SKINCARE: DO YOU SPEAK BEAUTY? „KOSMETIKSPRECH“ UNTER DER LUPE

Die Kosmetikindustrie bombardiert uns mit erlesenen und blümeranten Wortschöpfungen. Und wir, die Kunden, staunen meist nur und können höchstens noch ein bewunderndes „Ah“ und „Oh“ herausbringen. Aber was soll uns dieses Kosmetikkauderwelsch eigentlich sagen? Muss das so sein, oder steckt dahinter doch nur Marketingstrategie?

 

Miniatureshampoo bottles isolated against a white background

 

Merke: Wenn man Hochglanzmagazine durchschaut, sollte man besser nicht die Texte lesen. Warum? Weil man zuerst das Staunen anfängt und dann verzweifelt nach einer Fliegenklatsche Ausschau hält, die man den entsprechenden Rdakteurinnen und Redakteuren um die Ohren hauen möchte.

Gestern erst hatte ich wieder solch ein (teuer bezahltes) Werbeheftchen in den Händen und staunte nicht schlecht: Da wurde mir doch per Mega-Serum das „tiefe Einschleusen von Sauerstoff in die Haut“ versprochen. Und das sollte sie dann „jugendlich und unendlich strahlend“ werden lassen. Äh, ja, ich hoffe nicht! Wozu schmiere ich mir denn die ganzen ANTIOXIDANTIEN ins Gesicht? Damit mir umgehend eine mega Packung mit freien Radikalen in die Haut gebombt wird? Das ist doch paradox!

Aber was stört die Beautyindustrie schon ihr Geschwätz? Es kommt auf Highlights an. Auf Keywords oder „Buzzwords“, also Schlüsselworte, die in uns ein Glöckchen klingeln lassen, welches gleichzeitig den „Ich zück sofort mein Portemonnaie Reflex“ auslöst. Worte und Bezeichnungen, die uns ein Gefühl von Sicherheit vermitteln, oder die einfach den teuren Kauf rechtfertigen, sollte sich doch das schlechte Gewissen melden, dieses Biest!

Kleine Kostprobe gefällig?

 

„Non-comedogenic“/“Nicht komedogen“   „Verstopft nicht die Poren“ verspricht uns diese dermatologisch angehauchte Behauptung. Leider kann man das SO nicht behaupten, dafür gibt es keine wissenschaftliche Grundlage. Von Fall zu Fall ist es völlig unterschiedlich, ob ein Produkt nun für die berüchtigten Mitesser (und Pickel) verantwortlich sein kann, oder eben nicht. Eine absolute Gewissheit wird hier zwar suggeriert, gibt es aber leider nicht. Schaut man sich aber einmal die Liste der Stoffe an, die komedogen wirken könnten, so ist diese ungefähr zwei Kilometer lang! (Liste bei Hautschutzengel).

„Silky smooth“/“seidenweich“   Jaja, das kennen wir und lesen es gerne. „Seidig weich“ lässt sich ein Produkt auftragen…wenn es eine gehörige Menge Silikone enthält, denn diese machen das seidige Gefühl auf der Haut. Zu 98% wird es so sein. Zu finden in den INCI Listen zB. (meist) mit den Wortendungen -one und -xane. Ich persönlich habe meist keine Probleme mit Silikonen, aber man sollte schon wissen, dass es sich bei dem schönen Gefühl auf der Haut meist nicht um teuren Seidenextrakt handelt.

„Hypollergenic“/“Hypoallergen“   Ebenfalls eine extrem schwammige Aussage, die keinem Standard entspricht. Kann man behaupten, ist aber bedeutungslos, weil auch gegen die natürlichsten und naturbelassensten Stoffe Allergien entstehen können!

„Lässt Poren verschwinden“   Quark! Poren brauchen wir. Wären die weg, wären wir tot! Man kann sie nur weniger sichtbar machen. Temporär, sonst nichts. Ein wenig kleiner können sie werden, auch nur zeitweise, denn die Größe der Poren ist genetisch verankert. Sie zum Verschwinden zu bringen wäre so ratsam, wie den Regen für immer zu verbannen, weil schönes Wetter doch viel angenehmer ist.

