LIFESTYLE: ESC 2015 * EINE RASCHE NACHLESE

Der ESC 2015 ist Geschichte, ein neuer (Sanges-) König herrscht nun über Europa (und Australien) und hört auf den Namen Måns Zelmerlöw. Ein spannender Wettbewerb, der beinahe in die Hose hätte gehen können, und aus der Sicht einiger Teilnehmer sicherlich auch gegangen ist. Aber wen störts, wenn die Party geil war…? Meine subjektive und offene Nachlese eines Gesangswettbewerbs, der auch eine politische Dimension hatte.

 

(Na, hab ichs nicht gewusst? Die ESC Saison geht in die heiße Phase)

Danke Österreich! Es war schön mit dir! So schön unperfekt, niemand liebt die totale Perfektion, kleine Fehler und Schwächen machen liebenswert, und die klitzekleinen Anschlussfehler und Verbindungsschwierigkeiten zum Schluss haben mich eher zum Schmunzeln gebracht. Ganz als perfekter Gastgeber, teilt sich Österreich den letzten Platz mit Deutschland, damit wir nicht so alleine mit unseren 0 (NULL) Punkten dastehen. Nochmals Danke, und Kopf hoch – for both of us!

Dabei lag es nicht an den Songs: Deutschland solide und Österreich mit einem eingängigen Song der Marke „schon mal irgendwie im Radio gehört, aber trotzdem geil“. Da kann man keine Vorwürfe machen, so ist das nun mal. Es ist ja nur ein Gesangswettbewerb, nicht die Fußball WM. Hier will ich kein Blut, Schweiß, Tränen hinterher sehen, hier sollte immer noch der gemeinschaftliche Gedanke zählen! „Building bridges“ war das diesjährige Motto, und Brücken braucht es in Europa allemal, bis auch der Hinterletzte gemerkt hat, dass man GEMEINSAM weiter kommt als allein.

Und da frag ich mich auch sogleich, warum diesem Wettbewerb dann aber doch stets und ständig die politische Dimension abgesprochen wird. Unter den vorgenannten Umständen, kommt man gar nicht umhin auch politisch zu denken, wenn man sich mit dem Eurovision Song Contest beschäftigt. Europa ist wie Flöhe hüten, da kann ein bisschen gegenseitige Beschnuppern sicher nicht schaden!

Mans Zelmerlöw /Aftonbladet

Mans Zelmerlöw /Aftonbladet

Da ein riesiger Teil der Komponisten, die für den ESC die Liedchen schreiben, aus Schweden kommt (die habens drauf!), war es eigentlich nur gerecht, dass Schweden den Sieg einfährt. Und wenn man seinen persönlichen Musikgeschmack mal kurz beiseite nimmt, so kann man doch trotzdem mit dem Ergebnis zufrieden sein. Zumindest Augen- und Ohrenkrebs wird man von Måns und seinem „Heroes“ nicht bekommen.

„Jetzt meckert aber nicht über die Russin. Die arme Polina kann ja nichts dazu.“ hört man nun andauernd, und ich wundere mich, warum die Veranstalter sich gezwungen sahen, die politische Dimension innerhalb der Wiener Stadthalle so dermaßen auszusperren. Ein paar Buh Rufe hätten den Abend wohl nicht zerstört, aber trotzdem einige Nasen zum Nachdenken gebracht?

„Ja, aber sie kann doch nichts…blabla.“ Doch, kann sie für meine Begriffe schon. Wäre der Song „demokratisch“ vom russischen Volk nach Wien geschickt worden, würde ich dazu sicherlich nichts, aber auch gar nichts zu unken haben. So aber, handelt es sich um einen Schmachtfetzen, der sozusagen vom „Politbüro persönlich“ nach Österreich geschickt wurde, um dort mit unglaublich aufgesetztem Pathos für Friede, Freude und leckeren Eierkuchen aus Russland zu werben. Unterschwellig? Ach was! Holzhammer!

Die aufgesetzte Ballade kommt somit von Putin persönlich, und Frau Gagarina (ist das eigentlich die russische Version von Lady Gaga?) ist seine Erfüllungsgehilfin. Putin zusammen in einem Atemhauch mit Frieden, Heilung und Gemeinschaft? Da krieg ich glatt nen Hustenanfall und brauche stärkstes Cortisonspray! Ein Diktator, der Menschen-, Völker- und Territorialrechte mit Füßen tritt, hat sich für ein politisches Manöver entschieden, das durchschaubarer nicht sein kann, und auch so angefasst werden muss. Ansonsten fragt doch mal die Ukraine, was sie so von den fluffigen Liebesgrüßen aus Moskau hält, und warum sie dem ESC in diesem Jahr fern bleiben musste!

