KK INTERN: DIE VERGESSENEN UND DIE HIPPEN LUSTBRINGER

Sorry! Ich entschuldige mich schon im Vorfeld. Ich werde in diesem Artikel sicher einigen Leuten auf den Schlips treten, unbequeme Dinge sagen und über ein Thema schreiben, das mir garantiert keine 4000 Leser einbringen wird. Trotzdem ist es mir wichtig darüber zu schreiben, jetzt in diesem Moment, in welchem ich noch unter dem Eindruck der heutigen Geschehnisse stehe…

KK Refugees1

Warum es hier eigentlich nicht um Flüchtlinge geht

Einige von euch wissen sicherlich (aus meinen Weihnachtspostings), dass ich mich seit längerer Zeit regelmäßig für soziale Einrichtungen engagiere. Ich tue das aus eigenem Antrieb, einfach weil ich es kann und es hilft. Nun denken einige gleich, super, der KK ist wohl zum Spalierapplaus zum nächsten Bahnhof gerannt und hat Flüchtlinge hochleben lassen?

Nun, und da sind wir auch gleich mitten im Thema. So schlimm die Lage der Flüchtlinge, die nach Europa kommen auch ist, sie sind im Moment nicht mein Thema. Keine Frage, die Menschen verdienen es, dass ihnen vorbehaltlos geholfen wird, aber zuerst muss einmal der lahme EU Haufen ein paar Dinge klarstellen, und zwar schnell und unbürokratisch (da lachen schon alle Hühner in der Umgebung).

Natürlich sollten Menschen hier, die für eine „Willkommenskultur“ demonstrieren oder mit „Refugees Welcome“-Plakaten spazieren gehen, diesen Worten auch Taten folgen lassen. Spenden, Gespräche mit Flüchtlingen suchen, ihnen bei Behördengängen oder ähnlichem helfen. Viele Menschen machen das. Sehr viele.

Ich war erschrocken

Gestern habe ich mal wieder bei der örtlichen und größten „Tafel“ in meiner Stadt reingeschaut und einen Schreck bekommen. Es war voll, es gab weniger freiwillige Helfer und Spendengelder sind erdrutschartig weggebrochen. Alle Welt kümmert sich (natürlich, ich will das gar nicht bewerten) um die Flüchtlingshilfe. Nur – die Ärmsten der Armen hier um uns herum bleiben gerade mit voller Wucht auf der Strecke! Sie werden schlicht vergessen.

Nun kommt wieder das Totschlagargument „Hier in Deutschland muss niemand Not leiden und Obdachlos sein!“. Doch! So unglaublich es auch scheint, es gibt Menschen, die sich gegen Hartz4 und Co. entscheiden. Es gibt Menschen, die lieber auf der Straße leben als in einem Wohnheim für Obdachlose. All diese menschlichen Schicksale, so unverständlich sie uns auch erscheinen mögen, haben ebenfalls vorbehaltlose Hilfe verdient. Doch diese bröckelt in diesen Tagen unglaublich heftig!

Ich bin gestern den ganzen Tag in der Einrichtung geblieben, habe Termine abgesagt und dort vor Ort die Zustände und Geschehnisse mit eigenen Augen erlebt. Ich habe mit angepackt, Essen besorgt und gekocht und zugehört. Die personelle Situation ist derzeit so dünn, dass nicht einmal mehr eine Person mit genügend Kochkenntnissen ständig vor Ort ist. Lebensmittel, oftmals aus Spenden von Supermärkten und Privatpersonen, sind eingebrochen. Es werden Flüchtlingsheime beliefert (muss sein, KEINE Frage).

Der nächste Winter kommt bestimmt und einige Heime (Schlaf- und Wärmestuben) sind ebenfalls nicht in der Lage ihre Angebote weiterhin anzubieten. Was das bedeutet möchte ich mir nicht ausmalen.

