DAS KONSUMKAISER TRENDBAROMETER * 07.07.2017

Das Trendbarometer startet jetzt frisch in die warme Jahreszeit. Es geht immer noch um Dinge, die mich in der vergangenen Woche bewegt, belustigt oder erschüttert haben. Aber nichts folgt einem festen Schema, es kommt wie es kommt. Hauptsache ein bunter Mix, unterhaltsam, manchmal auch nachdenklich, immer ein bisschen böse…

 

„Du bist Blogger? Ähh ja…“

Ich verschweige mittlerweile fast lieber, dass ich Blogger bin, als dass ich darüber erzähle und aufkläre. Wie ich gestern ja schon berichtete, ist die erste Frage stets: „Wieviel Geld kann man denn mit sowas verdienen?“ Wenn ich dann mit „Nichts“ antworte, sind die Leute meist erstaunt bis entsetzt. „Das ist aber ein teures Hobby!“ bekomme ich zu hören, was dann aber eigentlich meint: „So ein nutzloser Scheiß“

Wäre man Politblogger, oder meinetwegen noch Papi in Elternzeit, der launige Hosenscheisserberichte verfasst, ja, dann wäre man akzeptiert. Dann ist es auch mit dem Geld nicht so interessant, man schwebt ja in den geweihten Sphären der Intellektuellen, und die sind ja bekanntlich immun gegen monetäre Versuchungen, oder so.

„Bloggerei“ scheint aber einzig nur noch als Instrument der Werbeindustrie wahrgenommen zu werden. Gestern stolperte ich noch über die zwei erfolgreichsten Artikel auf WordPress. Worum es ging? „Warum JEDER Blogger ein Media-Kit braucht“ (Ein „Media Kit“ führt die werberelevanten Zahlen eines Blogs für Firmen vor) und „Wie ich meinen Online-Ruf verbessere um attraktiver für Kooperationspartner zu werden“. (Sorry für die etwas sperrigen Titel, ich habe sie aus dem Englischen übersetzt)

Bitte? Warum zur Hölle setzt alle Welt voraus, dass ich mit meinem Blog ein Geschäftsmodell verfolge? Was ist eigentlich aus dem guten, alten Onlinetagebuch geworden, in dem man seine Gedanken mit Gleichgesinnten teilt, die eben auch auf Musik, Filme, Klamotten oder eben Beautykram abfahren?

Woher kommt diese Gier nach Kommerzialisierung, obwohl der Kuchen doch offensichtlich schon zu 99% aufgegessen scheint? Als Lifestyleblogger kommt man kaum noch weit, die Platzhirsche haben die Szene fest in der Hand, oder polarisieren so stark, dass die Bezeichnung „Blogger“ in manchen Bevölkerungsschichten Ekelpickel hervorruft.

Man hört mittlerweile von irgendwie verzweifelten Bloggern, die Firmen ganze Werbepakete verkaufen möchten, quasi das maßgerecht geschnürte Paket der Supervermarktung, immer schön im authentischen halb-Amateurlook. Ständig die Angst im Nacken einen Kunden mit einer Rezension zu verärgern, oder gar zu vergraulen. Immer die Zahlen im Auge haben. Oh Gott, gestern hatte ich nur 5000 Aufrufe, hoffentlich sinke ich jetzt nicht im Influencer-Ranking?

Ich bin SO froh, dass ich diesen Druck nicht verspüren muss, denn ich brauche nicht auf Zahlen, Ruf und Werbewirksamkeit schielen. Ich kann (fast) alles schreiben, und ich muss mich auch nicht ärgern, dass im Internet böse über mich gelästert wird. Na und? Ich habe (in diesem Umfeld) nichts anderes erwartet. Also alles schön stresslos. Und wenn ich über Produkte berichte, die mich begeistern, dann mache ich auch automatisch Werbung dafür, klar! Aber zu MEINEN Konditionen.

