LIFESTYLE: GNTM 2019 * DIE LÄUFT WIE EIN BAUER…

Hm, ich habe mit mir gerungen: Sollte ich doch noch einmal, also wirklich nur noch einmal, etwas über GNTM (so muss das genant werden. Banausen, die den Titel gänzlich aussprechen) schreiben? Hach ja, es muss sein, denn was einem so viel Verlogenheit und Quatsch bereits zur ersten Folge beschert, ist schon einen fiesen Artikel bei KK wert. Das Leben ist eine Gulaschkanone, und dies ist ein Überblick über die erste Folge von #GNTM2019

Ein Hoch auf die 14. Staffel Dschie Änn Tiiee Ämm (änd dont forgett se Häschtägg!)

Krass! GNTM wurde für die 2019er Ausgabe einem Umstyling unterzogen: Heidi hat keine feste Jury mehr, sondern lädt sich zu jeder Folge eine „Gastjourorenpersonality“ ein. Also was ganz Berühmtes, Geiles, Bekanntes, mit Weltkarriere, das Beste vom Besten aus der Fashion- und Showbranche.

Das war Fernsehsprech für: Die Klum kriegt die Kohle jetzt mehr oder weniger alleine, die Gasttrottel bekommen ne überschaubare Tagesgage, sind wahrscheinlich eh gerade in der Nähe und machen dann halt mal einen Promotiontag auf Pro Seven. Es hat noch nicht einmal die erste Modelanwärterin geheult, da merkt man schon, dass in dieser Staffel ordentlich gespart werden muss. Selbst der Titelsong kommt aus Heidis intimsten Dunstkreis (Tokio Hotel), und da gab es doch bestimmt einen Family & Friends Rabatt?

Beinahe erschrocken war ich, als Klum in einer Art Bademantel erschien, der sich dann doch als Bademantel-Kleid in Asia-Optik entpuppte. Und sie hatte auch was drunter. Also an. War also nicht nackt, so wie sie das ja auf Instagram nun ständig tut. Puh, ein Glück, ist doch gerade erst 20:35 Uhr!

Aber ihre Stimme? Ist das eigentlich niemandem aufgefallen? Sie klang eine Oktave tiefer und rauchiger als im letzten Jahr. Böse Zungen würden sagen, die feierwütige Modelgouvernante klang etwas „versoffen“, aber wahrscheinlich singt sie nur jeden Abend so wahnsinnig viele Gute Nacht Lieder für ihre fünf Kinder, das kann die Stimmbänder schon ganz schön…ach was solls.

 

Diversity…ist das nicht dieser teure Staubsauger?

Tja, worum geht es denn bei DSCHIE ÄÄNN TIIIE ÄÄMM 2019? Also, es wird weiterhin nach weiblichem Material für Möbelhauseröffnungen Models gesucht, die müssen aber in diesem Jahr tootal auf dieser Diversity Welle schwimmen! Laut Klum ist „Vielfalt gerade DAS Thema in der Fashionwelt“. Nice! Und wie wir diese herzliche Fashionwelt ja kennen, ist das Thema nach spätestens drei Monaten out, wird bei KIK noch drittverwertet und dann nur noch mit hochgezogenen Augenbrauen beäugt. „Diversity? Die kennen wir hier in Paris nicht….nein, nein, Clooodia hat auch noch nie von ihr gehört!“

Überhaupt, während ich noch überlege, was „Diversität“ denn nun so wirklich bedeutet, macht es mir Pro Seven leicht: Wenn du indische Wurzeln hast und gerne Saris trägst, bist du dabei. Oder wenn du fast wie Boris Beckers zweite Besenkammerverfehlung Tochter aussiehst und weiße Wimpern, sowie weiße Augenbrauen besitzt, und auch noch bisexuell bist, dann kommst du auch mit. Oder auch als Transgendermodel bist du gut genug für diese total weltoffene und total unvoreingenommene Fernsehsendung. Von der zickigen Russin mit 100% „Attitude“ brauchen wir erst gar nicht reden.

