HERR KK ERKLÄRT DIE WELT: WIR SIND FASHION? INFLUENCER KILLEN DAS MODEDIKTAT!

Was war die Welt früher einfach: Da haben Chanel, Dior und Co. den Ton angegeben. Was die Über-Designhäuser ausgeworfen hatten, das musste man, also Frau, tragen! Da gab es keinen Weg dran vorbei. Maxi, dann Mini, dann wieder Maxi, und so weiter. Und heute? Heute ist irgendwie alles scheißegal! Sorry, ist aber so. Kombiniere Bundeswehrboots mit nem Blümchenkleid und ner Clutch mit aufgeklebten Katzenaugen (diese Fahrrad-Reflektoren), und DU bist Fashion. Spätestens, wenn dich eine eifrige Streetstyle Modebloggerin erspäht – und für stylish genug befunden hat. Ist das nun gut, oder eher eine bedenkenswerte Entwicklung…?

KK Streetstyle

 

Mal wieder eine dieser Fashion Weeks…

Eigentlich habe ich einen Bericht über die Berliner Fashion Week schreiben wollen. Über die dröge Provinzialität dieser Modewoche, die einzig dank der Bestrebungen der deutschen Vogue hier und da noch ein paar spannende deutsche Talente hervorbringt (siehe Christiane Arps „Vogue Salon“).

Trotzdem lässt sich in Berlin Starmaterial von Weltformat nicht blicken (weder als Zuschauer, noch als Model): Zu peinlich! Rufschädigend, wenn man neben einer Frau Ochsenknecht sitzen muss (und sie einem erzählt, dass ihre Tochter jetzt Model ist). Oder man auf einem Foto mit der Stoffallergikerin Micaela Schäfer landet. Nicht auszudenken. Nippel neben Nikon!

Dazu muss man wissen: Diese „Stars“ bekommen GELD (!) dafür, dass sie auf den Fashionweeks in einer der vordersten Reihen sitzen. Im Falle einer Frau Schäfer doch allen Ernstes 999,00 Euro für zwei Stunden Anwesenheit und Stoffwechseln (also mehr so Atmen, nicht Ausziehen).

Überall Influencer…

Drumherum nicht etwa wichtige Einkäufer, Journalisten und Funktionäre. Nein, die kommerziellen Modeblogger/innen und „Influencer“ umschwirren die vordersten Plätze, als wäre Mode der „neue Sozialismus“. Geliebt (und insgeheim gehasst) von den Designern, nehmen die knipsenden Billig Amateur-Journalisten einen riesigen Platz im (deutschen) Modezirkus ein. (International wird dieser Trend bereits argwöhnischer gesehen!)

Mode ist ein großes Geschäft, aber nicht all zu viele Player verdienen auch das große Geld…heutzutage. Wer hat´s vermasselt? Na, das Internet und die kommerziellen (aber angeblich authentischen) Meinungsmacher von nebenan. Die haben aus Fashion ein Produkt gemacht, welches keinen Hauch der Unnahbarkeit mehr umweht.

Noch einfacher: Wir machen unsere Mode selbst. Klamotten-Kombinationen, die die Augen bluten lassen könnten, und zig-tausende Follower bei Instagram, so macht man heute die Trends!

Die kleine, inspirierende Modebloggerin von nebenan (die in meinen Augen den Namen „Bloggerin“ wirklich verdient) macht genau DAS auch, manchmal besser, ehrlicher, authentischer. Was ihr fehlt: Die Reichweite. Schade!

Kill the Designers…

Und woher wissen die alle, was angesagt sein wird? Wissen die ja gar nicht. Es ist ein offenes Geheimnis, dass reichweitenstarke „Influencer“ keinen Style brauchen. Nur Mut. Mut, um rumzulaufen wie Nachbars Lumpi mit Fellfraß,  und dabei einen Gesichtsausdruck vor sich hertragen, der vor Souveränität nur so strotzt. Soweit meine von Vorurteilen geprägte Meinung. Es kann sicher auch anders sein.

Insgeheim fühlen sich aber einige dieser Fashion-Autodidakten bereits wichtiger als die (noch) angesagtesten Designer. „Ohne uns geht nichts mehr!“ Hört man aus allen Ecken, und die Summen, die von der Fashionindustrie an die Top Influencer bezahlt werden, sind unverschämt. Bestechungsgeld, um die eigene Relevanz zu sichern! Wer als Designer bei Bloggern/Influencern vorkommt ist. IST, von SEIN.

