LIFESTYLE: RAUB MIR NICHT MEINE LEBENSENERGIE! VON NARZISSTEN UND ENERGIEVAMPIREN

In meinem näheren privaten Umfeld gibt es eine Person, deren Typus erkennt so gut wie jeder wieder: Sie leidet ständig, ist permanent schlecht gelaunt, zeigt kaum echte Freude oder Anteilnahme, kann aber in stundenlangen Monologen nur über sich und ihr Leid erzählen. Danach fühlt man sich ausgelaugt, ja, regelrecht der eigenen Lebensenergie beraubt. Woran liegt das und was kann man dagegen tun?

 

So sieht ein Treffen mit einem Energievampir aus

Ich bin ja meist ein geduldiges Schaf, aber manchmal könnte ich innerlich überkochen. Nämlich immer genau dann, wenn besagte Person (wir nennen sie ab jetzt „Energievampir“) bei uns zu Besuch erscheint.

Man tauscht ein paar Höflichkeitsfloskeln aus, und spätestens nach der Frage „Und, wie geht´s?“ beginnt ein atemberaubender Monolog über die Grausamkeit des Seins. Es wird gejammert, geklagt und gewettert, natürlich immer die eigene Person betreffend. Lustig: Geht es einmal um andere Menschen, wie zB. letztens bei einem schlimmen Terroranschlag, so musste der Energievampir angeblich so schlimm weinen und konnte aus Sorge die ganze Nacht nicht schlafen. Ich, ich, ich!

Es wird auch auf anderen Leuten herumgetrampelt, dabei versetzt der Energievampir sich selbst gerne in die Opferrolle. Sogar die eigene Familie wird nicht verschont. Und obwohl der Energieräuber betont, alles nur „in sich hineinzufressen“, bekommt man trotzdem auch jede kleinste Information geschildert. Meist die, die man niemals wissen wollte, inklusive intimster Geständnisse.

Scheinbar hat sich die ganze Welt gegen den Energiesauger verschworen, und das macht diese Person unglaublich traurig, aber auch schrecklich wütend. Und das wird auch in jedem weiteren Satz klar, denn die Erklärungen für das Leid und die Ungerechtigkeiten usw. liefert der Energievampir gleich mit: Immer sind die anderen schuld!

Wendet sich das Gespräch einmal einer anderen Person zu, gelingt es dem Sauger geschickt die Aufmerksamkeit wieder auf sich zu lenken. Sollte das einmal nicht funktionieren, ist die Person sofort zutiefst gekränkt und/oder beleidigt, reagiert passiv-aggressiv und drückt auf die Tränendrüse/Mitleidsmasche. Dabei ist der Energievampir am Gegenüber doch so gut wie gar nicht interessiert.

Wenn der Spuk vorbei ist

Ist der Spuk vorbei, brauchen wir erst einmal Urlaub. Wir fühlen uns erschöpft und ausgelaugt oder gereizt und niedergeschlagen, das ist richtig körperlich spürbar, nicht nur ein Gefühl. Dazu fällt mir dann auch nur ein Wort ein: Schmarotzer! Der Energievampir bedient sich unserer Aufmerksamkeit, berauscht sich an unserer Anteilnahme, und er lässt uns ausgelutscht zurück…droht aber noch beim Abschied: „Bis bald!“

Manchmal steckt hinter diesem scheinbar äusserst rücksichtslosen Verhalten eine narzisstische Verhaltensstörung.

Dabei versucht die Person jegliche Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, um dadurch fehlende Emotionen, Liebe, Anerkennung, eine innere Leere oder mangelnde Zentriertheit zu kompensieren. Besonders gute Zuhörer werden schnell Opfer dieser Energieräuber.

Wie man da wieder raus kommt

Schlimm wird es, wenn man die Situation nicht richtig einzuordnen vermag, und ein schlechtes Gewissen bekommt, weil man der Person helfen, ihr mehr Aufmerksamkeit schenken, oder ihr noch mehr Bestätigung zukommen lassen möchte. Das kann tatsächlich dazu führen krank zu werden, der Vampir lässt erst los, wenn er keine Energien mehr saugen kann.

Narzissten verstehen es meisterhaft von anderen zu fordern und Schuldgefühle zu wecken. Blickt man hinter die Fassade, steckt meist ein Mensch mit viel Unsicherheit und Minderwertigkeitsgefühlen dahinter. Wer das erkennt, kann diesen Typ leichter ertragen. Erzählt der Narzisst wieder einmal von seiner Großartigkeit, wiederhole es pointiert oder lobe ihn. Narzissten sind süchtig nach Anerkennung. Gleichzeitig kommt man in die Rolle des Lobenden, der über den Dingen steht.

Wenn man nicht genau weiß, ob man sich nun distanzieren, oder doch lieber helfen soll, stellt man sich zuerst einmal die Frage was man SELBST möchte. Danach überlegt man, ob der Energievampir nicht einfach zu hohe Erwartungen stellt. Man braucht sich nicht für sein scheinbar besseres Leben entschuldigen. Übernimm nicht die Verantwortung für das Leben des Opfers. Unbedingt einen emotionalen Abstand halten, bleibe beharrlich sachlich! (Betrachte das Handeln des Vampirs als „unbeteiligte dritte Person“)

Wer sofort nachgibt, wird sich immer wieder in diesem Spiel gefangen finden – und verlieren. Manchmal sind klare Worte und eine räumliche/emotionale Trennung unumgänglich.