 

 

Spinnt Dior? (Stellvertretend für die ganze Branche)

Hier kommen ganz frisch die neuesten Bilder der Herrenkollektion Frühjahr/Sommer 2018 von Dior.

Die Klamotten waren bislang immer so ein Zwischending aus cool, sexy und mutig-seltsam. In diesem Jahr wird es aber unheimlich bis verstörend! Ja, in diesem Jahr lehne ich mich so weit aus dem Fenster und unterstelle dem Haus Dior und seinem Designer Kris Van Assche eine fast schon pädophile Ader. Sorry, aber der Anblick der Kinder-Malemodels hatte mich dann doch arg erschreckt.

Von den Frauen kennen wir das ja schon: Minderjährige Models führen Klamotten vor, die später von deutlich älteren Personen getragen werden. Bei den Mädels fällt das weniger auf, denn in der Entwicklung sind Teeny-Mädchen den Jungs meist deutlich voraus.

Hier und heute sehe ich aber Bilder von Klamotten mit kleinen Jungs. Hineingezwängt in bekloppte Klamotten, die nur deshalb so bescheuert aussehen, damit degenerierte Fashion-RedakteurInnen wenigstens eine kleine Gefühlsregung zeigen und Dior im Zusammenhang mit „fashion-forward“ erwähnen. Van Assche sagt selbst, er stelle sich hierbei Schulkinder im Urlaub vor, die an ihren Uniformen herumbasteln und die Kleidung ihres Vaters stehlen.

Ich lehne mich nochmals aus dem Fenster: Diese Tatsache (egal ob bei male oder female Models) finde ich abstossend.

 

 

G20

Dieser Gipfel ist der Gipfel. Ich bin entsetzt über dieses nutzlose Schaulaufen internationaler Hassfiguren, das diesmal scheinbar nur noch eine PR Veranstaltung der Angela M. sein wird. Die machtbewusste Bundeskanzlerin im Kreis der Mächtigen – das ist doch nicht neu, kennen wir schon. Dafür geht man das Risiko ein, einen schlimmen Gewaltgipfel inmitten einer deutschen Großstadt zu veranstalten?

Ich bin aber aus einem anderen Grund sauer. Ich hätte mir durchaus auch vorstellen können, dort gegen Staatsmänner wie Trump, Erdogan und Co. zu demonstrieren. Eigentlich sollte man zu jeder Gelegenheit seine Ablehnung dieser Autokraten, und das wofür sie stehen, zum Ausdruck bringen. G20 bietet ein großes Forum dazu, berichtet wird weltweit. Aber wer traut sich da noch hin? Mit schlimmer Gewalt wird geradezu minütlich gerechnet. Es brennt bereits, und ehrlich gesagt kann man sich seines Lebens dort nicht sicher sein. Danke liebe Chaoten!

Widerstand, der ausufert und in Exzess umschlägt ist nicht mehr produktiv, war es noch nie!

 

 

Heatwave

Ganz schön heiß momentan, was?

Da ich mit dem angesagtesten Sommerhit 2017 („Despacito“) mal so gar nichts anfangen kann, habe ich mich nach einem anderen coolen Sommerhit umgeschaut. Und dann findet man manchmal Sachen, die zwar etwas älter sind (2013), aber immer noch richtig gut und COOL. Eine gute Gelegenheit die wundervolle Annie Lennox mal wieder zu erwähnen:

Den Freemasons Remix von „Here comes the rain again“  (inkl. der kühl-nassen Videozusammenstellung) kann ich nur empfehlen, wenn die Hitzewelle so richtig zuschlägt!

 

 

Schönes Wochenende!

 

 

.

