FASHION: WIE IN DER CORONA-ZEIT FAST-FASHION ZUM WITZ WIRD UND WAS ESTHER PERBANDT DAMIT ZU TUN HAT

Esther Perbandt hat „Making the Cut“ nicht gewonnen, und trotzdem ist sie eine Siegerin, und wir auch, denn wenn Corona zu irgendetwas nütze ist, dann lässt es uns so einige Dinge viel klarer sehen. Und dazu gehört auch die schnelllebige Mode, die jetzt gerade auf der Intensivstation liegt…

 

Ich deklariere diesen Beitrag als *unbezahlte Werbung*, weil ich den Onlineshop der Designerin verlinke. Und das nur, weil ich Esther Perbandts Ideen sehr unterstützenswert finde.

 

 

 

Esther Perbandt? Das ist die 1975 in Berlin geborene Schöpferin von Kleidung, Schmuck, Musik…ach, nennen wir es doch einfach Kunst mit Haltung. Esthers Universum ist schwarz, aber sie sagt dazu, dass in all ihren Schöpfungen ein strahlendes Licht scheint – sie ist „hungrig aufs Leben“, wie sie auch ihre MtC Kollektion nennt. Und damit hat sie recht, wenn man zu dem Denken übergeht, dass hinter Design, hinter Mode, hinter Kunst ja Menschen wie Esther stehen. Vergessen haben wir das, in diesem Dunstkreis der riesigen Modekonzerne, die Kleidung zu abfallartigem Fast-Food haben verkommen lassen.

Mode ist heutzutage eine Freizeitbeschäftigung geworden. Klamotten kauft man im Minutentakt, gewaschen wird sie nicht mehr. Anziehen, tragen, ausziehen, wegwerfen. Mindest zweimal am Tag umziehen, ein Outfit für jede Regung. Fast-Fashion braucht keine Qualität, denn sie ist nächste Woche bereits out. Peinlich, wer mit der Hose vom letzten Quartal herumläuft. Instagram protokolliert fleissig mit. Alles was wir posten, kann gegen uns verwendet werden.

 

Esther Perbandt nahm an der Amazon Prime Sendung „Making the Cut“ teil (Trendbarometer vom Freitag, 24.04.2020), und wie sie erzählt, hatte sie zuerst gezweifelt. Sympathisch: Zuerst wohl eher an sich („Ob ich dafür gut genug bin?“), danach erst am riesigen Verkaufskraken Amazon. Es war gut, dass sie dabei war, denn neben vielen anderen äusserst sympathischen und talentierten Modeschöpferinnen und Modeschöpfern, stach Esther heraus. Durch ihre Ästhetik, ihre Haltung, und ihre offensichtliche Unbeugsamkeit, die ihr schlußendlich wohl auch den Sieg (und 1 Million Dollar) kostete – sie wurde Zweite, und behielt ihre Seele.

 

Gut so, denn ob ein Mentorship von Amazon wirklich mit dem vielfältigen Anspruch von Esther einhergegangen wäre, möchte ich stark bezweifeln. Eine weltweite Marke hätte sie werden sollen, und da braucht es einen großen Grad an Kommerzialität, man möchte ja viele Menschen erreichen, will sagen: Viele Menschen zum Kauf animieren. Und so sehr ich es Esther auch gönnen würde, dass sie ihre Lager in Sekundenschnelle ausverkauft, so glaube ich, dass das nicht so ganz ihre Vorstellung ist.

Esther Perbandt hat als kleines Unternehmen aber auch mit all den Problemen der Modebranche zu tun, die wir immer zu gern unter den Tisch fallen lassen: Viele Menschen möchten nicht in Kleidung „investieren“, sie konsumieren schnelle Mode, zahlen wenig Geld, akzeptieren billige Materialien, sowie menschenfeindliche Herstellungsbedingungen.

