HERR KK ERKLÄRT DIE WELT: WARUM UNSER KARNEVAL SCHLIMMER ALS HERPES IST…

Herpes ist nach ein paar Tagen vorbei. Karneval hingegen schunkelt mir schon seit dem 11.11. die Ohren voll. Und nun ist auch endlich gut, denn ein Sturmtief hat der dauerbesoffenen Schar mal ordentlich den Marsch geblasen, was eine Absage einiger Karnevalszüge zur Folge hatte. „Dooof“, werden einige denken, geblasen hat nur der Wind, und der wilde Spaß zur schönsten (grauen, kalten, nassen) Jahreszeit bleibt auf der Strecke? Sag ich: Pech, wenn man Fröhlichkeit von einem Kalendertag abhängig macht….

KK Berliner

Um mal ganz klar zu sein: Ich gönne den Karnevalisten ja ihren Spaß, aber Bitteschön, es ist einfach auch eine Steilvorlage zum Lästern. Also nix für ungut, liebe Feier-Fuzzies!

Ich kann mich noch an meine Kindheit erinnern. Da verband ich Karneval grundsätzlich mit Wärme, bunten Kleidchen, wild wackelnden Hüften zu lateinamerikanischen Rhythmen, und riesigen Wagen mit halbnackten, fröhlichen, schönen Menschen oben drauf. Jaa, bis mich meine Eltern zu meinem ersten deutschen Karnevalszoch mitgenommen hatten. Hmm, wie soll ich sagen? Der Kulturschock war einfach grandios und leicht in Worte zu packen: Es war alles grau! Graues, kaltes Wetter machte mich nicht gerade froh, und wenn ich mich so umschaute, sah ich auch nur in graue, leicht verkühlte Gesichter. Manche ein bisschen zuu (schmerzhaft) gut drauf, das musste wohl dieser Alkohol sein? Klar, deshalb singt Papa auch immer so laut „New York, New York“ vor dem Fernseher, wenn er vorher aus dieser großen bauchigen Flasche getrunken hatte? Mir wurde jedenfalls so einiges klar: Näää, das ist nicht meins!

Nun bin ich heute kein Abstinenzler und trinke durchaus gerne mal einen guten Wodka, aber schon alleine dieses Ritual des Vorglühens ist mir irgendwie fremd. Warum muss ich mich erst auf einen gewissen „Pegel“ bringen um Spaß zu haben? Ich trinke doch in Gesellschaft, zusammen mit den anderen Leuten?

Und wenn man dann so schön durch die Straßen zieht, dann weht einem nicht ein laues brasilianisches Lüftchen um die Nase, sondern der Gestank von gefühlten Zweimillionen Menschen, die ihre Notdurft an wirklich JEDER Straßenecke verrichtet haben, von der Kotze an jeder zweiten Ecke mal ganz zu schweigen. „Come in and find out!“ (Bei Douglas stinkts übrigens manchmal ähnlich, wenn die Flaschen Poison und Fahrenheit runtergefallen sind!) Nein, wir lassen uns durch den Terror unsere Freiheit nicht nehmen! Kotzen und Strullen für alle…überall…jederzeit….freedom!

Und die Leute? Morgens schon angesoffen durch die Straßen wanken? Kein Problem, das Kostüm hält alles lebenswichtige beisammen. Auffallend viele Frauengrüppchen im „besten“ (also auch meinem) Alter stacksen grölend durch die Straßen und fallen so gut wie alles an, was nach Mann aussehen könnte. Wären die Männer nicht auch so (wahlweise) doof, besoffen, ausgehungert, es gäbe nochmals doppelt so viele Anzeigen wegen sexueller Belästigung auf jeder durchschnittlichen Polizeiwache. Betrunkene Kerle sind schlimm, betrunkene Frauen können oftmals mithalten!

Und wenn sich erst einmal zwei gefunden haben, dann kommt es nicht selten zum weltbekannten „Stehfick“…oder was meint ihr, warum feierwütige Australier, Belgier, Dänen, Amerikaner usw. hier pünktlich zum Karneval (und zum Oktoberfest) auflaufen? Weils hier so schön warm und lustig ist?? An so gut wie jedem Stromverteilerkasten, Türeingang, Parkscheinautomat rutscht das Röckchen schneller nach oben (und die Hose nach unten), als Helene Fischer wieder mal irgendeinen Song eines anderen Künstlers nachträllert und dafür einen Preis einheimsen kann.

 

Den Höhepunkt findet das dann in der Zeit des Straßenkarnevals, zwischen dem Altweiberdonnerstag und Aschermittwoch. Frohsinn nach Fahrplan, typisch. Und alle die nach dem Takt der Humor-Tröte („Tataaa, Tataaa, Tataaa“) wissen, dass sie jetzt lachen müssen, beschweren sich darüber, dass früher mehr Lametta war, also quasi der Loriot´sche Humor in Deutschland den Badewannenausguss runtergegangen ist.

Und wenn man schon zu alt für den „Megapark“ auf Malle ist, dann kann man ja wenigstens zur Karnevalszeit noch mithalten und die sexuellen Ladehemmungen mit Lade-Hymnen wie „Drink doch ene met“ anfeuern. Überhaupt ist diese Musik eine der vierzehn Höllenqualen, oder? WER hört Lieder wie: „Nit alles wat e Loch hät es kapott“?? Wirklich, wirklich kein Wunder, wenn da der Schlübber und die Eierstöcke verrückt spielen! Und wie erklären wir den leicht verstörten Asylanten zu dieser „Jahreszeit“ Songs wie Jürgen Milskis Schaffen mit dem Textausschnitt: „deutsche Mädchen sind die besten, das kann jeder gerne testen“?? Crazy Karnevalisten, echt jetzt!