Es ist einfach so, dass Europa gerade „völlig unvorbereitet“ mit den Flüchtlingen konfrontiert scheint (lachhaft!) und wir alle total kopflos hin und her schaukeln, wie eine alte Fregatte in stürmischer See. Wir brauchen dringend Pläne, Umverteilungen die Sinn machen, Helfer an allen Stellen, nicht nur da wo die Presse gerade steht und filmt!

Die klatschenden Flüchtlings-Schautouristen tun momentan leider nichts anderes als ihr Lustzentrum zu stimulieren (nein, das ist natürlich NICHT sexuell gemeint – da wird Freud immer zu gerne falsch verstanden). Es tut gut Gutes zu tun, meint man. Ein Klick auf den Facebook Teilen-Button und eine angenehme Wärme der Anteilnahme durchströmt uns. Wir bekommen dadurch sogar internationale Anerkennung, man ist geradezu gerührt, dass Deutschland auch nett sein kann.

Aber ist es nicht einfach auch gerade nur „modern“? Sicherlich muss man sich der braunen Wand entgegenstellen, aber ich stelle nochmals die Frage von oben: Wie viele der klatschenden Feel-Good Fraktion lassen wirkliche Taten folgen?

Wir sind uns hier wohl alle im Klaren darüber, dass sich Deutschland verändern wird. Das können wir nicht rückgängig machen. Deshalb werden wir uns notgedrungen auch ALLE Gedanken machen müssen, wie wir unser Teilchen dazu tun werden, wie wir helfen können – und dabei das ganze Bild im Auge behalten, nicht nur die plakativen Schicksale. Wichtig finde ich persönlich, dass es zu keinen „Konkurrenzsituationen“ kommt, alle haben Hilfe verdient – und wir hier können es uns leisten, glaubt mir! Aber Elend gibt es bereits gleich nebenan, macht mal die Augen auf!

(Foto: Konsumkaiser, x-pressed   Bitte! Dieses Problem kann hier nur stark verkürzt und vereinfacht vorgestellt werden. Trotzdem sollten meine Darstellungen für einen kleinen Denkanstoß sorgen. Die Tafeln der Städte, die AWO, und meinetwegen auch kirchliche Einrichtungen (da habe ich Vorbehalte) würden sich über tatkräftige Unterstützung freuen, genau wie über Sach- und Geldspenden. Es muss wirklich kein Vermögen sein. Leider fließen viele Gelder immer wieder in die falschen Kanäle, weil Menschen sich einfach nicht schlau machen, sich nicht erkundigen! Spenden tut gut, so einfach ist das leider nicht!)

20 Kommentare

  1. Wow, ein schweres Thema. Egal wie es ankommt, ich find es toll, dass du so etwas auf einem Beauty Bolg aufgreifst. Damit erreichst du Leute, die sich sonst mit diesen Problemen nicht auseinandersetzen. Dein Fazit zum Ende finde ich druckreif! Deutschland wird sich verändern!!

  2. In jeder Hinsicht wahr, man kann es nicht besser schreiben. Mein Respekt vor diesem offenen Beitrag. Dazu fehlt (leider) vielen der Mut. Habe ich ausgesprochen gern auf Fb geteilt.

  3. Danke!!! Genau das sehe und erlebe ich selbst in meiner kleinen behüteten „Bullerbü Welt“. Kinder und Familien denen es nicht gut geht und wo die sonst helfenden Anlaufstellen momentan nicht helfen können!

  4. Lieber Kaiser,

    danke für diesen Artikel! Ich konnte mein komisches Gefühl im Bauch beim Anblick dieser Fernsehbilder nicht in Worte fassen. Menschen in extremer Notlage brauchen unbedingt Hilfe, aber keinen Empfang wie Popstars, das hilft niemandem!

