SKINCARE: FEUCHTIGKEIT UM JEDEN PREIS IN DER HAUT HALTEN?

Okklusion auf Teufel komm raus? Klar, eine gut durchfeuchtete Haut wirkt prall und gesund. Aber wie sieht das mit diesen Pflegeroutinen aus, die die Feuchtigkeit um jeden Preis in der Haut „einschließen“ wollen? Schadet das nicht vielleicht?

 

Butter als Gesichtscreme? Wer käme denn darauf? Nun ja….

 

Feuchtigkeitsarme Haut fühlt sich meist nicht wohl. Sie wirkt tatsächlich (je nach Grad) irgendwie ausgetrocknet und mitunter knittrig. Kleine Fältchen werden mit Sicherheit betont, und auch die Spannkraft lässt zu wünschen übrig.

Im Prinzip braucht man sich nur einen Apfel anschauen: Ist er noch saftig und frisch, ist die schützende Apfelhaut glatt und ansehnlich. Verliert der Apfel im Laufe der Zeit immer mehr Feuchtigkeit, schrumpelt er langsam vor sich hin. Er wird von seiner Hülle immer weniger geschützt, sodass sich dadurch die Wasserverlust noch beschleunigt. Supermärkte setzen oft Wachse als Überzugmittel ein, um den Apfel länger frisch aussehen zu lassen.

Wir Menschen cremen gern mit Feuchtigkeitscremes dagegen an, sie geben uns eine durchaus glattere und gesünder aussehende Haut zurück – die aufgepolsterte Optik machts.

 

Ja klar, auch die menschliche Haut verliert Tag um Tag Wasser, dieses verdunstet, und den Vorgang nennt man Transepidermalen Wasserverlust (TWL).

Grundsätzlich ist der Feuchtigkeitsverlust völlig natürlich und gehört zum normalen Hautstoffwechsel. Unser Körper besteht aus einem Großteil Wasser und gibt jeden Tag eine bestimmte Menge davon an die Umwelt ab. Das Ausmaß hängt von vielen Faktoren ab (zB. Alter, Geschlecht, Hautzustand, usw.).

Übrigens: Viel Wasser trinken sorgt nicht so stark für eine „saftige“ Haut, wie man gemeinhin denkt. Leider.

 

Da haben sich irgendwann einmal ein paar Leute gedacht, dass der Verlust vom Wasser ja wohl ziemlich blöde sei, wenn man dadurch eine so knittrig aussehende Haut bekommen kann. Bliebe das Wasser in der Haut, so bliebe die Haut auch praller. Also sollte man das Wasser in der Haut einsperren – na gut, meinetwegen einschließen, die berühmte „Okklusion“, die als letzter Schritt in der Hautpflege den TWL bezwingen soll.

Da kann man dann bei sog. Beauty-Experts die tollsten Routinen sehen, die in mehreren Schichten (10 sind noch koreanisches Understatement) Feuchtigkeit in die Haut schleusen, um diese dann hinterher mit so abenteuerlichen Sachen, wie zB. Vaseline pur in der Haut zu halten.

 

Doch: Eine gesunde Haut produziert genügend „Sebum“, das ist das natürliche Mittel unserer Haut, um die Haut zu schützen und wirkt auch okklusiv. Allerdings intelligenter als so manche Menschen, die sich möglichst vollständig „abdichten“ möchten.

Ist die Hautbarriere jedoch beschädigt, kann es sein, dass eine externe Zufuhr günstig für die Haut ist.

Gut wirksame (aber mitunter auch hochpotente) Okklusiva sind zum Beispiele (nicht flüchtige) Silikone, Mineralöl, Bienenwachs, Squalan, Kakaobutter, Oliven- und Avokadoöl, usw.

Doch nicht jeder Stoff passt zu jedem Hautzustand!

Da machen es sich die fleissigen Pflegeroutinen-Vorschreiber etwas zu einfach.

Es kann nämlich durchaus passieren, dass man seine Haut zu sehr abriegelt…äh…abdichtet. Warum? Nun, die Natur hat sich beim transdermalen Wasserverlust auch etwas gedacht, der Vorgang ist für die Hautgesundheit wichtig. Ihn zu unterbinden bedeutet eine Einschränkung der natürlichen Hautfunktion. Und das kann in aufgequollenen Zellen (denk mal an die Badewanne…), kompromittierter Hautbarriere (Teufelskreis), Akne und Rosezea-Schüben enden.

 

Das kennen vielleicht einige von uns: Die Haut unter den Augen ist durchaus ziemlich trocken. Manchmal hat man das Gefühl, man möchte hier auch mal so richtig abdichten. Tut man das zum Beispiel am Abend mit einem guten feuchtigkeitsspendenen Serum und einer stark okklusiven Creme darüber, kann es sein, dass man am nächsten Morgen mit Schwellungen unter dem Auge wach wird. Kontraproduktiv!

