LIFESTYLE: VON BEDÜRFTIGEN POPSTARS UND EIN BISSCHEN WERBUNG IN DER VOGUE

Heute geht es um so lebenswichtige Themen, wie zB. Tokio Hotel, die Stadt Magdeburg, Germany´s Next Topmodel, und um die Bibel der Mode, die Vogue. Äh, haben die Berührungspunkte? Oh ja, und zwar mehr als man eigentlich wissen möchte. Ich kennzeichne diesen Beitrag hiermit offiziell als Lästerei der gemeineren Art…

 

Eigentlich mache ich hier gleich sowas wie Werbung, denn ich nenne eindringlich Markennamen. Das ist dann aber so absurd, dass höchstwahrscheinlich kein vernünftiger Mensch auf die verrückte Idee kommen wird, durch meinen heutigen Beitrag in einen ungezügelten Kaufrausch zu verfallen.

Wer möchte schon Tokio Hotel Merchandising am Leib tragen?

Doch fangen wir von vorne an. Donnerstag gab es bei GNTM die Dragqueen Ausgabe, bei der auch Bill(y the Kid) Kaulitz von Tokio Hotel (wie gerufen) anwesend war. Als glamouröse Frauen verkleidet, durften die aufpolierten und ausgepolsterten Gaststars mit den Topmodelanwärterinnen einen Gesangs- und Tanzauftritt einüben. Natürlich nur die professionellen Dragqueens, Halbamateur Bill sollte offensichtlich nicht mitmachen, denn es ging ja um coole Klamotten, Gesang und Showtanz, und das sind bekanntlich nicht so seine Kernkompetenzen.

Dafür konnte er sich aber den Titel „Gastjuror“ auf die schmale Brust kleben, und einen Job hatte er auch zu vergeben: Für sein „Modelabel“ Magdeburg Los Angeles (eine sehr, sehr peinliche Vetements Mini-Kopie) und eine „Fotostrecke in der Vogue“, suchte Kaulitz (und Team!) ein Model. Teilnehmerin und Omniphobikerin Simi(mi) bekam den Zuschlag und freute sich auf ihren Auftritt für das Top-Modemagazin, das vor Urzeiten auch Heidi Klum nur sehr wiederwillig schon mal aufs Cover ließ.

 

Für den etwas einfältigen Zuschauer mag das nach ner mega Nummer geklungen haben, in Wirklichkeit handelt es sich aber nur um eine zahlungspflichtige Werbeanzeige in dem Modeblatt. Von wegen Editorialshooting für die Bauchladenversion eines Modelabels „Magdeburg Los Angeles„.

Vogue scheint die Anzeigenpreise drastisch gesenkt zu haben

Wie weit es die deutsche Ausgabe der Königin der aussterbenden Modeblätter gebracht hat, wissen wir ja spätestens seit der Meldung, dass der billige deutsche Project Runway Abklatsch mit Guido Maria Kretschmer, genannt „Guidos Masterclass“ (auf dem Fashionfachkanal VOX), zusammen mit der Vogue Chefredakteurin Christiane Arp nach hoffnungsvollen Designtalenten Ausschau hält. High-Fashion Arp und Ulkkugelnudel Kretschmer, der in der High-Fashion Welt ungefähr so viel zu suchen hat wie Heidi Klum in Paris…DAS nenne ich mal ne Talfahrt.

Da macht dann die Magdeburg Los Angeles Anzeige auf den etwas günstigeren hinteren Seiten der Vogue auch nichts mehr kaputt. Besteht die Kollektion doch eh nur aus ein paar billig kopierten Plörren von 2017, die man nur mit viel Wohlwollen als Merchandising-Klamotten für die Interpreten des diesjährigen GNTM Titelsongs (Wimmern in Paradise – oder so ähnlich) bezeichnen kann. Wer das für Fashion hält, der denkt auch Bill-Plateausohle-Kaulitz sei ein Designer…oder Sänger…oder Model.

Merchandising ist derzeit cool, Schrott bleibt Schrott

Merchandising Fashion (zB. von coolen Stadtmagazinen und Shops) ist derzeit noch ziemlich angesagt, da ja kaum einer mehr die Logomania von Balmain, Dior, Louis Vuitton und Konsorten ertragen kann. So kommen die Aufschriften wie „Hintereingang“, „Mama ist pleite“ und meinetwegen auch „Magdeburg Los Angeles“ wie gerufen. Ich persönlich bevorzuge ja mein eigenes gerade gegründetes Label „Bottrop Beverly Hills“.

