LIFESTYLE: HERR KK ERKLÄRT DIE WELT * STURMWARNUNG? TERROR? KARNEVAL!

Ich habe ja noch nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich Karneval..Ähem…nicht so prickelnd finde. Ich will da wirklich auch niemandem die Freude am Schunkeln vermiesen, aber in früheren Leben war ich mit Sicherheit kein Kölner, Düsseldorfer oder Mainzer. Deutlich eher schon ein Harzer Käse, und ähnlich prickelnd finde ich, was man in den nächsten Tagen wieder zu sehen und zu hören bekommen wird…Tataaaa…

Die Vorgeschichte

Ganz kurz mal: Woher kommt meine ablehnende Haltung zum (deutschen) Karneval? Nun, meine Eltern mochten Faschingsumzüge sehr gern, als ich noch ein kleiner Junge war. Und dementsprechend war klein-KK dann als Cowboy/Clown/Tintenfisch und HuiBuh das Schlossgespenst auch mit dabei, wenn meine Eltern am Straßenrand die Umzugswagen bewunderten.

Toll, alle größer als ich, alle schneller an der Kamelle (den Trick mit dem umgedrehten Regenschirm kannte ich noch nicht), alle deutlich lauter und „fröhlicher“ als ich und irgendwie machte mir das Angst. Verkleiden? Klar, das mag jedes Kind. Aber Menschenansammlungen, die sich unheimlich, unkontrollierbar und rhythmisch zu überzogen juchzender Marschmusik bewegten mochte ich noch nie.

Ganz zu schweigen von der Arschkälte, die einem im Stehen binnen Sekunden zur Märchenfigur aus „Frozen“ werden lässt, unangenehmen Luftschlangen, die sich aus dem Nichts um deinen Hals wickeln, und aufdringlichen Funkenmariechen im fortgeschrittenen Alter, die alles knutschen wollen, was zwei Beine hat (Das Pferdekostüm wäre also die Rettung?), besonders kleine, etwas ängstlich dreinschauende Jungs! Jetzt gerade beim Schreiben dieser Zeilen wird es mir doch gleich ein wenig schwummrig im Kopf: Nee, liebe Närrinnen und Narrhalesen, das habt ihr mir als Kind verdorben, das wird keine große Liebe mehr.

Carnaval De Rio

Besonders, wenn man dann einmal das Glück hatte den Karneval von Rio leibhaftig mitzuerleben! Warm, um nicht zu sagen heiß! Und Menschen, die sich richtig(!) bewegen können. Und nicht dieses hüftsteife Rumpfkreisen, was in unseren Breitengraden so verbreitet ist. Gut, laut und feuchtfröhlich ist es dort auch, wenn nicht sogar teilweise unglaublich laut und feucht! Aber komischerweise steckt das an. Wahrscheinlich denkt mein Unterbewusstsein in diesem Moment: „Egal, wenn du jetzt hier in diesem unberechenbaren Pulk stirbst, ist es wenigstens warm und du bist umringt von wunderschönen Menschen!“ Wer will schon im grauen Februar, bei gefühlten -99 Grad, in Essen-Rüttenscheid auf dem Bürgersteig neben ner angeknabberten Milchschnitte ins Gras beißen?

Pinkeln, pöbeln und plumpe Musik

Diese nationale Olympiade der Wildpinkler und Megaphon-Gröhler ist mir in der Tat immer noch nicht geheuer. Immer wieder muss es Schlägereien geben, Frauen werden angegrabscht, Männer auch, und jede kleine Toreinfahrt wird zur lauschigen Lovelounge, wenn man nur genug vorgeglüht hat.

Und diese Musik…ist das eigentlich noch Musik, oder doch schon eine der zehn Höllenqualen? Und was passiert eigentlich, wenn man Helene Fischer, de Höhner und Michael Wendler in einen Mixer wirft? Tritt der Teufel dann ab, weil er seinen Meister gefunden hat? Man weiß es nicht, aber diese Musik kann ich mir nicht freiwillig anhören, die steht sogar bei RTL2 auf dem Index.

Diese fröhliche Mischung aus Alkohol, Urin, Erbrochenem und aggressiv balzenden Menschen im (meist finalen) Hormonrausch hat aber auch etwas Gutes an sich: An diesen Tagen bleibe ich schön zuhause, mache mir keine Gedanken, wohin man am Wochenende mal gehen sollte, sondern nagele Bretter vor alle Türen und Fenster, und spätestens ab Mittwoch kann ich mir an ca. 360 Tagen aussuchen, wann ich Lust auf Party und Spaß habe. Frohsinn nach Stechuhr juckt mich nicht, und um den Anderen diese arge Freude nicht zu vermiesen, bleibe ich eben daheim.

Und wichtig: Lieber als Auto gehen, als Auto fahren!

In diesem Sinne: Helau und Alaaf!

 

 

 

.

 

 

(Foto: Konsumkaiser   Keinerlei Sponsoring)

 

15 Kommentare

  1. Dem ist nichts hinzuzufügen – außer vielleicht, dass auch kleine Mädchen ein Karnevals-Trauma davontragen können. 😉 Danke für die offenen Worte und einen arbeitsamen Sonntag! 👍🏻😊

  2. Schön, dass du das so offen sagst. Ich bin auch kompletter Faschingsverweigerer. Leider kann ich jobbedingt nicht zu Hause bleiben, sondern muss mitten in die besoffene Meute rein. Zum Glück haben wir Security an der Tür, die das schlimmste verhindert.

