SPORT: IST EIN HARTER, FLACHER BAUCH WIRKLICH SO ERSTREBENSWERT?

Bauchmuskeln sind heutzutage Statussymbole. In den sozialen Medien vergeht kaum eine Sekunde, in der nicht ein Bild mit hochgezogenem T-Shirt veröffentlich wird. Natürlich mit stahlhartem Sixpack. Dahinter stecken harte Arbeit, Entbehrungen, aber auch noch ein paar andere Dinge. Und weil das immer weiter um sich greift, und auch Frauen eingebläut wird, dass sie gefälligst selbst nach der Geburt innerhalb weniger Wochen diese „Killer Abs“ haben müssen, will ich doch mal einen Blick auf diesen heftigen Trend werfen…

 

Schwabbelwampe gegen Waschbrettbauch?

Nun, klar, dass da die trainierte Körpermitte gewinnt. Optisch macht solch eine dicke Plautze nicht viel her. Insgeheim denken wir dabei an einen Zustand, den es dringend zu bekämpfen gilt.

Nur ein schlanker und trainierter Bauch signalisiert Sportlichkeit, Agilität, Energie, Jugend und Gesundheit.

Und zumindest beim gesundheitlichen Aspekt möchte ich vorsichtig sagen: „Kann stimmen, muss aber nicht“.

Ein sehr dicker und mit Körperfett beladener Bauch ist in der Tat nicht sonderlich gesundheitsfördernd, da das dortige Fett ungute Prozesse im Körper in Gang setzen kann. Heute wissen wir, dass dieses Bauchfett als Indikator für Herz-Kreislauferkrankungen gesehen werden kann. Ein wenig an Bauchumfang zu verlieren ist also der Gesundheit durchaus zuträglich. Dazu gibt es Empfehlungen (unbedingt altersgemäß interpretieren, ältere Menschen dürfen leicht übers Ziel hinausschießen!): KLICK!

 

Nur ein fester und flacher Bauch ist ein guter Bauch

Medien und Sportstudios preisen einen ständig festen, flachen Bauch, der sich von außen hart anfühlt, und der sozusagen „trocken gelegt“ wurde. Auch meint man, mit einem festen Bauch die Wirbelsäule zu stützen und dem Rücken etwas Gutes zu tun. Wenn man den Bauch ständig krampfhaft einzieht, wirkt man dynamischer, sportlicher und gesünder. Der Rücken bekommt eine stete Stütze, einem Bandscheibenvorfall kann ich so entgegenwirken.

Aber…

Bretter-Bäuche sind eher unnatürlich
Flache, gerade Bäuche, die wie Bretter aussehen, sind – auch bei den schlanksten Menschen – nicht natürlich.

Ein leicht nach außen gewölbter Bauch ist kein vorstehender Bauch.
Die normale Form des Unterbauchs ist leicht nach außen gewölbt – ganz besonders bei der Frau.
Leicht vorgewölbt heißt nicht: vorstehend oder dick!

Vorstehende Bäuche kommen nicht durch schwache Bauchmuskeln.
Vorstehende Bäuche kommen meist durch „Speck“ und/oder Fehlhaltungen.

Vom Einziehen geht der Speck am Bauch nicht weg.
Der bleibt! Das ständige Anspannen des Bauchs vermittelt nur eine Illusion. Ein ständig eingezogener Bauch kann sogar Heißhungerattacken (Bauch einziehen ist Arbeit) auslösen und damit den Speck am Bauch vermehren.

Vom Einziehen geht die Fehlhaltung nicht weg
Bei Fehlhaltungen ist die Bauchmuskulatur nicht erschlafft, sondern der Bauch wird unwillkürlich herausgedrückt. Die Fehlhaltung wird durch Einziehen und Auftrainieren der Bauchmuskeln nicht per se beseitigt. NUR das Zusammenspiel von gleich starken Anteilen von Bauch UND Rücken kann da eine Verbesserung bringen.

Die Bauchmuskeln sollten nur dann hart sein, wenn sie gegen einen Widerstand (zB. Schwerkraft) arbeiten
Wie jeder Muskel sollten auch die Bauchmuskeln sich abwechselnd anspannen und entspannen. Wenn Sie ein Gewicht heben oder sich zurückbeugen, müssen sich die Bauchmuskeln vorübergehend hart machen, um das Gewicht bzw. das Körpergewicht gegen die Schwerkraft zu halten.

Dauernd hart ist nicht sportlich, sondern verspannt.
Ein dauerhaft harter Bauch kann sich nicht mehr entspannen und nicht mehr bewegen.

Weich ist nicht schlaff
Wenn man im Stehen, Sitzen oder Liegen auf den Bauch drückt, sollte dieser sich immer weich anfühlen und elastisch nachgeben. Ein elastisch-weicher Bauch im Ruhezustand ist nicht schlaff sondern natürlich und gesund. Wirklich schlaffe Bauchmuskeln bekommt man nur bei einer Lähmung durch Verletzung der Bauchnerven, Schlaganfall oder Querschnittslähmung. Diese extreme Erschlaffung der Bauchmuskulatur ist extrem selten.

Ein harter Bauch macht schlapp und wenig leistungsfähig.
Weil die Muskeln durch die Atemeinschränkung nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt sind, bewirkt ein ständig harter Bauch auf Dauer das Gegenteil von Fitness: Abnahme der Kondition und der körperliche Leistungsfähigkeit.

