LIFESTYLE: WARUM MÄNNER IMMER NOCH AUF DEN ORGASMUS IN DER NASE WARTEN

Männer und Parfüms, eine Geschichte voller Missverständnisse. Nicht genug, dass viele Männer einfach kein Maß finden, wenn es um das Drücken des Zerstäuberknopfes ihres bevorzugten Duftes geht, nein, neuerdings mögen einige Exemplare auch noch extrem süße Düfte. Und ich bin mir sicher, sie bedienen sich da an den edlen Flaschen ihrer Freundinnen und Frauen. Dieser „Trend“ geht mir eindeutig zu weit…

Poison – DIOR

Männer warten immer noch auf den „Orgasmus in der Nase“

Seitdem irgendeine Männerzeitschrift einmal auf Seite 1 propagierte, dass der richtige Herrenduft Frauen geradezu magnetisch anzieht, sind die duftenden Sprühkonzentrate gesellschaftlich auch bei den skeptischsten Geschlechtsgenossen hoch angesehen.

Sätze wie „Ein gutes Parfum ist fast wie ein Orgasmus für die Nase“ ist da nur Wasser auf die Mühlen derer, die doch tatsächlich glauben, dass man sich und seinen Sexappeal mit einer gelungenen Duftkomposition schlagartig aufwerten kann. Nach dem Motto: „Egal, die Hakennase mit der behaarten Warze sieht keine mehr, wenn ich mir ordentlich Cool Water auf den Hals sprühe.“

Komischerweise läuft Tinder wie geschmiert, während ich noch nie von spontanen Eheschließungen in der Douglas Parfümabteilung gehört habe. Mythen, alles Mythen!

Und so kommt es, dass man wohl schon seit einigen Jahrzehnten früh morgens in Bürogebäuden auf keinen Fall einen Fahrstuhl betreten sollte, will man nicht durch „Irish Moos“ und seinen After-Shave-Kumpels einem Ohnmachtsanfall nahe sein.

Bei der heutigen Überregulierung wäre es besonders bei Herrenparfüms wirklich von Vorteil einen Dosierungshinweis auf der Verpackung anzubringen. Etwa: „Einmal sprühen reicht bis zum Abend.“ Oder vielleicht: „Dreimal sprühen, und sie haben viel Platz im Zugabteil.“  Bei den meisten Männern gilt aber scheinbar „Je mehr, desto besser!“

Parfümdiebe im Haus

Was allerdings kein Mythos ist, ist die Tatsache, dass mir in letzter Zeit sehr viele männliche Kunden begegnen, die ganz eindeutig nach einem Damenparfüm duften. Extrem süß, blumig und orientalisch mit einem guten Schuss Zuckerwatte scheint dabei besonders beliebt zu sein.

Mich persönlich stört das sehr. Es stört zuerst meine unbewusste Erwartungshaltung. Beim Sport schwitzt man durchaus schon mal, und man kommt sich auch etwas näher. Wenn ich aber nun mit einem Mann arbeite, der eine extreme Maiglöckchenaura verströmt, bin ich unterbewusst verwirrt. Und das dringt auch recht schnell bis zu meinem aktiven Bewusstsein vor, denn ich ertappe mich dabei, wie ich die Nase kraus ziehe und mich innerlich schüttle.

Das geht manchmal so weit, dass ich mich eine zeitlang entfernen muss, weil mir richtiggehend übel wird. Ich weiß, das klingt jetzt arg empfindlich, aber ja, das bin ich in dieser Hinsicht wohl. Selbst eine Erhöhung meines Stundensatzes würde mich nicht gnädiger stimmen können, zu tief sitzt diese Abneigung gegen literweise Damenparfüm an Männerhälsen.

Und Warum? Nur für den Kick – für den Augenblick?

Ich frage mich wirklich ernsthaft, was diese Herren damit bezwecken? Ist es egal, Hauptsache man müffelt nicht den Schweiß des seit ein paar Tagen ungewaschenen Hemdes? Oder sind die Männer so betört vom Duft ihrer besseren Hälfte, dass sie den Duft immer und ständig mit sich herumtragen möchten? Träum weiter!

Es sind meist Männer über 50, die ein Faible für die süßen Nasenkiller entwickeln. Und bei denen habe ich die Befürchtung, dass da einfach das Riechorgan nicht mehr die Meldung „Du stinkst wie ein südrussischer Puff“ ans Gehirn weiter gibt.

