HERR KK ERKLÄRT DIE WELT: WARUM EIN HERZLICHES „FUCK-OFF!“ MANCHMAL BESSER IST ALS FRIEDE, FREUDE, EIERKUCHEN…

Keine Panik, hier gibts nur seichte Küchenpsychologie, zu mehr steht mir auch gar nicht der Sinn, und es hat auch rein gar nichts mit irgendwelchen Bestseller-Fernseh-Doktoren zu tun. Aber dennoch, es treibt mich etwas um: Dieses ständige „Feelgood“, die andauernde Suche nach dem Glück, immer gut drauf zu sein und die permanente Erwartungshaltung „man habe das Glücklichsein schließlich verdient“. Pah, ich appelliere an die Vernunft und plädiere für öfter mal ein herzerfrischendes „Fuck off!“ 

Glück ist mir suspekt

Gerade seit ich Blogs lese, komme ich aus dem Staunen nicht mehr heraus! Die Damen und (wenige) Herren sind ständig so guter Laune, dass ich angefangen habe an mir selbst zu zweifeln. Dabei muss man wissen, ich selbst bin ein Sonnenschein-Typ, und eh mir etwas die Laune verhagelt, muss schon viel passieren…na gut, oder Helene Fischer an mir vorbei laufen. Trotzdem kann man ständig zB. so viele schöne Feelgood-Fotos schießen? Oder wurden die alle an einem Tag aufgenommen, damit man was auf Vorrat hat?

Immer lächelnd in die Kamera schauen? Ständig tolle und magische Produkte vorstellen, die allesamt vom Himmel geschickt zu sein scheinen? Von den doofen Produkten reden wir nicht, wir wollen ja nicht die gute Stimmung zerstören. Insgesamt fühle ich mich manchmal in eine amerikanische Familien Soap aus den 50er Jahren versetzt. Da war auch alles NUR toll und schön und gut, und zwischendurch gab es mal ein klärendes Donnerwetter, nur um danach doppelt harmonisch in die Fernsehkamera zu strahlen.

Ärghh….och nö. Muss das sein? Ok, jetzt kommen wieder alle mit „Du musst dir das ja nicht anschauen!“ Aber ich frage mich trotzdem ein bisschen, was das für Zeichen unserer Zeit sind? Ist ständiges Glücklichsein erstrebenswert?

Das war doch nicht immer so?

Warum strebt der Mensch seit (scheinbar) ewigen Zeiten nach dem Glück? Ist es DER Sinn des Lebens? Reproduktion? Langweilig! Glücklichsein macht glücklich. Ein sich selbst erhaltenes Modell, ein Perpetuum mobile?

Nun, hier möchte ich zuerst einmal mit einer Fehlinformation aufräumen. Das Streben nach dem vollkommenen Glück ist nicht immer der Menschen höchstes Ziel gewesen, wie auch? In Zeiten, in denen wir in Höhlen lebend um unser nacktes Überleben kämpfen mussten, war Glück keine echte Option. Da hieß es „nur der Stärkere (oder manchmal auch Klügere) überlebt“. Kein Gedanke an Schmetterlinge im Bauch, sowas konnten sich, wenn überhaupt, nur die Mächtigen leisten. Heute ist das anders: Heute wollen alle glücklich sein, so oft wie möglich und so intensiv wie es nur irgendwie geht. Und reicht das nicht, wird mit chemischem Wunderwerk nachgeholfen.

Für uns moderne Menschen ist der Gedanke an einen gewissen Lebenssinn abhanden gekommen, alles ist purer Selbstzweck. Was früher die Religion übernahm (einen Sinn vorgeben, ist er auch noch so absurd) fehlt heute völlig. Es sei denn, man sieht „Freizeit“ (zB. Shopping) als Lebenssinn. Und das schreibt einer, der sich „Konsumkaiser“ nennt, fein! 😉

Was ist Glück und wie funktioniert es?