Großes Problem: So wie derart auf diesen „Unterschiedlichkeiten“ und „Abweichungen vom gängigen Schönheitsideal“ herumgeritten wird, ist es fast schon ein wenig peinlich und fühlt sich gar nicht mehr so total normal und toll an. Insgeheim denkt man: „Ach die Ärmsten, wenn die es schaffen, dann gönnt man es ihnen so richtig (oder eben auch nicht), die haben es ja schon schwer genug.“ Eigentlich ist doch das Ziel, dass die Vielfalt normal und natürlich ist. Es gibt keine Abweichungen, es gibt nur Unikate, und jedes Unikat ist für sich ein Kunst- und Meisterwerk der Natur. Punkt.

 

Aber was mache ich mir Sorgen, dass Heidi falsch verstanden werden könnte, wenn sie ihre kruden Ansichten über Vielfalt oder Diversitiiiie zum besten gibt? Sie macht gleich in der ersten Folge klar wo wirklich der Hammer hängt: Während der unvermeidlichen Michalsky Modenschau in einer total flippigen Berliner U-Bahn Passage (gähnt nicht so laut!) vor geifernden Fashion-BloggerInnen konnte Frau Klum nicht ihre Klappe halten: „Die läuft wie ein Bauer!“

Hach, das gibt wieder Social Media Shitstorm Kirmes! Aber hey, die Lästerschwestern Klum und Gercke (internationale Weltstar-Gastjourorin) haben es auch verdient. Und selbst Teilnehmerin Anastasya (die Russin mit Sternkreiszeichen Ziege) pflichtet ihr bei: „Viele Mädels hier sind einfach zu breit“

 

The Meeedchen (einer muss ja das Denglish hochhalten, so ganz ohne Flokati-Thomas)

Was bleibt, sind die Meedchen, die auch in diesem Jahr wieder einmal nicht nach Können, sondern nach Klischees ausgewählt werden. Natürlich haben wir wieder die Heulsuse, die bereits in der ersten Folge dermaßen nervlich aufgelöst daherkommt, dass in den weiteren Folgen hoffentlich alle Messer und Scheren versteckt werden.

Das Transgender-Mädel kommt aus dem Osten und hat ne Story, ist aber eine ganz liebe, und ich fürchte viel zu lieb für dieses Metier – und erst recht für die Sendung. Ich hoffe, es nervt sie auch, dass sie ständig über „ihre Operationen“ sprechen muss. Denn die hatten andere Meedchen sicherlich auch, wenn auch eher auf freiwilliger Eitelkeits-Basis. Und ich frage mich nun schon im vierzehnten Jahr, wann endlich mal eine Gehirnvergrößerung in Mode kommt, und nicht immer nur die üblichen Verdächtigen (Körperteile) aufgepumpt, bzw. bis zum Peroxid-Rausch gebleicht werden?

Lustig ist auch die Kandidatin, die bislang als hervorstechendstes Merkmal ihren Freund nennen kann, der als (Achtung: Schimpfwort!) YouTube-Star Simon Heulsuse…äh…Simon Diseuse…äh, nee…Simon Desue peinliche Platt-Prank-Videos verbreitet und scheinbar gerne (auf eine zwielichtig-ungesunde Weise) in Nutella badet. Aber 4 Millionen Follower können nicht irren. Das geht ab, und Heidi Klum wäre nicht so ein Finanzfuchs, würde sie dieses Crossmarketingpotenzial nicht erkennen. Überhaupt wird sich in diesem Jahr viel über Instafame definiert, wahrscheinlich findet die nächste Staffel dann exklusiv nur noch als Instastory statt.

