KK-INTERN: IST EIN „FLIRT“ MIT BRAUNEM GEDANKENGUT MITTLERWEILE GESELLSCHAFTSFÄHIG, ODER BIN ICH NUR EMPFINDLICH…?

Heute geht es hier um ein Thema, bei dem ich gerne auch einmal eure Meinung abfragen möchte. Sehe ich da was zu eng? Bin ich zu empfindlich? Aber klären wir doch zuerst einmal die Ausgangslage…

Und dazu muss ich jetzt erst einmal etwas Werbung machen: Kennt ihr dieses kommerzielle Kosmetikportal „PINKMELON – DIE TEST COMMUNITY“? Ich schaue da öfter mal rein, weil dort Neuerscheinungen vom Kosmetikmarkt recht früh promotet werden. Ansonsten gehöre ich aber weitestgehend der falschen Zielgruppe an, geht es doch in den Produkttests meist eher jugendlich-naiv zu. Kein Problem, hat ja auch seinen Platz im Kosmetikdschungel.

Ganz anders ist dort aber die Kolumne einer Dame aus meiner Nachbarstadt Mülheim/Ruhr (ich komme ja aus „Essen am See“, die neue Tourismus-Charme-Offensive, denn „Essen-Die Einkaufsstadt“ funktioniert nicht mehr wirklich, hust!). Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu ist promovierte Chemikerin und Expertin auf dem Gebiet der Entwicklung und Produktion von Kosmetika, und dazu eine blitzgescheite Person, wenn man so ihre Texte liest. Unsere Meinungen sind zwar nicht immer unbedingt 100% deckungsgleich, aber ich respektiere ihr Fachwissen sehr. Und da sie auf Pinkmelon auch nicht irgendwelche Produkte anpreist, nehme ich ihr die Unabhängigkeit auch unbedingt ab.

Da gab es von ihr vor ein paar Wochen einen guten Beitrag zum Thema Sonnenschutz, da konnten wir  sogenannten INCI-Blogger erstmal ordentlich die Amateur-Kappe aufsetzen (also ich zumindest, ich bin schließlich nicht vom Fach!!). Toll recherchiert gibt es dort Einblicke in die Wirkungsweise von Lichtschutz, wie wir es bisher auf deutsch noch nicht so oft hatten. Gut, die selbstgemachten Grafiken erinnern mich stark an Lehrer mit Overhead-Projektor und Fasermalstiften, aber es kommt ja auf die „inneren Werte“ an. Und das Gehirn muss man hier schon einschalten und auf „Ich Will Verstehen“ Modus gehen! Aber deshalb empfehle ich euch diesen Artikel auch: Geheimnis Kosmetik – Lichtschutzfilter. Auch wenn man im Internet noch viele dieser Grafiken und Erklärungsansätze findet, meist auch mit Druckschrift und nicht so (leider) schlecht leserlich.

Was mir aber unangenehm auffiel, war die kleine und unscheinbare einleitende Überschrift: „Wollt ihr den totalen Schutz?“

In Zeiten, in denen rechtes Gedankengut wieder zielgerichtet in und an die Massen verteilt wird, fand ich dies erschreckend gedankenlos. Ich persönlich finde es nicht richtig mit solchen Zitaten im Kontext „Beauty“ zu flirten. Das habe ich dann im Kommentarbereich auch zum Ausdruck gebracht (natürlich nicht anonym!).

  • „wollt ihr den totalen schutz“…ist diese anspielung nicht ein wenig over the top? *kopfschüttel*

KK Pinkmelon2

Jetzt konnte ich in einem Interview mit Frau Dr. Lanzendörfer-Yu lesen, dass ihr der Kommentar Kopfzerbrechen bereitet hatte, sie es aber letztendlich doch als „Kompliment“ auffasst, denn am Rest des Textes war für mich ja nichts rumzukritteln. Da habe ich dann eben die Überschrift gewählt…

OK, das kann ich verstehen! Ich neige zum Verkürzen. Die goldene Psychologenregel, eine Kritik in etwas Positivem zu verpacken, kommt mir nur immer so „very Kindergarten“ vor. Aber gut, ich gebe Fehler auch gerne zu.

Trotzdem bin ich ein wenig traurig, dass Frau Dr. L-Y mein Ansinnen doch ein bisschen beleidigt beiseite schiebt. Den schwarzen Peter weiterreichen ist auch keine saubere Konfliktbetrachtung….noch so eine goldene Psychologenweisheit.

Jetzt ist Frau Dr. Lanzendörfer-Yu sicherlich meilenweit vom braunen Mob entfernt, das möchte ich auch unbedingt erwähnen. Aber dennoch finde ich den Umgang mit solchen Dingen immer öfter bedenklich. Zumal das original Zitat zur bekanntesten und demagogisch aufreizendsten Rhetorik des Hitler Regimes gehörte und gehört.

Um es auf die Spitze zu treiben: Ich will nicht eines Tages „Mein Kampf“ in den Spiegel Bestsellerlisten auf Platz 1 wiederfinden, weil alles durch Verharmlosung und Gewöhnung/Abnutzung ja nur noch „halb so schlimm“ geworden ist.

