbei, denkt sich, was ist das denn für ein Otto? Der Struppi sieht ja auf dem Kopf aus, wie Reinhold Messner unterm Arm. Und bis man realisiert, dass man es selbst ist, kommt auch schon wieder der nächste Lockdown, und die Stylingbeauftragten dieses Landes machen den zwölften Zwangsurlaub. Kochen, Putzen, Bügeln…weiter gehts. Aber mal ehrlich, wozu täglich rasieren, wenn mein halbes Gesicht eh noch voll mit der Pizzasoße von vorgestern ist?

 

 

Besonders toll finde ich dann immer gute Ratschläge von Freunden und Bekannten, wenn man kurz davor ist, die Nerven zu verlieren, im schmuddeligen Unterhemd von letzter Woche. „Du musst das auch alles mal mit Humor sehen, das hilft!“

Äh ja, hm, lass mich überlegen. Da mache ich doch gleich an der nächsten Straßenecke einen kultigen Sandwichstand to-go auf. Lecker Fledermaus-Stullen, dick belegt, roh.

Oder ich zettle eine total solidarische Menschenkette an. Nicht sowas Wildes, nur ganz friedlich und ruhig. So nach dem Motto „Hand in Hand überstehen wir das Social Distancing.“

 

 

Ja, die Verlotterung in Optik und Geist findet schleichend langsam statt, und nach dreimal Extreme-Hausputzing ist man Hauptakteur in der neuesten Folge der Flodders. Die Ästhetik bleibt irgendwann auf der Strecke, das merken selbst diejenigen, die noch im ersten Lockdown beim Videomeeting auf Laufmaschen-freie Strumpfhosen oder ausrasierte Nackenhaare geachtet haben. Mittlerweile bestellen wir doch alle die Jogginghosen bei Fruit of the Loom im Dreierpack.

Inzwischen reicht es schon, sich „Der Exorzist“ im TV anzuschauen, um endlich mal wieder was Schönes zu sehen. Danke Corona, du blödes Biest!

 

 

Aber es gibt auch Hoffnung. Wie ich meine Pappenheimer ja so kenne, wird doch sicherlich schon am Gegentrend gebastelt? Die Verlotterung wird ein jähes Ende finden, wenn wir in der Impfreihenfolge dran sind. Also so in drei, vier Jahren.

Dann trenden ultracoole Fotos auf Social Media mit ner Nadel im Oberarm, oder wenigstens einem Pflaster. Gewandet in Gucci oder Bottega Veneta, alles für den Impftermin frisch aufgebügelt. #covidinstyle

Der Knigge wird sich berufen fühlen, klare Kleidungsregeln für den stylishen Impfgang (früher: Kirchgang) festzulegen. Total angesagt wird demzufolge demnächst alles sein, was kurzärmlig ist. Wie peinlich, wenn man seine Hemdsärmel knittrig aufkrempelt, oder gar halb entkleidet seinen nicht mehr so gut trainierten Oberarm (samt hängender Schulter) präsentieren muss?

Genau: Schulterpolster feiern ein Comeback, ganz sicher.

Schlichtes Understatement wird sich durchsetzen, aufgemotzt durch ein Statement-Schmuckstück. Nach all den Bienenbroschen und doppel-C der letzten Zeit, könnte man jetzt doch langsam mal über ein formschönes SARS-CoV-2-Erregerchen nachdenken. Das Virus ist ja von aussen recht ansehnlich, vielleicht in Gold, Platin? Wem das zu weit geht, kann zu einem stilisierten Krönchen greifen. Wie hieß es früher so schön im NDR-Modefernsehen: „Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.“

So, nun muss ich aber los. Ich habe noch zwei Stapel Geschirrhandtücher auf dem Bügelbrett, und die Mehrschicht-Torte backt sich auch nicht von allein…

 

 

.

 

 

(Fotos: Konsumkaiser    Keinerlei Sponsoring)


36 Gedanken zu “GLOSSE: 2021 – VERLOTTERN LEICHT GEMACHT

  1. Guten Morgen 🥱☕

    Die Bilder im dreckigen weissen Unterhemd erinnern mich direkt an John McClane aus Stirb langsam 🤣🤟

    Liebe Grüße aus dem kalt-nass-ekligen Schwabenländle

    Jessi

  2. Guten Morgen, danke für die aufheiternden Worte an einem trüben, regnerischen Sonntag!
    Liebe Grüße aus Bayern, Matilda

  3. Moin der Herr,

    ich bin neu hier und habe mich in der letzten Woche großzügig durch deine fantastische Homepage gelesen, geschmunzelt und auch mal laut gelacht und einige Anregungen zum online Shopping geholt.
    Was kann man denn derzeit auch sonst tun? Hilft ja nichts.