Gut, dass man sich dann in diesem Jahr nicht wieder diese Pappfiguren auf den Wagen anschauen musste. Mittelalterliches Witzgut in Pappmachée modelliert, oha. Irgendeiner hat natürlich Angela Merkel oben drauf, zusammen mit den anderen Wichten der Politik, gäähn. Alles schön harmlos und auch Randgruppen und Andersgläubige dürfen nicht ansatzweise „beleidigt“ werden. Kennt man ja: Diese böse Ironie, dieser Sarkasmus und dann auch noch Satire und Zynismus. Alles gemeingefährliche Beleidigungen, von Grund auf.

Nee, ich bleibe dabei: Das ist nix für mich. Aber, liebe feierwütige Gemeinde, ich wünsche euch erdenklich viel Spaß bei billigem Alkohol, kalten Nasen und Füßen – und hoffentlich keine Geschlechtskrankheit! Frei nach Ina Deter: „Wir strullns an jede Wand, diese Freiheit braucht das Land!“

 

.

 

 

 

Fotos: Konsumkaiser   Es handelt sich hier um eine plumpe Pauschalisierung, einzig zur Unterhaltung gedacht. 🙂

8 Kommentare

  1. Guten Morgen Herr Kaiser,

    ich halte es ja für einen verfrühten Aprilscherz, aber ich habe gerade im Videotext, eigentlich wollte ich nach dem Wetterbericht schaun, gelesen, dass die Karnevalszüge NACHGEHOLT werden.

    Hm, dachte ich bei mir, aber das Wetter heute ist doch auch nicht besser…

    Nein, weit gefehlt, die sollen im März und April nachgeholt werden.( In Essen-Kupferdreh findet er im März statt und in Bochum eventuell, aber ein bisschen „schlanker“ dann im April…HELAU!!!)

    Also, ich fand das letzte Weihnachten jetzt auch nicht so prickelnd, so ohne Schnee, sobald nochmal Schnee fällt, die Chancen stehen ganz gut, dann bau ich meinen Weihnachtsbaum wieder auf und hole Weihnachten eben nach, SO!

    Was das Vorglühen angeht…nun, ich trinke ja gar keinen Alkohol, aber jeder darf natürlich, vielleicht MUSS der eine, oder auch der andere sich ganz einfach zu schütten, damit er das Elend überhaupt ertragen kann, mir würde es so gehen…

    Über Verhalten und Fehlverhalten kann ich nur Mutmaßungen anstellen, da ich mich seit … immer schon, diesem erzwungenem Frohsinn verweigere und entziehe.

    Aber jeder wie er möchte!

    Dir noch einen schönen Dienstag….

    Liebe Grüße
    Manou

  2. Ich bin Karnevalist, aber ich fühle mich nicht angehtiffen. In einigen Dingen gebe ich dir sogar recht! Ich fänd es im Sommer auch schöner.

  3. Ich kann beim Thema Karneval beide Seiten verstehen.
    Als Kind zweier Rheinländer ( aus Köln und aus Duisburg) kenne ich rheinischen Karneval seit frühester Kindheit- und habe viele gute, warme und schöne Erinnerungen, Erinnerungen an fröhliche Familienfeiern, lustige Umzüge und viel Lachen. Zwei meiner Tanten und Onkel gehen bis heute noch in de Bütt, obwohl sie alle zwischen 70 und 80 sind; sie leben das, sie lieben das, sie bereiten sich das ganze Jahr darauf vor und es gehört einfach zu ihrem Leben. Wir haben, nachdem meine Eltern berufsbedingt in den Süden ( ins Schwäbische…man stelle sich das vor) gezogen sind, versucht, jedes Jahr doch wieder dabei zu sein, wenigstens am Rosenmontag.
    Aufgewachsen bin ich schließlich in der Nähe von Stuttgart und kenne auch die andere Seite der Fasnacht. Damit meine ich gar nicht die schwäbisch- alemannische, die ich im Studium in Freiburg das erste mal erlebt habe, die mir zwar doch fremd blieb, die Begeisterung dafür ich aber verstehen kann.
    Die andere Seite war für mich so eine künstlich- erzwungene, zu der alle verkleidet kamen, es aber am liebsten sein gelassen hätten. Da erinnere ich mich an Kindergarten- und Grundschulzeiten mit kratzigen Strumpfhosen zu irgendwelchen Mädchenkostümen und an Indianer- Squaw- Kostüme aus einem Kartoffelsack(!), die gräßlich unbequem waren. Es war immer kalt, es war langweilig und den Menschen blieb es fremd.
    Mittlerweile verkleiden sich meine Söhne, feiern in der Schule als Wikinger oder Fußballprofi und es ist nicht viel anders als an Halloween. Ich merke, dass Karneval, bzw. Fasching, wie es hier heißt, für sie nicht dasselbe ist, weil sie nicht mit den Traditionen aufwachsen. Hier ist es einfach eine Kostümparty.
    Heimlich habe ich aber doch gestern den Kölner Rosenmontagszug geguckt und werde versuchen, nächstes Jahr wieder dabei zu sein…

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