HERR KK ERKLÄRT DIE WELT: WARUM DER ESC IM JAHRE 2016 SEINE UNBEKÜMMERTHEIT VERLOREN HAT…

Der ESC, Inbegriff der seichten Trash-Unterhaltung, hat sich gewandelt. Man findet kaum noch Trash-Elemente, da können die schwingenden Regenbogenfahnen noch so jubilieren. Und nun sind seit geraumer Zeit auch noch politische Statements dazugekommen. So sehr ich ja dafür bin, das Maul auch mal aufzureissen, aber hört hier vielleicht nun der Spaß (wortwörtlich) auf…?

KK ESC 2016

 

Es hat schon Spaß gemacht, aber…

Also, ich hatte durchaus Spaß, zumindest die ersten 12 Stunden, mit Gesang und Tanz, manchmal aus der Hölle, manchmal vom Himmel geschickt. Was? Das waren nur 2 1/2 Stunden? Huch, na gut, etwas langatmig war es hier und da schon. Ich finde den europäischen Gemeinschafts-Gedanken hier aber einfach schön. Nur ich wäre für eine Sprachquote: Jedes Land MUSS in seiner Landessprache singen – zumindest mehr als 50% des 3 Minuten Vortrags. Und bitte NICHT in Esperanto! 😉

Was nicht erlaubt ist beim ESC ist mannigfaltig: Nicht mehr als 6 Leute gleichzeitig auf der Bühne, oder keine Kinder, Tiere und totale Nacktheit. Oder eben auch keine politischen Aussagen. Nun kann man fein anmerken, dass ja bereits die Aussage „Alle Länder, kommt zusammen und macht Frieden – wenigstens in unserem kleinen scheiß Europa!“ schon politischer Natur ist. Man merkt also gleich, eine enge Gratwanderung.

Politik muss draussen bleiben, zumindest offiziell…

Schon bei Conchita Wurst ging es um Genderpolitik, also alle sind gleich und Geschlechter sind nur ein „Trugbild“ in unseren Köpfen. OK, damit konnte sie bei der Hauptzielgruppe auch noch ordentlich punkten, und insgesamt hört sich das ja auch ganz romantisch an. Wenn da ja nur nicht die Religionen oder Staaten mit despotischen Machthabern wären, die uns allen nur zu gerne ihr Weltbild aufdrücken wollen. Also: Höchst politische Geschichte.

Und in diesem Jahr wird uns nun eine ESC Siegerin präsentiert, die (ich lehne mich jetzt mal ganz weit aus dem Fenster) nicht ihrer melodiösen Stimme wegen gewonnen hat, sondern wegen ihrer (leicht umschriebenen) Kritik an Russland, und damit letztendlich auch an Putin. Die russische Delegation wittert bereits Wahlbetrug! Na, damit kennen DIE Experten sich ja sicher aus.

Ein schaler Beigeschmack…

Nach den Gesangsvorträgen blieb ein schaler Geschmack bei mir zurück, sollte man sich nun freuen und feiern, oder doch lieber etwas betreten aus der Wäsche gucken, weil die Krim es ja nun wirklich nicht leicht mit Russland hat. Und wenn man gerade noch Sätze gehört hat wie: „Sie kommen nachts in dein Haus, bringen dich um…“

Da kamen die „Interval-Acts“, also das Showprogramm während der Voting-Pause, irgendwie bei mir nur verhalten an. Dabei war es großartig! Die Nummer der beiden ESC Moderatoren Petra Mede und Måns „Sell me Love“ war geeignet um in die ewige ESC Geschichte einzugehen: Die Zutaten für den perfekten ESC Song wurden vorgeträllert – mit Gewinngarantie (Deutschland aufgepasst!). Trommler! Ein Mann im Hamsterrad, aussergewöhnliche Instrumente, intensive Blicke in die Kamera (Russland, das war wohl nix!), Halbtonschritte für die Dramatik, brennende Klaviere (dito) und natürlich die Worte „Love“ und „Peace“ – also Liebe und Frieden.

Und dann putzte Justin Timberquäk alle mit seinem mega Mojo Auftritt weg, zack. DAS war perfekt, vielleicht ein bisschen zu perfekt, wie Russlands Aufführung, doch deutlich weniger anstrengend anzuschauen, und eben veeery „grooovy“. Der Ex von Britney hat´s noch drauf, alter Schwede…äh….