Krim-Annexion, Ukraine Konflikt, Hetze gegen Andersartigkeit…nein, diese Hausnummer ist eine zu hoch. Da darf man nicht mehr schweigen. Und wenn die ESC Verantwortlichen eine Software installiert haben sollten (so wird gemunkelt), die eventuelle Buhrufe herausfiltern konnte, dann hat das eine neue Dimension von Beschneidung der Meinungsfreiheit. Aber kommt mir hinterher bloß nicht mit „keiner will was gewusst haben…“

Ansonsten war der ESC der ESC. Wild, schrill, bedächtig, bunt, gut gelaunt, manchmal richtig anspruchsvoll und die dreieinhalb Stunden verflogen im nu. Man muss die Musik nicht mögen, um eine nette Party zu feiern, aber ein bisschen mehr unbeschwertes Feiern tut uns allen mal ganz gut. Also: Danke Österreich, Danke Australien, auf nach Schweden 2016!

Meine TOP 5:

1. Schweden

2. Italien

3. Israel/Australien

4. Österreich/Estland/Norwegen

5. Russland/Zypern

 

 

-Wer einen Live-Erfahrungsbericht sehen und lesen möchte, der sollte dringend mal bei UEFUFFZICH vorbei schauen. Bärbel war hautnah dabei und hat per Instagram (uefuffzich) tolle Livefotos und Videos gemacht. Ich bin schon auf ihren Blogpost gespannt!

 

 

 

(Foto: Konsumkaiser, Aftonbladet  Der Beitrag ist nicht gesponsert.)

4 Kommentare

  1. Ich fand Schweden jetzt nicht sooo toll. Dafür Belgien und eigentlich auch Australien. Und der israelische Song ging gut los, bekam dann aber ein bisschen viel Balkanpop ab 🙂 (fand ich aber gar nicht so schlecht….). War jedenfalls wieder ziemlich lustig – unter Peter Urban ist einfach großartig!

  2. Der Siegertitel erinnert doch sehr an „Lovers on the Sun“ von David Guetta.
    Hauptsache, es hört sich alles gleich langweilig an und man kann die Songs nicht mehr unterscheiden.

    Anna Sophie hat auf keinen Fall 0 Punkte verdient, wenn man bedenkt, daß die herum hampelnde schief siegende LNMR den Grand Prix gewann.
    Wenn es eine politische Dimension beim Grand Prix gibt, dann ist dies auch als Klatsche für die strenge Austeritätspolitik Deutschlands anzusehen.
    D sollte in Zukunft den Grand Prix (ich mag den alten französischen Titel lieber) nur noch übertragen, aber keine Rundfunkgebühren mehr für eine Teilnahme verschwenden.

  3. Lieber ESC-Kaiser,

    ich danke Dir sehr für Deine Erwähnung und den Hinweis auf meine Insta-Berichterstattung. Die Organisatoren haben auf jeden Fall volle DUSE POANG dafür verdient, dass das WiFi Netz alles gab! Im Vorjahr war nämlich schon nach 8 min Ende im Gelände und ich hätte nicht gedacht, dass die Wiener Stadthalle es schafft, uns alle bis zum Schluss über das www zu verbinden.

    Einen ESC- Post mit meiner Meinung zum unerheblichen Weltgeschehen wird es allerdings nicht geben, nur einen zu meinem ESC-Fummel. Ich finde diese Veranstaltung extrem kultig, das Ergebnis allerdings immer zweitrangig. Vielleicht bis auf Conchitas Vorjahressieg, der hat mich schon extrem gefreut. Und die Tatsache, dass der Veranstalter Österreich und der Hauptgeldgeber Deutschland mit einer Nullnummer abfuhren ist für mich irgendwie daneben.

    Das allerbeste war sowieso das Feeling in der Stadt (trotz Regen, war es ja sehr „warm“) – die vollen Clubs und Bars, Party an jeder Ecke und immer bis zum Frühstück, das gibt es ja bis 13:00 Uhr oder noch länger…das nächste Mal dann eben in Stockholm…

    Liebe Grüße aus Berlin!

    Bärbel ☼

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