LIFESTYLE: INSIDE FASHION * LOVE, DRUGS AND…MORE DRUGS

Meine gute Freundin Pepsi (Make-up Artistin auf internationalen Fashionshows, wie zB. NYFW) und ich hatten letztens ein freundschaftliches Streitgespräch. Ich selbst gab mich verwundert, dass das Fashion Pack heutzutage eher ruhiger und gesetzter zu sein scheint, wohingegen sie mit Sodom und Gomorra konterte, und ich muss ihr wohl glauben, denn sie hat die Insider Einsichten. Puh, ganz schön verstörend…

 

OK, ich kann da nicht so wirklich mitreden. Die paar Jobs, die ich vor mehr als 25 Jahren auf Modenschauen in Italien, England und Düsseldorf für kleinere Labels laufen durfte, waren sicher nicht repräsentativ. Außerdem waren es meist befreundete Designstudenten, für die ich beinahe kostenlos ein paar mal hin und her gestakst bin. Doch schon damals waren die Zeitungen ja voll mit den Skandälchen der Fshionistas. Bei den großen Playern aber war das Abenteuer, die Gefahr, aber auch die spannenden Leute, das große Geld. Und die Drogen, das habe selbst ich damals mitbekommen. Wie es in den kreativen Berufen fast immer so ist: Bewusstseinserweiternde Hilfsmittel sind gerne gesehen.

Und heute? Heute sind wir abgestumpft und bekommen die Hälfte schon erst gar nicht mehr mit. Kate Moss? Alter Hut. Poppers schnüffelnde Male Models, die für den Flash auf dem Laufsteg einen Kreislaufzusammenbruch riskieren? Geschenkt! Interessanter ist Pepsis Darstellung, dass jede Fashionshow auf den großen Veranstaltungen „offizielle“ Dealer beschäftigt, die den „Stoff“ geradezu karrenweise heranschaffen. Natürlich immer noch verdeckt und diskret, aber wer die Augen weit offen hält, sieht so manch stecknadelkopfgroße Pupille vor sich! Jede After Party mit Freigetränken wird besonders gern besucht…Kokain ist King, MDMA fällt langsam ab, und Gras ist Standard.

Egal ob Model, Designer oder Garderobe, die meisten sind mit dabei. Die Make-up Leute sollen sogar noch zu den harmlosesten gehören. Hmmm, ob Pepsi das jetzt extra gesagt hat, damit ich mir keine Sorgen mache?

Legendär ist wohl auch der Verbrauch eines amerikanischen Designers, der besser einmal den „Jacobs-Weg“ laufen sollte, als seine angegriffene Physis weiterhin zu malträtieren. An ihm wird mittlerweile ein heftig hoher Konsum gemessen, und das sagt schon was aus! Es gibt Journalisten, Models und andere Zuarbeiter, die explizit bei seinen Shows eingesetzt werden möchten. Hmm, ein Schelm, der…blablabla.

Berlin sei ein bisschen anders, spaßbefreiter, sagt Pepsi. Dort sind alle ein wenig gestresster und unfreundlicher (Aha, denke ich, typisch Deutsch). Jedenfalls ist der Drogenkonsum dort auch nicht so groß wie in den anderen Fashion Metropolen (Ein Glück, denke ich).

Das mag aber auch an der Struktur der Shows und Designer dort liegen. Berlin ist nicht unbedingt für Glamour bekannt und viele kleine, neue Labels tummeln sich dort. Und die haben meist andere Sorgen als Drogen! Jedenfalls könne man auffallend oft beobachten, dass die Male Models deutlich mehr „konsumieren“ als, die weiblichen Kolleginnen. „Thy are using twice as much!“ (Da denke ich doch gleich: Jungs, wie doof!!)

Die Drogen sind zwar geächtet, aber unter der Hand akzeptiert, denn was tun Kokain und Co? Sie pushen das Selbstbewusstsein! Und das ist natürlich im Sinne der Designer, Booker und Umstehenden. Ein Model, das ne auffallend tolle Show abliefert, ist beliebt und zieht Gäste, Käufer, Journalisten an. Naomi Campbell wird doch auch nur noch von so vielen Fotografen umlagert, weil alle auf den Money-shot warten, wenn sie wieder einmal einer Assistentin ein Telefon über den Schädel hämmert!

Was ich auch noch hochinteressant fand, war Pepsis Aussage, dass Drogen nicht unbedingt schneller altern lassen (Hört, hört, denke ich. Fatale Erkenntnis auf einem Beautyblog)! Wenn man sich ansonsten schont, clean isst und viel trinkt, haben verschiedene Drogen sogar einen eher „konservierenden“ Effekt. Unglaublich, aber die Junkies aus der Gosse sehen nicht so aus wie sie aussehen, weil die Drogen so schlimm sind, sondern das Leben drumherum. Obdachlosigkeit, Beschaffungskriminalität, Hunger, Vitamin-Unterversorgung, usw. Diese Probleme haben die meisten Models nicht, jedenfalls nicht solange man jung und gefragt ist. Und dass die Drogen an der Persönlichkeit fressen und das Gehirn „aufweichen“ sieht man ja (zum Glück, oder eher zum Pech) nicht! Im Zweifelsfall gibt es dann wieder ein Revival des „Heroin-Chic“, wie ihn Kate Moss ja berüchtigt berühmt gemacht hat.