 

Und dann wäre da noch die Kandidatin, die auch gleich im ersten Drittel der Sendung übel beschimpft wurde: „Guck mal DIE isst was!“ Ja, da war doch tatsächlich für die mehr oder minder hoffnungsvollen Laufexpertinnen ein Süßigkeitenbuffet aufgebaut (erinnerte nur mich das Setting an Da Vincis Abendmahl?). Was macht das Model von Welt in diesem Fall? Schaut nonchalant darüber hinweg, als wären all die Zuckerbömbchen in Mint und Rosa aus Rattengift. Nur die EINE nicht, die schaufelte sich doch tatsächlich das ein oder andere hochkalorische Teilchen in diese Öffnung, die Models für gewöhnlich nur zum Atmen nutzen (sollen)! Incroyable! Die Schnitte der Produktion waren dementsprechend: Kopfschütteln und giftiges Grinsen bei den anderen Mädels, die wohl schon beim Geruch von Donuts und Keksen innerlich den Finger in Richtung Gaumensegel schieben wollten.

Zielgruppengerecht finde ich ja auch die arg verpeilte Kandidatin, die als Frucht einer unheiligen Beziehung zwischen Pietro Lombardi und Gina-Lisa Lohfink durchgehen könnte. Erschreckend die Ähnlichkeit in Aussehen, (ahnungslosem) Blick und geistiger Halbschlagfertigkeit. Die bringt es weit.

 

Und Tschüss…

Nicht so weit brachten es 20 Mädels, die allesamt mit Klum-Küsschen rausgeschmissen wurden, und wohl nicht mehr in den Genuss des demnächst anstehenden Umstylings kommen werden. Unter ihnen eine Erscheinung mit gefühlt 2 Meter langen Haaren. Hach, wie konnte sich die Produktion nur diese Steilvorlage entgehen lassen?

30 junge Frauen sind nun noch dabei, und glaubt man der Vorschau, braucht Heidi keine weiteren Meedchen rausschmeißen, weil die sich eh gegenseitig zerfleischen, noch bevor sich Wolfgang Joop in Folge Zwei im Schnee wälzen kann…ähem.

 

 

.

 

 

(Foto: Pro Sieben GNTM2019    Keinerlei Sponsoring)

 

11 Kommentare

  1. Ich hab vor einiger Zeit ein Interview mit Stephanie Giesinger gelesen, die erzählt hat, dass Models heute gleich zuerst nach ihrer Instagram-Reichweite gefragt werden. Wer da paar Millionen hat, bringt also ihre Kundschaft gleich mit und die influenzen dann auch ihrerseits.
    Sie fand, obwohl sie ja hier dabei ist, schade, dass Models nicht mehr um ihrer selbst ausgewählt werden, weil sie zum Produkt passen, sondern marktpolitisch mit Werbung machen. Insofern ist dieser Freund der einen wohl sehr nah an der Realität dessen, was wirklich gerade zählt. So funktioniert auch das ganze Promi-Kinder-Gehabe und die Tatsache, dass die schöne, aber komplett ausstrahlungsfreie Kaia Gerber „Model of the Year“ war.

    Ein Wort noch zum 5.Kind. Es sind eigentlich immer Frauen, dessen Partner beim Altersunterschied nach unten nicht zugebilligt wird, sich einen erwachsenen Partner gesucht zu haben und das gefällt mir nicht. Ich weiß, dass du es nicht so meinst, aber die Witze dazu sind Selbstläufer, über die keiner mehr nachdenkt. Heidi selbst kommt mir dabei schon kindischer vor als der eigentlich sonst so stille und in sich ruhende Tom, der schon immer erwachsener wirkte, als er war. Ich sehe aber zu meiner Überraschung, wie locker, gelöst und lässig er gerade aufblüht. Hätte nie gedacht, ihn mal so zu sehen.

