DAS KONSUMKAISER TRENDBAROMETER * 01.09.2017

Das Trendbarometer startet jetzt frisch durch. Es geht immer noch um Dinge, die mich in der vergangenen Woche bewegt, belustigt oder erschüttert haben. Aber nichts folgt einem festen Schema, es kommt wie es kommt. Hauptsache ein bunter Mix, unterhaltsam, manchmal auch nachdenklich, immer ein bisschen böse…

 

Herbst

Ein Blatt aus sommerlichen Tagen,
ich nahm es so im Wandern mit,
auf dass es einst mir möge sagen,
wie laut die Nachtigall geschlagen,
wie grün der Wald, den ich durchschritt. (Fontane)

 

Der Herbst ist durchaus eine wunderschöne Jahreszeit, aber er macht mich melancholisch. Abschied war noch nie mein Ding.

So auch in diesem Jahr. Gestern gab es noch Sonnenschein und leichte Hemden, ein Eis im Hörnchen und einen kühlen Drink, in dem ein buntes Schirmchen steckte. Man konnte aus dem Bett steigen, ohne krachende Knochen und Gänsehaut auf den Schenkeln, und abends sorgte die flirrende Hitze für feucht-fröhliche Zusammenkünfte auf der Terrasse.

Und plötzlich stürzt das Soufflé zusammen. Der Morgen beginnt kühl und neblig. Erste Blätter verfärben sich in den Alleen und fallen zum feuchten Boden. Und ich stehe fassungslos da und frage mich, wo die Zeit geblieben ist. Was habe ich früher die Alten verlacht, die leise und traurig über die verrinnende Zeit sinnierten. Heute bin ich mitten drin, in diesem immer schneller werdenden Sog der Gezeiten.

Die Natur gibt sich Mühe uns den Abschied leichter zu machen, die herrlichen Farben, die Düfte, die Ernte. Und ich sehe es wohlwollend, will den Sommer aber nicht hergeben. Ich halte ihn ganz fest…so fest ich kann…es reicht nicht.

 

Was soll der Hype ums Eis?

Eis aus dem Supermarkt ist ja meist keine echte Freude, sondern enttäuschend. Momentan machen die Supermärkte aber einen mega Hype um das russische Eis „Plombier“ das es im vergangenen Sommer in so gut wie jeder Tiefkühltruhe zum Sonderangebot gab.

Da ich ja immer die Hoffnung habe, auch noch mal ein leckeres Tiefkühleis zu finden, habe ich es mir natürlich auch geholt. Sogar in mehreren Geschmacksrichtungen. Und? Hmm…keine Ahnung was daran nun besonders sein soll. Ein billiges Standardeis, so ein bisschen wie jenes, das ich mal 1988 in Ost-Berlin kaufte. Irgendwie substanzlos. Erinnert mich aber tatsächlich an Putin: Eiskalt, viel Trara und hinterher ärgert man sich.

Kennt ihr dieses Eis vielleicht im Original? Ist das besser, leckerer, besonders?

 

Social Media Stars

Wie schön, dass in unserer Zeit ja immer alle Dinge gemessen werden. So auch die Reichweite und der Erfolg von Influencern. Stand August 2017 stehen nun die Top-Stars der Branche wieder einmal fest: Bianca Heinicke alias „Bibis Beauty Palace“ und Leon Machère sind Deutschlands Top-Influencer im Social Web. Sie kommunizieren am erfolgreichsten auf Facebook, YouTube und Twitter. Dicht dahinter folgt Julian Claßen alias Julienco. (Quelle: Territory Webguerillas)

Wichtig bei solchen Rankings, die auch die Macht der Influencer spiegeln, ist zB. auch die Interaktion mit den Lesern/Konsumenten. Dabei spielt dann besonders eine Rolle, wie oft zB. die „Like-Buttons“ gedrückt werden.

Da haben wir Ü40 Blogger das Nachsehen, denn unsere Zielgruppe hat zwar (meist noch) ordentlich Kohle, aber sie drücken nicht gerne auf Social-Media Buttons, oder bleiben diesen Plattformen gleich ganz fern.

Was somit aber auch bedeutet, dass wir Älteren uns von der Generation Y die Butter vom Brot klauen lassen. Durch die unbändige Interaktionslust der jüngeren Generationen haben sie eine enorme Macht, wenn es um Konsum, Trends und Märkte geht. Über 40-Jährige sind als Konsumenten dagegen nicht mehr existent. Naja, vielleicht noch bei Lifta, Tena und Hörgeräte Müller von nebenan.