Modeschöpfer mit einem Anspruch an Nachhaltigkeit, an das hart erarbeitete Design und die ausgefeilten Schnitte, an Gerechtigkeit, und auch an sich selbst, wirken heute fast schon wie vom anderen Stern. Na und, dann leuchten sie eben ein bisschen heller, und wir setzen mal unsere Scheuklappen ab und betrachten genauer, was uns da anstrahlt.

 

 

Designerinnen und Designer wie Esther, die für Nachhaltigkeit und Female Empowerment stehen, aber trotzdem auch Geschlechterrollen in der Mode fliessender gestalten, und damit in die Zukunft schauen, sowas brauchen wir. Mode sollte schon immer stärken, nicht schwächen durch Leugnung.

Und dann komme ich zu dem, was mich bewegt hat, diesen Artikel rund um Esther zu bauen: Sie sieht es partout nicht ein, warum sie Mode für Zyklen schaffen soll. Ein Erlebnis in ihrem Store brachte sie dazu, dieser modetypischen Denkweise zu entkommen: Ein Kunde fragte, warum ein paar interessante Kleidungsstücke im „Sale“ seien, also sozusagen auf dem Grabbeltisch lagen. Für den Kunden war das mit einer Abwertung verbunden. Die Kleidung war aber genauso gut, hochwertig und tragbar wie vorher auch, nur sie lag eben schon ein paar Monate im Laden. Und nach den Gesetzen unserer Modebranche kommt das in den Ausverkauf, damit man nicht darauf sitzen bleibt…sozusagen.

 

„Letzter Auslöser war aber ein Pärchen bei mir im Laden in Berlin, das die Mode super fand und auch ein paar Sachen gekauft hat. Aber der Mann fragte mich dann, warum die Sachen eigentlich im Sale seien. Für den war das was Negatives; er hat Sale mit B-Ware oder ähnlichem assoziiert. Da hat es bei mir Klick gemacht und ich habe beschlossen, einfach mal auszuprobieren, ob es auch anders geht.“ E. Perbandt im FAZ Interview vom 25.04.2020

 

Wie pervers dieser Gedanke eigentlich ist, sieht man aber nur, wenn man sich verdeutlicht, wieviel eine Designerin, oder ein Designer, in ihre Arbeit einbringen. Da steckt ein Stück der Person drin, und das hat seinen Wert, der nicht einfach verfliegt, nur weil irgendwelche Fashion-Leaders vor langer Zeit gesagt haben, dass Mode ein Verfallsdatum braucht, um mehr Umsätze zu generieren.

Man muss sich einmal vergegenwärtigen, dass Klamotten auch zehn Jahre (und mehr) halten können und zu Klassikern werden, die man auch dann noch im Laden nachkaufen können sollte. Eine sehr schöne und befriedigende Vorstellung, die die höheren Preise mit Leichtigkeit rechtfertigen. Nachhaltigkeit kann so einfach sein.

Diese Erkenntnis und das Ausbrechen aus diesem Zyklus, rechne ich Designerinnen und Designern wie Esther Perbandt hoch an. Es ist wie ein Klarwerden in den Gedanken, wenn ich in den stillgelegten Zeiten von Corona immer öfter über mein Konsumverhalten sinniere, und mich manchmal geradezu schäme, über all diese Nutzlosigkeiten, die sich im Leben häufen.

 

„Für mich ist dieser Zyklus der Modebranche mit den zwei Kollektionen pro Jahr einfach Wahnsinn. Und ich finde, dass es meiner Bekleidung nicht gerecht wird, wenn alle halbe Jahr wieder alles komplett ausgetauscht werden muss und zwei Monate später im Sale ist. Dazu steckt zu viel Arbeit drin. Für mich sind meine Sachen Klassiker, die jemand zehn Jahre und länger tragen soll.“ E. Perbandt im FAZ Interview vom 25.04.2020

 

Sicherlich ist das auch eine Geldfrage, für den Käufer, wie für die Modeschaffenden, ohne Zweifel. Eine „Haltung“ muss man sich leisten können (Esther Perbandts Looks gehören allerdings auch nicht zu den unbezahlbaren der Branche). Trotzdem ist es doch nicht provokant zu fragen, wieviel „Scheiß“ wir in den Jahren anhäufen, um all diesen synthetischen Modewellen hinterherzulaufen, um hinterher deutlich mehr Geld ausgegeben zu haben.