    Das internet führte mich bei meiner Recherche zu HighDroxy hier her und ich glaube… nun… gekommen um zu bleiben trifft es wohl.

    Das Ergebnis: Dreiviertel des Sortiments stehen nun in der Mini-Version in meinem Badezimmerschrank. Viele auch doppelt, man muss ja ein wenig Zeit in der Testphase haben.
    Hübsch sind sie ja nicht (ich bin ein Snob, sorry), aber potent.
    Alter Schwede.
    Ich staunte.
    Vor allem über den Calm Balm, der mir auf den ersten Blick nicht soooooo aufregend vorkam (und genau das eine Produkt, von dem ich mir dachte… neeee, da brauchst du keine zwei Minis). Aber wie das so ist… liebe auf den zweiten Blick. Nach dem BHA Toner (Potent! Sehr Potent! Damit habe ich nicht gerechnet, da ich ähnliche Toner bereits von PC und co kenne und stets gut vertagen habe) ist der Balm eine Wohltat auf meinen leicht brennenden Wangen. Da sehe ich gerne über den Geruch zwangsweise hinweg. Der kann echt was. Meine Haut fühlt sich einfach nur wohl.

    Zum Thema Wohltat… die restore Creme ist fantastisch. Die Konsistenz, die Wirkung… ganz großes Kino. Da gibt’s nicht mehr zu sagen, ich suchte eine Feuchtigkeitspflege, ich fand eine Feuchtigkeitspflege.
    Seit geraumer Zeit fehlt mir genau diese Konsistenz mit exakt dieser Wirkung. Sehr elegant, soft, pflegend, schützend… hach.

    Ähnlich begeistert bin ich vom infuse Serum. Die Konsistenz. Das Hautgefühl. Wie auch die oben genannte Creme fühlt sich das Serum sofort ideal auf der Haut an. Es erinnert mich mit diesem sofortigen „Lifting Gefühl“ übrigens sehr an die CHANEL Sublimage Essence. Nur ohne Vanille. Wow.

    Der High Five Booster… well. Ich weiß nicht so recht. Allerdings muss ich zugeben, ich habe prinzipiell so meine Probleme mit Hyaluron, das fühlt sich einfach nicht gut an, liegt an meiner Haut, nicht am Produkt.
    Dafür ist das Spray wunderbar. Leicht, pflegend, eine fantastische Grundlage ohne sich nach „zu viel“ anzufühlen.

    Viele Grüsse und einen wundervollen Tag!

    1. Hallo und Willkommen!
      Ich gebe Dir total recht, die Aufmachung der HD-Produkte eher „zurückhalten“. 😉 Aber wie schön, dass Du auch so schnell den eigentlichen Knaller bemerkt hast: Es wirkt!
      Ich hoffe, es gibt noch viel Interessantes für Dich hier zu lesen.
      Liebe Grüße
      KK

      1. Schönen Sonntag lieber KK
        Das BHA Tonic wirkt bei mir auch super. Nur kann ich mich mit neuen „schäumenden“ Formulierung nicht ganz anfreunden. Wie trägst Du das auf? Und hast Du dann auch so geligen Schaum auf der Haut?

        PS. Die geputzte Briefkastenklappe wird mich ab jetzt für immer verfolgen. Ich seh mich morgen schon mit dem Putzeimer 🙃 Danke ChristianeBVB ….

      2. Wo hier gerade von Highdroxy gesprochen wird…weißt Du was über die Neuigkeit, die im Newsletter für Mitte des Monats erwähnt wurde? Bin ja immer gespannt bei neuen Produkten von HD, und es gab immer mal Hinweise wonach wohl so Einiges in der Entwicklung ist?!
        Schönes Wochenende, bleibt gesund!