Ich lasse mich aber gerne eines Besseren belehren. Habt Ihr da auch ähnliche Erfahrungen gemacht? Habt ihr womöglich solch ein „Exemplar“ zu Hause? Unbedingt interviewen und hier mit uns teilen! 😉

 

 

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(Fotos: Freestockpixx, Dior   Keinerlei Sponsoring)

18 Kommentare

  1. Moin! Also die Herren, die ich kenne und > 50 sind, gehören eher zum alten Schlag und tragen – wenn überhaupt – eher was würzig herbes. Ich komme ja vom Dorf, da sind Jovan und Tabac noch hoch im Kurs. 😀 Bei meinen Kollegen hab ich aber auch noch nie was Süßes erschnuppert. Aber ich halte mal die… äh… Nase offen. 🙂

  2. Mir geht es genauso, was Herrendüfte bei Damen betrifft, bzw. ging mir so. Ist aber vermutlich einfach eine Frage der Gewöhnung. Während sich Frauen ja oft bewusst in männliche Richtung bewegen, ist das Image umgekehrt oft nicht so doll und ich überlege schon lange, was das bedeutet. Sind wir wirklich zu sehr in Geschlechtsstereotypen gefangen?

    Und doch, Duft kann bei Männern extrem verführerisch wirken. Ich hatte mal einen, den ich zwar ohnehin toll fand, aber erst mit einem speziellen Duft fand ich ihn richtig heiß. Also zwar nicht Hakennase, aber schon der Unterschied, ob da was läuft oder nicht. Ich wundere mich heute noch darüber, aber der probierte damals nur in meinem Beisein einen Duft aus – und wurde für mich in dem Moment unwiderstehlich. Da gibt es keinen Zweifel. 😀

  3. Das kenne ich leider auch, es ist nicht nur ein deutsches Problem. Ich lebe zur Zeit in Israel und ich habe regelmäßig Angst umzukippen.

    Ob im Treppenhaus, in der Arbeit, beim Einkaufen..
    Fast Überall. Die Assoziation mit dem Puff kam mir auch schon, obwohl ich noch nie in einem war. 🙂

  4. Mein all time Lieblingsduft ist von Hermès das Terre D’Hermes.
    Nicht aufdringlich, irgendwie anders und passt zu jeder Gelegenheit und zu jeder Tageszeit….

    1. Bin ebenfalls im Terre D’Hermes-Fanclub. Bekommt mein Gefährte immer wieder gern von mir geschenkt – völlig uneigennützig 🙂 … abwechselnd auch mal Dior Dune.

      Bei den süßen Herrendüften ist mir der damalige „Startschuss“ in diese Ära – das im wahrsten Sinn atemberaubende „Obsession“, nach dem damals (gefühlt) – fast jeder Yuppie roch – und auch noch in ordentlicher Dosis – in schrecklicher Erinnerung. Ich bekomme heute fast noch Kopfweh, wenn ich nur dran denke (sowohl an den Duft als auch manche Träger 🙂 )!..

      Trotzdem finde ich auch, dass auch orientalische, teils sogar süßliche, Düfte zu manchen Männern wirklich gut passen. Und gut riechen, vorausgesetzt, es wurde nicht gleich in ihnen gebadet.

  5. Das sehe ich so nicht. Nur weil es vor 50 Jahren so war, dass ein Mann „männlich“, also herb, duften muss, hat das für mich heute keine Gültigkeit mehr. Was ist überhaupt männlich und weiblich bei Düften? Frauen duften oft herb, Männer dürfen ruhig auch nach Blumen duften.

    Ich war einmal bei einer Vernissage, da trug ein recht großer und sogar fülliger Mann, maßgeschneiderter Anzug, einen Rosenduft. Das erstaunte erst, aber dann – es passte so wunderbar zu ihm.

    Und warum nicht? Ich kann mir vorstellen, dass Männer dies durchaus anders sehen. Und jeder sollte sicher den Duft tragen, der ihm gefällt. Und zwar so, dass andere nicht in Ohnmacht kippen. Das passt weder zu Herren- noch Damendüften.

  6. Bei mir ist es durchaus auch so, dass der Duft den ausschlaggebenden kleinen Unterschied machen kann. Der richtige Duft am richtigen Mann kann schon unwidertehlich machen, allerdings habe ich auch einen sehr ausgeprägten Geruchssinn. Zu süsse Düfte am Mann gefallen mir selbst auch nicht, aber das ist halt Geschmackssache. Generell liebe ich Patchouli-Noten sowohl am Manne als auch an der Dame.

  7. Ich habe einen Verwandten schon im Rentenalter. Wenn man sich mal wieder sieht, umarmt man sich zur Begrüßung. Sein Duft, ich weiß nicht was es ist, haftet dann stundenlang an meiner Kleidung. Es ist so schlimm, das mir die Nase kribbelt. Mit ist es egal welche Duftrichtung die Leute benutzen. Jeder kann so riechen wie er will. Nur nicht so stark, als ob sie sich die ganze Flasche überkippen.

