GESUNDHEIT: 120 IST DAS NEUE 140 * DOWN & UP & DOWN AGAIN * NEUES VOM BLUTDRUCK

Huiii, da gehen sie hin, die ach so bequemen Jahre. Und dann geht man mal zum Arzt und lässt sich ahnungslos durchchecken, und dieser schlägt die Hände überm Kopf zusammen und man kriegt beinahe einen Herzinfarkt, schon alleine aus der Situation heraus. „Dieser Blutdruck MUSS gesenkt werden, Frau/Herr XYZ!“ Und dieses Szenario kann jetzt noch schneller eintreten als früher, denn die Leitlinien zur Behandlung von Bluthochdruckerkrankungen sollen geändert werden. Und das könnte uns alle interessieren…

Ich persönlich bin noch nicht wirklich betroffen, und wiederum doch! Denn ich entstamme einer Familie mit vielen Herzinfarkten, und diese Prädisposition macht mich zu einem Risikopatienten. Auch wenn auf dem Papier alles blendend aussieht (Sport und einigermaßen gute Ernährung tun also doch was! Und auch wenn es so aussieht, Wodka und Currywurst sind bei mir nur Randerscheinungen), so ist die genetische Veranlagung mächtig und nicht zu unterschätzen. Deshalb jährliche Check-ups, mit Blutdruck, EKG, Blutfetten und einem Blick auf die Herzkranzgefäße!

Von Jahr zu Jahr steigt der Erkenntnisgewinn bei so vielen Erkrankungen, die dem Menschen das Leben schwer machen. Dabei helfen ganz einfach die vielen Erfahrungswerte, die man bei der Behandlung im Laufe der Jahre gewinnt, aber auch deutlich intensivere und größer angelegte Studien. Und deshalb sind Kardiologen kein unstetes Völkchen mit wankelmütiger Stimmung, sondern der Erkenntnisgewinn in diesem Gebiet pflanzt sich einfach (zu unserem Vorteil) schnell in den Behandlungskanon fort.

So gibt es anhand einer großen und (wichtig!) unabhängigen US Studie ein Umdenken in der Bluthochdruck-Therapie!

  • Dachte man bisher, der erhöhte und behandlungsbedürftige Bluthochdruck beginne erst bei 140 (Systole), so schraubt man nun bei bestimmten Patientengruppen diesen Wert auf 120 herunter! Dort war man bereits schon einmal vor vielen Jahrzehnten, bis man die Richtlinien „lockerte“. Nun sind wir also wieder bei 120 (Allerdings zielgerichtet bei Risikopatienten).
  • Und das macht Sinn, denn es gibt einen SIGNIFIKANTEN Grund: In der Studie überlebten deutlich mehr Patienten, deren Blutdruck radikal heruntergedrückt wurde. In der Kontrollgruppe (mit konservativ behandelten Bluthochdruckerkrankungen) verstarben 1/4 mehr Patienten, und 1/3 mehr Patienten erlitten Herzinfarkte und Schlaganfälle!
  • Die Studie wurde sogar vorzeitig abgebrochen, weil es unethisch erschien, diesen Patienten nach diesem Erkenntnisgewinn diese Behandlung nicht zukommen zu lassen!
  • Wichtig!  Dieses neue Schema ist nicht für jeden gedacht, sondern nur für Risikopatienten, wie zB. meine Person. Oder eben Personen, die zusätzlich noch erhöhte Blutfettwerte aufweisen, oder andere Begleiteffekte zeigen und über 50 sind.
  • Aber: In der intensiver behandelten Gruppe kam es häufiger zu akutem Nierenversagen, Kreislaufkollaps, einem bedrohlich langsamen Herzschlag und einem gefährlichen Ungleichgewicht im Elektrolythaushalt.

Für diese (Risiko-)Patientengruppe soll nun der Richtwert wieder 120 zu 80 betragen.

Das bedeutet, „es sollen nicht mehr Patienten behandelt werden, sondern einige intensiver“!

Ich persönlich bin immer wieder fasziniert (und nicht genervt) von diesem Fortschritt in unserem Wissen. Leider können wir uns nun mal nicht auf das einst gelernte verlassen, sondern müssen ständig neue Erkenntnisse akzeptieren. So schlau ist die Menschheit nun mal nicht, und es wird auch nicht das letzte Mal gewesen sein, dass sich etwas ändert. Hauptsache Menschenleben können dadurch gerettet und verbessert werden.

„Im Februar etwa verkündeten Therapeuten Revolutionäres in der neuen Leitlinie zur Behandlung von Alkoholsucht: Nachdem Abstinenz lange das einzig akzeptable Ziel war, ist es nun ein mögliches Behandlungsziel, den Konsum zu reduzieren. Auch hier zeigten große Studien, wie sinnvoll es ist, diese Option aufzunehmen. Und nicht auf dem einmal Gelernten zu beharren, als sei es ewig richtig.

Und erst in diesem Monat änderte die US-Krebsgesellschaft ihre Empfehlung, ab wann Frauen mit nicht erhöhtem Brustkrebsrisiko erstmals zur Mammografie gehen sollten: Mit 45 Jahren statt mit 40, wie vorher empfohlen. In Deutschland lädt man übrigens erst Frauen ab 50 Jahren zum Screening. Auch diese Zahl ist garantiert nicht in Stein gemeißelt. Über Für und Wider der Mammografie wird heftig gestritten.“

Hauptsache Leben können dadurch gerettet werden! Also, nicht meckern, und ab zur Vorsorge/Check-up! Und auch das Hautkrebs-Screening (alle zwei Jahre) nicht vergessen!

