HERR KK ERKLÄRT DIE WELT: ECHTER FASHIONTREND ODER SPECKBESCHÖNIGUNG? „CURVY MODELS“

„Plus Size Model“? „Oversized“? „Stark gebautes Model“? Sofort aufhören! Das darf man um Himmelswillen nicht mehr sagen. Das angesagte Wort der Stunde ist „Curvy Model“, und ist die politisch freundliche Umschreibung für ein Model, welches unter normalen Umständen nicht mal bei Stromausfall und ausschließlich blinden Zuschauern auf einen Laufsteg der Pariser Fashion-Week dürfte. Doch Hui, bringen die Curvy Models nun endgültig frischen Wind in den dauer-diätenden Modezirkus, wo man ständig Angst haben muss, Karl Lagerfelds knöchrige Hüfte sei mittlerweile Vorbild für die gesamte High Fashion Damenmode…?

KK Image Pic blass

Trend: Lass dich gehen, dann nimmt dich Chanel!

In Deutschland formt sich gerade ein Trend, der bereitwillig von Printmedien und dem Privatfernsehen aufgenommen wird: Dicke Models. Oops, das böse d-Wort soll man doch nicht sagen. Ach ja? Warum denn nicht? Schwammige Umschreibungen liegen mir nicht, aber gerade das supernette „Curvy Model“ ist derzeit in aller Munde.

Again? Hat Dove schon wieder eine „Lieb dich wie du bist“ Kampagne veröffentlich? Nein, angeblich lieben die Designer auf der ganzen Welt urplötzlich leiblich bevorteilte Frauen (na habe ich das nicht schön gesagt?). Da sehen auch schon sämtliche Nachwuchskleiderstangen ab 120 kg ihren Stern aufgehen. Doch Stop! So einfach ist das nun doch nicht…

Bevor ich einen Fatstorm auslöse…

Zuerst einmal muss ich etwas klarstellen: Ich bin sehr FÜR (mäßiges) Übergewicht. Das Gewicht, welches unser Körper (also unsere Genetik) für uns bestimmt, manche nennen es auch Wohlfühlgewicht. Es handelt sich meist um „die paar Kilo mehr“, die man eigentlich wieder runter haben möchte, die aber jetzt auch nicht schlimm nerven.

Die paar Kilos zaubern Kurven und machen normale Menschen aus uns. Sie können sich aber auch vor uns auftürmen: Als unüberwindbarer Wall zwischen uns und dem Ideal-Ich (oder auch Übermensch-Ich, nichts anderes ist Size Zero), dem wir insgeheim dann doch alle hinterher rennen. Dabei sind statistisch ein paar Kilo Übergewicht gut und gesund, sie können sogar unser Leben verlängern, und im Krankheitsfall haben wir etwas wovon wir zehren können.

Die harte Realität ist leider kein Wackelpudding…

Doch wenn uns nun per Zeitungsartikel und Fernsehshow (inklusive internationalem Fashion Experte Harald der Glööckler von Notre Dame) erzählt wird, dass die dicke Berta die neue Kate Moss sein soll, schlackere ich mit dem Hüftring! Nee, auch wenn es noch so wünschenswert wäre. Dicke Mädels, lasst euch nicht verarschen, es ist NICHT so! Curvy Models sind eine Nischenerscheinung. Gut, dass es sie gibt, ein Anfang sozusagen. Aber noch laaange keine Umkehr von der anorexen Schürhakenästhetik.

Jobs in großen, weltweiten Kampagnen der Luxusgüterhersteller werden noch lange von Wesen besetzt sein, die extra vom Planeten Dörrobst eingeflogen wurden. Und nur weil wir das so wollen! Wir alle wollen beschissen werden. Nur durch unsere blauäugige und sympathische Hoffnung, dass wir durch dieses eine Luxusprodukt auch so ausschauen könnten wie das Model, kommen die berauschenden Verkaufszahlen zustande. Wir lieben Luxus nicht weil er so luxuriös ist, sondern wir erträumen uns ein überirdisches Ich.

Wohlgemerkt, das hat nichts mit Allerweltsgütern zu tun. Läden von Nebenan können durchaus auch mal auf dicke Models setzen, was den Laden nur sympathischer macht. Aber die verkaufen auch „riesige“ Konfektionsgrößen, die von der größten H&M Größe so weit entfernt ist, wie die Erde vom Mars. Die große weite Welt hingegen setzt weiterhin auf unsere Träume und geheimen Wünsche. Und auf Topmodels mit unerreichbaren Maßen, Kerle mit Waschbrettbäuchen, die aus Stein gemeißelt zu sein scheinen. Und auf Frauen, die deutlich mehr mit einem I gemeinsam haben als mit einem S…im Profil.