Mein Traum ist EIN Kleiderschrank mit ausgewählten und hochwertigen Teilen, die ich allesamt kombinieren kann, sodass keine Abnutzungserscheinungen im Auge der Betrachter entstehen. Teile, die mich begleiten und mit denen ich mein Leben teile. Kleidung, mit der ich etwas verbinde. Emotionen, zu dem Menschen, der sie erschaffen hat, und dem der drin steckt.

 

 

 

Ich will keine Kleidung mehr, die wie ein Fremdkörper tagtäglich argwöhnisch begutachtet wird, ob sie noch modekonform an mir ist, oder ob sie meinem „Look“ schadet. Damit meine ich diese Art von Kleidung, die nicht anliegt, sondern die wir auf Distanz halten, damit wir uns einfacher und schneller von ihr trennen können.

Wie gut, dass Esther Perbandt kein Newcomer ist, sondern sie hat bereits vielfach auf sich aufmerksam gemacht (zB. singt die Sängerin Psycho Nikoros -Severija Janušauskaitė- in einem Esther Perbandt Outfit „Zu Asche, zu Staub“ in Babylon Berlin), und ihre Überzeugungen haben schon viele Menschen begeistert.

Klar, nicht jedem muss ihre Mode gefallen, das will ich mit diesem Artikel auch gar nicht vermitteln. Vielmehr wünsche ich mir, dass jeder ein wenig mehr auf der Suche nach der Kleidung ist, die zum Gefährten wird. Kleidung, die wir im Austausch von Geldscheinen von jemandem bekommen, mit der oder dem wir uns verbunden fühlen können, eben weil Kleidung so viel mehr ist, als die pure Verhüllung unserer Scham.

Und weil das alles nicht so einfach auszuleben ist, wie es geschrieben wird, fordere ich auch keinen krassen Kurswechsel von heute auf morgen, sondern wenigstens ein paar Minuten des Nachdenkens. In Zeiten, in denen wir vieles neu bewerten; es sich anfühlt, als würden wir gerade wieder wach, sollte ruhig auch über die Mode nachgedacht werden, die in meinen Augen in vielen Bereichen zu einem schlechten Witz verkommen ist. Erinnern wir uns doch wieder daran, dass Kleidung Ausdruck unserer Kultur ist. Kultur und Mensch sind untrennbar vereint, und Danke Esther Perbandt, dass du mich durch deinen Auftritt wieder daran erinnert hast.

 

Übrigens finde ich das Armband mit dem Essbesteck in Gold aus ihrer „Hungry for Life“ Kollektion unwiderstehlich. So eine schöne Idee! (ca. 203 Euro)

 

 

Berlin Fashion Week Frühling/Sommer 2015 (Esther Perbandt performt)

 

„Zu Asche, zu Staub“ (Outfit von Esther Perbandt)

 

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(Fotos: Screenshots Onlineshop Esther Perbandt/F: Birgit Kaulfuss, Amazon Studios – Keinerlei Sponsoring, keine Affiliate Links, keine Zahlungen, keine Bettelei, kein Influencerscheiß)


16 Gedanken zu “FASHION: WIE IN DER CORONA-ZEIT FAST-FASHION ZUM WITZ WIRD UND WAS ESTHER PERBANDT DAMIT ZU TUN HAT

  1. Lieber KK,

    Du sprichst mir aus der Seele! Ich glaube, dass die Kleidung „früher“ haltbarer war. Als wir vor 3 Jahren das Haus meiner Eltern ausgeräumt haben, waren dort noch sehr viele Kleidungsstücke, die wir an unseren Eltern noch aus jungen Jahren kannten.