Mit dauernd hartem Bauch fühlt man sich auf Dauer ausgepowert
Die Atemeinschränkung durch den harten Bauch schlägt auch auf Antrieb und Stimmung. Man fühlt man sich insgesamt abgeschlagen, kraft- und energielos, manchmal sogar depressiv.

„Ein fester Bauch macht einen festen, geraden Rücken.“ Stimmt, aber ein fester, gerader Rücken ist ein ungesunder Flachrücken. Bei normaler Ausgangshaltung verschwindet durch verkürzte Bauchmuskeln die natürliche Einwärtswölbung des Rückens in der Taille. Der Rücken wird übergerade und unbeweglich. Sehr ungesund, sehr unsportlich.

Eine Hohlkreuzhaltung verschwindet durch einen festen Bauch nicht. Eine Hohlkreuzhaltung entsteht durch verspannte, verkürzte Rückenmuskeln. Hält man zusätzlich den Bauch angespannt, ist man nur doppelt verspannt.

Die Bauchmuskeln sind zum Bewegen da – nicht zum dauerhaften Halten oder Stützen.
Wie alle Muskeln sind auch die Bauchmuskeln darauf angelegt, dass sie sich abwechselnd anspannen und entspannen. Sie stützen und halten nur kurzfristig, wenn sie uns bei der Bewegung gegen die Schwerkraft halten müssen. Bei aufrechter Haltung befindet sich der Körper im Lot. Weder Körper noch Rücken brauchen dabei eine Stütze.

Um die Wirbelsäule dynamisch aufrecht zu halten, braucht es einen lockeren, beweglichen Bauch.
Als Zweibeiner hat der Mensch kein statisches sondern ein dynamisches Gleichgewicht. Die aufrechte Haltung ist nur mit lockeren, reaktionsbereiten Muskeln zu erreichen. Deswegen sind kleine Kinder von Anfang an total aufrecht – ohne Bauch- oder Rückenmuskeltraining und mit einem gerundeten, weichen Bauch.

Ein dauernd fester Bauch macht instabil
Ist der Bauch ständig fest, verliert auch der Rücken an Anpassungsfähigkeit und dynamischer Stabilität. Man fällt leichter.

Ein dauernd fester Bauch kann zu Rückenschmerzen führen
Rückenschmerzen kommen in erster Linie von Dauerkontraktionen in der Muskulatur. Ist der Rücken durch Dauerkontraktion des Bauchs erstarrt, sind Rückenschmerzen vorprogrammiert.

Fazit:

Ein ständig flacher, harter Bauch ist also eigentlich keine gute Idee und nur durch unser durcheinander geratenenes Schönheitsideal so verbreitet!  Ein harter, flacher Bauch führt zur Mangeldurchblutung der Bauchdecke und Bauchorgane.  Außerdem werden die inneren Organe unbeweglicher. Normalerweise werden sie von der Atmung ständig mitbewegt und „durchmassiert“. Das entfällt, wenn der Bauch starr ist.
Daher kann ein harter Bauch einen Rattenschwanz an gesundheitlichen Folgeproblemen nach sich ziehen.

 

Ständig NUR die üblichen Bauchmuskelübungen auszuführen ist falsch. Heute wissen wir, dass nur ein Training mit unterschiedlichen Belastungsreizen zielführend ist. Möglichst beweglich in dieser Region bedeutet auch, keine dicken Muskelpakete in dieser Region zu erzeugen. IMMER den Rücken mit trainieren!

Einen Waschbrettbauch kann zwar jeder erreichen, aber es ist genetisch festgelegt, wie viele Opfer man dafür bringen muss. Einige Menschen brauchen nur wenig Sport und eine normale Ernährung – und schon sieht man das Spiel der Muskulatur in der Körpermitte. Bei vielen anderen Menschen ist dies aber einzig durch unangemessen hartes Training und ein extremes Kaloriendefizit zu erreichen.

 

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(Fotos: Konsumkaiser, Wiki Commons,  Wissenschaftl. Unterstützung: Frau Dr. Helga Pohl,  Keinerlei Sponsoring)

4 Kommentare

  1. Hallo Herr Konsumkaiser,
    vielen Dank für den sehr informativen Artikel zum Thema „Waschbrettbauch“. Schönes Wochenende!

  2. Von zu festem bauch sind die meisten in unserem alter wahrscheinlich weit entfernt. es sind eher die paar kilo „weichteile“, die hartnäckig nicht weg gehen wollen:-(
    ich habe mein ganzes leben lang ohne extra was dafür getan zu haben bei 158cm größe 46 kg gewogen. und jetzt habe ich seit einigen jahren mit 6 kg extra gewicht zu kämpfen. ich ernähre mich ähnlich wie damals, mache sogar 2x woche sport (was ich früher nie getan habe) – die kilos bleiben :-(( das ist sooo ungerecht…

    1. Das mag das „Geheimnis“ sein: Unser Kalorienverbrauch wird mit zunehmenden Alter etwas niedriger, der Stoffwechsel verändert sich, wir brauchen andere Nährstoffe mehr als die, die wir bislang hauptsächlich benötigten, usw. Ungerecht ist das wirklich, aber du bist ja nicht allein. Mehr als 2/3 der Menschen nehmen ein wenig zu wenn sie älter werden. Wer seine Topmodelfigut hält, muss meist viele Entbehrungen in Kauf nehmen. Die genetisch Bevorteilten mal herausgenommen. 🙂
      Liebe Grüße, KK

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