MUSIK: SINGENDE ZOMBIES * DIE DEUTSCHE MAINSTREAM-MUSIKLANDSCHAFT WIRD BEIM ECHO 2017 GEEHRT

Letztens wurde wieder einmal der „Echo“ verliehen, der (angeblich) wichtigste deutsche Musikpreis. Musik gehört ja schon seit je her zu meinem Leben, aber wenn man heute einen Rundumblick wagt, so sieht man fast nur noch singende Zombies und die immer wieder selben Nasen. Da wartet man fast schon darauf, dass die rostigen Rockröhren mit dem Rollator auf die Bühne gekarrt werden. Fresh ist in dieser Szene nix mehr…

 

In kaum einer Szene haben es sich die etablierten Platzhirsche so gemütlich gemacht wie in der Musikszene. Das Fernsehen, und auch viele Radiosender, geben ihr Bestes um das so beizubehalten. Frische, junge Newcomer? Phh! Weichen Sie bitte auf´s Internet oder Spartensender aus. Hier gibts nur die Fraktion der Generation Kukident meets Midlife-Crisis.

Beim Musikpreis „Echo“, dem Wiener Opernball der Musikindustrie (auf „VOX“, hehe): Da gab es wieder einen mega Eiertanz um die „Gewinner“, die das was sie veröffentlichen für gute Musik (oder gar Kunst) halten. Entschieden von der deutschen Phonoakademie, die man problemlos als die FIFA (oder das IOC) der Musikwelt bezeichnen könnte.

Selbstgefällig standen sie da, sonnten sich im Applaus und man fragte sich, wie solche Textzeilen der Showacts zu ertragen waren: „Vergesst Terror, Angst und Krieg. Wir feiern heute die Musik!“  Peng! Reim dich oder ich fress´ dich! Und nicht vergessen: Noch ein bisschen Über-Gutmenschelei hineinzupacken, DAS hat gesessen.

Da schleppen M.M.Westernhagen und U. Lindenberg die Awards im Großfamilienpack von der Bühne, und man fragt sich, warum die Rollator-Rocker die Trophäen nicht vorne ins Rollator-Körbchen packen? Altersgenossen, wie zB Metallica, Andrea Berg und die Stones wurden ebenfalls fürs „Album des Jahres“ geehrt.

Westernhagen bedankt sich singend für die Ehrung seines Lebenswerkes: Pathos und Thrombose gehen Hand in Hand. Hach, wenn so eine Lebenswerk-Ehrung doch auch mit ewiger Bühnenabstinenz verbunden wär! Aber ich befürchte, der olle Zausel wird auch in 20 Jahren noch „SÄÄÄXY!“ röcheln.

Was die Phonoakademie unter „Fresh“ versteht, lernen wir dann etwas später. Die Kirmes-Rapper „Beginner“ (die gibt´s auch schon mehr als 20 Jahre) erhielten auch zwei Echos. Da murmelte dann die graue Zuschauerschar zum Nachbarn: „Ahh, das ist doch dieses Rap! Gott, sind wir cool und weltoffen.“ Nächstes Jahr gibts für die „Beginner“ dann den Echo für den besten Telekom-Werbejingle.

Für einen (bis heute dauernden) Skandal sorgte Campino, als er in einer Laudatio gehörig Jan Böhmermann disste („Lieber uncool sein, als ein cooles Arschloch, das sich nicht konstruktiv einbringen kann“). Tja, als mürrischer Mittfünziger hat er Talent! Dazu Kameraschwenk auf die Plattenbosse: Alte, gesetzte Herren, die sich eigentlich noch schnell die Baseballkappe schräg aufsetzen wollten, das aber neben so einigen anderen Dingen wieder vergessen hatten. Deren Idol ist wahrscheinlich DJ Bandscheibenvorfall.

Zweiter Skandal: „bofrost Mitarbeiterin des Jahres“ Helene Fischer erhielt zum ersten Mal seit (gefühlten 150 Jahren) KEINEN Preis! Stell dir vor, es ist Echo und Helene bleibt zu Hause! Herrlich!  Aber: Ihr neues Album „Eiskönigin“ wird in Internetforen schon heiß gehandelt für´s nächste Jahr.

Absoluter Abstieg: Daggi Pee und Shirin Wattweißich, ihres Zeichens YouTube-Influencer, gehörten zu den Stargästen. Ich kotz´im Strahl!

Lichtblicke: Beth Ditto und Rag´n´Bone Man (den man allerdings auch schon kaum noch hören kann, so inflationär wurde der zuerst aussergewöhnliche Song gedudelt).

Machen wir uns nix vor: Die Musikindustrie und das Fernsehen gehören zusammen….auf den Friedhof! Es wird Zeit den Zombies eine silberne Kugel zu verpassen. Und die wundern sich über den Erfolg von Film- und Musikstreamdiensten? Wir machen uns unser Programm selbst!