Stellt sich aber trotzdem die Frage: Reagiere ich da eigentlich zu empfindlich….oder könnt ihr nachvollziehen, was ich hier meine? Ich würde mich über ein paar Gedanken von eurer Seite sehr freuen!

Aber jetzt erst mal ab mit euch zu Frau Lanzendörfer-Yu und ihren lesenswerten und nicht pseudo-kompetenten Artikeln (die gerade ja so modern in der Beautyblog Landschaft geworden sind)! Den Link findet ihr oben im Text!

(Fotos: Konsumkaiser Der Bericht / die Verlinkungen sind nicht gesponsert.)

29 Kommentare

  1. Ich hatte es auch gelesen, fand es aber ehrlich gesagt schwer verständlich. Und die Überschrift hat mich auch etwas erstaunt. Aber ich kommentiere dort nicht, weil man sich dazu anmelden muss. Und eine Freundin erzählte mir, dass negative Kommentare auch gar nicht veröffentlicht werden.
    Ich finde es jetzt nicht dramatisch, aber ich hätte die Finger von dem Satz gelassen!! Gedankenlos trifft es schon ganz gut.
    Suse

  2. Ich find richtig darauf hinzuweisen. Heutzutage sind alle viel zu unvorsichtig mit solchen Dingen. Ich hätte es auch angesprochen, und die Dame wird von dir ja auch ganz schön gelobt. Gute Werbung! 😉

  3. Uff, das ist in der Tat dämlich gewesen. Man sagt ja in der Satire ist *alles* erlaubt, aber in einem fachlichen Artikel hat so eine im gnädigsten Betrachtungsfall ungeschickte Wortwahl als Aufmacher einfach nichts verloren. Das darf man von einer promovierten Wissenschaftlerin, die sich ja zudem als politisch engagierte Person präsentiert, absolut erwarten. Eines der ersten Google-Ergebnisse zu ihrem Namen ist ein Bericht ihres Treffens mit dem Bundespräsidenten im Schloss Bellevue im Rahmen der Aktion „Ich will Europa“. In dem Kontext blanker Hohn mit einer fetten Portion „WTF“ obendrauf!

    Sehr schade, dass sie in dem besagten Interview die Chance hat verstreichen lassen, das schnell und simpel aus der Welt zu schaffen. Ein einfaches „Ja, das war gedankenlos, würde ich so nicht wieder schreiben“ hätte alles wunderbar entschärft und dann wäre auch gut gewesen. Aber ihre Reaktion ist einfach nur eitel, unreflektiert und nicht zuletzt recht unsympathisch. Der Seitenhieb in deine Richtung war völlig unnötig und disqualifiziert sie imho „total“.

  4. Habe den Artikel überflogen, er besteht aus aus mehreren Überschriften und einer ist eben das Corpus Delicti. Hm, normalerweise gehe ich bei braunen Formulierungen ab wie ein HB-Männchen, aber es sollte wohl mehr als Provokation dienen. Der Inhalt macht auf mich einen neutral formulierten Eindruck. Bei der Schlagwortfindung eben nicht zu Ende gedacht.
    Das einzig Störende ist für mich ist die Nullreaktion auf deinen Kommentar. Das finde ich enttäuschend.

    1. Ah, habe jetzt auch das Interview gelesen, arme Reaktion. Das hätte sie doch eigentlich nicht nötig, eigentlich.

  5. Ich habe das Gefühl die Dame hat gar nicht verstanden, weshalb ihre Überschrift Kritik ausgelöst hat.
    Pluspunkt für sie: so weit weg ist sie vom brauen Gedankengut !

  6. Ich finde Deinen Kommentar gut. Sicher hättest du auch noch etwas (lobendes) zum Inhalt schreiben können, dann hätte die Autorin die Kritik zur Headline vielleicht leichter annehmen können. Aber ich finde, sie hätte deine Anmerkung auch so ernst nehmen müssen. Dass sie das so abtut finde ich schade und zeigt, dass eine fachliche Kompetenz nicht unbedingt mit emotionaler Stärke einhergehen muss. Denn ansonsten hätte sie sich mit deinem Kommentar auseinandergesetzt.
    Auf solches wahrscheinlich unbedachtes Äußern von Nazi-Jargon hinzuweisen, finde ich vollkommen richtig. Es ist manchmal erschreckend, wie unbedarft manche Menschen damit umgehen, vermutlich auch oft wegen eher rudimentärer geschichtlicher Kenntnisse.
    Manchmal auch mit dem Hinweis, das sei ja alles schon so lange her und man hat damit nichts mehr zu tun. Das sind dann oft die, die sich gerne mit Goethe und Schiller schmücken, obwohl die ja deutlich länger zurückliegen ….
    Persönlich reagiere ich auf solche Dinge auch, ob im privaten oder beruflichen Umfeld. Man sollte solche Äußerungen keinesfalls so stehen lassen, denn ich fürchte ansonsten lässt man zu, dass sich solches Gerede etabliert und als normal angesehen wird.
    Liebe Grüße, Silke

  7. Eigentlich gibt es dem nichts mehr hinzuzufügen. Ihr habt schon alles gesagt, ich wollte nur noch bekunden, dass ich ganz Deiner Meinung bin. Das geht so nicht. Und solche faux-pas sollte man immer ansprechen. Nochmal macht die Frau Dr. das bestimmt nicht, auch wenn sie sich jetzt uneinsichtig zeigte, wird sie in Zukunft dennoch auf ihre Wortwahl aufpassen. Insofern: aufklärerisches Ziel erfüllt.