„Bekannt durch Kim Kardashian, David Beckham, Kendall Jenner“, oder welcher Star auch immer gerade durchs Dorf getrieben wird   Zu 99% Mumpitz. Stars sind Multiplikatoren, also neudeutsch ausgedrückt „Influencer“. Und sie beeinflussen die Massen, weil alle Welt denkt: „Wenn DIE/DER das benutzt MUSS es ja gut sein! Ein Scheiß ist es. Die Influencer bekommen Geld dafür, dass sie zum „Markenbotschafter“ werden. Selbst wenn sie das Produkt nur ganz „zufällig“ in den Händen halten und der Fotograf völlig „unvorbereitet“ die geil geschminkte und aufgebretzelte Frau K. in der Küche „überrascht“, wahlweise auch im Bad, Wohnzimmer…und sicher sicher auch im Schlafzimmer. Ein paar schicke Handschellen oder ein Wundertonikum zur Standverlängerung von Kanye kommen sicher gut an…so ganz zufällig und nebenbei…

„London, Paris, New York“   Symbolisiert die große, weite Welt, kommt aber meist aus nem Kaff. Image ist alles!

„Zieht sofort ein“   Bedeutet meist, dass eine Menge Zusatzstoffe enthalten sind, die die Penetration in die Haut verbessern. Ungutes Beispiel dafür: Alkohol denat. Besonders bei Männerprodukten beliebt, weil gerade Männer es (angeblich) hassen, wenn Produkte nicht sogleich in die Haut einziehen, und sie es noch ein bisschen verreiben müssen.

„Dr. Brands“/“Medizinisch angehauchte Marken“   Wenn ein Doktor das erfunden hat, dann muss das Produkt ja gut und sicher sein. Hmm, meist ist der Doktor nur eingekauft oder gar vollständig erfunden. Die Absichten der medizinischen Kosmetikfirma bleiben gleich: Verkaufen, und zwar viel. Das ist nicht verwerflich. Mit wissenschaftlichem Pseudo-Background zu werben schon.

„Natürliche Inhaltsstoffe“/“Natural Ingredients“   Eins meiner Aufregerthemen. Natürlich wird immer mit „sanft“, „ungefährlich“, „gut verträglich“ verbunden. Trotzdem: Erdbeeren sind natürlich und schmecken himmlisch, dazu sind sie gesund. Trotzdem ist ein riesiger Haufen Menschen allergisch gegen die kleinen süßen Vitaminbomben. Würde irgendjemand deswegen Erdbeeren verteufeln? Trotzdem wird es so gemacht, sobald man annimmt es mit „chemischen“ Inhaltsstoffen zu tun zu haben. Sorry, aber ALLES ist Chemie. Alles besteht aus chemischen Grundbaustoffen, und viele, viele, viele „natürliche“ Stoffe bergen nun mal auch ein Allergierisiko, oder zumindest leichte Unverträglichkeitserscheinungen. Natürliche Inhaltsstoffe sind kein Freifahrtschein für endlich gesunde und sorgenfreie Haut!

„Bio“/“Organic“   Da fangen die meisten von uns ja auch an zu sabbern. Bio ist DAS Schlagwort der letzten Jahrzehnte, und spiegelt die Sehnsucht nach einem natürlichen Lebensstil. Zum Glück ist das Wort Bio meist noch mit Gütesiegeln versehen, die es uns leichter machen, den Wahrheitsgehalt dieser Behauptung zu kontrollieren. Trotzdem gilt auch hier, was ich bei „natürliche Inhaltsstoffe“ geschrieben habe. Man kann aber bei Stoffen in Bioqualität zumindest davon ausgehen, dass sie weitestgehend schadstofffrei sind und produziert wurden. (Manchmal kommt dann auch noch der Nchhaltigkeitsgedanke dazu, und das Ablehnen von Tierversuchen)  Das is ja schon mal etwas!

 

Diese Liste ließe sich unendlich erweitern. Vielleicht habt ihr ja noch ein paar Stilblüten auf Lager…? 🙂

 

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(Grafiken: Konsumkaiser    Keinerlei Sponsoring!)

 