Ob die kleinen Schlümpfe sich all den Kram überhaupt leisten können, scheint nur zweitrangig zu sein. Hauptsache irgendeine fast noch minderjährige Vloggerin preist Luxusprodukte von Saint Laurent an. Markenbewusstsein und Bindung entwickeln sich früh, hört man dann.

Als sehr internetaffiner Mensch bedaure ich diese Situation, sehe aber auch ein langsames Nachziehen der älteren Generationen. Schade, denn eigentlich müssten die Trendforscher und Markenmacher um uns herumtanzen, denn Menschen in der zweiten Lebenshälfte sind deutlich konsumfreudiger, markenbewusster und markentreuer. Man muss sie nur richtig behandeln. Da ist es natürlich leichter die olle Gehirnwäsche-Bibi ins Video zu stellen und über jeglichen kaufbaren Mist brabbeln zu lassen. Die Kids leiern es dann den Eltern aus den Rippen.

 

Übrigens:

Kennt ihr die „Insta-Stories“ von Susi aka Texterella? Ich bin für eine Onlinepetition, dass Susanne dringend einen YouTube Kanal eröffnen soll, und sie dort über ihre Themen spricht. Ich finde ihren unaufgeregten Stil einfach wunderbar entspannend, neben all den Jahrmarktschreiern auf den Sozialen Medienkanälen. Ich selbst bin ja auch so ein Schnellsprecher, aber die fast schon leisen Töne, gepaart mit einer aussergewöhnlich angenehmen Stimme, würden mich auch mal ein YouTube Tutorial anschauen lassen. Zielgruppengerecht halt!

 

 

Bundestagswahl 2017

Na, auch noch unsicher, welche Partei deine Belange am ehesten vertritt? Der „Wahlomat“ kann helfen, denn er vergleicht die Parteiprogramme vieler Parteien mit deinen Angaben, die in einem kleinen Fragebogen (anonym) abgefragt werden.

Nochmals aber der Aufruf von mir persönlich zur Wahl zu gehen! In der Geschichte sind Menschen dafür gestorben, dass wir die Möglichkeiten einer Demokratie haben. Auch wenn wir womöglich noch so unzufrieden sind, es ändert nichts daran, dass wir als Bürger auch eine Pflicht zum Mittun haben.

Lustigerweise wählen ja ganz besonders gerne die Alten. Das bedeutet, dass Wahlen heutzutage ein verzerrtes Bild darstellen, denn die über 60-Jährigen sind deutlich überrepräsentiert. So lag die Wahlbeteiligung 2009 und 2013 sowohl bei den 60- bis 69-Jährigen als auch bei der Generation 70plus über dem Durchschnitt – bei allen Altersgruppen unter 40 darunter. Das bedeutet, die Alten bestimmen, die Jüngeren stemmen. Wer sich über mangelnde Kita-Plätze und marode Schulen beschwert, sollte also auf keinen Fall die Wahlen ausfallen lassen.

2013 verzichtete jeder 4. auf sein Wahlrecht. Der Nichtwähler sorgt aber dafür, dass kleinere Parteien, die sich in Umfragen rund um die Fünf-Prozent-Hürde bewegen, den Einzug in den Bundestag viel einfacher schaffen. Dazu kommt, dass die Unterstützer besonders rechter und linker Parteien stark motiviert sind, zur Wahl zu gehen.

HIER geht´s zum Wahlomat!

 

 

 

Scnes Wochenende!

 

 

.

 

 

 

(Fotos: Konsumkaiser, Hersteller, Wiki Commons    Keinerlei Sponsoring)

13 Kommentare

  1. Guten Morgen lieber Kaiser

    der Wahl-O Mat hat für mich „Die Partei“ ganz oben auf die Liste gesetzt 🙂
    Die Kinder, die die teuersten Waren anpreisen gehen mir am Mors vorbei. Lächerlich! Mir sagen ihre Namen nichts.
    Was mir nicht am Mors vorbei geht und mich erschreckt ist wirklich wie schnell die Zeit vergeht, da bin ich ganz bei dir.

    Ich wünsche dir und allen hier ein schönes erstes Herbstwochenende.

    Silvia

  2. Nimm dir die Blogger-Reichweiten von Bibis Beauty-Baustelle u. a. nicht so zu Herzen. Das gucken nur die unter 14-jährigen. Meine Kinder (15 und 17) und deren Freunde machen sich über diese (O-Ton) „Vollpfosten“ lustig und erkennen die Verkaufsmasche dahinter.