Schaut man aber einmal ganz genau hin, so stellt man fest, dass das Streben nach Glück in seiner Essenz nichts anderes ist, als das aktive Vermeiden von Schmerz. Unbehagen bereitet uns Unbehagen, das genaue Gegenteil von Glück. Trotzdem ist es falsch zu denken, man müsse also das Negative, Schlechte, den Schmerz, aus unserem Leben verbannen. Nur das Zusammenspiel von Glück und Unglück lässt uns den Wert des Glücks (was immer es auch sein mag) überhaupt erst erkennen.

Warum sollte ich mir einreden: „Du bist jetzt total positiv gestimmt und strahlst jeden Menschen nur so an, dann wirst du glücklich“, wenn mir gar nicht danach ist. Ein beherztes „Verpiss dich!“ an der Parklücke, die gerade von jemandem weggeschnappt wird, tut der Seele manchmal auch gut.

Oder der „geliebten“ Schwiegermutter einfach mal sagen, dass sie „da wo der Pfeffer wächst“ besser aufgehoben ist, als zwei Wochen zu Besuch bei uns! Und der dusselige Chef, der seinen Frust an den Mitarbeitern auslässt, warum sollte der nicht mal ein aufmunterndes „Mein Beileid für ihr armseliges Leben“ von uns bekommen?

Es besteht ein gesellschaftlicher Druck immer gut drauf sein zu müssen. Medien und Freunde schüren das. Das wiederum erzeugt Spannungen in uns, die dem Glück natürlich auch nur im Weg rumstehen. Also ist Druck ablassen eine geeignete Möglichkeit sich einmal wieder zu erden. Tun wir das nicht, werden wir immer unglücklicher, weil unsere Erwartungshaltung (das unendliche Glück) nicht befriedigt werden kann. Es*geht*einfach*nicht!

Glück besteht in meiner Vorstellung aus Kontrasten, wer sich das zugesteht (und zwischendurch auch mal die negativen Seiten seiner Person, seines Partners, seines gesamten Lebens akzeptiert), wird sicherlich eher und mehr Glück empfinden als andere Menschen.

Stellen wir uns einmal vor, wir könnten immer und jederzeit so viel Sex haben, wie wir wollten (wenn wir es denn wollten): Langeweile pur! Identifiziere deinen „Nullpunkt“, der Punkt in deiner Gefühlswelt, der sich völlig neutral anfühlt (weder Freude noch Leid). Und danach versuche die Ausschläge zu koordinieren, gleichmäßig mal nach oben und eben auch mal nach unten. Depressive Menschen leben ständig unter diesem Nullpunkt, aber auch manchmal ständig weit darüber. Ein gesundes hin und her ist EIN Schlüssel zum Glück…

 

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(Foto: Konsumkaiser    Keinerlei Sponsoring   Beratung: Chr. Lagemann (Suchtforscher), W. Schmid (Philosoph))

9 Kommentare

  1. Lieber KK,
    Danke, wie wahr, werde das nächste mal daran denken „mein Beileid für ihr armeseliges Leben“, allein dieser Gedanke, verbessert meine Laune,
    einen schönen Tag,
    liebe Grüße Gabriele

  2. Frage – Nikolaus Lenau

    O Menschenherz, was ist dein Glück?

    Ein rätselhaft geborner

    Und, kaum gegrüßt, verlorner,

    Unwiederholter Augenblick!

    Lieben Gruß aus Wien
    Regina

  3. 🙋🏼ganz subjektiv…💭, habe gerade endlich mein Bad geputzt, macht mich glücklich😂 und meine superguten Blutwerte, die ich gestern vom Arzt erhalten habe (auch dein Verschulden😄)!,trotz manchmal heftigem Süßigkeitskonsum und 🚬🤔🤗😂

    Nervt sehr und macht mich unglücklich…die ständige Flüchtlingsdiskusion😩😖🙄 und meine unfähige und egoistische Vermieterin😏😂 ganz liebe Grüße…bis morgen.
    Inga
    P.S. Helene Fischer nervt mich noch nicht😉

