LIFESTYLE: DAS KONSUMKAISER TRENDBAROMETER * 08.03.2019

Das Trendbarometer startet in die hellere Jahreszeit. Es geht immer noch um Dinge, die mich in der vergangenen Woche bewegt, belustigt oder erschüttert haben. Aber nichts folgt einem festen Schema, es kommt wie es kommt. Hauptsache ein bunter Mix, unterhaltsam, lustig, manchmal nachdenklich, oder auch böse… 

 

Frauentag

Huch, überall steht es wieder in großen Lettern: Heute ist Frauentag! Herzlichen Glückwunsch…äh!? Ehrlich gesagt finde ich diesen „Feiertag“ (OK, in Berlin ist es einer) irgendwie unmotiviert. So wie Mutter-/Vatertag. Sollte man nicht das ganze Jahr über…?

Einige Menschen meinen nun, sie müssten heute Rosen an Frauen verteilen, Drogeriemärkte geben 20% Rabatt auf Putzmittel, und die Geschenkläden freuen sich auch schon, denn der verunsicherte Durchschnittsmann hat wieder nicht so recht aufgepasst. Muss man heute was schenken? Ist das so, wie wenn ich den Valentinstag vergesse? Oder noch schlimmer: den Hochzeitstag?

Dabei ist das alles doch ganz einfach. Es geht ja nicht so sehr um einzelne Personen, sondern um handfeste Tatsachen. Die Tatsache zum Beispiel, dass Frauen in diesem Land im Schnitt über 20 Prozent weniger verdienen als Männer. Oder dass die Große Koalition ständig ein „Gesetz für mehr Lohngerechtigkeit zwischen Frauen und Männern“ betont. Dieses Recht ist ca. 70 Jahre alt, ohne dass es je umgesetzt worden wäre. Schon in der UN-Menschenrechtserklärung von 1948 steht: „Jeder, ohne Unterschied, hat das Recht auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit.

Ich denke, ich brauche heute keiner Frau dazu gratulieren, dass sie Frau ist. Aber ich kann laut sagen, dass es immer noch viel zu viele Ungerechtigkeiten gibt. Und zwar nicht unbedingt in den Gesetzbüchern, sondern in den Köpfen, in der Gesellschaft. Dass immer noch kleine Mädchen und Jungs mit den überkommenen Rollenbildern konfrontiert werden, und dass man dort ansetzen muss. Meine Eltern haben es mir immer vorgelebt: Mutter und Vater waren völlig gleichberechtigt, beide haben gearbeitet, aber auch mal jeder für sich Auszeiten genommen, beide hatten eigene Konten, aber trotzdem war alles gemeinsam geregelt. Und das Beste an der Situation: Es war nicht erwähnenswert! Es war normal.

 

 

Krach im Karneval

Oops, was gab es diesmal viel Krach im Karneval. OK, laut und heftig ist es eh immer, deshalb bin ich da auch raus, aber ich meinte auch eher die verschwitzten Diskussionen über all die Witzchen, die in diesem Jahr ein wenig heftig auf den Prüfstand kamen. Egal ob Bernd Stelter sich „erdreistete“ Witze über Doppelnamen zu machen, oder Frau Kramp-Karrenbauer ins Gender-Fettnäpfchen trat (treten wollte?).

Dabei finde ich die (meist schlechten) Büttenkalauer eher belanglos, mich stört eher die enorme Steifheit in der Diskussion. Ob AKK nun wirklich auf dem „dritten Geschlecht“ herumgehackt hat? Ach je. Meiner Meinung nach muss man das aushalten können, denn zumindest findet es Erwähnung. Es nimmt seinen Weg hin zur „Normalität“. Viel schlimmer wäre es, würde das dritte Geschlecht weiterhin keinerlei Erwähnung finden, und alle so: „Hä, wat is dat denn?“

Über Frauen werden Witze gemacht, über Männer ebenfalls, und nun eben auch über ein weiteres Geschlecht. Hat schließlich lang genug gedauert. Blöd nur, dass Frau K-K ohnehin schon dafür bekannt ist, ein besonders rückständiges Gesellschaftsbild zu vertreten und Ressentiments zu fördern, dadurch bekommt dieses fade Witzlein dann eben doch einen unguten Nebengeschmack.

Viel schlimmer als der Witz war jedoch die Figur, die AKK bei der Veranstaltung abgab. Handwerklich so steif und bieder-provinziell, dass ich meinen Augen kaum trauen konnte. Kramp-Karrenbauer verteidigte sich dann auch prompt gegen die Kritik: „Heute habe ich das Gefühl, wir sind das verkrampfteste Volk, das überhaupt je auf der Welt rumläuft. Das kann doch so nicht weitergehen.“ Ok, das sagt die Richtige…

 

 

Liebes Fernsehen!