Scheinbar braucht der Kaulitz Clan diese Dauerwerbesendung diesen Karriere-Push von Klum, GNTM und Pro7 aber derzeit ziemlich dringend, denn auf Facebook hat das total crazy-aufstrebende Modelabel von Naturtalent(los) Bill gerade mal 816 Abonnenten. Die Songverkäufe der Band liegen sowieso deutlich hinter den Erwartungen, wenn man das mal so sagen möchte, kürzer wäre Totalflop.

Und so kommt es dann, dass Pro7 im hochrot entzündeten GNTM Blinddarm „Red“ davon berichtet, dass Tokio Bills Tournee derzeit restlos ausverkauft sei. Blöd nur, dass weder die erste Show (D) in Köln und auch die weiteren Termine weit weg von „ausverkauft“ sind. Wer also noch Karten möchte…ach was, reiten wir nicht noch drauf rum.

Doch warum sich als Sängerdarsteller anstrengen, wenn man als Designgott endlich, endlich, endlich Ed Hardy ablösen kann! Bill hat dazu die perfekte Attitude gefunden, und was er von dem ganzen Kram hält, entlarvt sein Statement für die InStyle zur Entstehungsgeschichte seines Marketingglanzstücks: „Am Flughafen sah ich eine Frau, die eine Tasche hatte, da stand Magdeburg drauf. Ich fand das so geil asozial und so daneben. Dass die sich das traut, mit Magdeburg-Merchandise rumzulaufen. Das hat mich wahnsinnig inspiriert.“

Na dann mal viel Erfolg…äh…weiterhin.

 

Hier noch ein paar der modischen (?) Ergüsse, alles nach der himmlischen Inspiration (wahrscheinlich nach einem zufälligen Besuch der Vetements Homepage?)

 

 

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(Fotos: Konsumkaiser, Screenshots, MDLA, Pro7, Facebook    Keinerlei Sponsoring)

10 Kommentare

  1. Alter Schwede!
    Schade dass ich mein ganzes Geld bereits in die Modelinien „Peine Paris Lamme“
    und „Uchte Bohmte Genua“ stecke und somit
    zu pleite für die stilvollen Pieces von Maestro Kaulitz bin. Wirklich jammerschade!

  2. Ei ei ei, der Pullover mit dem Herz und dem „Bill“ hat es mir schwer angetan. Hat der im Kindergarten seine Designer gesucht? Wobei, ich tue den Kindern unrecht – die sind nämlich wirklich kreativ!
    Das Zeug ist unglaublich hässlich, wirkt billig und völlig stillos – da war ja noch die Musik besser (und die mochte ich schon nicht). Schöne neue Welt…

  3. Klasse Unterhaltung am Morgen! Deine dicht gepackten Wortwitze liebe ich und haben professionelle Qualität.
    Verliere bitte nie deine Lästerzunge.
    Der Vergleich mit Vetements ist mir auch gleich aufgefallen. Dreist!!
    Schönen Sonntag!

  4. Ich lese deinen Blog schon seit Monaten und ich liebe den Mix aus seriösen Produkteinschätzungen und diesen herrlich fiesen Beiträgen. Danke und weiter so!

  5. „hochrot entzündeter GNTM Blinddarm“? wo bekommst du bloß immer die Ideen her? Einfach fantastisch. Was die sogenannte Mode angeht dachte ich beim ansehen des Fotos: Aber hey, es gibt immerhin ein ausverkauftes Teil. Ok, man kann nicht erkennen, was auf dem Halstuch (ist doch eins, oder?) für ein Muster drauf ist, vielleicht deshalb.
    Halt uns mal auf dem laufenden ;-)))
    Liebe Grüsse

  6. Genialer Text – weiter so! GNTM-„Simi“ (Simone) ist trotzdem einfach unerträglich. Perfekte Drama Queen (immer und immer wieder), die dann trotzdem (nachdem sie ausreichend von Heidi und sonstwem, den sie anerkennt, nach vielen Krokodilstränen gepampert wurde) perfekt für die zweifelhaften „Juroren“ abliefert. Und sofort gegen die anderen Mädels ablästert. Ich empfinde sie als extrem arrogant und arm an Empathie. Wird sie gedisst? Ja, bestimmt. Das hattest Du ja auch (zu Recht beklagt). Sie macht es aber nicht besser…

    Junge Mädels halt, die es nicht besser können, sich aber als den Nabel der Welt ansehen 🙂

    Liebe Grüße in die späte Nacht,
    Monika

  7. *hach* schön und so lustig #liebees ! Besonders „die Königin der aussterbenden Modeblätter“ – mein extra danke dafür! Irgendwann im Sommer hole ich mir noch Dein OK zur Verwendung. Ich bin nämlich gerade extrem printgeschädigt. Jetzt lese ich weiter nach. Habe in meiner Wien-Woche meine Blogrunden sträflich vernachlässigt.
    Liebe Grüße
    Bärbel ☼

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