9 Kommentare

  1. DANKE DANKE DANKE Herr Kollege 👍

    Auf den Punkt gebracht 🎯

    Was meinst du wie oft ich im Freundes- & Bekanntenkreis versuche über diese „Problem-Wörter“ & Floskeln der Kosmetikindustrie aufzuklären bzw versucht bin sie missionarisch zum Umdenken zu erreichen…
    Leider gibt es viele gesellschaftlich fest verankerte Mythen, die in den Köpfen mega präsent sind, obwohl wissenschaftliche & klinische Studien etwas anderes sagen… und einfach unumstösslich erscheinen.
    Aus diesem Grund stoße ich, obwohl ich recht wortgewandt bin & klare Fakten benennen kann oft auf taube Ohren, Beratungsresistenz, Merkscheue, Ignoranz.
    Bei „Kindern der Werbung“ obendrein null Resonanz (… wobei wir doch auch ab & an immer mal wieder versucht sind den Werbe-Floskeln glauben zu schenken – jedoch glücklicherweise durch Versuch & Irrtum sowie Wissen schnell wieder auf den richtigen Weg geführt werden).
    Manchmal habe ich den Anschein, dass der Mensch förmlich „betrogen“ werden will ?!?
    Hinterfragen unwichtig!
    Lieber Geld locker machen & hoffen, dass das super teure Produkt seinen Job macht!
    Dann folgt oft Enttäuschung… immer wieder höre ich das in meinem Umkreis… trotzdem rennt man dann wieder in Douglas & Co und kauft irgendetwas mit Versprechen & schönen Verpackungen und angenehmen Düften und seidiger Konsistenz etc. …

    Generell verstehe ich da den Gesetzgeber nicht!!!
    In der Medizin sind Fakten unabdingbar!
    Klinische Studien, Doppelblind Studien etc. … Es kann Jahre dauern bis ein medizinisches Produkt für den Markt freigegeben werden darf…
    In der Kosmetik-Branche ist fast alles an „Unfug“ erlaubt, was an Versprechen möglich ist!
    Der einzige Begriff der meines Wissens untersagt wurde ist „Sunblock“, weil bekanntlich keine Sonnencreme 100% UV-Strahlung abschirmt.

    Warum ist man nicht strenger – genauer – prüfender?!?
    Ich denke im Jahr 2016 könnte man das zum Schutz des Kunden eigentlich einfordern, wo doch heute fast jeder Mist geregelt und mit teils seltsamen bis unwichtigen Gesetzen gelenkt wird!?!

    GRUSS
    der hydro

  2. Werter Hydro, stimme voll und ganz zu, aber…wenn der Staat Vorgaben machen würde, gäbe es auch keinen Tabak und Alkohol mehr und demnach sehr viel weniger Einnahmen, das kann sich kein Land leisten. Alternativ könnten wir erneut an einem Nürnberger Trichter forschen;-)
    Es ist wie es ist, die Menschen glauben das was sie glauben möchten, möglichst ohne Aufwand und Hinterfragungen. Und nein, aus Fehlern lernen und einen Hauch von Konsequenz an den Tag legen, ist total doof. Für meinen Teil versuche ich mich komplett zurück zu halten und nur auf explizietes Nachfragen zum Thema Kosmetik zu sprechen, auch wenn es seit mehr als 30 Jahren mein Job und meine Passion ist. Ansonsten tief durchatmen und an was schönes denken.

  3. Ich glaube ja auch immer noch an die Geschichte von den zarten Händen der Seidenweberinnen, wenn ich meine Kanebo Sensai Cellular Performance Emulsion nachkaufe…🙃
    Eigentlich schaue ich nach den Inhaltsstoffen und überlese die angepriesenen Wunderdinge ( hatte noch nie aufgepolsterte Augen oder weggezauberte Poren), aber bei so ein paar Sachen lese ich gern die kleinen Lügen und nicke verständnisvoll.

  4. „Lässt die Haut atmen“ liebe ich auch sehr.
    Und, obwohl ich hauptsächlich Naturkosmetik benutze; ich hasse dieses „ohne Chemie“ wie die Pest. Bei NK kann man leider auch in 98% der Fällen davon ausgehen, dass, wenn ein Produkt für sensible Haut oder als besonders sensitiv ausgelobt ist, es das garantiert nicht ist.

  5. Medizinisch angehaute Apothekenprodukte… mein Favorit in deiner Liste. Tritt gerne gemeinsam mit den anderen Mythen deiner Ausführung auf… Kenne so viele Menschen, die unter Hautproblemen leiden und sagenhaft viele Euros in den Apotheken versenken und in der Regel werden die Probleme nicht besser oder das Produkt kostet ein Vielfaches des gleichwertigen Drogerieprodukts. Ich weiß immer gar nicht was ich dazu sagen soll, es ist so schwer grade Freunde nicht vor den Kopf zu stoßen.

  6. Ich finde das bei Colorationen immer dubios. „Mein schönstes Blond…“… ich glaube kaum, dass eine Eva Longoria sich die Haare daheim mit einer Coloration aus der Drogerie in einer Pappschachtel die Haare färbt…

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