Nur ein kurzer Tipp von mir: Lasst es in euren Berichten zum Karneval doch bitte besser sein, nach dem ausschweifenden Bericht vom Karneval in Rio de Janeiro sofort zum Mainzer Fastnachts- oder Kölner Karnevalsumzug zu schalten. Der „Kulturschock“ ist einfach zu groß. Brasilien hat es nun mal wärmer, und die Hüften kreisen dort deutlich geschmeidiger bei leicht bekleideten Frauen und Männern als bei uns. Das ist so ernüchternd, lasst uns doch in dem Glauben, wir wüssten wie astreine Lebensfreude funktioniert…

 

 

Sneakers

Endlich war er erhältlich: Der neuen Nike Air Max 720, der Schuh mit dem bislang fettesten Air-Element (Dämpfung) überhaupt. Natürlich habe ich ihn mir besorgt, bei sowas kann ich nicht widerstehen. Kostengünstig ist der Latschen nicht gerade, aber bei Kultsneakers ist das ja immer so.

Als er ankam, war meine Begeisterung aber auch schnell wieder verflogen. Solch einen Klumpschuh hatte ich nicht erwartet. Ein holländischer Klotschen in Größe 47 ist ein Ballettschühchen dagegen. Ich wollte doch den Ugly Sneakers Trend keinesfalls mitmachen! Und nun steht sowas hier bei mir und ich kann nur noch denken: Ugly, ugly, ugly, ugly….

Sorry, Nike, aber so weit reicht die Liebe dann doch nicht. Der Schuh wurde zurückgeschickt und die (unglaublichen) 190 Euro sind bereits zurückgebucht worden. Puh!

 

 

Ach, die New Kids On The Block…

NKOTB sind zurück und nehmen das Boy Band Gedöns ganz schön auf die Schippe. Boh, ich konnte damals keine Boybands ertragen, wie nett, wenn man heute darüber mit ihnen ordentlich lachen kann.

 

 

 

 

 

 

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(Fotos: Konsumkaiser, Pixabay     Keinerlei Sponsoring, Produkte wurden selbst gekauft.)

22 Kommentare

  1. steif und bieder-provinziell trifft es auf den Punkt. Leider trifft das auch auf AKK´s Politik zu und ich hoffe nur sehr, dass sie uns als Kanzlerin erspart bleibt.

    Ich wünsche allen ein schönes Wochenende 🙂

  2. Danke, Danke für den musikalischen Einstieg ins Wochenende…
    Achja, einmal zum Karneval nach Rio. Wärme und diese berauschende bunte Vielfalt der Samba Schulen.
    Schönes Wochenende

  3. Oh man, da hast du mit dem Frauentag was angeschnitten bei mir. Gestern hat auf IG ein englischer Beauty Onlineshop ein Bild einer Vagina aus Papier gepostet und irgendetwas über den Weltfrauentag geschrieben. Natürlich haben da ganz viele Follower mit Frauenpower usw kommentiert und wie stolz sie doch wären, dass sie Frauen sind und wie stolz sie auf ihre Vagina wären.
    Normalerweise kommentiere ich eher selten, aber da konnte ich mich nicht mehr zurückhalten. Warum wird uns Frauen immer wieder unser Geschlechtsteil als (Kunst)Bild oder auch als Kostüm vorgesetzt und dies mit starken Frauen gleichgesetzt?
    Die Männer laufen doch auch nicht verkleidet als Penis rum und schreien wie stolz sie sind, dass sie Hoden haben.
    Das ist ein Schlag ins Gesicht derjenigen Frauen, die wirklich mit ihrer Power die Welt veränderten. Anstatt echte starke Frauen wie Hildegard von Bingen, Clara Zetkin, Marie Curie, Mutter Theresa, Malala Yousafzai und viele mehr aufzuzeigen, wird ein Geschlechtsteil gefeiert.
    Ich lasse mich doch nicht auf mein Geschlechtsteil reduzieren als Frau.
    Und warum sollte ich bitte stolz auf mein Geschlechtsteil sein, dass ich nun mal aufgrund meiner Biologie bekam und nicht errungen geschweige denn für irgendwelche gute Taten erhalten habe?
    Das ist, in meinen Augen zumindest, gegenüber den Frauen einfach nur respektlos.
    Und da kann man mich ruhig als spießig sehen (hat mir eine Followerin so geschrieben😁).

