MECKER-MEGAPHON: ZWEI SCHNEEFLOCKEN – UND ALLE SO: „KREIIISCH!“

Ich entschuldige mich jetzt schon mal prophylaktisch bei meinen Leserinnen und Lesern! Ich meine böse Schimpfworte nicht so, und ich will auch niemanden persönlich ansprechen. Überhaupt muss ich sagen, dass mein Ärger schon fast wieder verpufft ist, aber wenn ich mich an das vergangene Wochenende, und an das „Schneechaos“ in NRW erinnere, steigt in mir wieder giftige Galle auf…

Das war ein weißes Wochenende! An den Adventssonntagen scheint es in diesem Jahr besonders gern zu schneien. In meinem Umkreis, das westliche Ruhrgebiet und Düsseldorf, hat man es ja nicht so mit dem Schnee. Den kennen wir eher unter dem Namen „Matsch“, und dieser ist meist gräulich bis bräunlich, drängt sich durch die kleinsten Ritzen und lässt Autos in Sekundenschnelle aussehen, als hätten sie gerade die Rallye Paris-Dakar, und einen Abstecher beim Woodstockfestival hinter sich.

Fallen die ersten Regentropfen, ist es vorbei mit den Fahrkünsten meiner Mitmenschen. Urplötzlich gibt es nur noch Schleicher und Regenraser. Endlose Staus sind die Folge, denen man nur mit Geduld begegnen kann, will man kein schlimmes Magengeschwür riskieren.

Bei den ersten Schneeflocken sieht das allerdings nochmal ganz anders aus. Ich sehe es bildlich vor mir: Da sitzen die Herren und Damen in ihren Kraftwagen, zappen sich durchs langweilige Radioprogramm, und plötzlich fallen kleine, weiße „Puschelchen“ auf die Frontscheibe.

„Wat is dat denn?“ zuckt es wohl noch durch die Gehirne der Verkehrsteilnehmer, dann wird realisiert…es ist Schnee! Augenblicklich werden die Arme in die Luft gerissen, das Lenkrad eiert hilflos umher, die Bremsen dagegen mit voller Wucht getreten – und ein kollektives „Kreiiisch!“ tönt durch dieses Bundesland der Schneechaoten.

Ist auch nur eine halbe Schneeflocke in Sicht, bricht hier eine Panik aus, als würde Helene Fischer nackt auf dem Rathausplatz kostenlose Tourtickets verschenken.

Eigentlich bin ich gemein. Es waren vorgestern viele Schneeflocken…sehr viele! Und es wurde ein rechtes Chaos. Was ich da gesehen habe, lässt mich daran zweifeln, dass es so etwas wie intelligentes Leben in diesem Sonnensystem gibt. Und wenn ja, dann nicht auf diesem Planeten.

Zig Autofahrer hatten augenscheinlich KEINE Winterreifen aufgezogen. Autos drehten und tanzten, als wollten sie der „Wilden Maus“ auf der Kirmes Konkurrenz machen. Dementsprechend gab es kaum ein Vorankommen. Mein Weg von der Arbeit in Mülheim a.d. Ruhr nach Essen dauerte am letzten Sonntag ungelogen zweieinhalb Stunden!

Zur größten Not hatte ich sogar Schneeketten im Kofferraum, ich wäre also immer irgendwie weiter gekommen. Zum Glück waren meine Winterreifen voll ausreichend und hatten einen guten Grip. Das Problem waren wirklich diese dösigen Dummnüsse, an denen die Erfindung der Wettervorhersage wohl vollkommen vorbei gegangen sein muss. Wer zur Hölle fährt im tiefsten Dezember mit Sommerreifen durch die Gegend?

Schlimm auch die Spezialisten, die mit nicht freigefegten Autoscheiben und Dächern durch die Straßen irren. Die sehen NICHTS! Ausser aus einem extrem kleinen Löchlein in der verschneiten Frontscheibe ist alles zu! Und auf dem Dach lauert ein riesiges Schneebrett, das irgendwann dann beim Anfahren auf den Hintermann hinuntersegelt. So mir letztens geschehen! Die Kraftausdrücke in diesem Moment kann ich hier nicht wiederholen, und mein Blutdruck hatte sicherlich Werte wie eine Stange Dynamit.