        1. Hallo Katrin, bei HD scheint so einiges in der Pipeline zu sein, aber ich weiß nicht, was nun als nächstes Produkt rauskommen wird. Ich bin genauso gespannt! 🤩🤩🤩
          Liebe Grüße
          KK

  4. Guten Morgen,
    zum brüllen….., leider wahr. Ich hab schon immer gerne gebügelt. So wie Männer zum angeln gehen, bügele ich, Totalentspannung. Sonntags morgens, ich bügele alles Socken, Unterwäsche, Handtücher & Pferdedecken. Dabei schaue ich die Sendung mit der Maus, anschließend den Presseclub. Dann bin ich für die kommende Woche perfekt gebildet.
    Unsere , ich betone angeheiratete, Tante Friedchen hat immer so geputz auch ohne Corona. Ihr Mann war Gott sei Dank Beamter und konnte ( musste) sich ein mal im Monat einen freien Tag nehmen um beim putzen, im kinderlosen Haushalt, zu helfen. Da wurde die Briefkastenklappe von innen geputzt, die Elektrodosen wurden abgeschraubt und geputzt und von den Betten die Sprungfedern abgeledert. Der Lieblingssatz : das habe ich mit Dorwässerchen abgeledert. Wenn man irgendeinen Flecken nicht rausbekam: einfach Tante Friedchen anrufen. Es geht tatsächlich alles mit Dorwässerchen raus. Hab gerade gegoogelt Dor schein es nicht mehr zu geben. Wehe man kam sich nachts näher, dann wurden mitten in der Nacht die Betten frisch bezogen. Du siehst, Du bist völlig normal.
    So ich gehe jetzt auch bügeln und wehe mich spricht jemand an! Heute wird nicht gekocht, wir bestellen uns scharfen Tintenfisch vom Italiener.
    Schönen Sonntag!

  5. Lieber KK,

    Herrlich!
    Wenn du irgendwann mal keine Lust mehr auf die Handtücher hast, schreib ein Buch. Das wird ein Bestseller.
    Man muss es können, so schön und leichtfüßig über eigentlich schwierige Dinge und Situationen zu schreiben. Das bewundere und beneide ich an dir. Ich hoffe aber, dass dieser Wahnsinn hier doch ein Ende nimmt. Und auch dass die Aufarbeitung vernünftig läuft. Das ist nicht die letzte Pandemie, die wir erleben werden. Aber es wäre gut, aus Erfahrungen zu lernen.
    Ich wünsche dir und allen hier einen schönen Sonntag.

    1. Dankeschön! Gut zu wissen, dass dann wenigstens ein Buch verkauft wird. 😉
      Auf die spätere Aufarbeitung bin ich auch sehr gespannt, da gäbe es viel zu lernen!
      Liebe Grüße
      KK

  6. Kannst du mich bitte mal besuchen und deinen Putzdrang bei mir ausleben?

    Ich gehe ganz normal jeden Tag ins Büro und habe langsam Panik, dass es nach Corona bei allen anderen zu Hause sauber, strukturiert und schön ist, nur bei mir nicht.

    1. Tröste dich, es geht mir ganz genau so! Bei mir sieht es schlimm aus… Ich muss auch jeden Tag zur Arbeit und falle am Abend in eine Art Paralyse. Am Wochenende habe ich dann auch keinen Zieps was groß zu machen.

  7. Seit einigen Wochen wühle ich mich tatsächlich durch jede. jede! Ecke des Hauses.
    Nach dieser ganzen Pandemiezeit ahnt man ja schon, was man an Gegenständen mag oder nicht mehr benötigt und was weg kann. Im Prinzip konnte der Ordnung hier kaum etwas Besseres passieren. Will heißen, es ist die Arbeit, die mich findet und nicht umgekehrt. Aber wem sage ich das – wenn da schon einer die Kanten der Handtücher 🙄 😜 😁 🙈 bügelt.

    Neulich hast Du ja mit den Ausschnitten 🥰 aus dem Douglaskatalog meine Nostalgie 😍 heftig getriggert.
    Früher war ich auch so unterwegs, das war völlig normal. Und nun sehe ich meine ganzen schönen Kostüme im Schrank und stelle fest, dass sie privat nirgendwo mehr gefragt sind, selbst in schönen Hotels läuft latscht, nein, trottet man im T-Shirt, Bermudas und Birkenstock und natürlich Smartphone in der Hand herum, und das nennt sich dann Coolness 👀.