Abstimmung und Gewinnerin…

Und dann kam dieses neue Abstimmungsverfahren, und ich bin immer noch unschlüssig, ob ich es nun gut oder schlecht finden soll. OK, blond wie ich bin, habe ich es auch gar nicht soo richtig verstanden. Aber man will sich jetzt auch nicht vor jedem ESC ne 44-seitige Grafik anschauen, um die Wahlmodalitäten zu durchschauen. Der deutsche Kommentator Peter Urban konnte in diesem Moment auch nicht so recht weiterhelfen, denn seine Tonleitung nach Deutschland hatte zuvor schon (Omen?) null Punkte bekommen, war also hinüber. Knack-Knack, und man fühlte sich wie in den 70ern, Herr Urban meldete sich per Telefon…goldig. (Auch sein kleiner Ausraster in Richtung Regie: „Seid ihr denn bekloppt?“)

Hinterher wunderte man sich dann über eine neue „Ära“: Es gibt nicht mehr die Nachbarschaftspunke, die wurden abgelöst von den politisch motivierten Punkten. Egal ob aus freien Stücken, oder eben auch zielgerichtet vergeben. Die Jury zur „professionellen“ Punktevergabe der einzelnen Länder wird ja in vielen Ländern vom Staat bestimmt! Ein Schelm, der…..

Und somit ist mir nun auch ein bisschen die Lust am Ätzen vergangen, obwohl es da genug Stoff gegeben hätte. Es hat mich gestern nicht glücklich gemacht, es war ein bisschen wie ein Abschied. Der ESC hat seine Unbekümmertheit verloren. Was passiert nun in der höchst instabilen Ukraine? Können die den ESC im nächsten Jahr austragen? Ist das ethisch?

Der letzte Satz der Siegerin „Jamala“ hat mir dann doch noch den Abend irgendwie gerettet, dafür hätte ich sie in diesem Moment gerne einmal kurz in den Arm genommen. Zu ihrem Sieg befragt, antwortete sie noch ausser Atem: „Ihr habt zwar gerade sehr witzig über Love and Peace in eurem ironischen Beitrag gesungen, aber mal echt: Alles was ich mir wirklich wünsche ist Love and Peace für uns ALLE!“

So einfach kann´s sein…

 

 

 

(Fotos: KK, ARD   Keinerlei Sponsoring)

 

4 Kommentare

  1. Lieber Herr Kollege 😊

    Du hast es wieder auf den Punkt gebracht! 👍

    Ich partizipieren in jedem Satz!

    Das neue Voting bringt Spannung bis zum Schluss, aber das Televoting ist mir auch erst nicht ganz schlüssig gewesen & ich möchte einfach von jedem Land eine Ansage habe, wie das jeweilige Volk gewertet hat.
    Wer sagt mir, dass hier evtl. nicht manipuliert worden ist?!?

    Russland regt sich jetzt voll über die gesamten Jury Entscheidungen auf, weil sonst hätten sie gewonnen… man munkelt also bereits über Manipulationen.

    Lovely Australia – mein absoluter Favorit 🔝 – hätte ich like Jury sooo gerne als Gewinner gesehen 😄
    Aber nein… Europa nun mit Klagegesängen 😐
    Ist mir auch eindeutig zu viel Politik!
    Ich vermisse die Leichtigkeit & den Trash!
    Und seltsamerweise ist die Ukraine in Semi-Finale auch gar nicht sooo aufgefallen?!?
    Vielleicht war es gerade der emotionale Moment im Finale, der es irgendwie zum Selbstläufer entwickeln ließ?!?

    Gut… auch wir profitierten mit Nicole durch die Falkland Krise… aber dieses Lied ist mir zu heavy… zuviel Ostgoten Drama, SRY!!!
    Ein Lied das ich weder kaufen noch im Radio hören möchte!

    Und das dieser Pole… zwar gutaussehender Mensch, but not in a good way 😁 vom vorletzten Platz der Jury durchs Televoting (Platz 3) nach vorne Schoß ist mir auch vollkommen schleierhaft… war mein HASS Lied 😂

    Jepp… es sind andere Zeiten angebrochen… Wir müssen uns neu sortieren – wir werden adaptieren, aber ich wünsche mir in der Tat auch ein wenig Trash, denn selbst Schöneberg sagte in After Show Party:
    Dieses Jahr gibt’s gar nichts zu lästern 😕😂😕
    SCHADE 😁

    GRUSS
    der hydro

  2. Lieber Kaiser,
    Danke für die kurze Zusammenfassung, ich bin nämlich vor dem Fernseher eingeschlafen, scheine aber nicht viel verpasst zu haben.
    Aber nächstes Jahr gibt es ja wieder einen ESC.

    Wünsche einen schönen sonnigen Montag.
    Sandra

  3. Ich habe es eigentlich nur wegen Justin geschaut, der für mich das absolute Hightlight war, das ansonsten völlig fehlte. Aber musikalisch hatte diese Veranstaltung des Grauens eigentlich noch nie was zu bieten, das ich wirklich mochte. Jedenfalls bis die beiden Moderatoren loslegten. Dieser Text, diese Show. Meine Güte war das gelungen. 😀

    1. Das war konkurrenzlos geil, echt! Das sollte IMMER in Schweden stattfinden, Hehe. Und den Timberquäk Song habe ich schon ne ganze Zeit, war mir nur noch gar nicht soo aufgefallen. Sommerhit-Material!
      LG, KK

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