Ernsthaft? Wieso steigen Menschen ständig in ihre Autos und schalten schlagartig die Gehirne aus? Schnee, Eis, Glätte sind gefährlich. Für das Auto und das eigene Leben, aber viel schlimmer: Man bedroht das Leben anderer Menschen…

 

 

 

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(Fotos: Konsumkaiser    Keinerlei Sponsoring)

13 Kommentare

  1. So ein Zufall! Genau das habe ich Sonntag auch erlebt und gedacht. So viele Autofahrer (und Autofahrerinnen) mit Sommerreifen habe ich noch nie gesehen. Alles schlitterte hilflos vor sich hin. Eine Unverschämtheit und gefährlich. Aber die laschen Bußgelder in Deutschland bewirken ja auch nichts.

  2. Ich bin gestern auch mit nagelneuen Winterreifen von der Arbeit nach hause geeiert…die helfen vielleicht bei Matsch und Schnee aber auf Eis nützen die einem leider gar nichts.
    Über 2 Stunden für 65 km…hatte ich eine gute Laune…
    Heute arbeite ich zuhause und wenn mein Chef nicht so einen Mundgeruch hätte würde ich ihn dafür küssen das er es mir überlässt wo ich meinen Computer anknipse.

  3. Es ist überall gleich auch hier in Hessen. Ich frage mich warum die Leute am Sonntag im Schneetreiben herumfahren müssen. Außer natürlich die, die arbeiten müssen. Auch fahren im Winter mit Sommerreifen müßte viel härter bestraft werde.

  4. Es brauch ja noch cht einmal Eis. Manche Autofahrer schlittern auch bei Matsch durch die Gegend. Zu viel Gas und schlechte Reifen reichen da.
    Sehe das auch ständig und es macht mich bekloppt, weil ich nicht an den quergestellten Wagen vorbei fahren kann.
    Gute Fahrt! :-)

  5. Vor kurzem gab unsere Polizeidienststelle eine PM raus – Grund waren 7 voneinander unabhängige (!!!) Auffahrunfälle in und um eine mittlere Kreisstadt in der bayerischen Provinz innerhalb eines Tages. Erstere Satz „Offensichtlich sind die Verkehrsteilnehmer zunehmend nicht mehr in der Lage einfach geradeaus zu fahren und rechtzeitig zu bremsen, wenn der Verkehr vor ihnen ins Stocken gerät.“
    Schnee hatte es da übrigens noch keinen :D

  6. Mein ältester Sohn übernachtet seit Samstag Abend bei uns im Kinderzimmer des “kleinen“ Bruders (15) . Samstag geplant, der Rest ungeplant, da ich nicht verantworten konnte, das er Abends auf den Weg vom Essener Süden nach Borbeck irgendwo festsitzt, weil keine Öffentlichen mehr fahren.
    Wir haben gestern darüber gescherzt, das er daraus einen Tagesmarsch aller Online Spiele machen kann, mit Überlebensrucksack auf den Schultern.😒
    Mein Kleiner durfte gestern von Überruhr nach Kupferdreh laufen, weil nichts von der Schule zurück fuhr. Wie man sieht, sind scheinbar nicht nur die Privaten , nicht auf Schnee vorbereitet, sondern auch massiv die Öffentlichen. 😩

    1. Da war ich auch fassungslos: Die Busse stehen in den Depots und die Bahn riet am Wochenende, Bahnreisen möglichst zu verschieben. Der WDR berichtete über Berufstätige, die spätnachmittags frierend und schimpfend auf einen Bus warteten, der nicht kam. Wegen 2 cm Schnee.
      Gütiger Himmel, früher hat es doch auch mal geschneit!