 

 

 

(Fotos: Konsumkaiser, Fashionpress/Dior Homme   Keinerlei Sponsoring)

18 Kommentare

  1. Guten Morgen, here comes the rain again…ja passt grade super, in Massen mit Blitz und Donner 😉
    Ich sage auch lieber oft nicht dass ich blogge, sowas von unnütz ist das. Meine Kollegin sagte mal, „die müssen ja Zeit haben“ als ich mal einen Blog gelesen habe….
    Schönes Wochenende, liebe Grüße Tina

  2. Warum sehen diese Jungs wie depressive Existenzen aus? Nix gegen die jungen Männer, das ist einfach dieses neue „Männerbild“ das damit von der Mode lanciert wird. Unterernährter Nerd ist jetzt wohl begehrenswert. Mir tut das weh diese Darbietung zu sehen. Jungs, die Vattis Klamotten stehlen? Eher vom Vatter dominiert und einsames Internatsleben fern von der Familie führend. So jetzt aber genug gelestert.

  3. Genau deshalb lese ich bei dir so gern, weil ich weiß, dass deine Meinungsäußerung frei und nicht durchs Geldverdienen motiviert ist.
    Ich freue mich, dass du dich nicht beirren lässt und mache mir jetzt ganz laut die Eurythmics an.
    LG von Susanne

  4. Lieber KK,
    wer kauft diese Mode, das frage ich mich, es ist mir unverständlich und mutet mehr als seltsam an! Ich lese sehr gerne bei Dir, da Du Deine eigene Meinung kundtust und dies ohne jeden Erfolgszwang. Manchmal stellt sich mir die Frage, leider immer öfter, wie viele Personen haben sich wirklich ein eigene Meinung gebildet? Der Großteil folgt dem Mainstream oder ist auch nur in dem Glauben eine eigene Meinung zu haben, diese Menschen öden mich an.
    Bitte weiter so,
    liebe Grüße aus Salzburg
    Gabriele

  5. Was für ein tolles Video, diese Naturaufnahmen mit der Musik, ich bin total fasziniert. Bisher bin ich nicht so ein YouTube – Durchsucher, da entgeht mir bestimmt einiges. Danke für die Inspiration.

  6. Lieber Kaiser,
    ich sitze gerade in HH und schaue auf vorbeiziehende Demos vom Schreibtisch aus. Ich stimme dir voll und ganz zu, dass der schwarze Block ein Haufen Dumpfbacken sind, denen es nur um den Kitzel des Kampfes geht. Sie gehören für mich in einer Schublade mit Hooligans und Nazi-Schläger. Aber ich lasse mich nicht von denen einschüchtern! Ich gehe demonstrieren weil es mir ein ganz grosses Bedürfnis ist, meine Stimme gegen die Autokraten und Autokrätchen zu erheben. Ausserdem: wenn wir der gewaltbereiten Masse die Strasse überlassen, dann erlauben wir ihnen auch zu definieren, was Protest ist und wir helfen, ein negatives mediales Bild von Protest zu etablieren. Ich gehe morgen auf einer der vielen peacigen Demos.
    Danke für die erfrischende Mischung, die dein Blog bietet: ich lese es immer wieder mit Freude!
    Liebe Grüße aus der G20-Zone, Fiona

    1. Coole Einstellung, Fiona. Danke fürs Präsenz-Zeigen. Als mehrjähriger Bewohner des Karoviertels sind für mich die Berichte Heimatfilme. Und die Wahl des Tagungsortes unzumutbar in einem derart dicht besiedelten Raum.

      Im Gegensatz zu Fußball-Hooligans sind die Polit-Hools für Besucher der „Spiele“ eher ungefährlich. Mir ist noch nie jemand vom Schwarzen Block dumm gekommen während einer Demo.

      Gestern gab ich mir üppig den Livestream auf spon. Was ich dort sah: die Gewalt ging nicht vom Volk aus. Dudde mixte seinen bewährten Hamburg-Eskalations-Cocktail (kurz Loslaufen lassen und dann sofort Blockieren), Rechnung ging auf. Das Vorgehen der Polizei war IMHO nicht verhältnismäßig, ich würde mir eine souveränere und weisere Polizeiführung wünschen.