      1. Jep, was Birte sagt. Gilt sogar für nicht als Werbung deklarierte Insta-Posts diverser Fitness-„Fuzzis“ und das zeigt mir, dass ich bei der Erziehung wohl doch einiges richtig gemacht habe. 😉

  3. Guten Morgen,

    woher hast du immer die Namen dieser seltsamen Menschen, lieber KK? Die habe ich, außer bei dir, noch nirgendwo gehört. Muss die alle immer googeln. Ich schaue mich öfter bei Instagram um. Da frage ich mich auch immer, woher diese jungen Menschen wohl all das Geld haben. Welche Anfang 20jährige kann realistischerweise eine Taschsammlung, die Betonung liegt auf SAMMLUNG, mit mehreren Taschen von Louis Vuitton und Chanel haben? Kann es so viele reiche Eltern geben, die ihren Kindern das finanzieren? Ich meine, neben dem Studium, Auto, Urlauben. Das sind alles kleinere Accounts, die nicht diese gestellten Fotos haben, die total nach Werbung aussehen und wo man davon ausgehen kann, dass die Sachen gesponsert sind.

    Ich wünsche allen ein schönes Wochenende
    Loretta

  4. Guten Morgen lieber Kaiser,
    Dein Post hat mich ganz melancholisch gestimmt, tja, die Zeit vergeht und das wird mir mit den Jahren auch immer bewusster (leider … oder vielleicht besser so?). Bei uns im Beaujolais sind wir von höchster Hitzewarnung mit 35 Grad auf Dauerregen mit 19 Grad ohne Vorwarnung übergegangen, autsch :)!
    Bin vollkommen Deiner Meinung was diese jungen YouTube „Stars“ angeht, da kann ich nur den Kopf schütteln, mehr ist da nicht drin.

    Ich bin übrigens schon wählen gegangen, muss man als Auslandsdeutsche ja schon ziemlich früh machen und ich habe meine Kinder auch überzeugen können regelmäßig wählen zu gehen. Etwas anderes käme für sie gar nicht in Frage. Sie wissen, ihre Stimme zählt und sind froh darüber. Das haben wir ja bei den letzten Wahlen in Frankreich sehen können, wir sind sozusagen zur Wahl gerannt, um Schlimmeres zu vermeiden.

    Einen schöne Freitag und einen guten Star in Wochenende

  5. Also der Wahl-O-Mat hat mich sehr verschreckt. Ich weiß nicht ob es daran liegt dass ich als Porsche-Fahrerin Geschwindigkeitsbegrenzungen auf der Autobahn natürlich kategorisch ablehne, oder dass ich mir für meine Mitarbeiter wünsche, dass es Kitas verbindlich für alle gibt… wie auch immer – ich bleibe brav in der Mitte und werde mal gucken was Pantone vorschlägt 😉

  6. Hallo lieber Konsumkaiser,

    huch, da werde ich ja ganz rot! Danke für die Erwähnung! Youtube lockt mich ehrlich gesagt gar nicht, vermutlich weil ich selber nur sehr selten youtube gucke, höchstens mal alte Lieder von früher *gggg* – ABER: Ich plane für den Herbst tatsächlich ein Podcast-Serie. 😀 Bin gespannt, ob’s was wird.

    Wahl und Wahlomat. Danke für den Hinweis! Man kann ja gar nicht oft genug betonen, dass jede Stimme zählt und wichtig ist!! Wobei ich bei dieser Wahl von einer hohen Beteiligung ausgehe. Die derzeitig Weltlage macht doch sehr viele nervös (zurecht!) und ruft auch die gelegentlichen Nichtwähler auf den Plan.

  7. Hey, der Herbst ist kein Grund melancholisch zu sein, er ist so schön mit seinen bunten Blättern, oft scheint bis Ende Oktober sie Sonne und zwar ganz besonders schön.
    Außerdem gibts diese tollen stürmischen Tage.
    Dieses Jahr hat mich nur der Sommer melancholisch werden lassen 😦
    Also, nicht die Laune verderben lassen, habt alle ein schönes Wochenende 🙂

  8. du bist erschrocken über die ersten herbstanzeichen? Ich habe gestern im supermarkt die ersten weihnachtsplätzchen gesehen!?!?
    die welt wird immer verrückter…

  9. Das ist aber schön, dieses Gedicht. Poesie hat doch immer etwas tröstliches, bittersüsses.

    Hab mir gerade die Tage erstmalig instragram rungergeladen, und muss gestehen, dass ich das Konzept nicht begreife. Da kommt eine ungeordnete Folge von Fotos, die die Leute posten. Informationsgehalt fast null. Versteh ich nicht, wieso da auch so ein Wirbel drum gemacht wird, wer wieviele Follower hat und so weiter. Vielleicht erschliesst es sich ja noch.

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