  7. Lieber KK, es sind nicht nur die Sommerreifen, die bei Schnee den Grip verlieren, sondern auch Ganzjahresreifen.
    Eine böse Erfindung, die so manchen in falscher Sicherheit wiegt.
    Verzweifeln lassen mich auch die Schleicher und jene die sich von letzteren zu unangemessenen Überholmanövern verleiten lassen.
    LG

  8. Was mich wundert: Mit dem frühen Wintereinbruch ist auch jegliche Diskussion über die weltweite Klimaerwärmung verschwunden.

  9. Moin moin,

    das ist nicht nur in NRW so… hier in SH ist es nicht anders. Auch ich bemerke immer mehr Experten mit Sommerreifen, die sich und andere durch ihre Rücksichtslosigkeit gefährden. Es sollte hier deutlich höhere Bußgelder und Strafen geben – siehe die Schweiz – die Deutschen sind nur noch über Geld zu disziplinieren.

    @Peregrinator: mit den Ganzjahresreifen hast Du vollkommen Recht. Ich habe vor 2 Jahren ein gebrauchtes Auto mit 1 Jahr alten Ganzjahresreifen gekauft und bin bei starkem Regen sofort gerutscht. Daraufhin gab es zum Winter ordentliche Winterreifen. Und zum Sommer neue Sommerreifen, bei unserem Regen hier oben einfach notwendig. Die Ganzjahresreifen sind totaler Schrott – für mich nie wieder.

    Liebe Grüße
    Birgit

  10. Da muß ich doch Mal meine Ganzjahresreifen loben. Mit dem BFG AT/KO2 fuhr ich schon mehrfach durchs französische Jura im Schneegestöber, der Streudienst weit hinter mir. Seit 18 Jahren bin ich damit zufrieden, obwohl ich ein schweres Fahrzeug habe. Sicher spielen Reifen eine Rolle, aber der Fahrer ist immer noch der Hauptfaktor.

    Hauptproblem von Reifen ist die Alterung, auch bei sachgerechter Lagerung. Bis 5 Jahre nach Fertigung dürfen Reifen als Neureifen verkauft werden. Allerdings haben sie dabei einen Teil ihrer Elastizität schon verloren. Besonders auf Winterreifen mit ihrer weichen Gummimischung wirkt sich das sehr nachteilig aus. Wenn ich den Verschleiß meiner Reifen betrachte, die ich nach mehr als 100 000 km meist wegen Alter, also nach 10 Jahren, wegwerfe, dann möchte ich lieber nicht wissen, wie alt die montierten Reifen vieler Fahrer sind. Meine Wegwerfreifen haben meist noch mindestens 5 mm Profil.

    Schneekettenmitführung ist Kult. Wenn sie Mal zum Einsatz kommen fände ich einen Erfahrungsbericht zum Handling interessant.

    Bremsen wie auf Schmierseife hatte ich Mal mit Michelin XS bei Feuchtigkeit. Bekanntes Phänomen für diesen Sandreifen. Der X4x4 aus dem selben Haus bremst mustergültig, auch im Schnee. Immer eine Frage welches Profil auf welchem Fahrzeug mit welchem Fahrer.

    Wenn ich so nachdenke fahre ich seit fast 30 Jahren Ganzjahresreifen. Ohne Probleme. Und wohne dort, wo es keinen Räumdienst gibt ☺

  11. Ich glaube, dass sich viele technikgläubige Autofahrer blind auf das verlassen, was moderne Autos heute alles „verhüten“ können. Leider schalten deshalb auch immer mehr ihren Hausverstand aus, und vergessen, dass auch beim tollsten oder teuersten Wagen irgendwann physikalische Grundgesetze greifen.

    Im Zusammenhang mit dem Reifenthema ist die für mich grenzgeniale Pirelli-Werbung (vor vielen Jahren) „Power is nothing without Control“ mit Carl Lewis in Highheels unverändert aussagekräftig.

    Den Hype um die Ganzjahresreifen habe ich nie verstanden, die sind einfach nur ganzjährig schlecht :-) und haben noch dazu meist eine deutlich geringere Laufleistung. Vielleicht für einen PKW-Anhänger ok, der nur fallweise genutzt wird, aber sonst …?

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