LIFESTYLE: GEH MIR WEG MIT „FOODPORN“ * FÜR MEHR REALITÄT AUF DEM TELLER

Hach, Instagram ist aber auch ein einziger Blenderladen. Nicht nur die meisten Menschen sehen dort aus als als kämen sie allesamt vom Planeten Krypton, auch fotografiertes Essen hat einen enormen Style- und Coolnessfaktor. Nicht umsonst setzt jeder zweite Instagrammer den Hashtag #foodporn unter seine liebevoll arrangierten Pfannekuchen mit Preiselbeeren…ähh…sorry, ich meinte Pancakes mit Cranberries. Aber verflixt, bin ich wirklich so ungeschickt und habe Kochlegasthenie? Ich bin für mehr Realität auf Instagram, sonst gibt´s bei mir demnächst aus Protest nur noch Tiefkühlpizza…

 

Wir brauchen uns gar nicht streiten, das Auge isst mit, aber klar doch. Und das Auge kann verdammt hungrig sein. Es liebt Schönheit, es liebt die Symmetrie, den goldenen Schnitt, die Ausgewogenheit, und natürlich auch glänzend-glitzernde Dinge. Instagram ist ein Top-Sternerestaurant fürs Auge, keine Frage.

Ästhetisch inszeniert und perfekt fotografiert ist toll, aber man das Auge kann sich auch „überfressen“! Leider kann man hier nicht den „Rückwärtsgang“ einlegen, wie es bei der altmodischen Völlerei durch Mund und Magen möglich ist. Und so brennen sie sich ein, diese perfekt glänzenden Püreehügelchen an Schaumspinat mit glasierten Mungobohnenkeimlingen und Co.

Aber auf die Menschheit ist verlass: Jede Bewegung erzeugt auch eine Gegenbewegung. Und ganz ehrlich, ästhetisch ist das nun wirklich nicht, was wir da zu sehen bekommen. Aber doch deutlich näher an der Realität. Mein Essen sieht auf dem heimischen Küchentisch nun mal NICHT aus wie frisch aus der Food-Vogue. Mal ertrinken die Nudeln in Sahnesoße, mal ist das Schnitzel ein bisschen angebrannt, und manchmal ist einfach das Arrangement ein wenig krumm und buckelig. Na und? Ich habe gar nicht die Zeit vor dem Essen erst einmal 20 Minuten Böhnchen und Karöttchen ordentlich zu drapieren und nach Größe, Farbe und biologischer Wertigkeit aneinander zu reihen. Will ich auch gar nicht!

Ich will (auch) normale Dinge sehen. Da gehören zB. übergewichtige Menschen ebenso dazu wie ein Bild vom traurig dreinschauenden Bäcker, der gerade ein ganzes Blech Mandelhörnchen tiefschwarzverbrannt aus dem Backofen holt. Und morgen dann mal wieder ein selbst gemachtes Sorbet, das im hellen Sonnenschein verführerisch vor sich hin glitzert. Über den schönen Schein der scheinbaren Schönheit im Internet habe ich HIER bereits sinniert (Und da gibt es KK Beweisfotos!)

Laut einer Studie der Uni Göttingen ist jeder Zehnte von uns ein „Foodie“….Pöh, dann bin ich eben ein gemäßigter „Banausie“

 

Wer der Normalität wieder eine Chance geben möchte, sollte sich einmal auf den Twitter- und Instagramaccounts der folgenden Blogger umschauen…

 

 

 

 

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(Fotos: Konsumkaiser, BeFunky, Screenshots Instagram, Twitter „cookingforbae“ und „70sdinnerparty“   Keinerlei Sponsoring)

 

 

 

10 Kommentare

  1. Die schlechten Fotos sind einfach nur ganz schlecht belichtet. 😀 Wirklich. Spannendes Thema.

    Ich hab auch vor einer Weile mal Essen fotografiert, vor allem, um meiner Freundin in Schritten zu zeigen, wie es geht und das nicht nur zu schreiben. Man kriegt ganz schnell sehr gute Fotos hin, wenn man wirklich Interesse hat und sich paar Sachen zeigen lässt. Macht Spaß, es zu machen.

    Der Punkt, den du angesprochen hast, ist allerdings auch wahr: man isst auch mehr, weil das Auge tatsächlich mit isst. Wenn man Probleme hat, sein Gewicht zu halten, sollte man sich keine schönen Fotos ansehen, bzw. nur mit den Sachen, die man essen sollte. Essen ist ein einfach zu erreichendes kurzes Glücksgefühl. Es ist sehr leicht, hier den Focus hin zu richten. Bilder wirken hochgradig anregend und werbend, das sollte einem klar sein. (Denkt mal an gute Kosmetikwerbung) Ich fände interessant zu wissen, ob man bei schlechten Fotos auf dagegen total leckeres Fastfood ausweicht oder ob man wirklich weniger isst.
    Mir scheint es ein gutes psychologisches System zu sein, sich eine Galerie anzulegen, bei dem das wirklich gute, bekömmliche Essen phantastisch fotografiert ist und das, was man knicken sollte, in solchen Bildern.

    Das gibt es auch bei Wohnungen. Irgendein spanisches Magazin fotografiert nur unaufgeräumte Wohnungen, falls man nur eine Rebellion gegen das Perfekte hat. Gute Fotografen kennen das Problem und fügen gern einen kleinen Fehler dazu, das Schöne wirkt dann erst spannend und nicht banal. Allerdings sind die Fotos trotzdem toll, es richtet dann eher den Charme auf das unperfekte Objekt, statt auf das miese Foto.
    Die Frage ist, was einem mehr anspricht: hat man den Overkill an perfekten Fotos oder an perfekten Szenerien?

