HERR KK ERKLÄRT DIE WELT: WARUM PHANTOM-DATES ECHT KACKE SIND…

Na, die guten Neujahrsvorsätze noch vor Augen? Schon welche umgesetzt oder das große Trara einfach abgeblasen? Ich habe ja noch einen Punkt auf meiner 2016 Liste, der mich einfach bei mir, aber auch bei anderen Menschen, sehr stört – und den ich abstellen will: Leere Versprechungen machen. Da trifft man einen ehemaligen Schulfreund zufällig wieder, und zum Abschied säuselt man freudig: „Ich rufe dich die Tage mal an, dann machen wir am Wochenende was zusammen, ok?“ Klar, dass man dann am kommenden Wochenende alles macht, ausser den ehemaligen Spezi zu treffen. Aber warum ist man immer so schnell dabei mit diesen „Phantomverabredungen“?

Ich glaube, das haben wir alle schon einmal erlebt. Beliebt ist die Situation im Urlaub: Man lernt wirklich nette Leute kennen, verbringt mit ihnen die Freizeit und hat ne Menge Spaß. Kommt dann der Tag der Abreise, werden fleißig Telefonnummern, Mail- und Wohnadressen getauscht, und man versichert sich quasi ewige Freundschaft.

Wenn tatsächlich nach ein paar Monaten ein Anruf kommt, oha, dann siehts düster aus. Urplötzlich hat eine schlimme Form der Beulenpest von der gesamten Nachbarschaft Besitz ergriffen, oder aber die Erbtante vierten Grades (väterlicherseits) ist justament ums Leben gekommen. Wahlweise kann man auch den Anrufbeantworter laufen lassen und sich eine dusselige Ausrede sparen, irgendwann merkt es die dümmste Nuss, dass sie abserviert wurde. Man kann dann nur noch dafür sorgen zum nächsten Urlaub nicht unbedingt wieder Mallorca, Hotel Imperial, zu buchen, sondern ausnahmsweise mal glitzerndes Grönland oder die (vampiristisch angehauchte) Ungarische Puszta.

Aber was soll man von diesen „Phantomverabredungen“ halten? Warum verabredet man sich zu einem Treffen, das nie stattfinden wird?

Denn auch wenn es noch so lustig klingt, eigentlich ist es nämlich ein bisschen traurig und tut womöglich auch ein wenig weh. „Eigentlich“ ist hier das wichtige Wort! Denn eigentlich freut man sich ja auch ein bisschen auf das Treffen. Eigentlich meinte man das ja meist auch,so wie man es gesagt hat, zu diesem Zeitpunkt der „großen Gefühle“ – Abreisetage in Urlaubsgebieten sind schlimmer als Armageddon und Titanic als Double-Feature im Kino sehen zu müssen.

Wenn man sich sympathisch ist, warum will man sich dann nicht treffen? Stress? Zu schüchtern? Als es mir letztens auch passiert ist, also ich wurde abserviert, habe ich erst an mir gezweifelt, dann war ich sauer bis wütend und danach fand ich es einfach nur unfair und doof. Aber diese gewisse Form der Unehrlichkeit ist auch ein Zeichen unserer Zeit, und ich kann mich da nicht rausnehmen, denn auch ich habe schon Phantomverabredungen getroffen (und diese natürlich nicht eingehalten). Ich will mich bessern,  diesen Phantomverabredungen entsagen, auch wenn ich die kleinen, weißen sozialen Lügen sicherlich nicht so ganz sein lassen kann (zB. bei Essenseinladungen – „OOh, Schalentiere, leeecker! Gibst du mir mal bitte meinen Epi-Pen aus meiner Tasche?“, oder die beste Freundin kommt vom Friseur – mit einer Rita Süssmuth-Gedächtnisfrisur.)

Aber man sollte es auch einfach etwas üben: Einen kleinen, nicht verletzenden, aber entschieden wirkenden Satz sollte man immer parat haben. „Nee, ach, das sieht in diesem Jahr gaaanz schlecht aus. Und eh ich dir falsche Versprechungen mache, bleiben wir einfach im lockeren Mailkontakt, ok?“ Ich finde, das geht immer, tut niemandem weh und bringt keine Nachteile, für beide Parteien.