After Partys und Fitnessstudios sind die Hauptumschlagplätze für die anregenden Substanzen. Aber auch bei den Shows im Umkleidebereich kann man fündig werden. Nächste Woche eine Show und zwei Kilo zu viel? Kein Problem, mit der richtigen Substanz sind vier Kilo weg…in drei Tagen! Und auch als „Lockmittel“ sind die Drogen gern genommen. Junge, aufstrebende Talente werden gerne damit kostenlos versorgt (und „verfügbar“ gemacht), egal ob Mädels oder Jungs. Viele von den Male Models wissen später selbst nicht mehr mit was oder wem sie als letztes im Bett waren, und die jungen, weiblichen  „Modeltalente“ aus den osteuropäischen Gebieten scheinen die Leidensfähigkeit schon in der Schule eingebläut zu bekommen.

Aber es gibt auch die andere Seite: Junge Mädels und (wenige) Jungs, die darauf aus sind eine Karriere hinzulegen, die sich bewusst gegen die Übermacht und Verführungskraft der „Bösen“ entscheiden. (Tatsächlich? Denke ich. Ob das wohl funktioniert?) Gäbe es aber ein Ranking für die „feierwütigsten“ Models weltweit, so wären es die Australier, die Platz eins belegen würden. Dicht gefolgt von den englischen Kleiderständern. Och Leute, ist es DAS wert?

 

 

(Foto: Konsumkaiser   Keinerlei Sponsoring)

 

 

 

 

11 Kommentare

  1. Dass das so ist weiß ja irgendwie jeder, aber es noch einmal schwarz auf weiß zu lesen und sich dabei der harten Realität bewusst zu sein, ist doch echt sch….
    Das Schlimme ist doch, dass diese jungen Menschen bereit sind das alles auf sich zu nehmen und dabei gleichzeitig noch als Vorbilder für junge unbedarfte Menschen gelten.
    Nääääää, die Welt ist schlecht……..
    Viele Grüße!

  2. Ich weiß gar nicht, was ich dazu als erstes sagen soll. Erstmal finde ich spannend, dass so eine Gesellschaft überhaupt existiert, die mich als Kleinstadtkind durchaus auch irgendwo fasziniert. Andererseits finde ich es traurig, dass der Erfolgsdruck, Figurdruck und letztlich auch Erwartungsdruck dieser Parallelgesellschaft an ihre Mitglieder (junge) Menschen in eine Sucht treibt. Sicher mag das Leben toll und schön sein, wenn man es sich mit Drogen versüßt. Ich gebe zu, ausprobieren würde ich das ein oder andere vielleicht auch. Aber wir wissen alle, dass Erfolg in dieser Branche meist nicht von langer Dauer ist. Und dann wartet der große Absturz, wenn es keine Partys mehr gibt, keine Gratisversorgung und vor allem auch keine Bewunderer. Die, die schon an diesem Punkt angekommen sind, bemitleide ich durchaus.

  3. Geiler Artikel! Ich kann der Pepsi nur recht geben. Mein Bekannter ist Booker in Berlin und der hatte auch seine ersten Drogieerfahrungen im Gashiocircus. Verführerisch, aber dumm.

  4. Gut geschrieben. Trifft genau zu. Besonders gut fand ich den „Jacobs“ weg und „stecknadelkopfgroße“ Pupillen. Hahaha, gut beobachtet. Und bei Frau Campbell hab ich auf dem Boden gelegen, super! 🙂

  5. Mal wieder ein gnadenlos guter Beitrag von dir. Allerdings hätte ich mir nach meiner krankheitsbedingten Internet Auszeit auch gerne ein seichteres Thema gewünscht 😉 Wie dem auch sei, wie soll dieses „perfekte“ Leben denn bitte anders dauerhaft funktionieren? Du stehst immer mit einem Bein auf dem Abstellgleis, weil du vielleicht gerade nicht dem aktuellen Trend entsprichst, weil du gerade zu dick, zu dünn, zu groß zu klein bist. Dein ganzes Leben dreht sich nur darum, für andere irgendwie richtig zu sein. Das finde ich in meinem „Normalo“ Leben schon ausreichend anstrengend. Wie soll es da Menschen gehen, die damit reich und berühmt werden oder bleiben wollen? Ich mache mir darüber keine Illusionen, weil es doch im Kleinen schon anfängt…..du sollst immer gut gelaunt sein, deinen persönlichen Scheiß will keiner sehen oder hören, bloß nicht zu viel Realität. Gott bewahre, davon haben wir alle schon mehr als genug….Wichtig ist das man sich das als Beobachter klar macht. Danke für den differenzierten Blick in eine Welt, die wie ein Lebkuchenhaus wirkt. Außen verlockend und alles Lecker, drinnen zahlst du mit unter einen hohen Preis. Im Bezug auf den Konservierungsaspekt…..Ich schmiere mir lieber weiterhin Creme ins Gesicht als Drogen unter die Nase 😉

    1. Liebe Christina! Schön wieder von dir zu hören. Ich hoffe, es geht dir gesundheitlich wieder besser, da möchte ich dir auch gleich viel Gesundheit für das neue Jahr wünschen. Auch wenn es schon ein paar Wochen alt ist.
      Und Creme ist mir auch deutlich lieber als Drogen. 😉
      Viele Grüße, KK

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