    So wäre man damals nicht mal auf dem Ostermarsch mitgelaufen (außer daß die Shirts nun mindestens 150 Euro kosten).

    Ich meine, ich kleide mich noch gewissen Anlässen entsprechend, wenn ich damit nicht negativ auffalle (so weit ist es schon lange! 😭 😱), gibt es da in meinem Schrank so viele wirklich schöne, auch leidenschaftlich gesammelte Designerteile – von denen Teenager in Mom-Jeans, weißen Sneakers und Polyesterbomberjacken und in ihrem unnachahmlichem Charme heute sagen würden, daß sie Vintage seien („Danke!“).

    Die Qualität der Bekleidung hat ja echt durchaus gelitten über das letzte Jahrzehnt besehen – mit Neukauf ist man nicht immer gut beraten, wenn die schon länger besessenen Teile noch gut aussehen. (Es hat doch echt keinen Wert, Dinge wegzugeben, um dem Minimalismus zu frönen, und sich dann zweifelhafte Qualität neu zu kaufen, das wäre ja waschechter Kondo-Kapitalismus.)

    Hach. Ich vermisse das, dass sich die Leute geschmackvoll kleiden. ❤️ Ihr auch?
    Wollen wir eine Challenge machen?

    1. Das mit der Bekleidung ist echt tragisch. Man schaue sich allein die Veränderung im öffentlichen Bild von den 1920ern bis heute an.
      Auf der anderen Seite: Willen wir diese einengenden Spielregeln wirklich zurück haben? Das Modediktat? Wenigstens fällt im Zeitalter der allgemeinen Sportmode (casual) die Jogginghose nicht mehr soo unangenehm auf. Und bei den Coronakilos ist die im Moment unabdingbar. 😆😆
      Liebe Grüße
      KK

      1. Naja, auch vor zwei oder drei Jahrzehnten waren schon einige auch eher „lässig“ unterwegs; jeder wie er mag, wenn er den anderen auch leben läßt.

        Ich hatte mich schon ertappt, super Bekleidung weggeben zu wollen, weil ich dachte, dass sie nicht gut ausschaute, obwohl sie spitzenmäßig sitzt. Und was sagte mein geliebter GG? „Im Gegenteil, du schaust super drin aus, und deswegen kamen wohl die teilweise blöden Reaktionen.“ Von den Leuten mit Jogginghose. 😉😜🤣

        Rate mal, wer nicht zugenommen hat? Sportlich bin ich leider nicht mehr, der nicht vorhandene Bauch hängt. Schluchz. Deswegen ja die Kostüme! 🥰 Dann sieht man nichts! 🥰❤️

  8. Ach, lieber KK, dein heutiger Post ging mir heute richtig zu Herzen, auch wenn ich wegen der lustigen Fotos und Formulierungen natürlich auch lachen musste. Aber diese Verlotterung ist im Grunde sehr traurig. Wenn sie „nur“ äußerlich ist, geht es ja noch, wobei das natürlich trotz aller „Selflove“ Bemühungen letztlich dazu führt, dass wir uns in unserem Körper nicht mehr wohlfühlen. Ich fühle mich aber irgendwie auch innerlich verlottert. Antriebslos, gereizt, neidisch auf das, was andere (vermeintlich!!!) auch in diesen Zeiten auf die Reihe kriegen, während ich müde und uninspiriert auf dem Sofa hänge und ein schlechtes Gewissen deswegen habe. Die Koch- Back- und Bügelphasen habe ich alle schon durch. Ich habe aber viel Kuchen wegschmeißen müssen (meine Familie mag offenbar kein Gebäck aus gesundem Dinkelmehl mit Zuckeraustauschstoff🤷), Bügelwäsche gibt es so gut wie keine mehr (im Home Office trägt hier keiner Hemden und empfindliche Hosen!) und die Kocherei geht mir mitunter so auf die Nerven, weil jetzt täglich die ganze Familie am Tisch sitzt. Natürlich alle zu unterschiedlichen Zeiten. Jeder halt dann, wenn Telefonkonferenz, Home oder online Schooling es zulassen. Der eine mag dies nicht, der andere schiebt das angeekelt an den Tellerrand.
    Ging ja alles klar, wenn ich mich wenigstens, wie früher, ab und zu mal zünftig mit meinen Mädels betrinken und ein bisschen jammern könnte. Haben wir auch schon online gemacht. War auch ok, aber irgendwie dann doch auf die Dauer nicht erfüllend. Es gab schon online Stadt Land Fluss Spiele-Abende und Krimi Dinner… Aber all das war letztlich nur mäßig erfolgreich und wurde nicht wiederholt. Wir Eltern sind hier unternander gereizt und voller gegenseitiger Vorwürfe. Kurzum, die Verlotterung fräst sich durch alle Bereiche unseres Lebens. Und dazu gestern noch das ernüchternde Statement vom RKI, wir sind mitten in der dritten Welle (ich hatte gar nicht mitbekommen, dass die zweite Welle schon zuende war. Hier gab es niemals Zahlen, die auch nur an die 50 herankamen. Sie waren immer sehr viel höher). Mitte April wieder höhere Zahlen als vor Weihnachten… Dazu bedrohliche Mutanten bei gleichzeitigem Impfdebakel 😱😱😱😱😱😱😱.
    Naja, es hilft ja nichts. Das einzige, was wir tun können, ist nicht aufzugeben, jeden Tag unser bestes dafür zu tun, dass wir nicht gänzlich vetlottern und uns an der Hoffnung festzuhalten, dass es irgendwann dann doch mal wieder besser wird (whatever that means!)
    Dir und allen Leser:Innen einen möglichst schönen und entspannten Sonntag!