      Was ich aber auch sah: Straßenparty, unglaublich viele witzige, creative Aktionen, Super Stimmung. Und das war die Mehrheit. Die Berichterstattung in den Nachrichtensendungen entsprach nicht dem, was ich im Stream sah. Wäre ich in HH wäre ich auch auf der Straße. Und würde eine Gruppe super gestylter Bikinibeauties für den Einsatz an vorderster Wasserwerferfront dirigieren 😉

      Viele Grüße
      Argana

      1. Hi Argana,
        als ebenfalls mehrjährige Bewohnerin des Karoviertels weiss ich genau, was du meinst 🙂 Stimme auch mit deiner Einschätzung der Ereignisse und der Reaktion der Polizei gestern zu….. Und natürlich ist mein schwarzer Block/Hool/Nazi-Vergleich sehr flapsig – aber die Bilder von emsigen Schwarzgekleideten, die in Altona geschäftsmässig Autos abfackeln, machen mich sauer: es is so selbstgerecht.
        Wenn du mir etwas Zeit (…ein paar Monate…) gibst, mache ich mit bei den supergestlyten Wasserwerfer-dirigierenden Bikinibeauties mit :-))
        Lieben Gruß aus der alten Heimat

        Fiona

  7. Ich finde das ganze Gewirbel um G20 auch erschreckend 😦 Freunde von mir dort wollten demonstrieren und kamen wohl in einen mit Ärger behafteteten Bereich. Zum Glück geht es ihnen gut.
    Das ganze Bloggergedöns mit Mediakits, Geld verdienen etc geht mir auch auf die Nerven. Das einzige, was ich annehme, sind PR-Samples. Mich nervt es auch, wenn mir ein Hersteller ständig Emails schreibt, was ich für bezahlte Beiträge nehme und ob ich denen mein Mediakit senden kann. Nicht jeder, der Geld mit dem Blog verdient ist doof, klar. Aber oft wird das dann leider zum inhaltsleeren Einheitsbrei.
    Normalerweise klicke ich deine Musikvideos nicht an, da wir einen entgegengesetzten Musikgeschmack haben, aber Daumen hoch für Eurythmics!

    LG Valandriel

  8. Bayern liegt wohl hinter dem Auenland. Solche Ausschreitungen kenne ich von hier nicht und Demos eskalieren hier in München auch nicht. Was ist denn da los?

    Im übrigen finde ich es sinnvoll, die eigenen Blogbeiträge onsite suchmaschinentauglich zu gestalten. Völlig unabhängig vom Text und nur deshalb, dass Beiträge gut gefunden werden können nicht um potentielle Kooperationspartner anzulocken. Schönes WE
    Sunny

  9. Hallo,
    Die Bilder aus Hamburg erschrecken mich ebenso wie die depressiv dreinschauenden „Models“ in den seltsamen Klamotten. Ach nein, über letzere kann ich immerhin den Kopf schütteln, während ich die Ausschreitungen in HH für intolerabel halte. Das hat nichts mehr mit Protest zu tun, sondern ist nur kriminell, fremde Autos und Geschäfte etc. zu demolieren. Der Vergleich mit Hooligans und Nazis hat sich auch mir hier aufgedrängt! Außerdem diskreditieren diese Idi….n alle, die mit friedlichem Protest wirklich etwas erreichen wollen.
    Was Blogger angeht, bin ich sowieso nicht an allem und jedem interessiert, schon gar nicht an den sogenannten „Influencern“. Ich lasse mich schon in Maßen beeinflussen, aber nur von denen, die ich mag und für glaubwürdig halte, und das sind sehr wenige. Du gehörst dazu. Bei allem schalte ich aber mein eigenes Gehirn nicht aus. Ich glaube deshalb auch nicht, dass Followerzahlen etc. etwas über die Qualität aussagen und auf Dauer den Firmen viel nutzen werden, zumindest wenn die Klientel dem Teeniealter entwachsen ist.
    Danke für die Erinnerung an Annies super Songs und Danke an @Gast für das lustige Video. Mein Lacher am Sonnabend morgen 😄
    Viele Grüße, April

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