    Bei Fotoreihen kann man dagegen ganze Stimmungen transportieren, jenseits von Bild und Objekt. Ich hab auch mal wirklich schöne Essensfotos mit benutzten Schneidbrettern, abgegessenen Tellern, Restkaffeeschaum in der Tasse usw. kombiniert. Da liegt der Brennpunkt eher auf der Arbeitsatmosphäre. Das macht mehr Lust zum Machen als zum Essen, aber: kann trotzdem überflüssig dicker machen. Ob man seine Aufmerksamkeit wirklich verstärkt auf das Essen richten will oder lieber den kompletten Bereich optisch zurück fährt, darüber lohnt es sich wirklich, nachzudenken.

    1. PS: ich hab mir gerade mal auf Twitter „Cooking for bae“ angesehen. Das ist schon auf erwarteten Schock gemacht und ich habe gerade herzlich über die Kommentare gelacht (OMG!) kennst du den Typen, der das macht? Klingt wie ein Brite, denen macht es Spaß, sich selbst zum Heiterkeitsobjekt zu machen und ich finde das super charmant. Foodhorror wird Trend – und wir alle essen weniger, feiern dafür den Typen. Ich folge ihm jetzt auch.

  2. Grins. Ich habe auch schon oft mein Essen für Instagram fotografiert, das ist so ein innerer Drang. 🙂 Aber bei mir sieht das so aus, wie es tatsächlich aussieht. Da wird nix beschönigt!

    LG Andrea

  3. Danke für diesen Beitrag.
    Ich lese keine Foodblogs mehr -außer ich suche ein bestimmtes Rezept-. Die Bilder sind zu schön. Wie im Rezeptbuch. Und dann denke ich daran, was ein Kochbuchautor mal erzählt hat:

    Das Essen ist nicht mehr essbar. Da wird gepimpt, gesprüht, gebastelt, damit es gut aussieht.

    Und ich glaube nicht, dass die Foodblogger ihr Essen in 30 min zubereiten, fotografieren, die Küche zwischendurch aufräumen, die Tischdeko organisieren und dann ein leckeres Essen genießen.

    Es ist Arbeit solche Blogs zu führen. Es ist Arbeit -die Spass macht- solche Fotos zu machen. Es ist nicht die Realität, dies neben einem Job und ev. Kindern zu machen. Falls ja, ist es das Haupthobby.
    Unbewusst wird jedoch vermittelt, das alles ganz easy ist, kein problem zu gut zu kochen und zu fotografieren, die Einkäufe erledigen sich auch nebenbei.

    Daher finde ich Foodblogs interessant, schön anzusehen und ich finde es toll, wenn Menschen in ihrem Hobby/Beruf aufgehen.

    Wie ein schönes Kochbuch.

    Die meisten Kochnovizen, die sich angeregt fühlen, die Rezepte nachzukochen, werden frustiert sein.
    Weil die Meßlatte -unbewusst- sehr hoch liegt.

    Foodblog = Kochbuch finde ich super
    Foodblog = realistisches Kochen und Essen glaube ich nicht.

    Würde sich jemand dafür interessieren, wenn ein Blogger mit einer Headkamera live durch die Küche peest, Sachen sucht, flucht, das Telefon bedient, feststellt es fehlt was und das Essen sieht einfach unhübsch aus?

    sophie

  4. Ich finde solche schönen Fotos toll und nehme diese auch als Anregung, wenn ich z.B. Besuch bekomme, sieht das Essen dann bei mir (meistens) auch so aus. Das ist mit wahnsinnig viel Arbeit verbunden, aber es macht mir viel Spaß und ich freue mich riesig, wenn ich meine Gäste damit begeistern kann 😊. Alltagstauglich ist sowas natürlich nicht, da muss es schnell und unkompliziert gehen.

  5. Mein Neffe hat mal eine Tarte Tatin mit selbstgemachtem Vanilleeis, die ich gemacht hatte, fotografiert und an seine Freunde geschickt. Weil er davon begeistert war. Die Antwort kam prompt: Sieht scheisse aus!
    Schönen Tag, Karin.

  6. Du hast wirklich immer den Finger am Puls der Zeit! Es ist so spannend hier jeden Tag hereinzuschauen, deine Themenvielfalt ist herrlich.
    Danke!!

  7. Herrlich! Was bin ich froh, dass niemand mein gestern zubereitetes Szegediner Gulasch zu Gesicht bekommt. 😂 Unsexy af. Aber leider geil.
    Ich mache auch seit ein paar Jahren bei einem ‚Laufgelage‘ mit. Es wird ausgelost wer welchen Gang hat&bei wem isst.
    Oft schmecken die nicht nach IG aussehenden Speisen besser als die top hindrapierten (es gibt selbstverständlich Ausnahmen&sehr talentierte Masterchefs! :]) 😅
    Mir fällt dazu auch folgender Artikel ein:
    https://www.vice.com/de/article/evbyxj/10-fragen-an-eine-influencerin-die-du-dich-niemals-trauen-wurdest-zu-stellen

    Beste Grüße

  8. Ach, was hab‘ ich es doch gut: Mein Mann kocht (hervorragend!), und ich esse alles einfach auf, ohne vorher ein Foto zu machen, und das jeden Tag 😊.
    Liebe Grüße, Irene

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