Mädels, Frauen und Kerle die 58 tragen (also Konfektionsgröße, nicht Kilo!) brauchen ein realistischeres Feedback. Nicht so einen Zirkus, der nur der Vermarktung von Medienformaten dient. Die „Normalos“ sind in der Überzahl. Wir, die Unperfekten – und die nicht unsinnigerweise stolz darauf sind, sondern einfach so sind!  Und wenn uns etwas an uns stört, können wir es meist auch ändern. Und wer SICH mag, mag auch ANDERE. Egal, ob dick oder dünn.

 

 

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(Grafik: Konsumkaiser    Keinerlei Sponsoring!)

9 Kommentare

  1. Curvy klingt ja schön und gut, aber wenn „echte“ Models Gr. 34/36 tragen, dann sind bereits Frauen mit Konfektionsgröße 40 Cury Models. Zitat Kurier.at: „Als Plus Size gilt in der Branche, was keine Größe 38 mehr ist. Im Übergrößen-Shop „Grandi*os“ wird etwa Kleidung ab Größe 40 angeboten, bei Mangos „Vi*oleta“ ebenfalls. […]“38erinnen“ hätten gerade noch die Chance, für wenig glamouröse Kataloge zu modeln.“ (https://kurier.at/leben/groesse-42-das-soll-plus-size-sein/223.956.947)

    So viel also zu diesem Curvy-Gequatsche. Und wenn von „echten Frauen“ (wieso immer echt? Sind die anderen falsch?) oder „Frauen mit Kurven“ die Rede ist, dann sind – zumindest in den Medien – doch meist sehr schlanke Frauen mit Kurven nur(!) an den richtigen Stellen gemeint. Und jetzt lasse ich das mal sacken, dass ich mit Konf.Gr. 38/40 ja irgendwie schon ein Plus Size Model bin… ähm… wäre… wenn ich noch ein paar Zentimeter an Länge zulegen würde. 😎

    LG Anna

    1. Ich mit meinen trainierten Beinen, war auch nie in der Lage, die typischen schmalen Anzugshosen zu tragen. Das war immer ein Problem bei mir…Neben der Größe. 1,80 ist halt auch nur normalgroß und zu nix zu gebrauchen. 😉
      Aber für ein paar Walks auf dem Runway hat es dann damals doch noch gereicht. Heute undenkbar.
      Und wenn ich bei H&M einkaufe, denke ich manchmal, ich sei Rainer Calmund.
      Liebe Grüße, KK

  2. Sehr cooler Post. Mir geht das auch langsam auf den Keks. Vielfalt ist schön und nicht wenn alle nur dünn oder dick sind. Aber wir wollen dieses Schubladendenken ja. Und Models brauchen vor allem Ausstrahlung.

  3. Ich empfehle die Lektüre des e-books oder Buches „Fettlogik überwinden“ von Dr. Nadia Hermann. Eine interessante Lektüre, die ich gerne mit Euch mal diskutieren würde (ich bin ein bisschen hin und hergerissen was ich davon halten soll). Es gibt auch einen blog, den findet man, wenn man das Wort Fettlogik googelt. In dem Buch wird unter anderem versucht, wissenschaftlich zu belegen, dass es ein Rechen- und Interpretationsfehler ist, wenn man die Statistiken dahingehend auslegt, dass leichtes Übergewicht gesund sei. Ich selbst habe mit den paar kleinen Kilos auch immer wieder zu kämpfen und habe auch bisher geglaubt, dass es ja erwiesen ist, dass leichtes Übergewicht gesund sei. Jetzt bin ich irgendwie verunsichert, nachdem ich das Buch las. Es macht ja auch keinen Sinn, es wäre ja logischer, das Gewicht, welches das gesündeste ist für den Menschen, dann auch als Normalgewicht zu deklarieren, denn um Gesundheit geht es ja dabei.