    Auch ich kaufe (mittlerweile) weniger, dafür aber hochwertiger. Ich muss nicht mehr jeden Modetrend mitmachen. Meistens sind es eh Wiederholungen und man hat dazu bereits Teile im Schran 😉

    Hab mir vergangenes Jahr bei einer Designerin in der Spinnerei in Leipzig ein Kleid „gegönnt“

    Vielen Dank für Deinen Post

    LG
    Karen

  2. Danke für den nachdenklich stimmenden Text. Die Designerin spricht mich total an, ich werde mir das genauer anschauen, denn das trifft genau meinen Geschmack. Super, dass du solche Themen so reflektiert bearbeitest. Toll. Mehr Fashion bitte!! 😉

  3. Ich finde es lohnt sich in gute Kleidung zu investieren. Ein guter Mantel, Kaschmirpullis und Schuhe kann man über Jahre tragen. Sie sind zeitlos. Und wenn man sich dann noch für wenige miteinander kombinierbare Farben entscheidet hat man eine Grundausstattung fürs Leben.

  4. Hoffe Gobt es den Effekt durch Corona, dass zum Beispiel diese ganzen Fashionblogger keine Bühne mehr bekommen. Mich nervt, dass ja Kreti und Pleti Klamotten in Massen vorstellen ind es gibt kein Ende. Selbst irgendwelche Schminkblogs zeigen ständig Mode, und machen dabei einen auf Achtsamkeit und Nachhaltigleit, Mikroplastik und so weiter. Alles nur aufgeblasenes Gelaber. Man kann in so vielen Bereichen sinnvoll leben, Mode gehört definitiv dazu.
    Sorry sollte kein Lästern sein, aber mir schwillt immer der Kamm, wenn ich wieder diese Blogposts sehe, wenn der Bloggerin fast schon die Tränen in den Augen stehen, wenn sie über Umweltthemen schreibt, und einen Tag später ist sie wieder verliebt in tausend neue Klamotten und Cremetöpfchen. Angeblich. Sowas trägt auch zu der derzeitige Überflusssituation bei!

    1. Hallo Rena, ich weiß genau was und wen du meinst. Auf solchen Blogs lese ich nicht mehr, denn diese ständige Werbung, die in Mutter Theresa Artikel verpackt wird, will ich nicht vorgesetzt bekommen. Leider gibt es wohl so gut wie keinen Blog mehr, der nicht wenigstens per Links oder Werbebildchen Geld verdienen will. In diesem Moment werden sie für mich uninteressant. Und schreibt man denen das, reagieren sie beleidigend und verbannen einen für immer.
      Sarah V.

  5. Hallo KK,
    ich bin da absolut deiner Meinung! Allerdings müsste sich dafür unsere Gesellschaft ändern. Besonders in den letzten 10 bis 20 Jahren hat dieser Konsumwahn wirklich extreme Züge angenommen! Fast alles wird mit Absicht so produziert und auch vermarktet, dass es möglichst schnell wieder ausgetauscht werden muss. Konsum als Lebensziel, deswegen war es für viele (die keine echten Sorgen hatten, wie Eltern zum Beispiel) während des Shut-Downs wohl auch am schlimmsten, das die Läden geschlossen hatten, zumindest hatte ich zeitweise den Eindruck.
    Ich besitzte ein Shirt, von H&M (!), das ist bestimmt 15 Jahre alt und wurde schon etliche Male nachgefärbt. Ein fester Baumwollstoff, die Nähte lösen sich nicht auf oder verdrehen sich. Irgendwann haben die Marken dann wohl gemerkt, das es doch doof ist, gute Produkte zu produzieren, die ewig halten, wenn etwas nach dreimal tragen auseinanderfällt, kommt der Kunde wieder in den Laden und kauft was neues. Und bei Elektroartikeln läufts ähnlich. Ich mache noch nicht mal die Unternehmen alleine verantwortlich, dieses Konzept vom ewigen Wachstum setzt natürlich ziemlich unter Druck.
    Zumindest bei Kleidung tue ich mich übrigens etwas schwer teuer zu kaufen, den ganz teuren Kram kann ich mir nicht leisten, und ich habe einfach kein Vertrauen in das mittlere Preissegment, meist ist der höhere Preis nicht der besseren Qualität sondern eher einem anderen Konzept geschuldet.
    Bei Skincare und Wäsche kenne ich mich aus, bei Oberbekleidung leider nicht.

