LIFESTYLE & SPOILER ALERT: SEX, INTRIGEN UND MACHT * „BABYLON BERLIN“ UND „DYNASTY“ * SERIENTIPPS

Herbstzeit ist für mich Serienzeit. Als Liebhaber von gut gemachten TV-Serien kommen jetzt zwei neue sehenswerte Programme, die mich gleich nach den ersten Folgen gefesselt haben. Aus nostalgischen Gründen, aber auch weil sie einfach klasse gemacht sind. Obwohl, sie könnten nicht unterschiedlicher sein. Gemeinsam haben sie, dass es um menschliche Abgründe geht, und die können bekanntlich tief und spannungsreich sein…

 

Könnt ihr euch noch an „Der Denver-Clan“ (orig. „Dynasty“) erinnern? In den 80er Jahren meine absolute Lieblingsserie, nach „Dallas“ und „Falcon Crest“. Ich habe wohl nicht schlecht aus der Wäsche geschaut, als ich erfuhr, dass es nun ein Remake gibt (keine Fortsetzung!). Nach wirklich guter, alter Soap-Tradition wird hier alles aufgetischt, was sexy, skandalös oder intrigant ist. Und so geht es in der ersten Folge gleich ans Eingemachte: Blake und Krystle werden von Steven und Fallon beim Sex auf dem Esstisch erwischt, Fallon und Krystle prügeln sich im Brautkleid, Jeff Colby ist nun ein schwarzer Tech-Unternehmer und Sammy-Jo…nun ich will nicht zu viel verraten, aber in der Auftaktfolge stand mir fast 45 Minuten lang der Mund weit offen, da geht´s ab!

Natürlich ist der Stoff – typisch Soap – ordentlich an den Haaren herbeigezogen. Aber die kleinen und fiesen Änderungen zum Original geben eine neue Würze. Und auch die Schauspieler brauchen sich hinter dem Original nicht zu verstecken. War der olle Zausel Blake Carrington eher ein alter Mann mit Opa-Appeal, so ist es jetzt Grant Show, den wir sicher alle noch aus „Melrose Place“ kennen.

Esther Shapiro, Richard Shapiro, Josh Schwartz, Sallie Patrick und Stephanie Savage zeichnen sich für den Neuaufguss verantwortlich, und mindestens die Shapiros sollte man kennen, die hatten nämlich das Original in den 80ern auf unsere dicken, quadratischen Fernsehbildschirme gebracht. Sie wissen also wie es geht. Schockierende Skandale, Klatsch und Intrigen. Das ist es, was den Unterhaltungsfaktor von Dynasty auch 2017 ausmacht. Das dann im stromlinienförmigen Hochglanzdesign, das Auge isst bekanntlich mit. Schick und spannend!

In den USA bei „The CW“ zu sehen, seit Anfang Oktober ausserhalb der USA auf „Netflix“, jetzt wohl auch schon in deutscher Sprache.

 

 

 

Zum zweiten Serientipp bin ich nur zufällig gekommen, denn eigentlich wollte ich mir die Serie gar nicht anschauen. Es geht um „Babylon Berlin“ Davon hat man im Vorfeld schon eine Menge gehört, und auch hier geht es um Sex, Macht und Verbrechen. Das allerdings nicht ständig in Hochglanzoptik, sondern mit allem Dreck und Elend, das Berlin in den 1920er Jahren zu bieten hatte…neben der unglaublich dekadenten und glanzvollen feinen Gesellschaft, die sich mit Drogen, wilden Tänzen und ausschweifendem Sex zu unterhalten wusste.

Aber keine Angst, es handelt sich nicht um einen verkappten Erotikfilm, der nur ein Deckmäntelchen für viel nackte Haut braucht. Ganz im Gegenteil, die übersexualisierte Berliner Gesellschaft der wilden 20er Jahre wird ständig in krassen Kontrast mit dem Elend der einfachen Bevölkerung gesetzt. Man hat es nicht leicht in diesen Tagen, auch wenn der Ruf Berlins uns das immer schon Glauben machen wollte.

Umbruch, die Zeiten ändern sich, das spürt man in Berlin überall, und die Protagonisten dieser unglaublich gut gemachten deutschen Serie spielen das hervorragend.

Im Haupthandlungsstrang versucht Kommissar Gereon Rath Informationen über einen verruchten Pornofilmerring zu sammeln. Erpressung, Mord und Bestechung gehören dazu. Adenauer soll irgendwie verstrickt sein! Promt musste dazu die „Bildzeitung“ völlig voreilig und uninformiert einen Skandal der Besudelung des alten Adenauers vermuten (Bild: „Adenauer wird zum Puff-Gänger“). Blöd-Bild!

Aber auch eine Romanze deutet sich bereits in den ersten Folgen an, und die schafft es auch sogleich eine Verbindung zum Zuschauer zu stricken.