    1. Liebe Bianca, dein Kommentar zeigt genau, wie es vielen Menschen nun geht. Ich finde auch, dass man das absolute Recht hat, über all das zu jammern, Schimpfen hilft, und sich unzufrieden fühlen, verstärkt Aggressionen. Und die Nächsten leiden dann. Es ist eine schlimme Situation, und ich glaube, wir alle haben bald sämtliche Bewältigungsstrategien durch. Ein Licht am Tunnel wäre so wichtig, aber das ist echt eine Funzel derzeit.
      Durchhalten wird zu Wort des Jahres, und eigentlich müsste uns die Bundesregierung ein riesiges Überraschungsgeschenk machen, für so viel Durchhaltevermögen, sollte das noch wie vermutet so so lange weitergehen.
      (Wie schmeißt man aber die Querdenker da raus?)
      Ich hatte ja schon mal drüber geschrieben: Sich all das von der Seele schreiben hilft auch etwas. Schreib ein Tagebuch! In 10 Jahren wird es ein Zeitdokument für dich und deine Familie sein. 😇
      Herzliche Grüße
      KK

    2. Liebe Bianca, das klingt ja mindest so schlimm, wie es sein muss. Deine Kuchen finde ich absolut super und sehr vorausschauend mit Blick auf die künftige Diabeteslage – und ich würde nie mehr etwas anderes servieren. Erst vorgestern habe ich die vom Hausherrn benannte Dreischichttorte gemacht nur mit Zuckerersatzstoffen und Vollkornmehl, und sie sieht nicht nur aus wie vom Profi (ich mache ganz selten Torten, alle paar Jahre mal), sondern sie schmeckt auch genauso. Du machst Dir so viel Mühe. Wenn Du nichts sagen würdest, würde es niemand merken. Eine Zugabe von Mandelmehl kann man jedem unterjubeln.

      Ganz ehrlich? Wenn man die schlechte Laune und die Arbeit auf Dich abwälzt, ist das nicht fair, und natürlich läuft es nicht rund, wenn man vorher schon seine Saufgelage benötigte (die Phasen kennt wirklich jeder). Aber jetzt reicht es ja auch mal für Dich, wann wenn nicht jetzt? Zum Glück lottern alle bei Dir herum – und wer etwas gebügelt haben will, kann es ja selbst machen. Punkt. Man ist doch kein Zimmermädchen.
      Genau so mit dem Essen. Wenn das Timing nicht klappt, was soll’s? Dann gibt es eben nur noch Eintöpfe. Chili, Erbsensuppe, Kartoffelsuppe und Kühlschranksuppe. Du bekommst das spitzenmäßige Produkt zum für Dich passenden Zeitpunkt. Den Überschuss kann sich jeder selbst wärmen (die Abgebrühten und die Kinder halt per Mikrowelle), kann man warm halten, und wenn es zerfällt, na dann, dann kommt es halt in die nächste Suppe. Den Schmutz macht jeder selbst weg. Oder Pasta – die Saucen kann man auch kaufen (nicht so toll, aber egal) oder in Mengen zubereiten und dann einfrieren. Jeder zieht sich seine Portion raus, wärmt sie und kocht die Nudeln selbst. Es soll ja auch Töpfe geben, die in die Spülmaschine gehen. Wer extra Chaos macht, um Dir das Leben schwer zu machen, der bekommt Ärger. Das muss doch gehen.

