LIFESTYLE: DIE APPLE WATCH * INNOVATION ODER STYLISCHER MÜLLTONNENFÜLLER?

Vor einigen Monaten tönte ich ja noch völlig unvorsichtig (und unvoreingenommen): „DIE will ich haben!“ Es geht um die begehrteste Uhr in den kommenden Monaten, die Apple Watch. Doch dann hatte ich die Möglichkeit mir das Teil einmal bereits vorab anzuschauen, und das hat mich nachdenklich gemacht. Muss man diesen Wecker nun haben, oder ist das ein Schuss in den Ofen…?

KK AW2

 

Ich mag Apple, eigentlich…

Ok, nur dass das klar ist: Ich mag Apple, hier und da. Ich habe ein MacBoook Air, ein iPhone 6 und diverse iPods. Mit diesen Dingen bin ich auch extrem zufrieden und möchte mittlerweile nur sehr unwillig darauf verzichten! Gerade beim iPhone hätte ich (als totales „Spielkind“) das nicht vermutet. Die Möglichkeiten mit Android sind so viel mannigfaltiger. Und doch mag ich die fast totale Zuverlässigkeit von Apple-Produkten und deren kompromisslos gute Verarbeitung. Dafür zahlt man auch mehr, ja, unverhältnismäßig mehr…stimmt auch. Trotzdem!

Aber muss man deswegen auch zu den Lemmingen gehören, die geradezu hypnotisiert jeden Output der Apfelfabrik aufkaufen? Nein!

KK AW3

Das fällt mir an der Apple Watch auf…

Bestes Beispiel: Die Apple Watch. Unbesehen gut ist die einfach unglaublich tolle Verarbeitung. Das hat das Niveau Schweizer Luxusuhren. Die Vielfalt der Designs ist ebenfalls vorbildlich, und ich kann mittlerweile bestätigen, dass diese Uhr auch technisch gesehen  ein typischer Apfel ist. Es funktioniert ALLES extrem flüssig, nichts hakelt.

Aber dann gehts auch schon los! Einige Ladezeiten (z.B. die Mail-App) sind erstaunlich lang, als müsste sich das Ührchen doch ein bisschen arg anstrengen bei der Arbeit. Tippen ist nicht mehr. Es wird per Spracheingabe gefüttert. Und das mag bei den meisten Technik-Redakteuren im Büro toll funktionieren. Aber quatsch Siri mal in belebteren Umgebungen von der Seite an! Eine Fehlermeldung nach der nächsten. Glück, dass die Gute so höflich ist und nicht so aufbrausend wie ich, wenn beim 10. Versuch immer noch „Russlandfahne“ erkannt wird und nicht „Busfahrplan“.

Auch wenn die Uhr von vorne und am Handgelenk erstmal schick aussieht, so täuscht es doch nicht wirklich darüber hinweg, dass wir vor 30 Jahren für einen solch fetten Wecker am Handgelenk auf dem Schulhof verprügelt worden wären. Huh, ist die hintenrum dick! Aber das ist bestimmt eine tolle, leistungsfähige Batterie, die nun mal heute noch viel Platz einnimmt? Weit gefehlt, das Ding hält gerade mal so lange wie das iPhone selbst, etwas mehr als einen Tag. Wenn man noch arg verspielt ist (zu Beginn) auch gerne nur einen halben Tag. Also kürzer als jede neue Äußerung der Griechischen Regierung derzeit. Eine Uhr, die man täglich laden muss? Unglaublicher Quark!

Muss man die Uhr haben…?

Irgendwie beschleicht mich ein ungutes Gefühl: Ist es vorbei, mit Apples Ideenreichtum? Mittlerweile sind die Innovationen ja dünner als die Geräte, und es wirkt geradezu verzweifelt, wie Apple nun diese Uhr mit Glitter, Glitzer und Glimmer anpreist. Der Ramschladen „Pearl“ hätte dieses Ding wahrscheinlich in der „Geht zum halben Preis raus!“- Ecke. Da der Apfelkult aber weiterhin ungebrochen scheint, kann der Preis ruhig weiter hochgedreht werden, und nun bezahlt man für ein (eher unausgereiftes) halbwegs intelligentes Weckerchen mit Quasselfunktion und drehbarer(!) Lünette 400,00 bis 18.000,00 Euronen. Die Geissens werden sie sicherlich demnächst stolz in ihrem TV-Traumland spazieren führen.