    Tokio Hotel hat mich früher nie interessiert. Dann kam vor paar Jahren der Song „Run, Run, Run“ heraus und gefiel mir so gut, dass ich mir das Album „Kings of Sururbia“ kaufte. Kein musikalischer Meilenstein, aber das konnte man super nebenbei hören, hatte abwechlungsreiche Arrangements und dennoch schöne Rhythmen. Ich hab das außerordentlich lange und auch viel beim Sport gehört. Seitdem verfolge ich die etwas, aber auch nicht so, gewusst zu haben, dass Tom verheiratet war. Was ich an denen spannend finde, ist vor allem diese Selbstsicherheit, nur ihr eigenes Ding machen zu können, ohne Platten- oder PR-Firma und davon gut leben zu können. Wenn das kein Erfolg ist, was denn dann? Bill Kaulitz war vor Jahren mal bei Markus Lanz (kann man auf youtube sehen) und dermaßen locker, unschuldig, witzig und selbstsicher, dass ich dachte, dort sitzt ein Einhorn. 😀
    Ich mag die, ich wünsche denen allen privat Glück und mir hoffentlich mal wieder neue Musik, die mich packt.

  2. Kreisch, ist das voll mit guten Anspielungen. Darf man denn Herrn Joop in einem Atemzug mit Schnee nennen? 🙂 Und die 5 Kinder…hihihihi. Und ans letzte Abendmahl musste ich auch denken. Super geschrieben.

  3. Lieber KK,
    heute hast du mir das Radeln auf meinem Hometrainer (mach ich aus gesundheitlichen Gründen, nicht um meine Gestalt zu minimieren) versüßt, nein gewürzt. So einen gepfefferten und witzigen Artikel könnte ich öfters dabei gebrauchen. Zum Thema Hirnvergößerung könnte ich noch einige Anwärter beisteuern. Nur eine Frage: Was sind Platt-Prank-Videos? Wollte mir keines von dem Herrn antuen, sonst hätte ich es vielleicht selbst herausgefunden.
    Danke für den schönen Sonntagsanfang, wünsche dir das Gleiche.
    Gruß Nora

    1. „Prank“ ist der neudeutsche Begriff für „einen Streich spielen“, was dann mit dem Handy (oder besserem Equipment) aufgezeichnet und online gestellt wird. Daraus resultieren dann Millionen Follower, die auf immer mehr abstruse „Streiche“ warten, bis das so platt und peinlich wird, dass nur noch 14-jährige Pubertanten darüber gackern können.
      Viele Grüße, KK

      1. Ach so, danke. Das brauche ich nicht. Ich leide zu sehr mit, wenn andere Menschen öffentlich bloßgestellt werden. Das ging mir schon in der Schule so, als wir „Mario und der Zauberer“ von Thomas Mann lesen mussten. Liebe Grüße Nora

  4. Alter Schwede… du bist richtig gut, wenn du giftbratzig wirst.^^ Und ich komme mir gerade vor, als würde ich irgendwo ohne I-Net in der Walachei leben. Heidis Meeedechen laufen schon wieder? Oh Mann… ging die letzte Staffel nicht gerade erst zu Ende? Und was ist mit der Gewinnerin (wer war das eigentlich?)? Fragen über Fragen… ich werde echt alt. ;D

    @Hirnvergrößerung: Ich lese gerade u.a. verstärkt eb*ay-Kleinanzeigen und treffe da immer wieder auf Anzeigen, bei denen ich wirklich überlege: meinen die das ernst? Junge Frauen (um die 20), sehr hübsch, die Jobs suchen (nur seriöse!) und auf Anfragen hoffen (nur seriöse!) und dabei mit Filtern aufgehübschte Bilder einstellen, bei denen ich eher an Tinder denke. Wobei ich noch nie auf Tinder war, aber so stelle ich mir das vor. Da denke ich auch: Herr, wirf Hirn vom Himmel. Aber vielleicht ist das auch alles nur ein Joke und ich raff das nicht. 😉

  5. Ich habe die Folge auch gesehen, und deine witzige Zusammenfassung ist super gelungen. Ich habe es auch als Quatsch empfunden, dieses Herumreiten auf Diversity. Und die meiste Mäschen sind Schablonen von ganz üblen Klischees. Ich glaube, die sind im echten Leben nicht so. Jedenfalls wieder ein Grund bloß niemals im Fernsehen aufzutreten.
    Danke für diesen mehr als unterhaltsamen Artikel!

Kommentare gern gesehen!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.