 

 

 

 

(Foto: VOX   Keinerlei Sponsoring)

 

10 Kommentare

  1. Wo du Recht hast hast du Recht!
    An mir geht diese „Musikwelt“ total vorbei, meine Ohren machen da dicht.
    Diesen Einheitsbrei brauche ich nicht.

    Wünsche dir einen schönen Sonntag!!

    Liebe Grüße
    Silvia

  2. Wo war denn Silbermond? Der WDR kann keine Stunde ohne die,und da ich nicht dauernd zur Fernbedienung hechten will, vor allem, wenn sie nicht schlafen kann, ohne etwas zu nehmen, bin ich jetzt bei SWR. Die wissen wenigstens, dass es auch Musik aus Frankreich, Spanien, Italien usw. gibt, z.B. Maitre Gims. Geniesse den Tag, er wird wunderbar, ich fahre jetzt zum Spargelbauer nach Bornheim, tagesfrisch gestochen und mit Butterflöckchen in Pergamentpapier im Backofen gegart, besser geht es nicht.
    Alles Liebe, Karin.

  3. Naja, zum Echo kann ich nix sagen, den hab ich nicht gesehen. Aber Es gibt noch Radiosender, die ich gern und oft höre: 1live und n-joy. Ich hör’s ja nicht den ganzen Tag, sondern morgens und abends, und ohne würde mir was fehlen. Ich bin da sicher etwas mainstreamig unterwegs, aber die beiden Sender sind wenigstens nicht sooo soft und weichgespült 🙂
    Und insbesondere n-joy bringt auch viel Neues, und zwar aller Couleur…..nicht immer meins, aber ein paar Perlen sind immer dabei 🙂
    Nur die Moderatoren bei 1live werden immer jünger und haben inzwischen ein Alter erreicht, das mir klarmacht, dass ich nicht mehr Zielgruppe bin 🙂 was vermisse ich Dietz und Terhoeven am Samstag morgen 🙂

    1. Ich habe auch schon gemerkt, dass ich mit 31 nicht mehr zur Zielgruppe von 1live gehöre. Und du hast vollkommen recht, Dietz und Terhoeven fehlen mir total! Die beiden waren eigentlich der einzige Grund, überhaupt noch 1live zu hören.
      Muss aber dazu sagen, dass ich mit Mainstream-Musik nicht viel anfangen kann, und mich dort das ständige wiederholen der gefühlt gleichen fünf Songs richtig nervt, wenn das Radio auf der Arbeit 9 Stunden läuft, kann das schon anstrengend werden 😀
      Mittlerweile höre ich am liebsten Radio1 vom RBB und Studio Brüssel, beide sind sehr abwechslungsreich in ihrer Musikauswahl 🙂

  4. Noch vergessen: Ich liebe Musikstreamingdienste. Hat der erstmal gelernt in welche Richtung es gehen soll, bekommt man die tollsten Vorschläge. Ich entdecke täglich neue Acts, die mich fesseln.

  5. Lieber KK,

    ich hoffe, du begegnest niemals einem Zombie…dann wirst du nämlich gefressen.

    Man, und auch frau, sollte doch mittlerweile wissen, dass man Zombies durch Hirnzerstörung tötet, ( Okay, dafür muss dann natürlich auch eins zu finden sein 😉 ) dabei ist das Material völlig egal, und man nur Vampire, durch eine silberne Kugel töten kann!

    Das scheint aber nicht bekannt zu sein, anders kann ich mir den massenhaften Zombieauflauf bei der Echo Verleihung nicht erklären. 😉

    Ich höre bestimmt schon mehr als 5-6 Jahre kein Radio mehr, nicht im Haus und schon gar nicht im Auto…das ewige Geseier macht mich bekloppt und die Musik die ich hören wollen soll…örgs.

    Schlimm dabei ist aber, dass ich die Preisträger trotz dem kenne!
    Und einige eigentlich schon mein ganzes Leben lang.
    Und nein, ich bin keine 20 ( mehr…)

    Ansonsten kann ich glücklich sagen: Die Influenza ist bisher an mir vorübergezogen…und daran wird sich auch nichts ändern!

    Hab noch schöne freie Tage…

    Grüße aus der Nachbarschaft,

    Manou

  6. Wie wichtig Deutschlands wichtigster Musikpreis ist, sieht man doch schon daran, dass dieses Relikt aus alten Zeiten, das nie glamourös oder bedeutend war, jetzt auf Vox seine letzte Ruhestätte gefunden hat. Am Veranstaltungsort, der kleinen Zuschauerzahl im Saal und bei der Ausstrahlung der Aufzeichnung(!) am nächsten Tag, merkt man es dann noch viel deutlicher. Dabei hat die deutsche Musikwelt einiges zu bieten und vieles davon wird sogar im Radio gespielt, da kann ich mit meinem Mainstream-Geschmack also nicht meckern, aber das Selbst-Feiern, das beherrscht man hier einfach nicht. Und so kommen dann solch skurrile Preisverleihungen zustande, über die wir Normalos nur bedauernd den Kopf schütteln können.

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