  4. Meine ganz materielle Einschätzung zu manchen Blogs: Wenn man alles super findet, dann dann finden dich auch die Firmen super.
    Aber wer das dann gerne liest, ist selber schuld. 🙂

  5. Für mich wäre Glück einzig und allein, wenn keiner mehr auf der Welt hungern und keiner mehr sein Leben durch Kriege und Terror verlieren müsste. Aber dieses Glück haben wir bis heute leider nicht und wird es wahrscheinlich nie geben. Alles andere ist für mich Freude, z.B. über gute Gesundheit, eine gut gelungene Arbeit, ein schönes Geschenk, schönes Wetter, eine schöne Reise ….. u.ä. Da man ständig vom Wohlwollen anderer abhängig ist habe ich es mir schon lange abgewöhnt immer gut drauf sein zu müssen, aber da habe ich schon oft Nachteile in Kauf nehmen müssen, das ist dann das Gegenstück zur Freude – nämlich Ärger. 😉 Viele Grüße Kristina

  6. Ich habe vor ein paar Jahren mal gelesen, ärgern ist Entscheidungssache. Und da ist was dran. Ich denke mit dem Glück ist es ähnlich – es gibt genug tolles auf der Welt was man im täglichen nicht mehr wahrnimmt. Also wenn man sich bewusst entscheidet, glücklich zu sein, dann ist es auch so. Klar passiert auch mal etwas weniger schönes – aber die Frage ist wie man damit umgeht. Entweder man kann etwas ändern – oder man hakt es ab.

    Die vielen (kommerzialisierten) Blogs mit der Immer-Happy-Attitüde sehe ich eher wie Fernsehwerbung – die zeigt auch immer nur zum kotzen fröhliche Menschen, die über was auch immer total glücklich sind. Und Sei es die richtige Monatshygiene oder eine Tasse schlechter Kaffee. Und was diese Blogs machen ist halt nur Werbung, ob so deklariert oder nicht. Aber das ist ja ein anderes Thema.

  7. Immerhin hast Du mich und vermutlich zahllose weitere Leser mit dem Post jetzt zum Lachen gebracht. Ich bin also glücklich 😉 Wenn das mal kein Verdienst ist.
    Danke
    Fran

  8. Alter Schwede, äh, sorry, Konsumkaiser 😉 du hast keine Idee, was mir dieser Beitrag gerade bedeutet. Ich bin sau gerne mal „grumpy“, ja sogar ein kleiner Motzkopf. Damit habe ich mich bisher immer wohl gefühlt. Allerdings sieht das mein Umfeld irgendwie anders. Ich habe gefälligst Glücklich zu sein……“Grumpy“ ist für mich aber quasi das Gegengewicht zum Glücklich sein. Ich brauche diese Balance damit ich mein Glück richtig zu würdigen weis. In der Zeit als ich versucht habe meine „grumpy“ Seite zu verstecken und zu unterdrücken bin ich an meinen eigenen verschobenen Maßstäben erkrankt. Unter High End Glück war ich nämlich gar nicht mehr zufrieden. Ich musste also immer mehr von mir unterdrücken. Blöde Spirale!
    In letzter Zeit war ich ziemlich unglücklich. Es war ein ziemlich bescheidenes letztes Jahr. In dieser Zeit merkt man aber wie sehr man eigentlich „echt“ sein kann ohne dafür verurteilt zu werden. Das ist es, was mich am meisten bewegt hat. Mir sind „Freundschaften“ weg gebrochen mit der Aussage: Du bist einfach nicht mehr der lustige Typ, den ich immer so gerne hatte. Du hast ja keine Zeit mehr für uns und wenn doch bist du nicht gut drauf…..Aha! Mein Fazit! Es wird immer schwerer sich Menschen mit all seinen Facetten zumuten zu können. Schade eigentlich, denn Berg gehört zu Tal und es ist wichtig das wir uns und auch den anderen alle Emotionen gönnen können. Auch die nicht so glücklichen und perfekten.

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