  3. Wohne zum Glück in einer Stadt, in der man mit Karneval nichts, aber auch gar nichts am Hut hat und das ist gut so. Und mir ist so ein kollektiver Alkoholrausch (nicht nur beim Karneval) generell suspekt. Alkoholselige Menschen (egal welchen Geschlechts), die mir in irgendeiner Art und Weise auf die Pelle rücken, finde ich widerlich. Und wenn ich was auch immer nicht auch nüchtern machen kann (also mich nicht traue oder keinen daran Spaß finde etc.), dann mache ich es gar nicht. Und nee, ich bin kein Antialkoholiker, ich trinke gerne mal ein Glas Wein. 😉

    Na dann hoffe ich, dass du dich mit allem eingedeckt hast und nicht aus der Wohnung musst. 😉

    LG Anna

  4. Hier bei uns gibt es einen Karnevalsverein, 4 Sitzungen, einen Umzug. … und das alles in einem 1200 Seelen Dorf. Ich bin dann bei meinen Kollegen immer besonders beliebt, weil ich für alle Vertretung mache. Ich habe mit Fastnacht so gar nix zu tun, aber wenn die anderen Spaß dran haben. … warum nicht .
    LG Jutta

  5. … wer hat da in meinem Leben spioniert ;-)?? Deine Beschreibung trifft meine Erinnerungen haargenau … das Zusehen – vorzugsweise bei nasskaltem und/oder windig-frostigem Wetter – bei Faschingsumzügen, die scheinbar für alle anderen lustig und interessant waren …

    Besonders in Erinnerung geblieben ist mir meine Verkleidung als kleiner Mohr, der zwar als solcher einen Preis bei dieser „Zwangsheiterkeitsveranstaltung“ gewonnen hat, für diesen im überheizten Veranstaltungssaal aber fast mit einem Hitzschlag (schwarze Strumpfhose, schwarzes langärmeliges Leibchen, dicke schwarze Faschingsschminke im Gesicht) bezahlt hätte. Seither – und das sind mehr als ein paar Minuten ;-)) – bin ich restlos kuriert :-).

  6. Ich habe nichts gegen Karneval – wenn er dort stattfindet, wo er hingehört. Rio ist fein, weil weit weg, aber auch Köln, Mainz, warum nicht. Dass aber ein Karnevalsumzug alle zwei Jahre direkt durch unsere Straße zieht, man den ganzen Tag über von „Drei nackten Friseusen“ oder „Drei scheißenden Tauben“ beschallt wird, dass man noch Monate später allerlei Metallglitzerkram aus der Botanik klaubt, dass Wildpinkler sich gern hinter unseren Anbau stellen – alle zwei Jahre reicht wirklich.
    In den „Umzugsjahren“ hilft es auch nicht, Fenster und Türen zu vernageln, J.S. Bach oder Vivaldi in Orchesterlautstärke aufzulegen, gegen das Wummern hilft nichts.
    In diesem Jahr ist es ruhig. Am Rosenmontag werde ich dem karnevalistischen Brauchtum frönen und einen mit Zucker bestreuten Krapfen essen. Keine Eierlikör- oder Whiskeyfüllung – ganz traditionell Marmelade. Und sollte mir dieser fetttriefende Krapfen wider Erwarten gut bekommen, könnte ich dem Brauchtum eventuell am Dienstag noch einmal Tribut zollen – dann ist es aber auch gut.
    Liebe Grüße an die gar nicht so kleine Gruppe der Verweigerer!
    Lissy

  7. Da kann ich Dir nur beipflichten… als Norddeutsche haben wir hier oben eh nicht sooo viel mit Karneval am Hut – aber während meiner Zeit im Ruhrgebiet habe ich mal Weiberfastnacht auf der RÜ und den Rosenmontag in D´dorf kennen und hassen gelernt. Nix für mich. Da konnte ich den freien Rosenmontag immer gut zu einem schönen verlängerten Wochenend Trip in meine Heimat nutzen. Alles hat irgendwie immer etwas Gutes 🙂

    Schöne gemütliche Tag zuhause wünsche ich Dir
    LG Birgit

  8. Als gebürtige Brasilianerin und noch „carioca“, möchte ich nur hier bestätigen was du sagst – Carnaval do Rio ist einfach unvergleichbar und auf der Sambódromo zu laufen ist ein emotionales Erlebnis! 😀
    Liebe Grüße
    Claudia
    http://www.claudias-welt.com

    1. Toll! Eine echt gute Bestätigung von der „Fachfrau“! 😉 Ich durfte einmal zuschauen und war im 7. Himmel, so viel Energie und Lebensfreude habe ich nie wieder erlebt.
      Viele Grüße, KK

  9. 🙂 Ich kann mich auch nicht mit dem Karneval nicht anfreunden.
    Konnte ich noch nie. Das ganze Helau und Alaaf ist einfach nicht mein Ding.
    Aber sollen die andern mal fröhlich Kammelle sammeln und ihren Hormonen freien Lauf lassen.
    Ich muss ja nicht dabei sein 😀
    Schönen Sonntagabend 🙂

  10. Wie immer gibt es zwei Seiten. Jeder sollte für sich das Beste daraus ziehen. Auf Komando lustig sein ist nicht toll, Pinkel und angrapschen auch nicht. Aber wer gerne feiert der soll es tun. Ich bin oft scchon vor der 5. Jahreszeit geflüchtet.
    LG Petra

Kommentare gern gesehen!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s