    Liebe Grüße
    Ronjana

  6. Vielen Dank für den interessanten Hinweis. Ich werde mir die Kleidung von Esther Perbandt auf jeden Fall ansehen. Ich interessiere mich sehr für Mode und Style. Seit vielen Jahren hege ich eine Leidenschaft für Second Hand Mode. Damit bin ich während meines Studiums in Berührung gekommen und diese Leidenschaft begleitet mich bis heute. In jeder größeren Stadt, in die ich komme, suche ich zunächst die guten Second Hand Läden auf. In meiner Nähe gibt es eine Handvoll Boutiquen, die nur Spitzenware anbieten, die wie neu aussieht und trotzdem bezahlbar ist. Auf diese Weise befinden sich in meinem Kleiderschrank einige wunderbare und ganz besondere Schätze, die ich pfleglich behandeln muss, weil ich sie nicht nachkaufen kann. Natürlich kaufe ich hin und wieder auch etwas Neues. Mode-Blogs lese ich einige sehr wenige und eher kleine. Menschen, die interessant und authentisch sind und Mode einsetzen, um ihre Persönlichkeit geschmackvoll und abwechslungsreich auszudrücken. Am liebsten sind mir solche, die nicht ständig etwas Neues präsentieren, sondern zeigen, wie man aus seinem Bestand immer wieder neue und spannende Outfits kreiert. Das inspiriert mich.
    Einen wunderschönen Abend euch allen!

  7. Ein total interessantes Thema, da hätte ich mir mehr Austausch gewünscht. Aber offenbar ist das bei der Masse der Menschen noch nicht angekommen. Ist Corona vorbei, werden alle wie die wahnsinnigen zu H&M, Premark, und in die anderen Schrottläden rennen, um ihren unbändigen Konsum nachzuholen. Schade, und ich mache da schon seit einiger Zeit nicht mehr mit. Danke für das Aufgreifen dieses Themas. Und dann auch noch an einem Dienstag, wo du doch sonst „frei“ hast. 🙂
    Alles Gute!
    Sarah V.

  8. Ich gehöre wohl noch zu der Generation, die es von klein auf eingetrichtert bekommen hat, in langlebige, hochqualitative Güter zu investieren und diese zu hegen und zu pflegen, auch wenn sie nicht mehr dem aktuellen Modegeschmack entsprechen. Das gilt nicht nur für Kleidung, auch Möbel und andere Haushaltsgegenstände gehören dazu. Mir ist es immer ein Graus, Gegenstände wegzuwerfen. Für mich eigentlich nur machbar, wenn die Funktion nicht mehr erfüllt wird.
    Meinen Kleiderschrank alle 6 Monate umzukrempeln, nur weil irgendwer meint, man müsste ab jetzt bestimmte Schnitte/Farben…. tragen ….nein! Selbst mit dieser Einstellung ist mein Kleiderschrank zu voll, das habe ich deutlich In dieser Krisenzeit gezeigt bekommen. Im Moment trage ich nicht mal 5% von dem was ich am Kleidung besitze, wozu auch im Home Office?
    Ich finde es sehr gut, wenn Designer sich gegen dieses Diktat der 2 Kollektionen pro Jahr auflehnen, aber wie viele werden sich dieser Idee anschließen können und nicht den Zwängen der Industrie folgen müssen? Da muss noch viel mehr passieren, das erfordert einen radikalen Umdenkprozeß der Gesellschaft. Und der wird nicht erfolgen, solange das Prinzip Wachstum die Unternehmen regiert.