Also eigentlich die perfekte Grundlage um zu einem Statussymbol zu werden? Eine Rolex ist auch nicht unbedingt die „pünktlichste“, aber fast jeder kennt sie. Trotzdem ist die Apple Watch die Helene Fischer der Armbanduhren: Irgendwie kalt und seelenlos. Sie ist halt da, sieht gut aus und zeigt/sagt tatsächlich die ein oder andere Information an, das wars dann aber auch. Meine gute alte Armbanduhr hat noch einen weiteren großen Vorteil: Sie hält wohltuend die Fresse und versucht nicht zwanghaft „sexy“ zu sein!

Sollte man mir das Teilchen (also die Uhr!) schenken…ich würde sie sicherlich nicht vom Ladekabel schubsen. Aber KAUFEN? Danke, aber NEIN Danke! 

 

 

(Fotos&Grafik: Konsumkaiser, the telegraph. Kein Sponsoring)

8 Kommentare

  1. genial – also meine apple-sachen, wie für mich gemacht. ich hatte im letzten november einen 3 wöchigen android versuch, das ging gar nicht. seit dem legendären silberrücken mache ich apfeltalk. aber seit steve jobs tod bin ich skeptisch. vielleicht ändert es sich, wenn ich die neue zwiebel in der hand halte, noch bin ich auf dem ES GEHT AUCH OHNE pfad. liebe grüße, bärbel ☼

  2. Mir geht es so wie dir: Ich mag Apple, mein iPhone, mein MacBook Air und meinen iMac. Mein erstes Apple-Produkt war ein iPod Mini in Gold… viele Jahre ist es her und ich weiß noch sehr genau, wie ich damals dankbar jede Krankheitsvertretung beim Kellnern übernahm und dafür morgens schläfrig in der Vorlesung saß, nur um mir das gute Stück endlich leisten zu können.

    Tja, und nun? Ich gebe zu, mein erster Impuls bei Apple ist immer noch „Will ich!“ und dann? Denke ich drüber nach, wäge Für und Wider ab und stelle irgendwann fest, dass ich wohl einfach nur noch Opfer einer Konditionierung bin.

    Und falls diese Erkenntnis noch immer nicht reicht, ziehe ich meinen Pulloverärmel etwas hoch, schaue auf mein Handgelenk und sehe mir eine richtige Uhr an: Meine erste und einzige mechanische Uhr, handgefertigt in einer Uhrenmanufaktur im sächischen Glashütte. Die läuft zwar auch nur eineinhalb Tage, aber wenn die um sind, brauche ich weder Stromanschluss noch USB-Kabel, sondern ziehe sie ganz spießig einfach wieder auf.
    Spätestens bei dem Gedanken weiß ich, dass jede Apple-Uhr im Vergleich mit diesem Stück echten Handwerks immer den Kürzeren ziehen würde.

    Nein, ich werde mir keine Apple Watch kaufen. Und falls mir jemand eine schenken sollte, reiche ich sie gern an dich weiter. 😉

    Ich wünsche euch allen einen sonnigen Donnerstag
    Anne

  3. Ja, geht mir ähnlich wie Anne. Wenn ich eine bekomme, weiß ich wer sie von mir bekommt. Du hast ja sicher ein Postfach lieber Kaiser. 😀

    Ich habe erst vor kurzem irgendwo wahre Worte zu diesem „Prachtstück“ gelesen. Dabei ging es um den Preis für die teuerste Version und es hieß in etwa, eine Rolex hat man ein Leben lang, eine Applewatch bis zur nächsten Keynote. Das sagt so ziemlich alles.

  4. Ich bin irgendwie nicht mehr so Technik begeistert, das mir der Wecker dieses „haben müssen“ in die Synapsen brennt. Dein Post bestärkt nicht darin, die Bälle flach zu halten und mal zu warten was da kommt.

Kommentare gern gesehen!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s