LIFESTYLE: VON FERNSEHKÖCHEN, SPÜLWAHN UND EINEM PASCHA WIDER WILLEN

Über Pfingsten war ich ein paar Tage weg. Ein schönes großes Ferienhaus und weitere vier nette Leute. Dazu Wein und viel Gequatsche. Doch ganz so einfach ist solch eine feine Zusammenkunft beileibe nicht, spätestens nach dem ersten Essen teilen sich die Lager. Dann zieht man besser den Kopf ein, oder erkämpft sich den Spüllappen…

 

Wetter? Fein! Location? Schick bis Luxus. Stand-alone, also Musik laut, keine Nachbarn in Sicht. Verpflegung? Üppig bis schlemmerhaft, so leckeren Wein trinkt man selten. Was dann aber auch an der Gesellschaft liegen musste, denn die war ebenfalls auf den ersten Blick vielversprechend. Zwei Mädels und drei Jungs hatten zwei Tage lang nichts besseres zu tun, als in der Abgeschiedenheit über Gott und die Welt zu plaudern. Inklusive Spaziergänge und Bad im angegliederten Pool. Angegliedert? Ja, der hatte nämlich sein eigenes kleines „Haus“. Hach, irgendwie verschwenderisch-mondän. Wie hoch wohl die Wartungskosten sein mögen? Und braucht man bei einem Privatpool eigentlich auch einen Bademeister?

Nach besagten Spaziergängen und mehreren 1000 Metern Schwimmen…äh, oder unwesentlich weniger, tut man was? Essen natürlich! Nun bin ich ja sonst immer der heimliche Koch, was auch daran liegt, dass ich sehr mäkelig beim Essen bin und lieber selbst koche. Da weiß ich wenigstens was drin ist, im guten Topf. Keine Schweinsfüße und keine Fischaugen, nein, nein, NEIN!

Wie es der Zufall aber wollte, war einer der Mitstreiter ein gelernter (und sehr bekannter) Koch. Hmm, da kann meine gefüllte Paprika nicht mithalten…sagten die Damen und Herren um mich herum wenig einfühlsam.

Ich wurde zur Untätigkeit verdammt. Nicht mal beim Schnippeln brauchte ich helfen. Le Chef hatte das Gemüse, einem Zirkusjongleur gleich, bereits binnen zwei Minuten klein gezaubert, in eine Pfanne bugsiert und auf höchster Flamme kurz gedingsbumst…also, wie auch immer das heißt, wenn Gemüse nur ganz kurz und sehr heiß – aber schonend – angebraten wird, um es zu einem himmlisch duftenden bunten Kunstwerk werden zu lassen.

Danach kam dann die „Geheimzutat“ aller Köche: Zwei Liter Sahne. Pro Person. Na ja, fast zumindest. Find ich immer toll: Mit so viel Fett schmeckt auch eine auf dem Holzkohlegrill geröstete Schuhsohle nach Bocuse, aber wer hört schon auf mich? Paprikaschoten sind übrigens sehr kalorienarm.

Nein, es wurde definitiv keine Paprikaschote, ich schaute etwas verschüchtert auf meinen Teller: Es gab etwas „mit Medaillon“ und „an Schäumchen vom Laberrhabarber“. Phhh…

Nun muss ich einen Sprung machen, denn von den vielen „Ahhhs“ und „Ohhhs“ , ob des himmlischen Geschmacks, möchte ich nicht unbedingt auch noch berichten. Und nein, ich bin nicht eingeschnappt.

Nach dem Essen war es an der Zeit auch etwas für die Gemeinschaft zu tun. Aber versuch heutzutage mal nen simplen Spüljob zu ergattern. Alle bekundeten gierig spülen zu wollen, oder Geschirr wegbringen, abtrocknen war auch dabei. Und ich? Meine Güte, wie man sich halt so fühlt, kurz nachdem man in eine Fressnarkose gefallen ist. Was mussten die denn alle urplötzlich so einen Aufriss machen?