      1. Männer zeigen das eher mit einem dicken Auto und ihrer Fahrweise(um mal beim Klischee zu bleiben)😆

  4. Zum Frauentag empfehle ich den sehenswerten Vulva-Film in der arte-Mediathek :-))
    Ich dachte, ich kenne meinen Körper. Die Anatomie der Klitoris war ein Augenöffner!

  5. Krass gut heute wieder! Tolle Themenauswahl und stehe voll hinter deiner Meinung.
    Nkotb…schärm! 🥰

  6. Danke für den guten Wochenendstart!
    Finde es auch lächerlich stolz auf etwas zu sein was ich gar nicht beeinflusst habe.
    aber all die Frauen die seit Jahrhunderten für ihre Rechte kämpfen, oder besser gesagt dafür überhaupt Rechte zu bekommen, auf die bin ich stolz.
    Bei uns im Edeka werden heute auch Rosen verschenkt, was soll’s, das sehe ich als marketing-gag.
    Ich möchte heute nicht beschenkt werden sondern es sollte mehr auf die Ungerechtigkeiten gegen Frauen auf dem ganzen Erdball hingewiesen werden.
    Dafür ist dieser Tag sinnvoll.
    Ich war ja immer ein backstreet Boys fan😆

  7. Danke für die Erwähnung, dass Gleichberechtigung schon bei der Erziehung los geht und als völlig normal dargestellt werden sollte. Wenn das immer gefeiert werden muss, dann behält es doch einen „exotischen“ Status.
    Ebenso beim 3. Geschlecht. Mehr Lockerheit im Umgang mit Andersartigkeit und mehr Selbstbewusstsein bei uns Frauen, das wünsche ich mir heute, keinen 20% Rabattcoupon. 😉

  8. Und Paula hat heute 20% auf alles. Auch für Männer. :-)) Das Video ist toll!
    Was ich nicht verstehe, warum hat nur Berlin heute Feiertag? Gibt es nur dort Frauen?

        1. Man hätte einfach vor dem Streichen diverser Feiertage mal überlegen sollen, anstatt das so zu regeln. Ich find’s auch daneben – als Frau u. Berlinerin. 😉

  9. Oh wie lustik ist der denn Clip? Was für eine feine Idee von NKOTB. Bin zu alt, um den Trend miterlebt zu haben, und noch einen Ticken zu jung für die Bay City Rollers gewesen, so dass mir dies alles erspart geblieben ist. Dennoch gefällt mir der Clip wirklich sehr. Todlach

  10. NKOTB…oha… bei denen war ich auf meinem ersten Konzert. Kaum, dass sie auf der Bühne waren, wurde das Gekreische so ohrenbetäubend, dass du kaum noch was von der Musik gehört hast. Dachte, ich bin im falschen Film. Wahrscheinlich habe ich deshalb den Musikstil gewechselt.^^

    @Frauentag: Ich bin ja ein Fan von Teamwork. Jeder hat seine Stärken, jeder hat seine Schwächen und seine Sicht der Dinge. Und gemeinsam kann was Gutes draus werden, wenn man an einem Ziel arbeitet, anstatt sich gegenseitig zu beharken. Und so schaue ich erstmal geschlechtsunabhängig auf den Menschen, der vor mir steht – der Rest wird sich finden… oder eben nicht. Ich feiere den Frauentag nicht, warum sollte ich. Erscheint mir ähnlich unlogisch wie meine Geburtstagsfeier. Weder habe ich mir irgendwas davon ausgesucht noch irgendwas dazu getan. Ich feiere lieber persönliche „Jahrestage“, die mir was bedeuten. Oder klopfe mir zu Juniors Geburtstag auf die Schulter für das, was bisher gut gelaufen ist.

    Und 20% Rabatt auf Putzmittel? Ernsthaft? Ich bin bestimmt nicht humorbefreit, aber das ist einfach nur plump und dämlich. Da gibt’s Frauen, die echt was bewegt haben – siehe auch Kommi von Sylvia und mir kommen da z.B. die Suffragetten in den Sinn, wahrscheinlich, weil ich neulich was über sie gesehen habe – und dann gibt’s Rabatte auf Putzmittel? *schnarch*

  11. Daumen hoch für NKOTB :-)! Neben Genesis die Stars meiner Jugend – welche Mischung :-))! Das Video ist so witzig und zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich ganz viele der „Anspielungen“ erkannte, ich war also offenbar doch ein Boyband-Britney-Opfer, obwohl ich mich früher entschieden dagegen verwehrt hätte…

    Für uns Damen gab es heute von den Kollegen auch Rosen – ich hab mich über die Blumen gefreut, der Anlass ist mir dabei egal ;-).