Auch wenn das alles nach einem Machtspielchen klingt, so muss man sich doch darüber im Klaren sein, dass man es hier möglicherweise mit einer ernsteren psychischen Erkrankung zu tun hat. Beide Seiten sind dabei in Gefahr Schaden zu nehmen! Deshalb sollte bei Verdacht über professionelle Hilfe nachgedacht werden. Das ist leichter gesagt als getan, aber bei anhaltenden Bauchschmerzen gehen wir ja auch zum Arzt. Gerade bei solchen Themen ist es besonders wichtig sachlich zu bleiben.

 

 

 

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(Fotos: FreestockPix   Es handelt sich hier um allgemeine Hinweise und nicht um fachlichen Rat. bei Fragen und Unsicherheiten bitte unbedingt einen Arzt oder Psychologen befragen!)

 

 

9 Kommentare

  1. Guten Morgen, vielen Dank für diesen Blogeintrag. 🙂 Solche Energie Vampire kenne ich leider auch. In der Vergangenheit habe ich mich von mehreren distanziert und eine hat mich sogar dazu bewegt, einen Neuanfang im Ausland zu wagen, ich war krank und wäre vorerst nicht aus der Beziehung raus gekommen.

    Schlimm sind solche Vampire, wenn sie in der Familie sind, da dachte ich ewig, dass es selbstverständlich sei, zu helfen, zuzuhören und auch nachsichtig zu sein, aber es sollte niemals auf Kosten der eigenen Gesundheit gehen.

    1. In der Tat sind Narzissten in der Familie schlimm, da kommt man nicht so einfach wieder raus. Ich finde auch, dass das noch ein handfestes Tabuthema ist, denn man möchte so etwas ja nicht zB. den eigenen Eltern unterstellen. Ein Neuanfang im Ausland kann wirklich heilsam sein, in meiner Familie gibt es sowas auch.
      Viele Grüße, KK

  2. Ich habe einen solchen Energievampir in der Familie. Und so nahe, dass ich mich nicht entziehen kann. Wenigstens bin ich räumlich weit entfernt. Aber die Gedanken wandern immer wieder dort hin. Leider keine Aussicht auf Besserung, eher wird es noch schlimmer werden.

    Ich kann so gut nachvollziehen wie es dir geht.

    Kopf hoch!
    Alles Gute von Claudia

  3. Vielleicht ist es tröstlich zu wissen, dass es der Vampir sich in seiner Haut auch nicht wohlfühlt. Gut gehem tut es dem Menschen auf seine Arte gewiss auch nicht. Und irgendwas fehlt diesem Menschen ja. Was natürlich traurig ist.
    Ich denke es geht auch mit einer Abweichung zur Selbstwahrnehmung einher.
    Mir hilft: Ich kann nur mich ändern, niemals andere. LG

  4. Hallo,
    nicht nur Deine Blogeinträge die Kosmetik betreffend finde ich wirklich gut und immer sehr fundiert, auch dieser hier zeigt, dass Du Dich mit vielen Dingen das Leben betreffend beschäftigst. Ich habe in den letzten 14 Tagen eine solche „narzisstische Persönlichkeit“ erleben müssen und war über mich selbst schockiert. Nach dem Lesen Deines Eintrags bin ich „erleichtert“ und mein Frust über mich selbst und mein empfundenes „Selbstversagen“ löst sich langsam auf.
    Vielen Dank dafür…

  5. Lieber KK,
    bin immer wieder (freudig) überrascht über die inhaltliche Vielfalt deiner Blogbeiträge. Wunderbar, bitte weiter so!
    Grüße aus Bärlin 😊

  6. Lieber KK,

    schon wieder ein Beitrag, der mich persönlich sehr berührt hat!

    Ich hatte eine Bekanntschaft, wo ich mich von Anfang an überfordert bezüglich deren Vorstellung von Freundschaft gefühlt habe.
    Diesen Sommer habe ich es geschafft mich zu lösen. Leider hat die Person nachgetreten. Ich wusste, dass die Person über sich selbst sagt, dass sie Borderline hat. Ich wusste über die Krankheit nur ein bisschen Bescheid. Jetzt bin ich klüger! Die Trennung war ein Befreiungsschlag und hat gut getan.

    In der Familie hab ich auch eine Person. Da hat mir ein Gespräch und räumlicher Abstand etwas geholfen. In der Familie kann ich mich nicht komplett verweigern, dass bekomme ich mit meinem Gewissen nicht hin. Nun ist die Person auch schon länger krank (ich weiß Verstärker des schlechten Gewissen). Ich Versuche mehr auf mich zu achten und mich zu entziehen wenn es Mal nicht mehr geht.

  7. Interessant finde ich die Überlegung, dass gerade hinter solch rücksichtslosen Energieräubern oft Narzissten stecken mit einem geringen Selbstwertgefühl und großen Selbstzweifeln, großer Unsicherheit.
    Ich kenne auch mindestens einen Fall, den ich so noch nie betrachtet habe.
    Beim nächsten Zusammentreffen werde ich die Person mit ganz anderen Augen sehen.
    Ein sehr gelungener Artikel heute, lieben Dank!

  8. Super interessanter Bericht. Auch eine Person in meiner Bekanntschaft passt auf diese Beschreibung. Irgendwie bekommt sie nie irgendwas hin, immer sind die anderen Schuld. Kollegen, Brüder, Ärzte…. Es geht ihr immer schlecht, Vorschläge die ihr helfen könnten nimmt sie nicht an, Wenn sie etwas hat muss man ihr helfen , umgekehrt ist sie noch nie auf die Idee gekommen zu helfen. Nachdem man mit ihr zu tun hatte fühlt man sich leer und ausgesaugt.

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