Man muss sich darüber im Klaren sein, dass man nicht „Everybody´s Darling“ sein kann. Man kann es nicht jedem Menschen recht machen, und die Sehnsucht nach einer Welt ohne Ablehnung ist ein romantisches Konstrukt. 

 

 

 

(Foto: Konsumkaiser   Keinerlei Sponsoring)

 

12 Kommentare

  1. Als sehr direkter Mensch, habe ich keine Schwierigkeiten „Nein“ zu sagen. Somit weiß das Gegenüber woran es ist und ist im nachhinein nicht enttäuscht von fadenscheinigen Ausreden meinerseits 🙂

    Lieben Gruß aus Wien
    Regina

  2. Total interessantes Thema. Ich kenne diese Verabredungen auch, die man nie ernst meint. Eigentlich schade, sowas zu machen.
    Und mal davon abgesehen, wer serviert denn einen Herrn Kaiser ab? Unglaublich….
    😉

  3. Lieber Herr Kaiser….

    mach dir darüber keine Gedanken, dieses Verhalten ist genetisch veranlagt, liegt ursächlich also an der Evolution und hat „uns“ das Überleben gesichert…

    Man muss sich überlegen, in grauer Vorzeit war es eben NICHT normal, sich nicht umzubringen, noch bevor man nach Freund oder Feind fragen konnte…

    Wie sich ein Treffen zwischen fremden Stämmen abgespielt haben mag, entzieht sich meiner Kenntnis, aber es war vielleicht doch die Möglichkeit gegeben, dass man sich mal wieder begegnet und dann war es schon wichtig, sich freundlich von einander zu verabschieden, mit Gaben und schönen Gesten,sofern man das Treffen überlebt hat, damit das nächste Aufeinandertreffen wieder friedlich ablaufen kann….

    Selbstverständlich hat man damals keine Handy-Nummern ausgetauscht, sondern Frauen und Haustiere, oder auch schon tote Tiere, aber „getauscht“ hat man damals auch schon…

    Nun, diese „Tauscherei“ hatte ja nicht unbedingt mit gegenseitiger Zuneigung, sondern mit „Friedenmachen“ zu tun, sodass man damals eventuell auch eher froh darüber war, denjenigen nie wieder zu sehen….aber keine Angst um sein Leben haben musste, passierte es doch …

    Also….da sind wir (fast) alle Opfer unserer Gene, die ja überleben wollen um jeden Preis.

    🙂

    Einen schönen Tag und liebe Grüße..

    ( …auch wenn ich nicht um mein Leben fürchte wenn ich wieder auf deinen Blog schaue *g* )

    Manou

      1. …das gibt es schon im Kleinen, nennt sich „ichdarfschwiegermutternichtessenneindarfichnicht“ sonst gibts Ärger mit der Sippe….

  4. Ja, das kenne ich auch. Ich versuche das auch, dringend zu vermeiden. Klappt auch oft, bei einigen hartnäckigen Fällen aber nicht.
    Aber spätestens wenn man das alle Jahre wieder macht, weiß ja auch jeder, daß man sich eh nicht trifft. Mit einem Exfreund mache ich das sicher schon 15 Jahre oder länger. Ist eher ein Running Gag. Sauer war ich in 2015, daß er erstmals anrief und sagte, das klappt ja nie, jetzt machen wir mal einen Termin. Ich dachte eigentlich, das sei eine gemeinsame stillschweigende Übereinkunft. Törö, geirrt. Zustande kam es dann doch nicht, weil ich gestürzt bin, Rippen angebrochen hatte und absagen musste. Danach kam nix mehr, so ist das, wenn echte Absagen dann für vorgeschobene gehalten werden 😀 Auch egal…