      während ich müde und uninspiriert auf dem Sofa hänge und ein schlechtes Gewissen deswegen habe – eigentlich sollten die anderen ein total schlechtes Gewissen haben. Du gibst Dir echt so viel Mühe mit dem Haushalt, sogar mit dem besonderen Kuchen – da ist Müdigkeit völlig normal und Uninspiriertheit ist da wohl eher die enttäuschte Ernüchterung. Völlig gerechtfertigt.
      Wie wär’s mit Haushaltsfasten bis Pfingsten?
      Mach Dir das Leben einfacher, mach mal Pausen, gerne über mehrere Tage hinweg, denn Du tust ja wohl mehr als genug (sagt eine, die auch viel tut). ❤️

      (Pardon für meinen Rant, ich möchte hier wirklich niemandem zu nahe treten, wir kennen uns nicht und ich habe ja keinen echten Einblick, aber so etwas tut mir in der Seele weh. Alles Liebe!)

      1. Danke, liebe Hasi o815🤗! Eigentlich hast du Recht. Ich mache viel zu viel und es am liebsten allen recht. Ich habe aber festgestellt, dass es nicht so einfach ist, sich aus solchen Strukturen zu befreien. Ich will hier nicht jammern oder das feministische Manifest ausrufen. Ich habe aber das Gefühl, dass in vielen Familien die Hauptlast der hinzukommenden Pflichten (homescooling, mehr Esser täglich, mehr Dreck durch mehr anwesende Menschen ständig, etc.) auf den Frauen lastet. Viele von uns sind wegen der Kinder „nur“ Teilzeitkräfte. Und da rutscht man ganz schnell in das Denken, „der Mann arbeitet voll, also muss das Drumherum von mir erledigt werden“. Natürlich sind wir da maßgeblich mit dran Schuld. Natürlich sollten wir viel lauter Mitarbeit einfordern, aufhören, allen ihren Kram hinterher zu räumen, die Küche ganztags geöffnet zu haben und auch noch Putzfrau zu spielen. Aber diese ganze Misere ist unheimlich komplex. Sie ist auch von tiefen Glaubenssätzen, übernommenen Ansprüchen, Selbstbildern etc. geprägt, aus denen ich mich nicht ohne weiteres verabschieden kann. Das heißt natürlich nicht, dass ich ein wehrloses Opfer bin und mir außer Selbstmitleid keine Handlungsoptionen bleiben. Ich arbeite tatsächlich an diesen Dingen. Es ist ein langer Weg, der genau durch das Zentrum läuft, welches mich im Kern ausmacht. Und ich scheine kein Einzelfall zu sein. Meine Freundinnen, Nachbarinnen und Bekannten, zum großen Teil selbstbewusste, agile, tatkräftige Powerfrauen in guten Jobs, sind fast ausnahmslos am Ende ihrer Kräfte. Viele von ihnen habe ich weinen sehen vor Verzweiflung und Überforderung.

        1. Es geht ja mehr so um Fairness, und klar, ganz viele Frauen haben verinnerlicht, dass sie dies und das und das da auch noch machen müssen (müssen sie ja nicht!). Das beginnt im Kleinen mit Nettigkeiten und endet in der Überforderung, und das auch noch in diesen Zeiten der Pandemie.
          Mir geht es da kaum anders (s. oben, denn wer mistet aus? Eben). Aber. Ich habe das auf die harte Tour gelernt. Ich wollte eine berufliche Verbesserung und wußte, ich muss dazu zwei bis drei Jahre absolut harte Projektarbeit machen. Klar, dass zwischendrin mal der eine, mal die andere ankam und meinte, das wäre doch zu viel und zu lange, und ach ja, ich könnte doch (für sie) mal eben spontan dieses und jenes machen, das ginge doch schnell und man könnte auch etwas zusammen unternehmen. Hm, das war ein Widerspruch zwischen dem, was man im ersten Teil sagte und was dann im zweiten Teil der Message kam – wies ich darauf hin, gab es den berühmten Hundeblick. Na gut, dachte ich mir, dann schaue ich halt wie eine Katze… 😾 (nicht leicht).