Auch hier war die Absicht gut, nur die Ausführung nicht genügend durchdacht. Seinem Hautzustand entsprechend sollte die Okklusion niemals zu stark sein, sodass immer noch Wasser verdunsten kann, nur eben nicht zu viel. Und da liegt auch das Problem: Hier muss man selbst ausprobieren! Niemand kann per Ferndiagnose sagen, was geht und was nicht. Jedenfalls würde ich die pure Vaseline nur im schlimmsten Notfall verwenden…meinetwegen beim Dreh von „Lost in the Desert“ (Wüste – nicht Nachtisch!)

 

Und da die Heizungssaison naht, und dabei die Luft in der Umgebung deutlich trockener wird (egal wieviel wir beim Heizen sparen werden), tut man gut daran, JETZT damit anzufangen, sich nach einer passenden lipidreicheren Pflegecreme umzusehen, die man gut verträgt, und die den Wasserverlust auf gesunde Weise regulieren hilft.

Dazu nächste Woche nochmals mein Beitrag zur Hautbarriere zu den Jahreszeitenwechseln.

 

 

 

 

 

(Fotos: Konsumkaiser   Keinerlei Sponsoring)

 

 

 

 

 

 

 


8 Gedanken zu “SKINCARE: FEUCHTIGKEIT UM JEDEN PREIS IN DER HAUT HALTEN?

  1. Ich finde es gar nicht so einfach, lipidreiche Cremes zu finden, da sie auch unter „trockene Haut“ laufen und dann oft Feuchtigkeitsbomben angeboten werden.

    Ich habe seit 2 Jahren in der kalten Saison die Creme Nutritive für sehr trockene Haut von Avene (es gibt 2 Sorten), obwohl ich nur leicht trockene Haut habe. Achtung, ist parfümiert. Genau sowas, ohne Duft (auch nicht natürlich) und gern auch preiswerter suche ich immer noch. Du hattest mal die Karottencreme von Diaderma (?) empfohlen und die fand ich auch gut, vielleicht probiere ich es auch mal wieder mit der.

    Ich suche aber noch eine mit einem Lichtschutz, ab hier wird es komplett schwer. Mitunter pimpe ich mit Jojobaöl, was auch gut funktioniert, aber ich suche was, wo man nichts mehr machen muss. Ich hab auch mal über 2 -3 Jahre nur Öl genommen, die Haut war super und bedürfnislos, aber es braucht den Sommer zum Einschleichen, wenn es kalt wird, klappt die Umstellung nur noch selten, aber man kann ja auch mixen.
    Feuchtigkeitscremes in der kalten Jahreszeit bescheren meiner Haut Dauerdurst, geht gar nicht mehr.

    1. Stimmt total. Es ist sehr schwierig eine trockene Haut und trockene-lipidarme Haut genau zu definieren. Meist sind die Übergänge fließend. Auch die Jahreszeitenwechsel sorgen für eine mögliche stetige Veränderung des Hautzustandes, sodass man eigentlich immer aufmerksam beobachten sollte.
      Liebe Grüße
      KK

  2. Guten Morgen, da ich ja letzten Herbst mit tretinoin begonnen habe, war meine Haut außer trocken nur trocken. Am späten Nachmittag ist alles abgebröckelt und das war echt furchtbar. Hab es auch mit vaseline und aquaphor versucht, aber das hat es nur noch schlimmer gemacht. Gerettet hat mich die cerave Creme für trockene bis sehr trockene Haut. Und wenn es ganz schlimm war, ein paar Tropfen squalane. Mal sehen, ob es diesmal auch so schlimm wird. Bin schon gespannt auf den nächsten Bericht. Lg Natascha

    1. Ich hatte das gleiche Problem, ich bin echt schichtweise abgebröckelt mit Tretinoin. Mir hilft der Cicaplast Balm von La Roche Posay, seitdem ist da eigentlich Ruhe. Außerdem wasche ich morgens mein Gesicht nur noch mit Wasser, nicht mehr mit Waschgel. Und ich benutze das Tret nicht mehr an 7 Tagen die Woche, sondern lege mal eine Nacht Pause ein. Das scheint die Haut zu freuen. Bin aber gespannt, wie es im Winter wird…

  3. Ich kenne das Problem auch. Durch Zufall habe ich letzten Herbst die Optolind Lipid-Effect Creme kennengelernt. Optimal für meine Haut (kein spannen mehr im Winter) und günstig bei den Online-Apotheken zu beschaffen. 50 ml ca. 14,50-17,00 €

  4. Ich liebe es ein paar Tropfen Öl mit in die Hautpflege zu geben, im Frühjahr das Hautöl von La mer, im Herbst/Winter von Highdroxy, jeweils mit der Restore von Highdroxy kombiniert. Für den kommenden Winter steht noch Kaktusfeigenöl auf meinem Wunschzettel.
    LG und schönen Sonntag

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