(Foto: Freestockpix (R.Astleitner)  Dieser Artikel ist von allgemeiner Natur und soll keine Ratschläge medizinischer Art geben. Bei Unsicherheiten und Fragen, bitte unbedingt an den Arzt des Vertrauens wenden!)

9 Kommentare

  1. Ich finde Deine Ausführungen zu Gesundheitsthemen sehr interessant.
    Und es ist richtig, wenn sich jeder Einzelne darüber Gedanken macht und etwas ändert.

    Doch gerade bei den Herz-Kreislaufkrankheiten heißt es doch immer Stressvermeidung. Und dies ist meiner Ansicht nach das Fatale.
    Was bringt einem die beste aktuellste medizinische Einstellung der Medikation, regelmäßiger Sport, bewußte Ernährung, wenn es der Seele nicht gut geht.

    Rücksichtslosigkeit und Konkurrenzdenken in Berufs- und Privatwelt, Selbstoptimierungswahn, zerrüttete Familienverhältnisse, Suchtverhalten etc. bestimmen unser heutiges Leben und lassen uns „unglücklicher“ sein als die Generation zuvor.

    Mich würde interessieren, ob in D die Geburtsjahrgänge 1940-50 tatsächlich länger leben als die ihrer Eltern (falls sie den WK überlebten).
    Ich meine aus meiner persönlichen Erfahrung, daß dies nicht der Fall ist, (Versterben vor dem 80. Lebensjahr) trotz intensiver medizinischer Betreuung.

    1. Liebe Helen!
      Da sprichst du ein weiteres wichtiges Thema an. Das mit dem Streß ist nämlich so eine Sache, die man auch ganz differenziert betrachten muss. Per se kann man nicht sagen Streß sei schlecht. Die Dosis macht auch hier das Gift. Es gibt Hinweise, dass Menschen, die ein „zu streßloses“ Leben führen, ebenfalls eher versterben.
      Früher nannte man es auch den „Eustreß“, also den guten Streß. Ich gebe dir aber recht, dass die Anforderungen der modernen Welt oftmals am Nervenkostüm zerren. Und deshalb ist es umso wichtiger für Gegenfaktoren zu sorgen, um den Streß auch abbauen zu können. Und was hilft da immer wieder? der gute alte Sport, egal in welcher „Darreichungsform“ 🙂
      LG, KK

  2. Guten Morgen,

    da ich Ü 50 bin und der Sport auf der Strecke bleibt, werde ich mich mal um meinen Blutdruck kümmern. Danke für den guten Rat.

    Über ein Für und Wider der Mammographie streite ich nicht mehr mit. Ich empfehle jeder Frau, zum Screening zu gehen, wenn der Brief ins Haus flattert. Hätte ich es 2014 nicht getan, säße ich heute nicht grinsend hier! Mit der Narbe kann ich leben, mit dem Krebs hätte ich es nicht gekonnt.

    LG Bärbel

  3. Grüsse,ich hatte in letzter Zeit auch einige Studien aus Amerika und Scandinavien bzgl. Blutdruckwerte gelesen.In diesen wurde dieser rigorose „Drucksenkungswahn“ als negativ betrachtet.Hauptgrund war ein veringertes Demenzrisiko/Alzheimer u.auch bei Parkinson,wobei man davon ausgeht,dass durch den erhöhten Druck es zu einer besseren Durchblutung der kleinen Gehirngefäße kommt und dadurch zu gesteigerter Nährstoffversorgung,Abtransport von und Anregung des Stoffwechsels/-abbauprodukte.(Auch hinsichtl.dessen,dass „ältere“ Gefäße immer undurchlässiger,starrer werden.)!
    Dazu kommt noch eine protektive Wirkung beim Glaukom,wo nachgew.ist,dass niedrigere Werte dramat. die Durchblutung und damit die Versorgung des Sehkopfnervs beeinträchtigen und dadurch eine Glaukomerkrankung schneller voranschreitet-incl.Verschlechterung Gesichtsfeld.(Hier auch besonders Nachts durch die autom. extra Blutdruckabsenkung.)

    1. Ich glaube, bei all den Erwägungen ist eine besonders starke Zuwendung zum Punkt des“Überlebens“ festzustellen. Die Forscher wollen wohl alles daran setzen, dass die Patienten ihre KHK oder was auch immer nicht mit dem Tod bezahlen. Welcher Preis dafür gezahlt wird, ist auf den ersten Blick blöde, denn wer will schon dafür Alzheimer und Co bekommen? Auf der anderen Seite, so stelle ichs mir zumindest vor, hängen die meisten ja doch doch geradezu panisch an ihrem Leben und würden alles dafür tun, nicht frühzeitig sterben zu müssen. Ich bin mir da wirklich nicht sicher, in welche Richtung ich tendieren soll.
      Liebe Grüße, KK

      1. Stimmt 🙂 bist dann 100 Jahre,aber ab 50 haste dann schon Alzheimer und mit 55 biste Blind.Ich glaube,ein guter Mittelweg sollte da angestrebt werden.Vl.lieber etwas „mehr“ Blutdruck,dafür aber tier.Fett mal weglassen,dazu Raps-u.Olivenöl,weniger negativen Stress und auf eine gute/ausreichende Vitamin-/Mineralversorgung achten!

        1. das predige ich ja auch immer, aber das ist natürlich für die genannte zielgruppe (die bereits erkrankten, oder die bereits einen herzinfarkt/schlaganfall hatten) etwas zu wenig. leider! 🙂

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