          Was habe ich gemacht? Regeln festgelegt, wann ich was „für die Allmende“ mache (und für außerhalb des Haushalts nichts mehr, in Worten: nichts). Was bis dahin nicht anbrandete, wurde schlichtweg erst eine oder zwei Wochen später gemacht. Fenster konnten andere putzen, staubsaugen und waschen ebenso usw. Alles andere blieb liegen – keine Ordnung über das Tägliche hinaus, kein Ausmisten (s. hier: ich miste derzeit viel von meinem Zeug aus, aber nicht nur), kein extra Hausputz, Garten völlig schnuppe. Alle so genannte reproduktive Arbeit extremst runtergefahren. Gelernt habe ich das von einem guten Freund (= typischer erfolgreicher alter weißer Mann 😉😜), der meinte, dass ich „ganz wie ein Mann“ alles andere schlicht sein lassen sollte, wenn ich mein Ziel erreichen wollte. Allerdings gab es an den 10-Stunden-Tagen 6 Tage die Woche kaum Erholungsphasen für mich, ich stand einmal pro Stunde vom Schreibtisch auf und hatte jeweils fünf Minuten Pause. Das echte Glück war das total abgelegene spontan etablierte Arbeitszimmer fast ohne Möbel bis auf Stuhl und Tisch. Kein Internet. 2x/Woche Sport, dann aber heftig.

          Was ist passiert? Die Welt ist nicht untergegangen, andere haben die Jobs erledigt. Und ich bin längst nicht mehr so pingelig, aber keiner merkt es 😂. Es ist mir absolut nicht leichtgefallen, aber mein direktes Umfeld ❤️ hat immerhin genau verstanden, worum es mir ging, (nach einer langen Weile) das sanfte Schubsen eingestellt und mich letztlich voll und ganz unterstützt. Ich habe mein Ziel erreicht. Und mein direktes Umfeld ist megastolz darauf. (Ein paar andere sind immer noch beleidigt, ach ja.)

          Gerade in Pandemiezeiten dürfte es der einen oder anderen schwer fallen, sich von diesem täglichen Kram zu distanzieren, auch wegen Platzmangels und Kindergeschreis. Bin schon froh, das eine oder andere hinter mir zu haben. (Und jetzt habe ich halt eben manchmal die Zeit, hier bei KK etwas abzusondern, ganz ohne den Hauch eines schlechten Gewissens 😉.)

          Einen schönen, entspannten Abend! ❤️ Mach einen Rotwein o.ä. auf, und nicht den, der weg muss, sondern den, den Du magst.

  9. Coronavirus Schmuck gibt es übrigens schon länger, Kette mit vergoldetem Coronavirus Anhänger für 169 € oder Sterling Silber für 162 € (bei sciencejewelry1824), ich überlege tatsächlich ernsthaft eine davon quasi als Erinnerung zu kaufen (ein Teil der Einnahmen wird dem COVID-19 Solidarity Response Fund der WHO gespendet)

    1. Oh! Ich kannte das Virus schon als Plüschtier, aber Schmuck? Wahnsinn. Jetzt kaufen, später grinsen wir dann hoffentlich darüber. Zumindest alle, die glimpflich und ohne Verluste da rausgekommen sind.
      Ich schaus mir mal an. 😉
      Liebe Grüße
      KK

  10. Dann kaufe ich mir lieber die sechsundachtzigste Perlenkette zur Aldi Jeans und spende trotzdem. Mit der Verlodderung der Sitten ging auch selbige mit der Kleidung einher. Wo sieht man noch elegant gekleidete Damen, außer meiner Mutter? Die letzten, älteren, habe ich in Chanel Kostümchen beim Kubaner in Miami gesehen. Oder Frankfurter Opernball, lang, lang ist´s her. Aussterbende Gattung. Casual Look ist bei mir „Putzlumpen Kleidung“. Schrecklich. Man geht in Jeans in`s Theater oder in die Elphi oder bunt gelbümt auf eine Beerdigung, alles egal.
    Was schaue ich so gerne alte Filme, wo die Frauen so chick waren, selbst blonde Haare glänzten mächtig. Marlene Dietrich, Audrey Hepburn, Tippi Hedren……Andererseits wüsste ich auch nicht wo man die chicken Kostüme von Hasi 0-8-15 noch tragen sollte. Ist irgendwie alles vorbei. Betrinken mit Krötenschnaps und koreanischem Bier auch, heul! Ich will mit der Zeitmaschine zurück !!!!!!!!!!!!!!! Wer kommt mit ?
    So ich gehe jetzt noch abledern, die Katzen haben die Gliederkakteen runtergeworfen. Vielleicht lege ich dazu meinen Perlenschmuck an mit Chanel Shirt. Das bekommt schon den Gilb.