Einerseits war diese Entwicklung abzusehen: Das Internet und seine Früchte macht uns in der Tat alle mehr oder weniger „gleich“. Das Modediktat ist mittlerweile tot. Die Modeindustrie hat nicht mehr dieselbe Macht über die Käufer wie vor wenigen Jahren noch. Heute werden die Trends in Karsk, Krakau, Kulmbach, und Gott weiß wo geschaffen, die neuen „Influencer“ (also Blogger, Twitterer, Instas, Snapper, usw.) verbreiten sie dann (hinein in unsere Köpfe). Wobei man festhalten muss, dass die Zukunft den völligen Selbstdarstellern ohne Handwerk gehört. „Modeblogger“ ist in der Szene mittlerweile ein Schimpfwort, und Influencer machen sich jetzt selbst zum Beruf…das „Social Model“.

Das macht das Metier der Mode aber mittlerweile auch viel schwerer durchlässig für neue Modetalente. Kommerzielle Influencer entscheiden nicht unbedingt aus Gründen der Vermarktbarkeit von Mode, sondern aus ihrem Standpunkt heraus. Und wenn Influencerin „Leyla Lumpenschuss“ nun mal gerade Pfauenfedern auf der Schulterpartie „süüüß“ findet, dann finden das in Windeseile auch ihre zig-tausend Follower. Und wenn es dafür noch nen Batzen Geld gibt…prima! Kennzeichnung von Cooperationen? Da such mal kräftig!

Bist du ein junger Designer, hast Talent, bist handwerklich versiert und voller Schaffensdrang und willst deine Marke etablieren? Dann stell dich gut mit den schrägen Vögeln mit Spiegelreflexschussgerät um dem Hals! Ohne deren (Tagesform abhängige) Gnade biste heute nix mehr! Also die totale Freiheit in der Mode, und dann eben doch nicht.

Die Folge: Der Ausbildungberuf „Designer“ stagniert. Es lohnt sich schlicht nicht mehr. Dafür brechen Workshops zum korrekten „Influenzen“ alle Rekorde. Arghh…!

Kommerzielle „Influencer“ haben auf mich einen ähnlichen Effekt wie Influenza PLUS unstoppbare Flatulenz…

Bitte! Bei all dieser extremen Kommerzialisierung von Bloggern, Blogs und diesen selbsterchorenen „Influencern“: Benennt diese Sparte um! Das hat nichts mehr mit Bloggen und Unbefangenheit zu tun. Das ist Arbeit, bezahlte Arbeit. Public Relations und Co. Meinungsmache, ausgeführt von Laien. Immer mit dem Hintergedanken selbst möglichst viel Geld aus der ganzen Situation zu ziehen. Und viele dieser kommerziellen „Influencer“ erzeugen bei mir (und vielen anderen Konsumenten) einen mittlerweile umgekehrten Effekt: Eine Marke, ein Produkt wird mir mit einem Schlag unsympathischer! Kaufen? Och nö, lass mal!

 

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(Foto: Konsumkaiser, Thewildmagazine    Keinerlei Sponsoring) 

 

 

5 Kommentare

  1. Da hast du genau das getroffen, was ich in einem meiner letzten Kommentare hier auch sagen wollte. Nur hast du es natürlich viel besser und ausführlich zu Papier…äh Tastatur..wie auch immer gebacht. 😀

    Und diesen Satz „Kommerzielle „Influencer“ haben auf mich einen ähnlichen Effekt wie Influenza PLUS unstoppbare Flatulenz…“ verstehen die meisten von diesen Hohlraumversiegelungen vermutlich nicht mal. ^^

  2. Das ist mir aus dem Mund genommen. Ich finde Influencer als Beruf einen Schlag ins Gesicht unserer Gesellschaft. Ich bin stolz auf mein Leben, nicht auf ein paar Fotos darüber. Und einige der selbst ernannten Influence lassen mich nur Grinsen, sonst nichts.

  3. Du hast ein Phänomen gut beschrieben, welches ich mit latentem Unbehagen empfinde. Nicht, dass ich was gegen weniger Modediktat hätte, es ist befreiend, nicht zwanghafte Kombinationen pflegen zu müssen. Aber was die Moderegeln z. Z. ersetzt, hat nichts mit Vielfalt und Kreativität zu tun, sondern meist mit fehlendem Geschmack, Stil und Gefühl dafür, was einem selbst steht. Nur so kann ich mir manche Faschingsoutfits oder wie aus dem Müllsack gezogene Kombis erklären. Umso schlimmer, dass diese auch noch „influencen“.
    Zum Glück gibt es auch noch Blogger / Instagramer, die ich gern immer wieder gern lese und sehe. Viele Grüße!

  4. Es wird nicht mehr lange dauern, dann ist dieser Trend durch! Es gibt auch viel zu viele Blogger und Influencer. Viele ähneln sich…laaangweilig!!!!

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