  8. Lustig, ich finde, gerade in Deutschland wird Parfüm „gefühlt“ (bzw. gerochen) nur von einer Minderheit verwendet, und tendenziell auch eher sparsam. Ich kenne das aus anderen Ländern viel extremer und wundere mich immer wieder, warum die Mehrheit der Deutschen so wenig Wert auf ein gepflegtes Äußeres legt. Ich freue mich daher über jede (auch „unansehliche“) Person, die zumindest durch Kleidung und Geruch zeigt, dass ihr ihre Umwelt nicht egal ist.
    An Männern über 50 habe ich noch nie einen bemerkenswerten Geruch wahrgenommen; mein Bekanntenkreis in dem Alter ist allerdings sehr beschränkt. Das von dir beschriebene Phänomen ist mir völlig unbekannt. Ich stelle mir das auch gewöhnungsbedürftig vor.
    Bei deiner Reaktion gehe ich aber eher davon aus, dass es an den Düften an sich liegt und nicht daran, wer sie trägt. Oder meinst du, es wäre angenehm, mit einer nach „russichem Puff“ riechenden Frau zu arbeiten?

    Zu dem von dir als Mythos bezeichneten Bericht habe ich noch eine kleine Anekdote:
    In der 5. Klasse, also im Alter von 10 oder 11 Jahren, bekamen wir einen Lehrer, der sich ordentlich kleidete, rasierte und immer extrem gut und intensiv roch. Er war ab der ersten Stunde der Lieblingslehrer sämtlicher Mädchen in der Klasse, und sein Geruch mehrmals die Woche Gesprächsthema in den Pausen.

    1. In Japan sind die Menschen generell sehr gepflegt, aber benutzen niemals aufdringliches Parfum. Man riecht mal ein bisschen das Shampoo oder Bodyspray von Frauen, und manche Männer riechen auch nach diesem leicht seifigen, leicht blumig-angenehmen Unisex-Duft (den ich immer noch zu identifizieren versuchen!), aber wenn mal jemand aufdringlich riecht, ist es immer ein Nicht-Japaner.

      In Deutschland und in der Schweiz sind mir da wesentlich öfter Leute begegnet, die mich mit ihrer Duftwolke erschlagen haben. Manche haben sogar im Zug (wo die Fenster nicht zu öffnen sind) nachgesprüht, direkt neben mir!

  9. Hallo,

    könntest du uns deine Duftlieblinge vorstellen? Ich suche nämlich für meinen Mann ein neues Teil.

    Danke und duftende-Seifen-Grüße sende ich dir

    1. Da hatte ich in den letzten Wochen doch gleich zwei Neuzugänge, die ich richtig toll fand. Du findest sie auch hier im Blog.
      „Black Pepper“ von Comme des Garcons und „Molecule 01“ von Escentric Molecules. Total anders, aber nicht aufdringlich oder schwülstig. Immer noch frisch, aber ohne die typische Klosteinzitronennote. Und was immer geht ist bei mir „Fahrenheit“ von Dior, in der Cologne Variante. Die ist frischer und weicher, nicht so auffällig stechend.
      Liebe Grüße, KK

  10. Ich habe einen Lachanfall bekommen wegen Deiner Schilderungen. Maiglöckchenaura. 😀
    Ich könnte mir auch vorstellen, dass sie sich mit Frauendeos einsprayen. Ich habe schon beobachten können, dass sich einige Männer nicht nur unter die Achseln sprayen, sondern den kompletten Oberkörper mit einem Deo vollsprayen.

  11. Adjektive wie „süß“, „scharf“ oder „herb“ sind eigentlich viel zu grobe Charakterisierungen. Auch „frisch“ ist total dehnbar. Duft ist doch etwas, dass im Kopf entsteht. Jedes Gehirn interpretiert doch die angebotenen Moleküle anders und schafft individuelle Assoziationen. Jeder schafft so in sich eine eigene Duft – Realität, und bestimmte Substanzen als männlich oder weiblich einzuordnen ist doch reine Prägung.

  12. Ein bisschen schade finde ich diese Geschlechtsstereotypen schon 😉 Soll ja jede*r tragen können, was er/sie mag.

    Ich finde es auch schrecklich, wenn sich jemand unsäglich mit Duft einnebelt, der womöglich noch extrem süß ist oder nach Alte-Oma-Rose stinkt. Aber das Geschlecht ist mir dabei egal, der Duft ist dann so oder so stinkig. Genauso nervig sind die Herren, die sich in Rasierwasser baden.

    Auch bin ich eine Frau und trage sehr gerne Unisex oder gar Herrendüfte 😀

    Prinzipiell mag ich aber gute Düfte an Männern und Frauen sehr. Schade nur, dass viele oft schreckliche Billigparfüms benutzen – das ist mit 15 okay, aber es stinkt so furchtbar!

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