    1. Im netten Restaurant trage ich sie noch, nicht im Pub. Und in der Oper natürlich. Eine Freundin trägt ihre Kostüme stilvoll, nicht etwa überladen, bei den Pferderennen, bei denen sie mitmischt, gar mit Hut.
      Eine Alternative zur weit verbreiteten Strickjackentristesse sind ja hübsche Kostümjacken, die passen zum Jeans und zum Kleid.
      Eigentlich sind Kleider die neuen Kostüme, und mache sehen wirklich umwerfend aus.

      Ein echter Sündenfall sind ganz klar Shirts mit Blumendruck dort, wo man die Sauce verkleckert…😉😜🤣 gut fürs Babyherumtragen – oder fürs Pflegeheim.

      1. Auf Trabrennbahnen war ich auch unterwegs, allerdings mit Sicherheitsweste und Helm. Hätte zum Kostüm komisch ausgesehen! Kleider, ja sind traumhaft schön. Falls Du mal Kathi Witt oder Franziska van Almsick im Kleid gesehen hast, das könnte ich auch sein. Braucht kein Mensch.

  11. 🙂 Ein schönes, erheiterndes Wort zum Sonntag, lieber KK.
    Danke dafür! Ich lerne auch noch jeden Tag dazu. Also, auf die nächsten Wochen… 😉
    Liebe Grüße
    Claudia 🙂

  12. Die Fotos sind der Kracher! Endlich mal wieder was von dir zu sehen.
    Die mit Unterhemd erinnern mich voll an Shining. 😱🥰

  13. Lieber KK, du kannst ja bös-verstört in die Welt gucken, ich lach mich schlapp – hätt‘ gern das letzte Foto als Poster, plllllleeeeeaaaassse! Schicks du’s mir als pdf? Trifft genau meine Stimmungslage grad! Fühl mich langsam auch (innerlich) wie ein Yeti, für was noch schick machen, wenn eh immer die Hälfte des Gesichts verdeckt ist und man außer sich selber im Spiegelbild nur die ollen WG-Mitbewohner am Küchentisch trifft 😜! Auch das Haare färben zieht sich bei mir mittlerweile in die Länge, arbeite zunehmend in mich selber versunken von zu Hause aus, wen interessiert da der richtige Farbglanz aufm Schopf? Wenn ich doch mal nen Fuß vor die Türe setzen, dann immer mit tief ins Gesicht gezogener Bankräubermütze und wenn ich ganz mies druff bin – mit blickdichter Sonnenbrille auf der Nase (nenn‘ das dann „inkognito einkaufen“…) ein Vorteil hat das Ganze, man wird nicht von vornherein als „superunfreundlich“ und „arrogant bis dorthinaus“ abgestempelt und muss auch nicht gut gelaunt den Gymnasiallehrer um die Ecke grüßen, dessen Arbeit man seit Monaten erledigt (2homeschooling kids), ohne einen müden Cent dafür zu sehen! Stilvoll verlottern, heißt die neue Devise 😉!

    1. Das stimmt alles 100%.
      Inkognitomodus mache ich auch ständig. Und gegenüber wohnt ein Gesamtschulrektor, der seit März 2020 nur sein Haus renoviert, einen Pool hat einbauen lassen, seine drei Töchter wohnen wieder zu Hause, dafür wurden zwei Dachgeschosswohnungen eingebaut. Zur Schule geht er einmal die Woche, Computer „kann er nicht“.
      Himmel!
      Es wit echt Zeit für „normale“ Zeiten. Man wird noch ganz verrückt und spioniert die Nachbarn aus. 😆😆😆
      Liebe Grüße
      KK

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