    Ich habe mich in den letzten Wochen auch nach Möglichkeiten hier in AC umgesehen, wo wirklich Hilfe gebraucht wird, aber man liest mittlerweile auf den Websites der Flüchtlings-Hilfsprojekte, dass die Wartelisten für Helfer immer länger werden… finde ich erstmal super, aber da muss ich mich dann nicht einreihen. Der Helferbedarf der Tafel liegt leider außerhalb meiner frei verfügbaren Zeit, sonst wäre ich sehr gerne dabei. Am Ende entscheide ich mich wohl für die Geldspende, wenn es das Beste ist, was ich gerade geben kann.

    LG aus dem tiefen Westen
    Lara

  5. Genau diese Gedanken habe ich seit geraumer Zeit auch. Danke, dass es endlich einmal ausgesprochen wurde. Wenn sich jetzt die Medien noch besinnen und zwischendurch eine andere „Sau“ (sorry) durch´s Dorf treiben, der die Massen dann hoffentlich ebenso folgen, wäre all den vielen anderen Menschen die im Milch- und Honigland Deutschland dringend Hilfe brauchen auch geholfen.

    LG
    MayFlowers

  6. Danke fuer die vielschichtige Betrachtung.
    Wenn man nicht erstmal versucht, in seinem kleinen Kosmos etwas selbst zu bewirken, zu helfen, wie soll das dann in den groesseren globalen Zusammenhaengen langfristig klappen

  7. Und die größten Probleme in Bezug auf die Flüchtlinge kommen meiner Ansicht nach noch.
    Die Flüchtlinge sind zumeist schwer traumatisiert.
    Die brauchen schnelle Hilfe. Ärzte und Psychologen sind verstärkt gefragt.
    Das wird noch problematisch.

  8. Eine Freunding von mir, die professionel hauptberuflich (schon seit Jahren) mit Flüchtlingen arbeitet, hat das, was im Moment gerade passiert (die Leute klatschen, fahren zuhauf an die Grenzen, schleppen tonnenweise Kuscheltiere an etc etc etc) als Massenhystherie bezeichnet. Und so ein bisschen hat die gegenwärtige Stimmung in der Tat etwas von Massenhystherie, und sowas ist immer bedenklich, weil es auch ganz schnell umkippen kann. Und was den Rest betrifft kann ich Dir auch nur zustimmen. Ich sage nur Altersarmut. Seh ich immer häufiger auch im näheren Umfeld.

  9. Genau das, was Du geschrieben hast, habe ich schon seit vielen Tagen gedacht. Ich wohne im Rhein-Main Gebiet in einem kleinen Städtchen, aber habe jahrelang in einer Großstadt, nur ein paar km entfernt gearbeitet, mit vielen sozialen Brennpunkten…. Weiter möchte ich nichts schreiben, ich rege mich sonst zu sehr auf. Meinen größten Respekt wie Du trotzdem an der richtigen Stelle hilfst!

  10. Für den super formulierten Artikel muss ich Dir erst einmal ein Lob aussprechen!!

    Seit Monaten wird überall zu Spenden in jeglicher Form für die Flüchtlinge aufgerufen, wie es aber den Armen im eigenen Land geht, scheint weniger interessant zu sein. Hauptsache die Deutschen werden weltweit für ihre Hilfsbereitschaft in den Medien gelobt. Mir tun all die Rentner, Alleinerziehenden, Obdachlosen usw. leid, die nicht wissen wie sie über die Runden kommen und bei der Tafel anstehen müssen, um mal wieder eine warme Mahlzeit oder Grundnahrungsmittel zu bekommen. Das Problem ist nur, dass die Flüchtlinge dank der täglichen Berichterstattung so im Vordergrund stehen, dass sich wohl in absehbarer Zeit an Situation bei der Tafel usw. nichts ändern wird.

  11. Hut ab lieber KK. Ganz, ganz wunderbar formuliert!

    Als Wienerin helfe ich in welcher Form auch immer, den fast 500.000 in akuter Armut lebender Menschen hier in Österreich. Mehr möchte ich nicht dazu sagen denn sonst bekomme ich wieder Herzrhythmusstörungen.

    Lieben Gruß aus Wien
    Regina

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