  5. Hi Jörg,

    ach ich glaube schon, dass dies „lass uns unbedingt mal treffen“ (o.ä.) in dem Moment wo es ausgesprochen wird, auch ernst gemeint wird. Aber das eine ist halt der Urlaub, das andere das „wahre Leben“. Ich denke, wenn die Menschen wieder in ihrem normalen Trott sind, dann ist der Urlaub gedanklich so weit weg, dass es die Urlaubsbekanntschaften mit einschließt. Ich denke wie gesagt nicht, dass das unbedingt böse gemeint ist. Mir selbst ist das natürlich auch schon passiert und oft ist es so, dass es zu keinem Treffen kommt, es sei denn die andere Seite kümmert sich um einen Termin. Bei mir, das gebe ich zu, handelt es sich um reine Bequemlichkeit.

    Lg, Annemarie

  6. Lieber Kaiser, um da auch noch meinen Senf beizusteuern: Ich finde es eigentlich schade, dass man sich nicht öfter den Ruck gibt und die oft gar nicht so unernst gemeinten Wiedersehenssprüche in die Tat umsetzt. Dass da was Gutes draus werden kann, habe ich bei Freunden mitbekommen, die im Urlaub ein Paar kennenlernten, mit welchem sie nun schon ein zweites Mal in den Urlaub gefahren sind und die sich auch gegenseitig schon besucht haben. Und dass trotz Entfernung von über 500 km. Echt sympathische Leute und man hätte sicher was verpasst, wenn man da nur das Standardgesäusel abgelassen und nie wieder etwas voneinander gehört hätte.

    Bei der älteren Generation scheint das aber auch noch etwas anders zu laufen, meine Eltern bspw. bringen aus gefühlt jedem Urlaub neue Bekannte mit, mit denen dann auch nach längerer Zeit noch Kontakt gehalten wird und sei es die obligatorische Weihnachtskarte…

  7. Interessantes Thema. Wir machen das hier auch ständig unter Kollegen. Ich arbeite in einer sehr großen Institution, und wenn man z.B. ehemalige Mitarbeiter, die jetzt in einer anderen Abteilung sitzen, im Fahrstuhl trifft, hat man diesen fast zwanghafte Reflex zu sagen „lass uns doch mal einen Kaffee zusammen trinken“ oder „lass uns doch mal Mittag essen zusammen“ was man dann auch nie macht, obwohl es hier noch nicht einmal Kilometer zu überwinden gibt wie bei Urlaubsbekanntschaften, sondern man einfach nur den Telefonhörer nehmen müsste und dann seinen Allerwertesten in die hauseigene Cafeteria bequemen. Und wenn man sich das nächste Mal trifft, dann versichert man sich, dass man hach einfach so viel Arbeit gehabt hat, dass man total unabkömmlich war, aber jetzt demnächst, da geht man dann aber wirklcih mal… Ich glaube, das lässt sich gar nicht so leicht abstellen. Es gibt auch Leute, z.B. ein paar wenige Mütter aus der damaligen Klasse meines Sohnes, der mittlerweile aus dem Haus und an der Uni ist, mit denen ich eigentlich wirklich gerne in Kontakt geblieben wäre, und mit denen ich mich wirklich gerne ab und zu mal getroffen hätte. Aber irgendwie kriegt man es dann doch nicht auf die Reihe. Faulheit, Bequemlichkeit und auch ein bisschen Schüchternheit.

    1. „Worte blenden. Verhalten nicht“
      Es gibt leider zu viele feige Schwätzer.
      Wenn es beide Parteien als reine Höflichkeitsfloskel verstehen – OK. Aber wenn es einer ernst meint… Traurig.

        1. Sorry, damit meinte ich natürlich nicht alle, die Phantom-Dates verabreden.
          Es bezog sich nur auf Beispiele, in denen eine Partei die Verabredung ernst nimmt und von der anderen mit Phantom-Zusagen/Ausreden etc. abgespeist wird. Anstelle, dass der Mut aufgebracht wird, ehrlich abzusagen.
          Wenn hingegen beiden klar ist, dass kein wirkliches Interesse besteht, dann ist das natürlich vollkommen OK dieses Spiel zu spielen.

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