  9. Ok, ich muss mich jetzt outen….. Ich habe keine Ahnung von Mode und interessiere mich auch nicht wirklich für Trends. 😀
    Was mich an Kleidung interessiert ist, ob sie zu meinem Typ passt und das habe ich nach leider auch vielen Fehltritten jetzt so langsam raus. Ich finde es durchaus spannend, wie andere Leute oder auch Zeitschriften verschiedene Kleidungsstücke miteinander kombinieren, aber mir fehlt da irgendwie das Gespür für und häufig denke ich ‚ach, so trägt man das jetzt‘. Und das, obwohl ich mit meinen Anfang 30 ja anscheinend noch zu der Zielgruppe der saisonalen Konsumenten gehöre…..

    Mir gefällt die Einstellung der Designerin, dass man eben nicht ständig neue Stücke im Kleiderschrank braucht und denke auch, dass durch diese ständige Wechselei der Arbeit der Designer keinen Respekt gezollt wird. Wir wissen alle, dass Ressourcen nicht endlich sind und für mich persönlich sind gerade Klamotten und Schuhe ein Bereich, in dem man super seinen Konsum herunterfahren kann. Ich halte es auch mit lieber einmal hochwertig kaufen anstatt ständig neu.

    Was ich allerdings gar nicht einschätzen kann, ist die Geldfrage….ist es wirklich günstiger nur hochwertige Stücke zu kaufen und davon weniger oder doch eher billigere Trendware und davon mehr? Weil auch Menschen mit weniger Geld müssen Kleidung tragen. Deshalb gehe ich mit unseren gebrauchten Kinderklamotten auch nicht auf den Flohmarkt, sondern habe die bis jetzt immer gespendet, bspw für Kinder in betreuten Erziehungseinrichtungen oder auch über die Hilfswerk der Stadt. Da kommt die Kleidung dann auch direkt ans Kind ohne noch irgendwo durch die Weltgeschichte gekarrt zu werden. Und uns tut es nicht weh, das Geld war ja in die Kleidung für unsere Kinder gut angelegt.

    Also, danke lieber KK für die Vorstellung von Esther Perbandt.

  10. Ester Perbandt ist wirklich eine tolle Frau. Vielen Dank für den Tipp mit der Amazon Sendung- das werde ich mir anschauen. Denn leider ist die Zeit momentan da..
    Ich habe jahrelang Diskussionen über hochwertigere Mode geführt mit einer Freundin, die gerne günstig und viel einkauft. Ich finde das ökologisch nicht vertretbar, auch wenn ich mir bei hochwertigeren Kleidungsstücken auch nicht sicher sein kann, dass die Produktionsbestimmungen stimmen.
    Ich bin dazu übergegangen, viel selbst zu nähen. Diese Stücke wirft man nicht so leicht weg..
    Esther Perbands Einstellung zu der Häufigkeit der Kollektionen teile ich absolut. Es ist für mich ebenfalls kaum nachvollziehbar, weshalb ich im August nur noch Herbst und Wintersachen in den Geschäften finde.

    Corona hat auch mir gezeigt, wie wenig Bekleidung ich benötige, wenn ich nicht arbeiten muss.
    Passt auf Euch auf

  11. Lieber KK,
    ich bin seit langem schon stiller Mitleser. Heute möchte ich Dir endlich mal ein großes Lob für Deinen Blog aussprechen, der sowohl fundiert und informativ, dabei aber auch immer sehr unterhaltsam ist. Obwohl ich sonst eher selten etwas kommentiere, musste ich bei diesem Statement nun doch endlich mal was dazu schreiben: Du sprichst mir absolut aus der Seele, was das Konsumverhalten angeht. Ich habe eine kleine Schuhboutique in Essen und mache tagtäglich genau diese Erfahrung: Hohes Anspruchsdenken, was die Auswahl angeht, aber null Bereitschaft, einen angemessenen Preis zu bezahlen. von daher: Herzlichen Dank für diesen Beitrag.

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