Die Lizenz zum Spülen war dann auch prompt vergeben. Und ich schielte gerade zu meinem nächsten Glas Rotwein, als mir auch schon, schwups, das Rotweinglas vor der Nase weggezogen wurde. Proteste halfen nicht, der Spülwahn war ausgebrochen. Kampfeslustig und irgendwie putzgeil war die Meute, und mir wurde schwindlig. Leuchtete da bereits Tellerlogistik in den Augen meines Tischnachbarn? „Wo bin ich hier nur gelandet?“

Ich raffte mich, widerwillig angespornt von der wuselnden Meute, auf und stand bereits mit einem Bein auf dem Weg zur Küche, als auch noch die letzte Mitstreiterin laut grölte: „Und ich koch mal Kaffee!“  Verdammt…

So, nun reichte es. Ich setzte mich wieder an den mittlerweile krümelbefreiten Tisch, überlegte es mir aber doch und holte ein neues Weinglas, samt Inhalt, und verzog mich auf die Couch. Ahhh ja. So muss sich also ein Couchpascha fühlen, interessant. Füße hoch, am Glas genippt, in die warme Abendsonne geblinzelt, herrlich. Ein Gedanke schoss mir noch kurz in den Sinn: Ob die anderen mich wohl für faul halten? Was soll´s…

 

.

 

 

(Foto: BeFunky  Keinerlei Sponsoring)

 

14 Kommentare

  1. Was? Der Pool hat ein eigenes Haus, aber das eigentliche Haus besitzt keine Spülmaschine? Klingt nach Camping. 😎

    @Essen: bei mir bekommt nur jemand das Prädikat „guter Koch“, wenn er leicht u. gesund kocht, nicht mit tonnenweise Fett/Sahne hantiert, dabei aber nicht nur grünen Salat auf den Teller bringt. Ich wäre gerne ein guter Koch. 😆

      1. Verstehe. Habe in der letzten FeWo mit einer Tk-Pizza in der Hand vor dem Ofen gesessen und vor Wut geheult. Verdammte Kindersicherung! 😂

          1. Stimmt. Aber vorher sollte sie vielleicht einmal aufgebacken worden sein?! 😎 [Unter uns: eigentlich schmeckt Tk-Pizza ja gar nicht. Aber ich hatte halt keinen bekannten Koch im Gepäck. Nicht mal nen unbekannten… 😉 ]

  2. Sehr schön geschrieben! Ich habe laut gelacht, denn sowas kenne ich. Meine Kinder nennen mich auch immer „putzgeil“, und ich kann ihnen nicht mal richtig böse sein, denn irgendwo haben die recht. 🙂
    Dein Blog hellt meine Stimmung immer wieder auf, egal wie grau es draussen ist. Danke!

  3. *hm* feines essen (gerne fett und lecker) und guter wein – und freunde dazu und dann noch die perfekte lokation. da ist sogar das wetter nebensache. klingt rundherum gut, jedenfalls dein part. ich lasse die macher auch immer machen. auf „spülhände“ verzichte ich gerne. einzige ausnahme: meine riedel gläser. die werden nur von hand gespült und nur von mir. dann muss ich auch nicht lange überlegen, wer bei glasbruch für ersatz sorgt.

    liebe grüße
    bärbel ☼

  4. Warum warst Du für die Truppe nicht der morgendliche Vorturner bei der Frühgymnastik ?
    Das kannst Du ! Jeder muss halt nach seinen Fähigkeiten eingesetzt werden !

    Weiterer Vorteil: niemand hätte ein schlechtes Gewissen nach der Völlerei 😉

  5. ob ein privatpool einen bademeister braucht?
    keine ahnung. aber ein poolboy (oder zwei) geht wirklich immer!! 😁

  6. Also da würde ich denken das die anderen ja schließlich Freiwillige waren und da muss man nicht mitmachen 🙂

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