  12. Zum Gendergap muss ich dann doch mal meinen Senf loswerden: Der Unterschied von 20 % kommt doch aus einem Vergleich von Äpfeln mit Birnen. Vergleicht man die Gehälter in den einzelnen Berufsgruppen und rechnet auch unterschiedliche Arbeitszeiten ein, kommt man auf 6 bis 7 Prozent. Immer noch zu viel, keine Frage. Aber eben nicht die bejammerten 20 %. Die kommen vor allem daher, dass Frauen in der freien Welt sich häufiger für soziale Berufe entscheiden, die (auch für Männer!) schlechter bezahlt werden. Das ist für mich der eigentliche Skandal, dass Erzieher, Krankenschwestern, Altenpfleger, Jugendamtmitarbeiter, Volkshochschuldozenten … so grottenschlecht bezahlt werden, da nützt auch das jetzt erstreikte Trostpflaster nicht viel.

    1. Danke, dass du das Thema anschneidest, Christiane. Das wollte ich gestern noch erwähnen, aber dann hätte ich mich in Rage geschrieben. Ich möchte keinen Feiertag oder Rosen und Rabatte oder Quoten-Trostpflaster, auf dass „man“ sich hinterher wieder bauchpinselt und sagt: „Aber wir haben doch schon so viel erreicht, was wollt ihr denn noch?“ Ich wünsche mir fair bezahlte „typische Frauenjobs“. Und wenn wir schon bei „wünsch dir was“ sind: ich wünsche mir eine Eindämmung von 450€-Jobs, ich wünsche mir bezahlbare Mieten, ich wünsche mir mehr Kindergartenplätze und vor allem wünsche ich mir Kitas, deren Öffnungszeiten mit den Arbeitszeiten der „typischer Frauenjobs“ harmonieren und bei denen du nicht um 17Uhr schräg angeschaut wirst, weil du dein Kind „so spät“ abholst. Und wenn wir da ein bisschen weiter sind und du als berufstätige Mutter nicht mehr ständig das Gefühl hast, dass du an einer Decke ziehst, die einfach an jeder Ecke zu kurz ist, dann können wir gerne über „gendergerechte Formulierungen auf Behördenformularen“ etc. reden. Aber vielleicht habe ich den Kern des Problems auch einfach nur nicht verstanden. 😉

      [Okay, ich habe fertig.^^]

  13. Die künftige Kanzlerin und der Karneval? Das war wohl ein deftiger Griff ins Klo!

    (Abgesehen davon, ist ihre Vortragsweise nicht gerade begnadet, um es vorsichtig zu formulieren.)

    Danke für die Gedanken zum Wochenende und ein schönes ebensolches! Liebe Grüsse!

  14. Ein Geschäft, das zum Weltfrauentag auf Putzmittel 20 Prozent gibt, gehört zu 100 Prozent erstmal boykottiert.. wirklich, da lange ich mir an den Kopf!
    Und AKK hat leider ein sehr merkwürdiges Verständnis von Demokratie, wenn sie jetzt ex cathedra verkündet, die Diskussion um ihren (für mich) völlig danebenen Auftritt sei beendet. Noch schlimmer finde ich die im Anschluß an ihren Auftritt losgetretene Lawine, dass die Sprachpolizei mal wieder unterwegs sei. Wieso, sie konnte ihren doofen Witz (haha) doch machen, ohne dass sie von der Bühne gezogen wurde. Darf man nicht mal mehr kritisieren, wenn man was daneben findet? Nach den Einlassungen der Dame zu anderen gesellschaftlichen Entwicklungen wage ich zu bezweifeln, dass das ganze ohne Kalkül oder „einfach so“ passiert ist. Immerhin ist AKK nicht Lieschen Müller von nebenan, die im Karneval den Oberen mal (so wie es Tradition ist) mal die Meinung geigt sondern Parteivorsitzende. Und sich hinstellen und behaupten, es sei neuerdings ok, in dieser Position auf egal welche Minderheit draufhauen zu können und alle, die sich darüber aufregen sind verklemmte Spießer… ich denke mir da nur meinen Teil im Hinblick, wer ist hier der Spießer.
    Sie kann ja nicht direkt was dafür (oder vermutlich doch), aber ich finde sie unerträglich – und zwar so, dass ich nicht mal in der Lage bin, vielleicht inhaltlich wertvollere Äußerungen anzuerkennen, einfach aus Prinzip nicht, weil bei mir alles auf Abwehr geht.

    @KK: und ja, die Schuhe *ähem*. Ich will nicht unhöflich sein, aber ne, bitte nicht. Wie schön sind da im Vergleich die Schuhe von Muroexe, die Du mal vorgestellt hast.
    LG
    Roland

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