In weiteren Handlungssträngen lernt man eine Menge Menschen kennen, und viele, sehr viele, Dinge geschehen, von denen man noch nicht absehen kann, wohin sie führen werden. Ich bin mir aber sicher, dass alles miteinander verwoben ist. Diese Mehrdimensionalität muss man mögen, man muss gut aufpassen und sich Menschen merken. Man weiß nie, ob sie zu den Guten oder Bösen gehören, und alles wirkt noch ein wenig unverständlich. Aber das macht auch den Reiz der Serie aus!

Wie gesagt, ich wollte nur mal reinschauen, und blieb sofort für 90 Minuten gefesselt am Bildschirm! Ich konnte meinen Blick nicht abwenden, wollte unbedingt wissen wie es weiter geht, weiter und weiter. Wundervoll opulente Bilder paaren sich mit schrecklichen Szenen. Gewalt, Elend und Eleganz mit goldenen Champagnerkelchen wechseln sich im Achterbahntempo ab, und die enorm beladene Auftaktfolge gipfelt in einer wunderschön choreographierten Clubszene (dem legendären „Moka Efti“), die den schaurig-schönen Song „Zu Asche, zu Staub“ hervorbringt.

 

Die Autoren von „Babylon Berlin“ sind Tom Tykwer („Lola rennt“), Achim von Borries („Was nützt die Liebe in Gedanken“) und Hendrik Handloegten (Mitarb. „Goodbuye Lenin“). Produziert wird im Auftrag von ARD Degeto, Sky Deutschland und Das Erste. Gesendet wird momentan auf Sky Deutschland. 2018 auch auf Das Erste.

Ein Must-see! Im Gegensatz zum Kritiker der Süddeutschen Zeitung hat mich die Serie sofort berührt. Für eine deutsche Produktion ist sie ein Meilenstein („teuerste deutsche Serie aller Zeiten“), und mehr als unterhaltsam. Schreckhafte Gemüter sollten allerdings das Spektakel mit Vorsicht genießen.

 

 

 

 

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(Fotos: The CW, Instagram, Sky   Keinerlei Sponsoring)

7 Kommentare

  1. Moin lieber KK,

    auf Babylon Berlin freue ich mich schon sehr lange. Ich liebe den Kleider- und Frisurenstil der 20er Jahre und ich mag Volker Bruch sehr. Er passt irgendwie in diese Zeit. Fand ihn auch in „Unsere Mütter, unsere Väter“ sehr gut besetzt, auch wenn das zwei Jahrzehnte später gespielt hat. Die neue Version von Denver Clan werde ich mir nicht anschauen, mochte schon die Originalversion nicht so sehr. Ich war immer ein großer Dallas-Fan. Die Ewings waren herrlich bodenständig und normal, im Gegensatz zu den überkandidelten Carringtons mit Dienern und Hausmädchen und Chauffeur.

    Ich wünsche allein eine schöne Woche.

    Liebe Grüße
    Loretta

  2. Ein Remake von Denver-Clan, yeah; das ist doch was für mich.
    Habe ich, damals noch als Schülerin, immer zusammen mit meiner Mutter geschaut, : ).
    LG von Susanne

  3. Habe Babylon auch gesehen. Das war gigantisch gut. Werde ich unbedingt weiter schauen. Tolle Schauspieler und super Set, unglaublich für eine deutsche Produktion.

  4. Das sind ja tolle Tipps. Ich hoffe, die Serien kommen auch mal ins „analoge“ Oma-Fernsehen, ich konnte mich noch nicht überwinden, mir Netflix anzuschaffen. Was genau meinst du denn mit „schreckhaft“? Also ich grusel mich schon schnell und hab auch Probleme mit Gewaltszenen…

    1. Da wird schon einiges an Gewalt gezeigt. Die russischen Widerständler werden niedergemetzelt, man sieht Fotos von Toten und abgetrennte Gliedmaßen, usw. Keine leichte Kost, aber nichts was gruseln könnte.
      Liebe Grüße, KK

  5. Lieber KK,

    ich habe die Krimis über den Kommissar Gereon Rath, geschrieben von Volker Kutscher, gespielt im Berlin der 20er Jahre bis Kriegsausbruch alle verschlungen und kann dir sagen, drann bleiben lohnt sich👍Wenn die Filme gut umgesetzt sind, dann wirst du nicht enttäuscht werden. Denver fand ich leider zu soft und lahm. Da war mir der markante, teils fiese und böse JR lieber, da hat’s immer ordentlich geknallt.👿

    1. Danke! Ich habe auch schon überlegt, ob ich die Krimis mal lese. Scheint sich ja sehr zu lohnen.
      Und ja, Dnever Clan war immer arg weichgezeichnet. JR war mir auch viel „sympathischer“ 😉
      Viele Grüße, KK

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