  8. Die Überschrift ist mindestens mal geschmacklos. MINDESTENS!

    Auch ich liebe Wortspiele, aber das hier schießt wirklich weit übers Ziel hinaus. Ein verantwortungsvolle Redaktion hätte diese Überschrift niemals freigeben dürfen. Dazu ist unsere Geschichte einfach zu belastet.

  9. Ich finde es auch sehr geschmacklos. Noch schlimmer, es spricht für Kerndummheit! Und irgendwie ist es auch auf eine unangenehme Art und Weise autistisch, eine derartige Überschrift zu wählen.

  10. Ich bin da auch ziemlich empfindlich. Nimmt man meine Initialen, kommt KZ raus. Es war tatsächlich einmal schwierig, jemanden im beruflichen Umkreis davon zu überzeugen, dass ich so nicht im internen Postverkehr angeschrieben werden will. Daraus KaZa zu machen kostet meines Erachtens weder Zeit noch Nachdenken. Lasst uns sensibel bleiben!

  11. # rattenschwanz: …stimmt!was ist zb.mit dem werbespruch „wollt ihr den totalen geschmack“?wie schon engl.und intern.wissenschaftler seit jahren sagen,ist dtl.in allem und immer noch zu verkrampft!und niemand auf der welt sonst würde sich an so’nem spruch stören oder überhaupt weiter zu kenntniss nehmen oder aber auch nur durch aufmerksamkeit weiter „unterstützen“ oder dadurch weiter ins geschehen zu rücken!

  12. Ich finde es auch mehr als unpassend.
    Wir hatten mal einen Handy-Vertreter, der sich über das Passwort „Arbeit“ lustig machte – „Arbeit macht frei – hahaha“ … Öhm, nee, danke. Mit so jemand mag ich keine Geschäftsbeziehung haben.

  13. Ich muss leider dazu sagen ( da sich hier doch die meisten deiner Meinung anschließen ), dass ich es überhaupt nicht schlimm finde und eher den Teilen der Gesellschaft angehöre, die nicht so “ empfindlich “ sind .. Im Gegenteil: Diese Website gehört, wie du schon sagtest, eher der Jugendgruppe an. Auch wenn wir den Satz schneller mit der nationalsozialistischen Zeit assoziieren, muss es für diese Jugendgruppe nicht unbedingt der Fall sein! Das Wort “ total “ wird bei der Jugend in vielen Teilen Deutschlands in Sätze eingebaut, auf verschiedenste Art. Wir würden es zumindest so nicht machen, wohl auch , weil bei uns in den Köpfen das Wort und der Satzbau so wie er dort benutzt wurde mit der schlimmen NS Zeit in Verbindung gebracht wird, wohl auch automatisch. Das muss bei der Jugendgruppe nicht der Fall sein! Auch hört man diese Art das “ total “ in Sätze einzubauen immer mehr bei Festivals von DJ’s und bei den Jugendlichen überhaupt: “ totalen Ausraster “ etc .. Ich finde man darf diese Phrase der deutschen Sprache wieder gönnen und genauso wie wir das “ korrekt “ der Jugend überlassen haben dürfen wir es bei anderen Phrasen auch. Ob die Autorin nun überhaupt “ so weit “ gedacht hat wie du mag ich sogar zu bezweifeln und es könnte neben dem was du ihr unterstellst auch alles andere gewesen sein an Intention , evt. auch ein gescheiterter Versuch der Jugendsprache.. Vlt mal eine Nacht drüber schlafen bevor man Sachen kritisiert , denn hier hat sich die Frau sehr viel Mühe bei Ihrem Artikeln gegeben und evt sollte man bei informativen Beiträgen sich auch mal bei solcher Kritik etwas zurück halten!

  14. Hi,

    ich stimme dir zu. Es ist sensibles Thema und hat auch da nichts zu suchen. Es gibt so einige Sätze, die heute gesagt werden und aus der Zeit stammen. In mir grummelt dann immer was. Ich denke aber, dass diejenigen es wirklich nicht wissen.

    LG Sue

  15. Sorry, aber ich finde die Reaktionen extrem übertrieben. Man sollte schon nach 70 Jahren die Geschichte ruhen lassen. Wir sollten endlich aufhören uns schuldig zu fühlen für das, was unsere Urgroßeltern verbockt haben. Irgendwann sollte auch mal Ruhe einkehren. Soll das etwa heißen, daß wir bestimmte Worte/Sätze nicht mehr benutzen dürfen. Ich glaube kaum, daß die Dame das mit Absicht gemacht hat.
    Tut mir leid, das ist sehr weit her geholt. Böses dem, der sich böses dabei denkt.

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