    1. Liebe Exilberlinerin, das Buch kenne ich nicht und werde es auch nicht lesen.. jetzt wird wieder mal ein anderer Gaul durchs Dorf getrieben, was solls? Ich merke an mir, dass ich mich besser fühle und weniger krank bin, wenn ich ein paar Pfund über Size Zero auf den Rippen habe. Und nachgewiesen ist, dass Frauen mit leichtem Übergewicht weniger Probleme in den Wechseljahren haben, was ich aus eigener Anschauung nur bestätigen kann. Das hat mit der Einlagerung der „guten“ Hormone im Körperfett zu tun. Ist auch logisch (gnihihi..). Also ein „Wohlfühlgewicht“ ist meiner Meinung das, bei dem mein Körper nicht ächzt und nicht darbt. Wenn ich so viel wiege, dass meine Knie beim Treppensteigen schmerzen, ist es nicht gut. Wenn ich so wenig wiege, dass mich jeder Virus gleich total aus den Latschen kippt, ist es auch nicht gut. Und dass wir Frauen im Alter unsere Figur verändern (was auch Vorteile haben kann, ich sage nur „Körbchengröße“!!), ist auch bekannt. Sicher, man kann was dagegen tun, aber warum? Ich versuche, auf meinen Körper zu hören, mich gesund zu ernähren (meistens..) und lasse mich möglichst nicht von jeder neuen Welle der Erkenntnisse mitreißen..
      In diesem Sinne – bleib locker und hör auf dich und deinen Bauch 😉

    2. Frauvau hat es perfekt ausgedrückt. Eine gesunde Selbsteinschätzung ist mehr Wert als zig Studien. Aus meiner Erfahrung als Sportwissenschaftler UND als Personal Trainer weiß ich, dass diese Studien allesamt recht fragwürdig vom Studiendesign sind. Egal ob pro oder contra leichtes Übergewicht, man kann immer Cofaktoren ausmachen, die beeinflussend mitgespielt haben.

      Meine eigene Erfahrung zeigt mir zudem, dass ich IMMER wenn ich versucht habe abzunehmen, oder ein besonders muskulöses, aber fettreduziertes Erscheinungsbild angestrebt habe, mein Immunsystem augenscheinlich verrückt gespielt hat.
      Und das äussert sich ja nicht nur in vermehrter Infektanfälligkeit, sondern auch auf zellulärer Ebene, zB. bei den Reperaturmechanismen der DNA.

      bei meiner ersten Hüft OP hatte ich Optimalgewicht und nahm während der Genesungszeit doch noch mehr als 5 Kg ab. Danach war ich geschwächt und ausgemergelt. Bei der zweiten OP hatte ich ein wenig Übergewicht, welches sich auch da nach der OP verringerte, durch die Anstrengungen des Krankenhausaufenthaltes. Ich war aber deutlich leistungsfähiger und schneller „auf den Beinen“. Ähnliches kenne ich von Infekten: bei einer Kundin mit size zero ist jeder Schnupfen eine fast schon lebensgefährliche Sache.

      Wichtig ist einfach, dass sich das Gewicht auf „normalem“ Wege eingependelt hat, nicht weil man plötzlich mampft wie ein Scheunendrescher.
      Wenn man ohne Schnaufen Treppen steigen kann, und die Gelenke, wie schon gesagt, nicht strapaziert werden, ist gegen ein paar kilo mehr nichts zu sagen.

      Ein anderes Thema ist Nahrungsverknappung um den Stoffwechsel zu verlangsamen, um dadurch seine Lebensspanne zu verlängern. Soll funktionieren, ist aber auch noch völlig unklar wie und warum. Und Nahrungsverzicht ist ein schwieriges Thema. da ist es nicht mit einfach weniger Essen getan. Mangelzustände können das Leben eben auch wiederum arg verkürzen!

      Alles nicht einfach, sorry! Patentrezepte gibt es wirklich nicht, auch wenn wir so sehr danach lechzen! 🙂

      Viele Grüße, KK

  4. Ich fühle mich auch, wenn ich zu wenig esse, nicht gut. Ganz ehrlich, Kopfweh und Müdigkeit sind an der Tagesordnung, sobald ich mit den Kalorien ins Defizit gehe. Aber ich weiss ja nicht bei Euch, hier in Belgien wird man bei jedem Arztbesuch gewogen (ich hasse es so) und ich kriege sobald ich nur 1 KG drüber bin (sie orientieren sich da am BMI) eins aufs Dach und gesagt, ich soll sofort abnehmen, und das in einem Gewicht, in dem ich mich noch nicht einmal zu dick empfinde. Von daher mein Gedanke, wieso man nicht das Normalgewicht wieder leicht heraufsetzen kann, wenn es doch eh gesünder ist. Übrigens fordert das die SPD hihi (sehr zum Ärger der Fettlogik-Leute)

  5. Ja, das ist ja ein Endlosthema und immer eine Diskussion Wert. Weil es so sehr nervt. Ich hatte zufällig gerade was im Blog dazu, daher habe ich dich noch dazu verlinkt Hoffe, das ist Recht 😉 LG Sabina

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